Der Tod hat eine Melodie: "Dies irae" ist überall
Shownotes
Vier Töne genügen, und alle denken an den Tod. Ob man die Melodie von "Dies irae" bewusst kennt oder nicht, ob man durch die Musik der Romantik, durch Hollywood oder tatsächlich durch die Kirche mit ihr in Berührung kam: Die Todesbotschaft dieser Töne ist unmissverständlich. Warum eigentlich, fragen sich da Katrin Nussmayr und Wilhelm Sinkovicz.
Die Töne "sind nur so gruselig und unheimlich, weil man den Jüngsten Tag damit assoziiert", meint Sinkovicz. Seit dem frühen Mittelalter gehört das "Dies irae" zur katholischen Totenmesse, in gregorianischen Chorälen wurden darin die "Tage des Zorns" beschworen. Dann verselbstständigten sich die Töne: Hector Berlioz ließ dazu die Hexen tanzen, Franz Liszt und Rachmaninow zitierten sie ausgiebig - und als dann noch die Filmmusik im großen Stil aufsprang, wurde "Dies irae" endgültig zum Leitmotiv des Todes. Luke Skywalker braucht nichts mehr dazu zu sagen, wenn hinter ihm diese ominösen Töne aufragen, in "König der Löwen" kann man sie gleich mehrfach entdecken - und sogar in der "Eiskönigin"! Nur die Kirche, die hinter der Todesmelodie steckt, hat ihren vielleicht größten Hit mittlerweile aus dem Programm genommen...
Über den Podcast
In „Klassik für Taktlose“ ergründen "Die Presse"-Feuilleton-Redakteurin Katrin Nussmayr und Klassikkritiker Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik: Braucht jedes Orchester einen Dirigenten? Warum verstört Richard Wagner so? Was war an Mozart eigentlich so toll? Wie viel Klassik steckt in „Bohemian Rhapsody“ oder Taylor Swift? Für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.
Produktion: Wilhelm Sinkovicz / www.sinkothek.at
Audio-Finish: Georg Gfrerer / www.audio-funnel.com.
Transkript anzeigen
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00:00:20: Heute widmen wir uns der Melodie des Todes.
00:00:24: Denn ja, es gibt eine Todesmelodie ganz zweifelsfrei sogar, liebe Hörerinnen und Hörern!
00:00:29: Und wenn Sie jetzt noch nicht wissen was wir meinen dann wissen sie's vermutlich sobald sie diese vier Töne hören.
00:00:39: Was war denn das lieber Willi?
00:00:40: Liebe Katrin, das war der Beginn des kregarianischen Dies-Ihre Der Tag des Zorns.
00:00:48: Das ist eine Melodie, also die beginnt mit diesen vier Tönen.
00:00:54: Wir können gleich hören wo das herkommt.
00:00:57: Wir müssen uns vorstellen in Zeiten in denen es keine CT-Player eigentlich gar nichts gegeben hat was wir zivilisatorisch jetzt alles gut finden.
00:01:07: In den Kirchen ist zu den Messfeierlichkeiten gesungen worden und zwar einstimmig.
00:01:14: In der katholischen Kirche heißt das der Gregorianische Choral, können wir dann noch vielleicht reden darüber warum das so heißt.
00:01:21: Das war der einstimmige Mönchsgesang und da gab es verschiedene Melodien zu verschiedenen Gelegenheiten und bei der Totenmesse wurde dass die es ihre gesungen – Die Beschwörung des jüngsten Tags, des Tages des Gerichts, Tag des Zorns jener Tag, die ist ihre, die is illa beginnt der Text und im kregarianischen, also so wie es einstimmig wirklich gesungen wurde, klingt folgendermaßen.
00:02:17: Das ist die erste Strophe sozusagen der ersten Ferse dieser Sequenz, die eben gesungen wurden zur Beschwörung des jüngsten Gerichts.
00:02:29: Und die ersten vier Töne, wie du richtig sagst sind unglaublich populär geworden aber... unglaublich bekannt geworden.
00:02:38: Relativ bald wurde dieses DSI-Re, das da am Anfang gesungen wird zum absoluten Signal zur Todesbotschaft sozusagen und als solche ist sie auch eigentlich immer sofort erkannt worden, weil sie auch immer wenn sie in der Kunstmusik dann als Zitat verwendet worden ist im einschlägigen Zusammenhang.
