Musiksalon: Die "Eroica": Beethoven lässt Napoleon und Prometheus tanzen

Shownotes

Beethoven selbst hat seine Dritte Symphonie, die „Eroica“, Napoleon Bonaparte gewidmet, diese Widmung aber – so will es die Legende – erzürnt wieder ausgekratzt, als er erfuhr, dass der Feldherr sich zum Kaiser gekrönt hatte. Spätere Forschungen haben ergeben, dass diese Symphonie viel eher mit dem antiken Mythos von Prometheus zu tun hat, der den Menschen das Feuer gebracht hat. Ob das Werk, in dessen Zentrum ein imposanter Trauermarsch steht, wirklich so „heroisch“ ist wie der Titel verheißt, wird immer wieder diskutiert. Auf diese Frage versuchen auch die bedeutendsten Interpreten Antworten zu geben. Jede Zeit hat ihren eigenen symphonischen Heldenmythos. In diesem Podcast beleuchtet Wilhelm Sinkovicz Beethovens Werk, das zuvor komponierte Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ und zwei außergewöhnliche Aufnahmen der Symphonie.

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00:00:00: Geschrieben auf Bonaparte stand auf dem Manuskript von Ludwig van Beethoven's dritter Symphonie, der sogenannten Sinfonia erruica.

00:00:31: Unzählige Legenden sagen, Anekdoten rankten sich um dieses Werk, von dem man nur eines mit Sicherheit sagen kann – es war damals die mit Abstand längste komplexeste Symphonie, die je komponiert worden war.

00:00:49: Etwa doppelt so lang wie noch Mozarts eineinhalb Jahrzehnte früher entstandene letzte, die sogenannte Jupiter-Symphonie, die eines mit der Eroika gemeinhat.

00:01:03: beide Werke steuern und das war ungewöhnlich auf das Finale zu eine große viersätzige Architektur in Tönen, die in einem krönenden Schlusssatz gipfelt.

00:01:18: Geschrieben auf Bonaparte – das musste die Zeitgenossen Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in Wien natürlich vor den Kopf stoßen, denn Napoleon war der Feind gegen den die Habsburger und ihre verbündeten erbittert Krieg führen mussten Denn der erste Konsul der französischen Republik trachtete mit seinen Truppen danach die Ideale der französischen Revolution von seventeinneunundachzig Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

00:01:54: Und vor allem das demokratische System in ganz Europa zu etablieren und den alten feudal Herren von ihren Drohnen zu stürzen.

00:02:05: Mit diesen Gedanken hat Ludwig van Beethoven, dem die Freiheit des Menschen über alles gegangen ist, durchaus sympathisiert und eine der Legenden besagt, dass er die Widmung an Bonaparte wütend herausgekratzt haben soll aus dem Manuskript.

00:02:25: Also erfahren hat das Napoleon sich zum Kaiser der Franzosen gekräumt hat.

00:02:33: Daran ist eines sicher war, Beethoven hat sich wie viele andere von Napoleon verraten gefühlt, denn jemand der sich selbst zum Kaiser kräumt dem kann es mit den Wertenfreiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wohl nicht ganz ernst gewesen sein.

00:02:52: Wie auch immer ein paar Monate später schreibt er einem Verleger eigentlich ist die Symphonie geschrieben auf Bonaparte.

00:03:02: also bei der Signalwirkung des Namens Ist es für Beethoven geblieben, wenn er das auch nach außen hin nicht mehr kommunizieren wollte?

00:03:12: In der Druckfassung der Symphonie heißt es dann nur noch Sinfonia erruica composta per feste giare il sovenire di un grande uomo.

00:03:23: Also eine heldische, eine heroische Symphoni komponiert um das Andenken eines großen Mannes zu feiern.

00:03:33: Mittlerweile dürfte sich herumgesprochen haben, dass es mit dieser Napoleon-Symphonie so einfach nicht sein könnte.

00:03:42: Aber natürlich ging es da um etwas Großes!

00:03:47: Der zweite Satz dieser Symphonie – das eigentliche Herzstück ist ein riesenhafter Traumarsch.

00:03:54: ungefähr so lange wie früher einmal bei Heiden oder Mozart eine ganze Symphony Vollendet war die Partitur der dritten Jahr bereits, drei.

00:04:07: Betroffen hat dann bis zum folgenden Jahr nur noch kleinere Veränderungen vorgenommen aber die große Struktur des Stücks – die war da!

