Musiksalon: "Macbeth" – Verdi, radikal.
Shownotes
Zum 100. Geburtstag der Wiener Primadonna Leonie Rysanek - Sie schaffte als Einspringerin für Maria Callas in New York als Lady Macbeth den endgültigen internationalen Durchbruch - in einer Shakespeare-Vertonung, die auch für Giuseppe Verdi einst einen Durchbruch bedeutet
hatte: Künstlerische Wahrhaftigkeit statt Schöngesang. Ausdruck bis zum Exzess. Im Podcast hören wir Ausschnitte aus dem legendären New Yorker Opernabend unter der Leitung von Erich Leinsdorf mit Leonard Warren in der Titelpartie und Carlo Bergonzi als Macduff. Und ein Vergleichsbeispiel mit Maria Callas.
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00:00:00: Der wahrscheinlich radikals, der Musiktheaterversuch den Giuseppe Verdi je unternommen hat.
00:00:30: Francesco Maria Piave ein treuer Wegbegleiter hat dem Komponisten das Libretto geschrieben Ein Melodrama in vier Akten des Achtzehn-Siemundvierzig in Florenz uraufgeführt wurde.
00:00:44: nach Wien kam das Stück schon zwei Jahre später ins Kernnatorteater und ein Jahr wiederum später in Budapest, natürlich in ungerischer Sprache.
00:00:55: In Wien hatte man das Stück auf Deutsch gesungen – es war damals selbstverständlich!
00:01:01: Verdi hat dieses Stück mehrfach überarbeitet.
00:01:05: vor allem hat er es für Paris mit dem dort unvermeidlichen Palett ausgestattet.
00:01:12: Und im zwanzigsten Jahrhundert ist meist die italienische Version der zweiten Fassung, aber unter Reinnahme des Todesmonologs des Macbeth den Verdi der dramaturgischen Wahrhaftigkeit geopfert hatte gespielt worden.
00:01:31: Die Baritone wollten auf die wirkungsvolle Sterbeszene nicht verzichten.
00:03:58: So stirbt Verdes Macbeth auf dem Schlachtfeld, eine Szene die der Komponist später eliminiert hat.
00:04:06: Da fegt der Krieg den Titelhelden seiner Oper dann erbarmungslos ohne Abschied aus dem Spiel.
00:04:15: Damit wird die Oper dem ursprünglichen Dichter des Stücks Shakespeare gerechter als durch Einlagen areoser Natur.
00:04:26: Neben Schiller war Shakespeare das wichtigste Theateridol Giuseppe Verdi's, er kommt hier an der Achtzehn-Siebenundvierzig das erste Mal zum Zug.
00:04:38: Frühe Erfolge!
00:04:40: Hernani auf ein zeitgenössisches Drama von Victor Hugo.
00:04:44: auch die Lombarden mit ihrem patriotischen Kreuzfahrer-Core einem Schwesterstück des berühmten gefangenen Kors aus dem populärsten aller Frühwerke von Verdi Nabucco.
00:04:58: Parallel zur Komposition dieser Stücke hat Verdi Pläne gewälzt, Ideen und Syges untersucht und gesucht.
00:05:07: Verdis Phantasie entzündete sich immer an effektvollem Vorlagen.
00:05:12: was er verlangte war Handlung, Handlung um das Publikum in Bann zu schlagen.
00:05:19: Keine Frasenträscherei vonseiten der Libretisten war da erfünscht.
00:05:24: Der Briefwechsel mit Piave, der bis zur Macht des Schicksals der wichtigste Librettist für ihn geblieben ist, zeigt die Vielfalt der Ideen, die in Verdyskopf herumgespuckt haben.
00:05:41: Igros Ernani wird ebenso früh erwähnt wie das Drama Le Roi Samus.
00:05:48: Der König amüsiert sich, dass der Feder desselben dicht ist.
00:05:52: Daraus wurde später Regoletto.
00:05:56: Von Schiller hat sich Verdi zuallererst die Räuber und die Jungfrau von Orléans erwählt.
00:06:05: Aus vielen Plänen wurde überhaupt nichts darunter sogar Franz Grillparts als Ahnfrau und zwei Shakespeare-Drahmen mit denen sich Verdy über Jahrzehnte immer wieder beschäftigt hat – der Sturm und vor allem der König Lier, der geistert er noch in den letzten Lebensjahren des Komponisten in seinem Kopfherum.
