„Clair de lune“: Ist das Kitsch oder Mondlicht zum Hören?
Shownotes
Wenn Filmemacher Gefühle erzeugen wollen, drücken sie gerne auf den Debussy-Knopf – und dann erklingt „Clair de lune“. Es gilt als das sentimentale Stück schlechthin. „Das heißt nicht, dass die Musik kitschig ist!“, sagt Klassikkritiker Wilhelm Sinkovicz, der mit Katrin Nussmayr in dieser Folge von „Klassik für Taktlose“ klärt, was hinter den zart dahingetupften Klaviertönen steckt.
Debussy selbst nannte sein Stück ursprünglich „Promenade sentimentale“, bevor er es zu „Clair de Lune“ umtaufte, inspiriert von einem Gedicht von Paul Verlaine. „Diese Musik hat nahezu keinen Puls“, sagt Sinkovicz und meint damit keineswegs, dass sie leblos sei: Die Töne schweben über den Taktgrenzen, sie verschwimmen und verklingen. „Clair de lune“ klingt, wie ein Monet-Gemälde aussieht, auch wenn sich Debussy gegen die Zuschreibung „Impressionismus“ heftig gewehrt hat. Schließlich waren die impressionistischen Maler schon eine Generation vor ihm aktiv, und wer will schon late to the party sein… Das Taktlos-Duo erzählt, was man über das Stück wissen muss, was italienische Masken damit zu tun haben – und sie sprechen über den vielleicht schönsten Kino-Einsatz von „Clair de lune“ in den letzten Jahren (und die Würstel-Hände, die darin eine maßgebliche Rolle spielen).
Das Original spielt Oleg Maisenberg (KHG Edition), das Arrangement stammt von Leopold Stokowski, der es auch selbst dirigiert (EMI).
Über den Podcast
In „Klassik für Taktlose“ ergründen "Die Presse"-Feuilleton-Redakteurin Katrin Nussmayr und Klassikkritiker Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik: Braucht jedes Orchester einen Dirigenten? Warum verstört Richard Wagner so? Was war an Mozart eigentlich so toll? Wie viel Klassik steckt in „Bohemian Rhapsody“ oder Taylor Swift? Für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.
Produktion: Wilhelm Sinkovicz / www.sinkothek.at
Audio-Finish: Georg Gfrerer / www.audio-funnel.com.
Transkript anzeigen
00:00:00: Klassik für Taktlose.
00:00:10: Mit Kathrin Nussmaier und Wilhelm Sinkowitsch.
00:00:20: Fast jeder kennt Claire de Lune, auch Leute die mit dem Namen Debussy nichts anfangen können.
00:00:26: vor allem durch den Einsatz in Filmen würde ich sagen ist dieses Klavierstück quasi die sentimentale Musik schlecht hingeworden.
00:00:35: diese zarten Töne bauen eine direkte Brücke in unser Emotionszentrum Nach dem Motto jetzt bitte etwas fühlen.
00:00:44: Aber ich frag mich, was genau sollen wir denn da füllen?
00:00:48: Lieber Willi!
00:00:49: Na ja, mal rein...
00:02:50: Fühlst du den
00:02:50: Daumen?!
00:02:51: Jetzt wollte ich dich gerade fragen, was willst du da... Ich meine, klar die Lühne hat einen Titel das heißt der Mond scheint also das Mondlicht.
00:03:02: Das ist wahrscheinlich das, was die meisten damit assoziieren.
00:03:06: jedenfalls ist es verträumt.
00:03:10: Ein besinnliches Stück, ein bisschen melancholisches Stück und du hast schon gesagt es weckt sentimentale Gefühle.
00:03:21: Jetzt ist man natürlich dann immer so bemüht, naja diese Art von Musik muss ja nicht unbedingt sentimental sein.
00:03:27: Der Treppenwitz der Geschichte ist dass die ursprüngliche Fassung dieser Musik promenert.
00:03:35: sentimental heißt also ein sentimentaler Spaziergang.
00:03:41: Das heißt, du hast vollkommen recht!
00:03:42: Es ist sentimental aber das heißt ja nicht kitschig.