00:04:15: Der Traumarsch stand im Zentrum und Napoleon war ja noch gar nicht Kaiser.

00:04:22: Die Symphonie handelt vielleicht von ihm oder den Idealen, die er damals scheinbar noch vertreten hat?

00:04:30: Und sie handelt vor allem vom Leben, von unserem Leben.

00:04:35: Von den Menschheitsträumen... ...von der Freiheit!

00:04:39: Vom selbstbestimmten Leben.

00:04:42: Das war ja Betroffens Thema Der sich zeitlebens auch mit der idealistischen Literatur Mit den Gedichten eines Friedrichschiller beschäftigt hat zum Beispiel dessen Ode an die Freude er zu diesem Zeitpunkt ja bereits vertonen wollte und die später zum Ausgangspunkt- und Zentrum der Großen auch der Freiheit, dem Freiheitsgedanken gewidmeten neunten Symphonie geworden ist.

00:05:10: Und wer die Neunte kennt, der weiß natürlich auch das schon bei der dritten für einen Beethoven nicht oberflächliche Betrachtung von Tagesthemen das Thema gewesen sein kann sondern dass es um mehr!

00:05:24: Das ist ums ganze ging ganz in dem Sinn in dem Gustav Mahler später gemeint hat eine Symphonie schreiben, das heißt eine Welt aufbauen.

00:05:37: Und Beethoven demonstriert ja gerade mit seiner dritten Symphony dass es hier um eine große viersetzige musikalische Architektur geht um ein Werk das dauerhaft gültig bleiben musste.

00:05:51: Es geht um eine allgemein menschliche Botschaft nicht um Bonaparte oder irgendjemand Anderem.

00:05:58: Die Legendenbildung hat dann ja alle möglichen Zuschreibungen vorgenommen.

00:06:05: Der große Dirigent Hans von Bühlo, hat im Zuge des deutsch-französischen Kriegs auf das Finaltema sogar eine Hymne an Reichskanzler Bismarck gedichtet.

00:06:19: Das alles ist kleinlich wenn man daran denkt was das hören dieser Musik für einen Menschen bedeuten kann wie es Kraft vielleicht auch Trost spenden kann.

00:06:33: Darum ging es Beethoven ja, wenig später hat er die Freiheitsoper Fidelio komponiert, die ja auch vom hohe Lied der Gattenliebe letztendlich zu einem großen wie in einem Oratorium besungenen Gesang auf die menschliche Freiheit mündet?

00:06:51: Also haben schon die Zeitgenossen erkannt dass hinter dieser dritten Symphonie, hinter der heroischen Symphonien noch allerhand dahinter stecken müsste.

00:07:02: Und da kommen wir auf Beethovens Spur viel eher wenn wir uns dieser Symphonies wie er selbst soweit die Skizzen suggerieren vom Ende her nähern!

00:07:14: Wie gesagt es ist die erste große Finalsympfony der vielleicht Mozart's Juppeter Symphony als doch noch kleiner dimensioniertes Vorbild gedient haben mag.

00:07:26: Und das Finale der Erruika, das enthält vielleicht auch den Schlüssel zum Haupttor in dieses gigantische musikalische Gebäude.

00:07:37: und da entdecken wir dann neben Napoleon noch einen ganz anderen Helden nämlich Prometheus.

00:07:46: Beethoven war er nicht nur in der zeitgenössischen Literatur bewandert, sondern er kannte auch die griechische Philosophie und die Mythologie inundauswendig.

00:07:57: Und Prometheus – das war ja in jenen Jahren der Aufklärung eine der Zentralfiguren für die Philosophen und vor allem für die Künstler.

00:08:09: Denken wir nur an Goethe.

00:08:12: Promethäus, der den Menschen des Feuer gebracht hat!

00:08:16: die Kultur gebracht hat und dafür auch bitter büßen musste.

00:08:21: Ihn finden wir in der Eroika wieder, und die Zeitgenossen Beethovens konnten ihn wiederfinden – denn sie haben natürlich erkannt!

00:08:30: Das ist ein gigantischer Variationssatz, der die Eroica beschließt.

00:08:34: auf dem selben Thema beruht das zum ersten Mal im Finale des Balletts Die Geschöpfe des Prometheus erklingt Dass wenig früher, im Jahr eighteenhundert-eins im Hofburg Theater in Wien mit riesem Erfolg gegeben worden war?

00:08:51: Die erste und einzige Ballettmusik die Beethoven komponiert hat.