00:06:27: Und ist letztendlich deshalb nicht realisiert worden weil Werder Meinung war die zentrale Szene der Blendung des Gloster, die sei in ihrer Grausamkeit unmöglich auf der Bühne zumutbar.
00:06:45: Es hat ja tatsächlich bis in die späten siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gedauert, bis Ariba Dreimann daran gegangen ist den Lier auf die Opernbühne zu bringen.
00:06:57: Die Wahl des Jungenverdi fiel dann zuallererst einmal auf die auch nicht gerade gemütliche Geschichte des Macbeth mit seinen Königsmorden, Wahnsinnszenen und dem Schlachtenlärm.
00:08:29: aus dem Finale des Macbeth auch ein kontrapunktisches Meisterwerk.
00:08:36: Kunstfertigkeit steht aber bei Verdi durchwegs im Dienst der theatralischen Sache, wie jeder Ton den er komponiert hat genau genommen.
00:08:47: Im Dienst der theatricalische Sache und der Modernisierung derselben.
00:08:52: das dürfen wir nicht vergessen.
00:08:54: schon in der Entstehungsphase verrät der Briefwechsel zwischen dem Komponisten und seinem Libretisten, dass es Verdi auf den Theater vor allem um die Wahrhaftigkeit gegangen ist.
00:09:09: Große Emotionen so eindringlich wie möglich, so glaubwürdig wie es nur geht – nicht nur stimmlich sondern auch darstellerisch!
00:09:19: Verdi war ein großer Dramaturk durch und durch.
00:09:23: Er schreibt an den ersten Darsteller des Macbeth Felice Varese Ich werde nie aufhören dich zu bitten, Text und Darstellung gut zu erarbeiten.
00:09:34: Die Musik kommt von selbst!
00:09:38: Ein bemerkenswerter Satz für den Komponisten – die Musik kommt vom Selbst.
00:09:44: Für Verdi sollte sie sich auf dem Theater sozusagen aus dem Text und dessen Bedeutung und der Gebärdensprache auf der Bühne heraus natürlich entwickeln.
00:09:57: Genauso aus dieser Vorstellung heraus hat Verdi ja komponiert.
00:10:01: Deshalb sind eigentlich alle Regie Untaten unserer Zeit, die nicht aus einer Intim-Enkenntnis von Text und der aus ihr heraus entwickelten Musik gestaltet sind untaglich – wie eigentlich!
00:10:15: Sind sie ein künstlerisches Verbrechen?
00:10:18: Das haben wir nur am Rande.
00:10:20: Giuseppe Verdi hat seine Stücke Als Musikdrahmen verstanden die alle Kunstformen zum Zweck der theatralischen Wahrhaftigkeit Vereinen, Schauspiel-, Musik- und eine stimmige Szenerie samt den richtigen Kostümen.
00:10:37: Das konnte dann den echten Erwünschten Effekt machen!
00:10:42: Und die Sänger mussten sich diesem Gesetz unterordnen – das Abliefern von schönen Arien war niemals zweck der Übung bei Verdi Im Macbeth schon gar nicht, denn diese Handlung forderte zur Charakterisierung der Personen drastische Mitten.
00:11:01: Ein Sänger, wer das Musik und den Text genau studiert, wird gar nicht umhinkennen über weite Strecken alles zu vergessen was er über den schönen Gesang den Belcanto gelernt hat.
00:11:15: Immer wieder hat der Komponist gefordert Soto Voce ein extrem zurückgenommener Ton.
00:11:23: Hier und da erstickt, sollte die Stimme
00:11:26: klingen.".
00:11:28: Nach der Florentiner Uraufführung kam Macbeth-Achtzehnachtundvierzig in Neapel heraus und Verdi hat wieder insistiert auf seinen für einen italienischen Komponisten geradezu revolutionären Ansichten.
00:11:42: Zitat passt auf das die wichtigsten Nummern dieser Oper das Duett zwischen der Lady und ihr Mann, und die Nachtwandelszene nicht untergehen.
00:11:54: Sonst ist die Oper verloren!
00:11:57: Und diese Nummern dürfen absolut nicht gesungen werden.
00:12:01: Man muss sie mit einer recht hohlen-und verschleierten Stimme darstellen... ...und deklamieren.
00:12:09: Und dass aus der Feder des größten Melodikers des neunzehnten Jahrhunderts.
00:12:18: Ich möchte für die Lady eine raue, erstickte, hohle Stimme haben.
00:12:24: Sagen Sie das einmal einer prima Donner!