00:03:47: es kann dieses stück für kitschige Zwecke verwendet werden.
00:03:51: das ist dann wenn man jetzt ein mondlichtbeschienenes liebespaar hier nimmt im film und es wird diese musik gespielt dann wird das ganze zum kitsch.
00:04:02: das heißt denn nicht dass die musik deswegen kitschiges sie ist sentimental sie weckt sinnliche Assoziationen.
00:04:11: Sagen wir mal so, auch das steckt ja in dem Wort
00:04:14: drinnen.".
00:04:15: Und sie ist in sehr zarten Pinselstrichen gemalt würde ich sagen?
00:04:20: Typisch für diese Zeit und diesen Komponisten.
00:04:26: denn wenn man etwas über Klot Debussy weiß dann dass er zu den französischen Impressionisten gezählt wird gar nicht wesensverwandten Maurice Ravel genannt wird.
00:04:41: Also wenn es heißt impressionistische Musik, dann heisst es Debussy und Ravel.
00:04:46: Es gibt noch einige andere die kennt man aber nicht.
00:04:48: das sind die zwei französischen Impressionisten wozu eine schon zu sagen ist Das kommt nicht von ungefähr.
00:04:56: Aber Die malerischen Impressionisten wie wir sie kennen Saison Monet Monet Sind alle viel früher Sind eine Generation älter.
00:05:07: Das heißt, der malerische Impressionismus den wir immer vor Augen haben eigentlich wenn wir diese Art von Musik hören ist älter.
00:05:17: Also sozusagen wäre das Vorbild oder wird von uns ähnlich aufgenommen wie wir diese Bilder aufnehmen.
00:05:25: die verschwimmenden Konturen dieser Bilder aufnehmen.
00:05:29: Die ja auch nicht immer verschwimmen, das stimmt ja auch nichts.
00:05:32: Also da sind ja alles irgendwie so Toppoed die es halt gibt und die ungefähr das Bezeichnen was wir da sehen und was wird da hören?
00:05:40: Was stimmt ist dass in dieser Musik etwas stattfindet was es davor so nicht wirklich gegeben hat außer wie immer bei Richard Wagner, Longren Vorspiel zum Beispiel schon wirklich Jahrzehnte früher... entwickelt sich jetzt nicht unbedingt energetisch von einer Richtung in die andere, also nach vorwärts.
00:06:03: Nicht unbedingt hat er das Gefühl man liegt da vielleicht im Gras schaut ins Mondlicht wenn man schon so das bebildern will und es ziehen die Wolken über einen drüber.
00:06:14: aber eigentlich ist es statisch!
00:06:16: Es schwebt
00:06:17: Es schwebt und ich habe mir auch gedacht, vielleicht liegt es daran dass man die Töne auch nicht so klar im Takt verorten kann.
00:06:24: Also es hat eben wie du sagst dieses vorwärtsgetriebene fehlt.
00:06:26: aber es fehlt überhaupt diese klare Zeit.
00:06:31: Es hat kein fassbares Tempo finde ich dieses Stück weil sich die Tone so über die Takte drüber ziehen und verklingen.
00:06:39: Es kommt ein neuer Ton.
00:06:40: nicht immer dann wenn man glaubt so jetzt Zack, gehört dein neuer Ton her.
00:06:45: Also es ist auch ein bisschen so ein grenzenlos verschwimmendes Bild.
00:06:49: also man hat ja da förmlich ein Bild vor Augen und dieses Bild schaut dann vielleicht so aus wie ein Monet?
00:06:55: Eben!
00:06:55: Es ist impressionistisch.
00:06:57: daher kommt in diesem Fall wahrscheinlich die Zuschreibung Impressionismus.
00:07:03: Man könnte nicht besser beschreiben als du es jetzt beschrieben hast.
00:07:06: diese Musik hat nahezu keinen Puls keinen Beat, könnte man sagen.
00:07:11: Also da kann man jetzt nicht... also da würde man sich jetzt wahnsinnig schwer tun da so einen Beat drunter zu legen vor allem wenn der Pianist das so spielt dass es wirklich ganz frei ist weil dann wird sich das nie ausgehen.