00:03:00: Erstaunlich eigentlich!
00:03:01: Also es gibt ein Leitmotiv des Todes und das ist gleich geblieben.
00:03:04: seit dem Mittelalter?
00:03:06: Ja ja, seit dem frühen Mittelalter also das ist ganz früh haben diese einstimmigen Gesänge begonnen zunächst improvisiert dann irgendwann normal deswegen heißt Gregorianic angeblich von einem Papst Gregor bevollener Maßen, stimmt gar nicht wie wir heute wissen.
00:03:25: Aber eine Sammlung wurde angelegt damit das für die ganze Christenheit sozusagen einheitlich gesungen wurde.
00:03:32: Das wurde dann also aufgeschrieben und vervielfältigt immer wieder abgeschrieben Und vertrieben so zu sagen dass man in ganz Europa dieselben katholischen Gesänge gehabt hat.
00:03:43: Und dieses Diazirre war halt so prägnant eine der prägnantersten Signalmelodien des Abendlandes, kann man ruhig sagen.
00:03:54: Das ist das einfach.
00:03:55: dann vor allem in der Romantik also da war schon eine Zeit lang wurde das nur im liturgischen Gebrauch gesungen aber ab der romantik war das einfach ein signal dass man gesetzt hat so wie man Heute, wenn man über Musik redet.
00:04:11: die ersten vier Töne der fünften Symphonie von Beethoven haben wir schon einmal einen Podcast drüber gemacht.
00:04:16: Kennt auch sofort jeder!
00:04:18: Das ist so eine Signalwirkung da ist es halt eine symfonische Signalwirkung steht für klassische Musik und das steht für den Tod.
00:04:28: Dies Ira, das kommt mir ja auch bekannt vor.
00:04:31: Wir haben ja längst erst über ein Requem in dem Fall über Motsatzrequem gesprochen.
00:04:36: Da gibt's ja auch ein Dies Ira Ist das einfach ein Teil vom Requiem?
00:04:40: Oder weil du meinst, dass in der Messe kam das immer wieder vor.
00:04:44: Ja also in der Totenmesse Wir haben in unserer Sendung über das Mozart-Requem haben wir auch darüber gesprochen.
00:04:50: In einer normalen Messfeier gibt es ein sogenanntes Ordinarium Das immer gleich bleibt an Musik Die dann unterschiedlich vertont werden kann.
00:05:00: Aber die Texte zu dieser Musik bleiben immer gleich.
00:05:02: aus eines Kyrie Gloria Kredo, das Glammsbekenntnis Sanktus, das Heilig, Heilig und das Agnostee Lamb Gottes.
00:05:11: Und das DSIere war schon bei den kregarianischen Mönchen hatte das schon diesen Text?
00:05:17: Die DSIerei ist immer der gleiche Text.
00:05:19: die Beschwörung des jüngsten Gerichts, die Angst der Menschen vor dem Jüngstengericht, die Beschwerung des Zorns, des Tags des Zornes.
00:05:28: und dafür gibt es einen eigenen Teil so wie es Chiria, Chloria und Kredor gibt.
00:05:33: in der Messe wird eingeschoben anstelle des Chloria, also das Lobgesangsehr ist ja gut in der Höhe fällt weg in der Totenmesse.
00:05:40: Dafür wird das DSI-Regisungen der Tag des
00:05:43: Zorns.".
00:05:43: Ich habe mir diesen Text auch mal kurz angeschaut und singemäß übersetzt bedeutet er tag des Zorn.
00:05:49: jener tag wird die zeitliche welt in Asche auflösen so wie es David und Sibylle bezeugen.
00:05:57: Und dann fragen sich, wer sind David und Sybille?
00:06:00: Ja
00:06:00: das sind immer die prophetischen Assoziationen.
00:06:03: Das ganze neue Testament ist ja voll von Assoziationen an die Propheten ans alte Testament für die Juden auf die Bibel – die kennen ja kein neues Testament natürlich!
00:06:14: Aber die Bezüglichkeit auf diese Überlieferung, auf diese jüdischen Überliefernungen, dies natürlich auch im Katholizismus Da und das heißt also so wie der Prophet Jesaja gesagt hat, dass wird ein.
00:06:29: auch Christus bezieht sich immer wieder auf die Schriften.