00:12:28: Er wünscht zwar also rastische Zeichnung – das fordern schon die in diesem Werk so bedeutsamen Chöre der Hexen, die ebenso wenig als nette Chance zähnen herüberkommen dürfen wie vielleicht auch als amüsante Karikatur.
00:12:45: Diese missverstanden werden von manchen zeitgenössischen Regisseuren.
00:12:49: In Wahrheit erklingt hier das Böse schlechthin, abgründig schicksalhaft schier unausweichlich.
00:15:20: alle moralischen Bedenken aushebelnd.
00:15:24: Die Musik lässt uns teilhaben, an dem langsam aber stetigen Verwandlungsprozess den Macbeth durchmacht.
00:15:32: Da ist zuerst die Profizärin der Hexen – sie ruft schauerliche Visionen bei Macbath hervor und während des psychologische Kompositionsmethode führt uns vor wie der Königsmart zur fixen Idee für Macbith wird!
00:15:49: In seinem Monologue, in einer ganz unkonventionellen Melange aus Rezitativ und Arioso.
00:15:56: Da werden wir zeigen wie sich diese fixe Idee wohl symbolisiert durch die insistierend wiederholten immer gleichen Streichermotive im Kopf des Macbeth festsetzt.
00:16:09: Gleichzeitig wird welcher ein eindrucksvolles Sprachbild MacBeth gewahrt dass die Natur rings um ihn herum abstirbt.
00:19:48: Szene als etativ, arioso man kann das gar nicht sagen es ist geboren wirklich aus der Situation.
00:19:57: und dass unmittelbar nach dem Einzug des Königs Duncan von werde bewusst geradezu banal repräsentativ als Einzugsmusik eines Blasorchesters gestaltet.
00:20:12: Gleich danach die suggestive Aufforderung der Lady Macbeth an ihren Mann zu handeln, sie wird in diesem Moment zu seinem Dämon und er zum bedingungslos Getrebeln.
00:20:28: Man kann das effektiv hören.
00:21:42: Am drastischem Realismus lässt es die Musik werden, dass auch später nicht filmen.
00:21:47: Zum Beispiel dann wenn sich das mörderische Paar nach mehreren Morden und Mordversuchen am Ziel seiner Wünsche befindet.
00:21:57: auf dem Festbankett stimmt sie nun zur Königin gewordene Lady Macbeth ein Trinklied an.
00:23:34: Das klingt soweit einmal ganz... konventionell.
00:23:37: Aber je wird der neue König von gespenstischen Visionen geplagt, es erscheint ihm sein getöteter Vorgänger und die Lady hat Mühe in dazu zu zwingen vor der versammelten Festgesellschaft endlich wieder die Fassung zu gewinnen.
00:23:55: Die zweite Strophe des Trinklids bricht eine weitere Warnvorstellung mehr Quests herein – und die Stimmung ist endgültig!
00:24:05: beim Träufel.
00:24:06: Im wahrsten Sinn des Wortes, es ist eine der großen dramatischen Szenen die Werdy komponiert und alle formalen Vorstellungen der Belcantozeit über den Haufen wirft.
00:24:22: Wir werden derartig realistische Komposition bei ihm später immer wieder finden.
00:24:29: Sie machen ihn zum Großen Opern Revolutionär.
00:27:43: Die Musik zu Macbeth ist aber selbst dort, wo sie scheinbar alte Openform-Muster aufgreift.
00:29:09: und die Erwartungshaltungen des Publikums ganz und gar bedient voll von Überraschungen.
00:29:17: Da ist einmal die verhältnismäßig konventionell gehaltene, aber wunderschön geformte Aria des MacDuff der die Mordanschläge der Camarilla der Firma MacBeth überlebt hat – nun auszieht sein Volk vor dem Zugriff des blutrünstigen Diktators zu retten!
00:29:36: Aber die nach alten Belcanto-Gebrauch zu erwartende Caballetta am Ende dieser Szene ist in diesem Fall nicht dem MacDuff allein zugewiesen, sondern weil es die Handlung erfordert.
00:29:50: Da war Haftigkeit zuliebe also in ein Duett verwandelt mit einem zweiten Tenor – dem Sänger des Marconen.
00:29:58: Zwei Tenore gleichzeitig!
00:30:00: In einem effektvollen Schlussstück.
00:30:02: Das kommt auch nicht alle Tage vor.
00:32:50: Schon bei nahem Schluss der Oper gelandet.