00:07:24: Das ist nicht etwas was man in einem metrischen Raster legen kann und man sagt... geht eben nicht sondern sondern das schwebt eben ganz frei.
00:07:35: Das heißt aber nichts anderes als diese Musik sich auf eine andere Weise entwickelt.
00:07:43: Auf der X-Achse, auf der Zeitachse als wird das bisher gewohnt waren und da muss man schon noch einmal zurückkommen ja eben bei Wagner im Logengrenforspiel ist es ähnlich dass schweben zunächst mal nur die Akkorde in der Luft und das hat auch keinen Beat in dem Sinn.
00:07:59: also natürlich gab es das vorher schon aber nur sehr abgegrenzt und bei Debussy ist das eigentlich schon ein für ihn normales Stilmittel.
00:08:09: Er selber hat sich gegen die Zuschreibung Impressionismus übrigens sehr, sehr gewährt.
00:08:14: Er fand das eigentlich eine sehr oberflächliche Art jemanden zu kategorisieren.
00:08:19: Ja
00:08:19: und es muss ihm ja auch komisch vorgekommen sein wenn er als eine Richtung die in der Generation vor ihm stattgefunden hat bezeichnet wird.
00:08:27: Das ist ja so als würde man... mir sagen, ich bin... Was sind denn so die Jugendkulturen der Sechziger?
00:08:33: Also so ungefähr.
00:08:34: Dann würde ich auch sagen, hey, da habe ich noch gar nicht gebt!
00:08:37: Ja ja nur lange nicht und das ist ebenso natürlich die Künstler dieser Zeit.
00:08:43: Das ist die Zeit um nineteenhundert.
00:08:46: Die fanden alle diese Kategorisierungen öd und wollten damit nichts zu tun haben.
00:08:52: Debussy war ein auch ein leidenschaftlicher Musikschriftsteller, wie vor allem zum Beispiel Robert Schumann.
00:08:59: Er hat also nicht nur Musik komponiert sondern hat sich auch als Kritiker betätigt und er ist Musikfötternist.
00:09:05: Da gibt es einmal so eine interessante Anmerkung genau zu diesem Thema.
00:09:11: Man hat versucht in der Poesie, in der Malerei und selten aber doch in der Musik den Staub der alten Traditionen abzuschütteln.
00:09:19: Aber das Ergebnis war dass man die Künstler Symbolisten oder Impressionisten bezeichnet hat.
00:09:27: Bequeme Begriffe, um seine Mitmenschen verächtlich zu machen!
00:09:32: Das war das ein Schimpfwort?
00:09:33: Du Impressionist
00:09:34: du?!
00:09:34: Für ihn war es eine Art Schimpftwort weil er einfach nicht begreifen hatte worum es hier geht.
00:09:39: und wenn wir jetzt ein bisschen weiter vordringen in die Klangwelt von Clare de Lune dann werden wir finden Es gibt einen Moment wo diese Musik dann doch einen Puls entwickelt und sich steigert.
00:09:55: Und eine gewisse Lebendigkeit entwickelt.
00:11:33: Kommt plötzlich der Anfang wieder, also das ist schon Musik die steigerte Sicht.
00:11:37: Das ist schon eine große Steigerung, so eine große emotionale Steigerungen auch obwohl es alles leise gehalten ist.
00:11:44: Also es ist wie unter der Tuchhände sozusagen, unter der Decke gehalten und plötzlich da wo der Höhepunkt eigentlich eintreten müsste kommt der Anfang wieder zurück und verwandelt.
00:11:56: Es ist dasselbe, aber doch anders!
00:12:00: Und da kriegt man dann langsam das Gefühl für das was Debussy hier eigentlich als sozusagen Mondschein bezeichnet, dass der Mond beleuchtet ja die Natur in einem ganz eigenen Licht, in einem nächtlichen Licht.
00:12:18: Das hat alles dann schon ein bisschen etwas Traumverlorenes.
00:12:21: Wenn die Musik da wieder kommt, wenn der Anfang da wiederkommt dann kriegen wir eigentlich mit dass das auch am Anfang schon so war als ob das nie angefangen hätte.