00:06:34: Profeten, die Aussagen der Propheten, die Prophezeihungen.
00:06:37: Und diesen Text, diesem Text des DSIere hat ja dann Mozart auch verwendet als ein Seinrequem geschrieben hat oder auch nicht geschrieben?
00:06:45: Das ist wieder eine andere Frage!
00:06:46: Das müssen wir auf dem Podcast
00:06:48: verweisen.
00:06:48: Da verweisen wir von unserer anderen Folge.
00:06:50: aber auf jeden Fall es gibt einen Mozart-Requem da gibt's ein DSIer das hat diesen
00:06:54: Text
00:06:54: Aber das hat nicht diese Todesmelodie.
00:06:57: Nein, das sind zwei verschiedene Dinge.
00:06:59: Jedes Requem also jede Totenmesse hat das Kyrie, der Anruf von Gottes und danach die Sequenz, die es ihre, die Beschwerung des jüngsten Gerichts.
00:07:12: Das ist in jeder Totenmesse – und es ist in jede Totenmesse der gleiche Text!
00:07:17: Und wenn wir jetzt sagen, dass Mozart-Requiem, das Verdi-Requerium, das Dvořák-Requirium alle Komponisten, die eine Totenmasse komponiert haben, haben diesen Text zur Grundlage genommen Brahms war der Erste, der gesagt hat ich mach mal meinen eigenen Text und er das deutsche Requiem auf Bibelzitate dir selber zusammengesucht hat gemacht.
00:07:37: Aber wenn ein normales Requiem dass ja auch für den liturgischen Gebrauch gedacht war, komponiert worden ist eben bei Mozart zum Beispiel, das berühmteste Beispiel dann ist natürlich Kyrie.
00:07:51: Okay, das heißt wir können festhalten es gibt Komponisten die haben ein DSIere geschrieben weil sie einen Wegfilm geschrieben haben.
00:07:56: Haben den Text aus dieser Kirchen Tradition übernommen und haben gesagt ich mache mir meine eigene Todesmelodie
00:08:02: ja genau.
00:08:03: Und
00:08:03: dann gibt's Komponnisten die einfach gesagt haben DSIe.
00:08:06: ob so heisst in welcher Text da dahinter ist ist mir wurscht.
00:08:10: aber diese Töne die so todesartig klingen die schnappe ich mir.
00:08:16: Daher ist natürlich nicht wurscht, welcher Text drauf ist.
00:08:19: Weil jeder der diese vier Töne hört und schon einmal irgendwie das assoziiert hat dazu weiß da geht es ums jüngste Gericht.
00:08:28: Das heißt jeder Komponist der das zitiert auch in den verrücktesten Zusammenhängen das können wir schon unterscheiden.
00:08:34: Weiß dass jeder Hörer also auf neunzig Prozent der Hörers damit das Jüngstegericht
00:08:41: Weil damals die Leute diesen grigorianischen Koral noch kannten und noch präsent hatten.
00:08:45: Genau, durch die Romantik und die vielen Verwendungen wo wir vielleicht einige jetzt streifen werden haben sich diese vier Töne irgendwie verselbstständigt.
00:08:54: aber jeder höherer weiß das ist das DSIere.
00:08:58: Okay da bin ich jetzt gespannt wer hat denn damit begonnen?
00:09:00: Wer hat als erstes dieses arg gruseligen unheimlichen Tönen zitiert?
00:09:07: Die sind ja nur gruselig und unheimlich, weil wir eben den jüngsten Tag damit assoziieren.
00:09:12: Und ich würde sagen der erste ... weiß nicht... Der erste von dem wir wissen dass das einen enormen Eindruck geschunden hat bei den Hörern war Héctor Berlioz, der in seiner Saphonie fantastik das wirklich profaniert hat, in dem er sozusagen seine eigene Geschichte einer Liebesbeziehung zu einer Schauspielerin, die notabene später seine Frau geworden ist.
00:09:37: Aber das hat damals noch gar nicht so ausgeschaut.
00:09:40: Hatte die Sarfanie fantastik als Protokoll eines Wahnsinns eine wahnsinnigen Liebe, die in den Irrsinn führt, komponiert in fünf Sätzen.
00:09:50: Warum
00:09:50: ist es profan?
00:09:52: Moment!