00:32:53: Wir wollen nun als Appendix sozusagen zweimal Lady Macbeth zum Zug kommen lassen, um zu demonstrieren was große Interpretinnen aus dieser Rolle machen können.
00:33:07: Zuerst einmal Maria Callas.
00:33:09: und da kommen wir zu einer der zentralen Szenen dieser Oper die übrigens in der ursprünglichen Version noch gar nicht enthalten war.
00:33:20: Werde weil er zur Premiere noch nicht ganz fertig mit seinem Werk sozusagen so wie er es sich vorgestellt hat.
00:33:28: Mit den Erfahrungen der ersten Aufführungen im Rücken hat er für die Pariser Neuenstudierung dann, wie gesagt, nicht nur eine Ballettmusik nachkomponiert sondern auch eine der zentralen Szenen der Lady jene in der sie erkennt das der einmal eingeschlagene Weg des Unrechts und des Verbrechens unumkehrbar geworden ist und in der sie den Entschluss zum nächsten Mordanschlag fasst.
00:33:57: La luce langue, der Tag vergeht die Nacht hält alles in Dunkel-und Schweigen.
00:34:05: nur Vodilito.
00:34:09: ein neues Verbrechen muss begangen werden Und an Zynisch.
00:34:14: die Toten kümmern sich nicht mehr um Macht und Herrschaft.
00:34:19: Wir singen ihnen ein Requiem.
00:34:22: Oh herrlicher Thron!
00:34:24: O Zepter, nun seid ihr mein.
00:34:28: Das ist unglaublich modern und kühnkomponiert.
00:34:32: Werde verzichtet auf viele der gewohnten Formalen Konvention in der italienische Oper.
00:34:38: Tu wir seinen Sängern empfohlen hat Rechauspielkunst aus dem Text heraus zu entwickeln hat er seine Musik aus dem Gefühlszustand der Figuren herausentwickelt.
00:34:50: Aus dem Gefühl, dass das singende Individuum auf der Bühne gerade empfindet.
00:34:57: Das hat in solcher Trastik keiner seiner Zeitgenossen auch nur annähernd beerrscht und die Kallas war natürlich dafür das ideale Medium.
00:39:12: Wenn die Kallas das gesungen hat dann war es tatsächlich zum Fürchten.
00:39:17: Die Sängerin sollte auch die große Premiere des Macbeth an der Metropolitan Opera im New York Ende der fünftiger Jahre singen und dort sich dann zerstrecken mit dem aus Wien kommenden Direktor Rudolf Bing.
00:39:31: Das war eine Chance für eine junge Wiener Sänglerin, an der Schwelle zur Weltkarriere.
00:39:38: Leoni Rysanek hat mit der Herakiri-Aktion für die Kallers einzuspringen ihren Durchbruch geschafft.
00:39:47: Von diesem Moment hat sich eine Aufnahme, eine Liveaufnahme erhalten in der übrigens ein Wetra Wiener ins Spiel kommt.
00:39:57: Erich Leintzdorf.
00:39:58: Der hat die Produktion dirigiert.
00:40:02: zum Abschluss also daraus die berühmteste Szene der Oper Macbeth Die sogenannte Wahnsinnszene der Lady auch für Verdi.
00:40:12: so etwas wie ein Durchbruch ganz frei Nur von der Dramaturgie getrieben in einem großen, vielgestaltigen Bogen, der über sieben Minuten dauert.
00:40:24: Von der Wahrhaftigkeit der Aussage getrieben führt er die Singstimme und dass die Stimmung sei smografisch einfangende Orchester mit den Mitteln des Belcanto aber im Zuge der dramatischen Entwicklung radikal.
00:40:41: darüber hinaus – Wort für Wort!
00:40:44: Silbe für Silbe, ein Analyse-Protokoll der Seele der Lady bis hin zu den pochenden Herzschlägen.
00:40:54: Das ist musikalischer Realismus verängstigt kommentiert von der im Hintergrund verbargenden Kammerzaufe und dem Arzt.
00:48:32: Protokoll eines künstlerischen Durchbruchs zum einen Leoni Rysanek Ende der fünftiger Jahre an der Metropolitan Opera in New York zum anderen Giuseppe Verdi, in seinem Frühwerk.
00:48:48: Das in gewisser Weise seine radikalste Oper geblieben ist und jedenfalls im Keim manches enthält was in den späten Meisterwerken zur vollen Blüte entfaltet wurde.
00:49:02: Danke fürs Zuhören!
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