00:12:31: Als ob das immer da wäre.
00:12:32: Das schwebt irgendwie... Da schwäbt etwas und wenn man es so wahrnimmt merkt man dass das was wir gerade als große Steigerung gefunden haben also ein großes Aufatmen als Gefühlsaufwahlung vielleicht dadurch das ist so zurückgenommen Eigentlich auch nur vielleicht eine Erinnerung gewesen ist an etwas.
00:12:53: Und wenn man dann sagt, es ist also sentimental... ...dann ist es insofern sentimentale als es vielleicht überhaupt nur ein aus Erinnerungen gespeistes Gefühl ist.
00:13:05: Es sind nur die Erinnerungsanz-Mondlicht?
00:13:07: Vielleicht die Erinnerungsanz Mondlicht oder vielleicht eine vom Mondlicht beschiedene Erinnering, die in der prallen Sonne wahrscheinlich gar nicht mehr zu sehen wäre, weil sie schon entschwebt wäre.
00:13:20: Weil das zugerell
00:13:22: wäre.".
00:13:22: Da muss ich jetzt unweigerlich an das Musical Cats denken und das Lied Memory daraus was auch so eine Mondlichterinnerung beschreibt.
00:14:02: Zurück zum Impressionismus war es denn eigentlich typisch in der Musikgeschichte dass die Komponisten in diesen Epochen den Künstlern oder vielleicht auch anderen kulturschaffenden eine Generation hinten nach waren?
00:14:19: Ja, es ist oft so.
00:14:20: In der Malerei sind die Dinge sehr oft früher da als sich dann klingend manifestieren.
00:14:29: Das ist sehr spannend!
00:14:31: Das ist ein Phänomen.
00:14:32: auch die Avantgarde, auch die moderne, auch das zerklüftete Gang ins Abstrakte... ...ist eigentlich in der Malerei zumindest ein bisschen früher da also dann in der Musik versucht worden ist.
00:14:47: Und beim Impressionismus ist das ganz, ganz stark so.
00:14:51: Weil die Assoziation zu bildern eines Monet zum Beispiel.
00:14:56: Die ist wirklich nicht weit hergeholt weil wir dieses schwebende verfließende auch wie die Harmonie eine in die andere wechselt.
00:15:03: Das ist wirklich so als ob man mit dem Pinsel so ein bisschen die Übergänge mit ein bissel Wasser verschwimmen lässt.
00:15:10: Das is schon etwas was in der Malerei viel früher da ist.
00:15:13: stimmt also die Mahler die einen Frühjahr was möglich Obwohl, wenn man die Assoziation zu Wagner hat zurück, dann wäre der erste Impressionist.
00:15:22: Aber natürlich nur in Phasen!
00:15:24: Auch Debussy ist es ja nur in phasen und einzelnen Stücken.
00:15:28: Ich meine, das ist Clare de Lune – ein Satz aus einer Klaviersuite heißt Suite Bergamask.
00:15:35: Die besteht von neu gedachtem Barockentanzformen.
00:15:41: Das ist eigentlich eine barocke Klavier-Suite mit neuen Mitteln gedacht Und in der Mitte steht das Sympathias, ein Menuet drinnen.
00:15:50: Paspier drinnen, das sind also französische Brauchszene Verbeugung von Debussy vor den sogenannten Klafsauernisten der era Ludwigs des Vierzehnten und Ludwiks des Fünffzehnten.
00:16:02: Also da sind die Cembalovirturosen gewesen, die tausende Cembalos Wittengeschrimmern wo so viele Tänze drin waren und auch Charakterstücke.
00:16:10: Also nicht gerade Klär de Lune aber auch Naturstimme nachgeahmt
00:16:15: usw.,
00:16:16: das gab es auch alles.
00:16:17: Das nimmt er da wieder auf, diese Tradition nimmt er wieder auf und arbeitet halt mit seinen Mitteln.
00:16:23: Und die anderen Stücke dieser Suite sind schon stärker konturiert haben mehr Beat um das wieder aufzunehmend dieses Bild als dieses verschwebende Adagio dass da in mitten steht.
00:16:34: Adagios ist aber ein langsamer Satz im Prinzip, nicht?