00:09:54: Im letzten Satz gibt es einen den Traum von einem Hexensabbat Und da erscheint ihm die Geliebte, die ihn von sich weist als die oberste Hexe sozusagen.
00:10:04: Und was erklingt da?
00:10:06: Dass die es ihre ... ist also profan genug!
00:11:41: Ja das ist voll die Halloween Musik.
00:11:43: Absolut, absolut.
00:11:45: wenn's Halloween damals schon gegeben hätte dann hätte man das dazu gespielt gar keine Frage.
00:11:51: Das is wirklich gruselig und so ist es auch gemeint.
00:11:54: Es ist das Protokoll eines Wahnsinns Protokoll eines Rauszustands, wo eben seine Geliebte erscheint.
00:12:01: Und da vielleicht ist er das der Impasta dieses Dies-Ire singt dann hat er ein Echo etwas höher in den Hörnern und dann kommen diese Karikaturen, diese verspotenten Einwürfe wahrscheinlich von den Hexen und es ist wieder das Dies-ire.
00:12:15: Wir haben jetzt drei verschiedene Varianten dieser Dies- Ire Melodie gehört und die letzte ist also wie eine Karikatur.
00:12:21: Also das ist bösartigst und das ist liturgisch natürlich nicht mehr zu verwenden!
00:12:26: Wer hat das denn noch gemacht, diese heilige Melodie quasi zu entweihen und in ein einfach weltliches Musikstück hineinzustecken?
00:12:35: Es gibt eine ganze Menge von Beispielen.
00:12:38: Weil wie gesagt diese vier Töne oder hier haben wir gehört sind ja mehr Tönen.
00:12:43: also den ganzen ersten Vers zitiert Berlioz da.
00:12:47: Das kommt immer wieder vor Und es gibt zum Beispiel wenn wir jetzt einen Jahrhundert springen Also ein Komponist, von dem wir wissen das er die wunderschönste Musik der Welt, die traumhafteste Musik verträumt, dass die Musik zum Teil auch der Welt komponiert hat war besessen von diesem DSI-Re.
00:13:09: Ich glaube fast jedem größeren Werk von Rachmaninov kommt dieses DSI Re vor.
00:13:16: Irgendwo taucht es dann immer auf bei ihm und Da gibt es ein faszinierendes sehr spätes Stück von ihm.
00:13:24: Ein Klavierkonzert, das heißt Paganini Rhapsody über ein Thema von Nicolo Paganine, aber eine Violin Caprice und da sind brillante Variationen unterschiedlichsten Charakters und auch da schleicht sich plötzlich herein dass die es ihre Und beide Themen, das vom Paganinae Schermützel, wer wird als nächstes variiert und wie.
00:13:54: Und dann kommt irgendwann einmal in dieser Mixtur eine Variation heraus wo niemand mehr auf die Idee käme welche Themen dem zugrunde liegen, weil es selber zu einem Thema geworden ist das dann auch in Schlager verwandelt worden ist und zu einem wirklichen Ohrwurm geworden ist.
00:14:16: Das hören wir uns jetzt an und niemand wird dazu.
00:14:19: dann dass die es ihre assoziieren
00:14:21: vermutlich.".
00:16:19: Das
00:16:25: ist bei großen Variationszyklen so, dass sich der Komponist natürlich immer weiter von der Erkenbarkeit seines Themas entfernt.
00:16:34: Aber das ist bei Rachmaninoff so, daß er dieses DSI-Reh immer ganz klar zitiert – wenn er es zitiert manchmal eben dann kommt er bei den Varianten soweit wie wir jetzt gekommen sind.
00:16:46: aber in allerletzten Variation kommt es wieder ganz klar zurück!
00:17:33: Da habe ich es vorhin jetzt auch erkannt.
00:17:36: Das könnte ein Hexentanz sein?
00:17:37: Das
00:17:38: könnte auch ein Hexe-Tanz sein, ist wahrscheinlich ungefähr so gemeint und das war jetzt eine ganz charmante Schlusspointin gewesen.
00:17:45: Und das ist sehr witzig!
00:17:46: Weil mit diesem ganz starken Blechbläsern Zitat versichert sich die ISIere sozusagen der ersten Position.
00:17:53: Ich bin hier wichtig und dann flaut das ab und das Letzte was kommt... ist dann doch noch einmal der Paganini, von dem die Variationen ausgegangen sind.
00:18:03: Also wie gesagt das ist ein charmantes unglaublich raffiniertes und dann auch sehr tiefgründiges Stück heißt Paganine Rhapsodie von Rachmaninoff es quasi sein letztes Klavierkonzert schon in Amerika entstanden.
00:18:17: aber wie gesagt bei Rachmaninhoff es in jedem zweiten Stück dass man von ihm hört irgendwann kommt dieses Tiersiere vor.
00:18:23: In dem vorigen Stück jetzt war auch etwas zu hören, was man so ein bisschen als Skelettgeklapper interpretieren könnte.
00:18:30: Also da hätte ich diese Assoziation zu eben Halloween zum Grusel zum Tod.
00:18:36: aber das ist ja weil Rachmaninoff das eben so... komponiert hat.
00:18:40: Was ich dich jetzt fragen möchte, ist es einfach wirklich nur gelernt dass wir diese vier Töne hören und weil wir sie schon so oft im Kontext von Tod- und Verderben gehört haben, assoziieren wir sie damit?
00:18:51: oder steckt wirklich in diesen Tönen etwas immer nennt Unheimliches?
00:18:57: Das kann ich jetzt so gar nicht sagen Aus dem einfachen Grund, weil ich natürlich so von klein auf sozialisiert worden bin.
00:19:04: Dass ich relativ bald erkannt habe wann immer dieses Motiv gekommen ist hat es etwas mit dem DSIere zu tun.
00:19:11: also Ich glaube eher an die Lerntechnik sozusagen dass man weiß aha jetzt geht's um den Tod.
00:19:16: Hast du das in der Musik kennengelernt oder in der Kirche?
00:19:19: Ich hab sie in der musik kennengelernen.
00:19:21: Es kommt wie gesagt ja SO oft vor.
00:19:24: Also zum Beispiel Franz Liszt hat eine Paraphrase über die es ihre Komponiert für Klavier und Orchester, das ist auch zu Fürchten.
00:19:32: Das ist auch so würde ich sagen eine Halloween Musik wo am Beginn mit einer unglaublichen Kraft dieses Motiv rein geschleutert wird und dann setzt das Klavier ein und da hat man das Gefühl der ist in einem Panikzustand und fähigt über die Tasten hinauf und wieder
00:19:49: hinunter.".
00:20:59: Da schlägt er Tod ja mehrmals zu!
00:21:01: Ja, das ist eines der wildesten Stücke die komponiert worden sind auf diese Melodie.
00:21:07: Aber weil wir gesagt haben die Zeichenhaftigkeit dass man sofort erkennt es gibt ein Stück von dem großen Geiger und auch wunderbaren Komponisten.
00:21:18: Jean Isayi, der einer der bedeutendsten Geiger seiner Zeit war.
00:21:23: in der Zeit kurz nach nineteenhundert hat eine Folge von Violin Solosonaten geschrieben wo sich in einer davon die Obsession genannt worden ist, direkt auf die harmlose Lichte heitere Edur-Partita von Johann Sebastian Bach für Solo Violine bezieht.
00:21:45: Und das beginnt genau wie diese Partiter beginnt und plötzlich bricht es ab und dann kommen so Figuren wenn man genau aufpasst von Anfang an Variationen dieses Diäsiere Und bei der dritten oder vierten Unterbrechung wird es ganz klar, auch das ist die Diäsiere.
00:23:06: Also da versucht einer immer wieder zurückzufinden zu Bach und hat aber Obsession dieses Diäsire im Kopf und man muss immer denken, dass spielt ein Geiger mit sich selbst.
00:23:17: also das ist wirklich unglaublich virtuos und immer wieder kommt dieses Diätiere dazwischen.
00:23:23: Obsession eben
00:23:23: ja Hättest du noch irgendwas ganz Deutliches?
00:23:27: Dass wir's nochmal direkt hören.
00:23:29: Ja Es ist ein ganz deutliches Beispiel in der berühmten Auferstehungssymphonie von Gustav Mahler, wo in einem Moment im letzten Satz die Aufersteinung beschworen wird.
00:23:42: Zuerst aber natürlich das jüngste Gericht und da hören wir von ferne die Trompetenrufe oder die sieben Prosaunen Und dann kommt ein wahnsinniges Crashender und aus dem heraus einen toten Marsch, der wie eine Parodie fast auf das DSI-R wirkt.