00:16:37: Das plötzlich löst sich das auf in eine impressionistische Vision.
00:16:43: Die anderen Sachen klingen gar nicht impressionistisch in dem Sinn.
00:16:46: also da hat man vielleicht keine Monetbilder sondern vielleicht eher Watteau.
00:16:49: Also schon ein etliches Frühjahr assoziiert man vielleicht zu dieser Musik.
00:16:54: Wie gesagt es war ursprünglich eine Promenazantimental In der ersten Fassung und in der Druckfassung und das wiederum ist ja der Titel eines Gedichtes, eines französischen Dichters namens Paul Verlaine in dessen Dienstagsclub Debussy verkehrt hat mit allen.
00:17:20: bedeutenden französischen Künstlern der Epoche um nineteenhundert.
00:17:25: Die haben sich dort alle gekannt, also wer immer die jetzt einfällt aus der Zeit war sicher bei Berlin im Salon am Dienstag.
00:17:32: das waren die Dienstags treffen.
00:17:34: Hat der an jedem Wochentag eine eigene Runde?
00:17:37: Nein, das war es nicht.
00:17:40: Das gab's schon ja!
00:17:42: Es gab so verschiedene.
00:17:43: Man hat sich getroffen in den Salon, meine Eminente-Salonkultur und bei Berlin trafen man sich halt am Diensttag Und das war ja der große Symbolist unter den Dichtern der Zeit.
00:17:57: Ich habe mir das angeschaut in der Vorbereitung.
00:17:59: jetzt zu diesem Podcast und es ist ganz interessant, dass ein Gedicht so ein bisschen rätselhaft anspielt auf was wir vorher versucht haben bei Debussy Klingent herauszuarbeiten.
00:18:12: und dazu muss man sagen Sweet Beriggermask.
00:18:15: Da muss
00:18:16: man natürlich fragen, was heißt Bergamo?
00:18:18: Das stammt.
00:18:19: Bergamo ist die Heimat des Harlekin einer der Figuren der Komediandelarte.
00:18:25: Also das heißt es verweist auf die Komediansdelarte des italienischen Barocs, die natürlich ganz Europa bekannt war und... auf Maskenspiele, auf Verkleidungen.
00:18:37: Und das ist ganz interessant und wenn man das Kleide Lügengedicht darauf hinschaut dann ist es jetzt.
00:18:42: in einer sehr freien aber singemessen Übersetzung heißt es im Hain deiner Seele tummeln sich Gespiele die Masken tragen und zu lauten Klängen tanzen sie pflücken ihr Glück dass Dunkelschimmert vom Tau der süßen Lüge.
00:18:59: Ihr Lied schmilzt hin im flimmernden Mondlicht In dessen traurig schönem Licht, dass die Vögel träumend atmen.
00:19:09: Netzen verzückte von Tähnen den
00:19:11: Marmor.".
00:19:14: Das ist natürlich jetzt ein nächtliches Bild das sehr von Traum und Vision schein-und sein!
00:19:23: Und es heißt ausdrücklich im Heim deiner Seele.
00:19:26: also der Dichter redet uns an und sagt was geht denn da drinnen vor?
00:19:31: Und da tummeln sich die Masken.
00:19:34: Das heißt, in
00:19:38: seinen Traum sind Gestalten die Tanzen.
00:19:42: Aber trauen ihnen nicht sie?
00:19:45: So
00:19:45: ist es!
00:19:45: Genau
00:19:46: das ist es.
00:19:47: Und wenn man das kennt und wenn Debussy, der das vorher als sentimentalen Gang sozusagen Spaziergang komponiert hatte dieses Gedicht jetzt wählt um zu charakterisieren was er meint hört man die Musik auch gleich ein bisschen anders dann kriegt Eine gewisse Tiefenwirkung, wo man sich denkt.
00:20:07: Also das ist vielleicht allerhand kitsch ist es sicher nicht.
00:20:11: Zentimeteral ja?
00:20:12: Es geht wirklich ans Gefühl.
00:20:15: Kledelin heißt Mondlicht und es gibt auch die Mond-Scheinzonate von Beethoven.