00:24:00: Aber natürlich wo man merkt – das ist jetzt ganz ernst!
00:24:04: Das ist jetzt offenbar die Auferstehung und da marschieren alle zum jüngsten Gericht.
00:25:17: Ist fast ein bisschen im Beat versteckt?
00:25:42: Absolut ja, nein es ist raffiniert gemacht aber es ist ganz eindeutig, es bereitet sich vor.
00:25:47: Es kommen immer wieder diese vier Töne und dann plötzlich in den Streichern Ganz genau.
00:25:53: Also das ist schon Zeichen Tod und Auferstehung, die es ihr also hier wirklich gebraucht von Mahler für den jüngsten Tag in seiner Musik auch beschwert.
00:26:04: Und das mündet er dann in den gigantischen Aufersteinungschor.
00:26:06: Das sind Totenmesse, Totentanz, Totenmasche... Die Musik ist ja eigentlich voller Todessehensucht!
00:26:15: Ja, Todessehnsucht und manchmal...
00:26:17: Ja, Obsession.
00:26:19: Es gibt dann ganz bewegende Zitate dieses DSI-Re.
00:26:24: Zum Beispiel es gibt ein Korwerk von Luigi Tala Piccola einem ganz bedeutenden leider kaum mehr bekannter Name aber trotzdem ein bedeutender italienischer Moderner der in den Jahren des Faschismus die Canti di Pregione geschrieben hat, also die Gesänge aus dem Gefängnis.
00:26:46: Gedichte von Maria Stewart, der gefangenen Maria Stewart für Chor und da von Anfang an Beschwörder dieses ... dieses Irre und da haben wir natürlich... Also das ist jetzt gar nichts mehr paradistisch wie es bei Berlioz natürlich noch drinnen ist sondern das ist ganz klar gesetzt ein Zeichen im Zuge einer sehr freitonalen Musik, worum es da geht und ich finde das immer sehr berührend.
00:28:40: Das ist eines der bewegendsten Stücke der musikalischen Moderne, weil man auch weiß unter welchen Bedingungen das komponiert worden ist auf dem Höhepunkt des Mussolini-Faschismus bereits mitten im Zweiten Weltkrieg.
00:29:00: Da hört man natürlich dieses Zitat gleich ein bisschen anders.
00:29:04: Also es ist ja nicht so, dass sich die Komponisten wie Berlioz oder Liszt schon gar darüber lustig machen.
00:29:09: Die meinen das schon ganz ernst.
00:29:11: aber hier kommt dann noch einmal natürlich weil das für uns Zeitgeschichte ist noch einen Punkt dazu wo man sagt also das geht mich schon etwas an und wenn ich etwas so klar dechiffrieren kann auch Schostakowic verwende zum Beispiel in seiner vierzehnten Symphonie dieses Motiv in einem auch sehr, sehr tiefgründigen Zusammenhang.
00:29:37: Da ist es gut zur Verständigung zwischen Ost und West gerade jetzt wieder unglaublich wichtig.
00:29:46: Wenn man so ein Signal hat dass man hüben wie drüben sofort versteht dann kann die Musik natürlich gewinnt eine Bildmächtigkeit, eine Sprachmächtigkeit, die ganz enorm ist.
00:29:59: Man kann es natürlich auch barotistisch einsetzen.
00:30:01: Es gibt so viele Beispiele, Camissa, Sansa, Nance, Macabre – also auch einen toten Tanz!
00:30:07: Da kommt das Aufford und da hört man auf quasi das Klappern der Skelete um.
00:30:11: Das ist….
00:30:12: Kann man auch barottistisch spielen?
00:30:13: War gar nicht so gedacht aber das kann man so und so sehen.
00:30:16: Aber mit Alapicola oder Shostakovich hat man dann schon eine gewisse Assoziation, dass man weiß, das ist schon ziemlich ernst.
00:30:24: Also auf jeden Fall ein erkennbares Motiv.
00:30:26: Ich habe es ja weder über die Klassik noch über die Kirche kennengelernt, sondern ich vermute dass ich unbewusst konditioniert wurde diese Melodie wahrzunehmen weil sie in der Filmmusik so unheimlich oft
00:30:41: vorkommt.
00:30:42: Ich spiele dir da mal ein paar Beispiele vor.
00:30:46: Da haben wir zum Beispiel Star Wars im Ersten erschienen ein Star Wars Film, der dann eigentlich in der Star Wars-Zählung die Episode IV ist.
00:30:54: Gibt seine Szene wo Luke Skywalker die Hauptfigur nach Hause fährt und dort entdeckt er dann dass die bösen imperialen Sturmtruppen seine Familie ermordet haben.
00:31:05: Und als er das herausfindet klingt es dann so Da wird das DSI quasi direkt von den Raumschiffen dann so übernommen und es geht weiter.
00:31:34: Ja, ja, das sind wirklich die vier Töne.
00:31:37: Das ist ja schon einmalig dass man an vier Töhnen sofort beim ersten Mal erkennen kann, ah!
00:31:43: Das ist das Diösirre.
00:31:45: oder auch in König der Löwen da gibt sie sehr traurige Szene wo der König Der Löwen eben Mufasa stirbt getötet von seinem Bruder Scar und der kleine Simba der Sohn Der findet ihn und ist total traurig, dann sagt sein Onkel Scar ihm das Erschuld sei.
00:32:03: Und dass er jetzt weglaufen soll und nie mehr wiederkommen soll.
00:32:35: Das ist interessant weil hier es auch reduziert auf die vier Töne aber die werden in der Folge verzerrt und viel schneller wiedergebracht also komponiert, einkomponiert diese vier Töne an das und diese Kampfszene die dann folgte.
00:32:50: Absolut!
00:32:51: Es gibt auch einen wissenschaftlichen Artikel von einem Musikwissenschaftler.
00:32:54: der hat die Filmmusik von König D'Aleuven analysiert und also das Paper hat den Titel ein Disney Requiem weil nämlich dieser DSI-Melodie darin immer wieder mehr oder weniger deutlich vorkommt und quasi von struktureller Relevanz für diese Filmusik ist.
00:33:11: Das ist erstaunlich.
00:33:12: und wer hat die Filmmusik komponniert?
00:33:14: Hans Zimmer
00:33:15: Aha, naja.
00:33:15: Der ist natürlich ein perfekter Kunsthandwerker und bei ihm dürfen wir sicher sein dass er alle Beispiele die wir in dem Podcast bis jetzt gespielt haben inundauswertig
00:33:25: sind Und vermutlich auch so manche andere Filmmusikbeispiele, die schon vor ihm kamen.
00:33:29: Denn das kommt in der Filmmusik wirklich ich sag's dir dauernd vor.
00:33:32: Also eine
00:33:33: höchst
00:33:34: unvollständige Aufzählung folgt Clockwork Orange The Shining Alien sogar Kevin allein zu Haus Jurassic Park Harry Potter Matrix Herderringe Es hört nicht auf.
00:33:45: Also es kommt ständig vor...
00:33:47: Alle Blockpasta?
00:33:48: Alle Blockbuster und sogar Kinderfilme, es gibt einen Film namens Die Eiskönigin II.
00:33:55: alle vierjährigen kennen diesen Film und auch alle älteren.
00:33:59: Und das ist der zweite Film von Die Eisköniginn den sogar alle drei jährigen kennen.
00:34:04: Ich spiele eine kurze Passage daraus vor.
00:34:22: Da hört die Eiskönigin eben diese geheimnisvolle Stimme, das setzt dann die ganze Handlung in Gang.
00:34:28: Und das Komponisten-Duro hinter hat auch offen rüber gesprochen.
00:34:31: Sie haben das ganz bewusst sich aus DSIere
00:34:33: ausgeborgt.
00:34:34: Das fällt unter Bildung.
00:34:39: Die drei und vier Jährigen werden schon erzogen dass sie richtig hören und mit dem richtigen assoziieren.
00:34:47: Ja also man kann sagen es ist wirklich Es zieht sich durch die Filmgeschichte und es zieht dich durch alle Genres.
00:34:53: Es ist vielleicht manchmal ein morbidermusikalischer Schmäh, manchmal ist das vielleicht ein neckisches Aufeinanderbezug nehmen aber in den meisten Fällen ist es wahrscheinlich einfach... Das sind vier Töne mit Wirkung.
00:35:07: Absolut!
00:35:08: Vier Tönen mit der richtigen Wirkung, sagen wir mal so.