00:20:20: Es gibt die Mondnacht von Robert Schumann.
00:20:23: haben diese mondsüchtigen Vertonungen irgendetwas gemeinsam?
00:20:29: Ja, sie haben etwas gemeinsam.
00:20:31: Sie haben dieses milchige verzaubernde Licht des Mondes über einer Seelenstimmung und die Mondnacht ist ja ein Eichendorfgedicht das Schumann vertont hat.
00:20:43: da geht es auch um die Seele Und es geht auch ums Schweben.
00:20:47: Auch diese Musik schwebt natürlich und der Mondscheinsonate von Beethoven dem ersten Satz natürlich nur.
00:20:55: Auch das ist ein Satz in einer Suite hier bei Debussy und bei Beethoven's Mohnstein Sonate, die er selber nicht so getauft hat.
00:21:02: Ist der erste Satz auch so schwebende Musik?
00:21:06: Das ist ganz, ganz ähnlich!
00:21:08: Und da hat der Dichter Reldstab eben diese Assoziation gehabt.
00:21:12: Da hat auch ein Gedicht drüber geschrieben was da passiert.
00:21:15: Ganz ähnlich wie das, was bei Verländern symbolistisch verklausuliert, verschlüsselt sozusagen gesagt wird.
00:21:23: Also wir träumen in einer Montenacht.
00:21:25: Insofern haben die Stücke durchaus etwas miteinander zu tun.
00:21:29: zweifellos ja.
00:21:30: Kledelin wird sehr gerne verwendet im Filmen.
00:21:35: Ich sage jetzt mal filmen aller Art.
00:21:37: Es ist eine der häufigsten verwendeten klassischen Melodien.
00:21:40: ich zähl dir jetzt ein paar Titel auf du wirst dich einige kennen Ocean's Eleven sieben Jahre in Tibet ab bitte Twilight.
00:21:47: Es ist auch sehr früh schon verwendet worden in Fellinis Schifter Träume zum Beispiel, aber gerade zuletzt sehr oft so oft dass manche Filmkritiker das Stück schon als billiges Mittel sehen um Emotion in eines Zähne zu bringen weil es schon fast so einen Knopf drückt.
00:22:05: dieses Stück Für mich ein sehr denkwürdiger Einsatz ist im Film Everything Everywhere All At Once.
00:22:11: Ich weiß nicht, ob du diesen Film gesehen hast?
00:22:13: Ich kann ihn tatsächlich sehr empfehlen!
00:22:14: Es ist ein super Film.
00:22:15: der hat vor einigen Jahren viele Oscars auch gewonnen und jetzt muss ich kurz festhalten.
00:22:20: er handelt von einer Waschsalonbetreiberin die entdeckt dass sie durch Paralleluniversen reisen kann.
00:22:26: und dann kommt viel Kampfkunst in einem sehr abgespästen Film.
00:22:30: aber zugleich ist dieser Film auch eine sehr zarte komplexe Familiengeschichte.
00:22:36: Und in einer Szene ist diese Frau, diese Hauptfigur in einer Parallelwelt, das ist wirklich sehr, sehr schräg und in dieser Dimension haben die Menschen keine normalen Finger sondern sie haben so eine Art Frankfurter Würstler als Finger mit denen man natürlich nichts anfangen kann – das ist ein bisschen der Witz daran!
00:22:53: Die sind zu Nichts Gut.
00:22:54: und in diesem Welt spielt dann eine Figur gespielt von Jamie Lee Curtis Klavier
00:23:00: Aber nicht mit den Würstelfingen.
00:23:01: Nicht mit den Würstelfingern, sondern mit den Füßen und sie spielt Claire Delune!
00:23:07: Und das ist natürlich lustig in dem Moment.
00:23:09: aber zugleich wird diese Melodie und so Teile aus dem Stück werden immer wieder als Leitmotiv in der Filmmusik eingesetzt.
00:23:16: es kommt immer wieder vor und das hilft in diesen ebenso lauten und schrägen Filmen das Gefühlvolle reinzubringen.
00:23:25: also es transportiert in diesem Fall wirklich sehr ideal diese Unterschwellige doch sehr ernste und irgendwo auch sentimentale Geschichte, die schlummert.
00:23:35: Das passt uns wieder!
00:23:36: Die schlummet unter dieser Kampfkunst und unter diesem Spektakel.
00:23:41: Ja dann ist das aber eigentlich ganz gut.
00:23:43: ja weil dann wird er sein Signal verwendet vielleicht viel eher in dem Sinn den Debussy gemeint hat als die Kitschigen wo halt der Mond wirklich scheint und die zwei sich küssen.
00:23:56: Genau
00:23:56: das ist es ja eben nicht, weil es ist höchstens die Erinnerung daran.
00:24:02: Und das wird dann natürlich auch meistens nicht am Klavier gespielt, nehme ich mal an sondern wird in Orchesterfassungen im Kino
00:24:10: präsentiert.
00:24:10: In diesem Fall was Klavier.
00:24:11: aber es werden alle möglichen Fassungen in Filmen verwendet und das gibt ja sogar... Also Cello-Fassungen, Saxophonfassungen alles mögliche.
00:24:19: Ich habe auch eine Akapella Fassung mal gehört wo nur gesungen wird.
00:24:22: also ist es eine Melodie die taugt zu allen möglichen Instrumentierungen
00:24:26: absolut und je nachdem.
00:24:29: man kann sehr am Klavier.
00:24:30: selber kann man es so spielen dass es nicht kitscht und man kann aber so mit Verzögerungen und langsam machen das ist schon wieder kitsch.
00:24:41: das ändert nichts an der Qualität des Ganzen.
00:24:44: man kann alles ruinieren nicht außer Bach wahrscheinlich, aber sonst kann man wirklich auch mit dem Tempo schon sehr viel ruinieren.
00:24:51: Na vielleicht zum Abschluss hören wir eine ganz typische Hollywood-Orchesterfassung von Klerdeline die stammt vom bedeutenden aber absolut rücksichtslos subjektiven Dirigenten Leopold Stokowski der den Soundtrack gemacht hat zu Phantasia oder Fantasia von Walt Disney
00:25:14: Wo das ja auch verwendet wird?
00:25:15: Da
00:25:16: hätte das verwendete werden sollen.
00:25:19: Und die Szene war schon gedreht und es zeigt Vögel, die über eine Sumpflandschaft in den nächtlichen Fliegen.
00:25:29: Und Stokowski hat das auch eingespielt mit seinem Orchester und daher können wir hören wie diese Szene geklungen hätte, die wir nicht sehen können weil sie wegen der... eminenten Länge des Films herausgeschnitten worden ist von Walt Disney.
00:25:45: Also wir haben jetzt nur den Soundtrack, mit dem wir uns einblenden können.
00:25:51: so hätte es also geklungen im Kino bei Walt
00:25:53: Disney.".
00:28:57: So klingt's also bei Leopold Tarkovsky – ich würde sagen das ist eine kühne musikalische neue Deutung die wirklich sentimental ist.
00:29:07: wie auch immer!
00:29:08: Die Musik ist letztlich nicht umzubringen und das Stück abgesehen von seinem unglaublichen Erfolg, den es hatte in Filmen und Fernsehen.
00:29:18: Und auch im Konzertsaal ist natürlich Teil eines wirklich bedeutenden Klavierzyklus der in der Musikgeschichte schon seine Stellung hat weil wie gesagt das eine Auseinandersetzung von Claude Debussy in der Zeit um nineteenhundert mit viel älteren Kunstformen Gerade in diesem Satz wirklich zum Tragen kommenden neuen Lebensgefühl.
00:29:46: In diesem Sinne träumen wir jetzt für uns weiter!
00:29:49: Vielen Dank, dass Sie dabei waren.
00:29:51: Falls es Ihnen gefallen hat, freuen wir uns über fünf Sterne.
00:29:54: Falls sie uns etwas mitteilen wollen, freuen Wir uns über ein Mail.
00:29:57: podcast at depressia.com.
00:29:59: Wir nehmen gerne Anregungen und Feedback entgegen.
00:30:03: Danke fürs Zuhören!
00:30:19: Ciao!
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