00:35:11: Und wenn da schon in der Eiskönigin drin ist kann man sagen, alle die die Eiskonigin gesehen haben tun sich dann mit Berlioz und List ganz leicht.
00:35:19: Interessanterweise, um jetzt wieder zurückzukommen zum Choral wo das ja herkommt aus der Kirchenliturgie.
00:35:25: Die Kirche hat einen ihrer größten Hits einfach aus dem Programm genommen.
00:35:30: es gab nämlich neunzehntundhundertsiebzig eine Liturgiereform und seitdem ist diese Melodie in der Messe nicht mehr wirklich zu hören?
00:35:39: Ja, das ist typisch!
00:35:40: Das wundert mich überhaupt nicht.
00:35:42: Jetzt alle diese Melodik kennen?
00:35:43: Jetzt
00:35:44: nehmen wir es weg, ja!
00:35:44: Jetzt
00:35:45: spielen wir sie nicht
00:35:45: mehr.
00:35:46: Nein das wundert mir überhaupt nicht wobei die Verordnungen zur Kirchenmusik ihr seit Jahrhunderten Probleme machen.
00:35:55: vielleicht machen wir mal eine Sendung über die Oper Palästrina von Hans Pfitzner.
00:35:59: da kommt das auch schon vor.
00:36:00: also nicht dass dies ihre aber die Probleme mit der Kirchen Musik und der Obrigkeit die ich nicht wollte dass die Kirchen musik so ist wie sie ist Ja, wundert mich nicht.
00:36:11: Aber ich werde an der Popularität der vier Töne oder dieser ganzen Sequenz, die es ihre Nichts ändern, man wird immer das Richtige damit assoziieren.
00:36:23: Da bin ich mir
00:36:24: sicher.".
00:36:24: Ist diese Popularität eigentlich einmalig?
00:36:27: Der Tod hat seinen Leitmotiv ganz klar!
00:36:30: Gibt's noch andere Momente, Gefühle, Stimmungen, die in der Art universell erkennbares Motiv haben?
00:36:38: Also in vier Tönen?
00:36:40: das glaube ich eigentlich nicht.
00:36:42: Ich glaube da hast du jetzt herausgepickt, dass es wirklich ziemlich singulär ist.
00:36:47: Natürlich!
00:36:47: Es gibt eine Art von Musik die für Freude und Frosin steht, es gibt was anderes, das für Trauer steht so wie der Quartfall, der Kramatische.
00:36:57: also wenn die Töne so runtergehen, dann assoziiert man das mit Weinen und Trauer Nicht so, wenn man sowas geht hinter dem Weißmann.
00:37:06: Also das ist nicht positiv.
00:37:07: So wie überhaupt absteigende Melodien halt eher negativ aufgefasst werden.
00:37:11: Eher betrüblich und aufsteigend
00:37:14: immer erfreulich?
00:37:15: Ja und nein!
00:37:16: Auf der anderen Seite die schönsten Melodin von Czajkowski sind immer absteiguende Tonleiter nach im Nussknacker oder in der Sechstensymphonie Und das empfindet man nicht unbedingt gut mit Melancholie, ist alles bei Jack Rofske assoziiert.
00:37:30: Aber letztendlich ist das Absteigen an sich noch kein Zeichen für Negativität, sagen wir mal so.
00:37:40: und im Fall des Diessirre ist es doch ein klares Signal dass wirklich für den Tod steht und sofort der Schiff rüber ist.
00:37:50: Um auf die Frage zurückzukommen, das scheint mir ziemlich einzigartig!
00:37:55: Gut, dann haben wir festgehalten es gibt einfach nur diese eine große deutlich erkennbare Melodie die so deutlich eine Signalwirkung hat.
00:38:05: Mir fällt nur noch eine Melodie ein, die auch eine sehr klare Signalwirkung hat und das ist die, die wir jetzt leider gleich hören werden nämlich die Signation unseres Podcasts weil wir sind am Ende unserer Folge!
00:38:15: Danke fürs Zuhören.
00:38:16: wenn es Ihnen gefallen hat dann geben Sie uns bitte in der App in der sie uns hören fünf Sterne Und wenn Sie Anregungen haben oder vielleicht doch die andere große Melodie entdeckt haben, dann schreiben sie uns bitte an der Podcast etdiepresse.com.
00:38:45: Ciao!
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