00:08:56: Und die uns die Geschichte von Prometheus vor Augen und Ohr führt!

00:09:03: Nun ist den meisten Beethoven verehrern... ...die Ballett Musik, die Geschöpfel des Prometheus keineswegs präsent Aber sie erinnern sich sehr gut daran, wie das Variationsthema des Finalsatzes in der Eroika zuletzt einer Apotheose zugeführt wird.

00:09:52: Eine ähnliche Apotheos, eine ähnlichen Steigerung desselben Themas findet sich im Finale der Ballettmusik.

00:11:13: Also ganz offenkundig geht es bei dieser Musik die wir da in der Symphonie hören und auch im Ballett heinesfalls nur um Napoleon, sondern eindeutig auch um Prometheus.

00:11:27: Amüsant dass in beiden Fällen eine relativ simple kleine Melodie eigentlich ein Tanz zum Ausgangspunkt einer grandiosen musikalischen Entwicklung wird.

00:12:23: So erkrankt dieses Thema dieser kleine Kontretanz aus der Feder Ludwig von Beethoven bei Tanzveranstaltungen in den Jahren um eighteenhundert in Wien.

00:12:35: Denn der Komponist hat nicht nur groß angelegte Symphonie und eine Ballettmusik komponiert, sondern auch zweckgebundene Unterhaltungsmusik für Ballveranstaltung.

00:12:48: Das alles gehörte für ihn irgendwie zusammen!

00:12:51: Und in die kleine Tanzmelodie war er offensichtlich verliebt... ...und sie schien ihm tauglich für höhere Zwecke herzureiten.

00:13:02: Wir können gar nicht genau sagen, ob der Kontretanz zuerst im Zuge einer Tanzfolge bei einem Ball in Wien uraufgeführt worden ist oder ob er zunächst einmal für die Ballettmusik, die Geschöpfe des Prometheus gedacht war.

00:13:19: Wer weiß wie Beethoven über Jahrehin Ideen verfolgt hat auch melodische Einfälle, der ahnt wie erstaunlich reichhaltig die Geschichte eines solchen melodischen Einfalls bei Ludwig van Beethoven werden konnte.

00:13:37: Und jetzt wird unsere inhaltliche Betrachtung der dritten Symphonie der Eruika noch viel komplizierter als es zunächst den Anschein hatte, denn das Tanzthema ist als ein Thema aus dem Ballett Die Geschöpfe des Prometheus Zum Variationsthema für Beethoven geworden, über das er einen ganzen großen Variationszyklus für Klavier Solo als Opus thirty-fünf veröffentlicht hat.

00:14:08: Und in diesem Zuge schrieb er seinem Verleger diese Musikseinung ganz etwas Neues, dass seine neuen musikalischen Ideen und Vorstellungen dir hier umgesetzt hätte.

00:14:21: Die Manier ist ganz neu von mir!

00:14:24: Heißt das in dem Brief?

00:14:26: Und das Variationsthema dieses ganz neuen Kühnen, Variationszyklus.

00:14:32: Das klingt in der Klavierfassung des Opus-Fünfunddreißig folgendermaßen Um nun den theatralischen und den symphonischen Gedankengängen Beethoven's irgendwie auf die Spur zu kommen müssen wir doch noch einmal zurück zum Ballett.

00:15:27: Unüberhörbar!

00:15:29: Tanzt nämlich der Gott des Weines Bakus mit seinen Kumpanen in einer Szene, die offenbar das Finale des ersten Achts des Balletts gebildet hat zu einer barkantisch gesteigerten Variante dieses schlichten Tanzthemas.

00:16:04: Vielleicht nicht gerade... dieser Ausschnitt, aber vieles aus der Banettmusik zu den Geschöpfen des Prometheus demonstriert uns vielleicht.

00:16:15: Was Beethoven ein knappes Jahr später im Oktober eighteenhundertzwei gemeint hat wenn er seine Variationen über dieses Thema dem Verleger als neuartig ankündigt.

00:16:29: an diesem achtzehnten Oktoberachzehundert zwei an dem der Brief geschrieben war Da war es gerade mal acht Tage her, dass Beethoven sein heiligen Städter Testament abgeschlossen hatte.

00:16:44: Dieses bewegende Dokument eines Künstlers der mit dem Gedanken abgeschlossen hat ein normales, ein bürgerliches Leben führen zu können.

00:16:55: Beethoven war sich bewusst er wird komplett ertauben für einen Musiker wohl die ärgste Katastrophe Im Moment dieser äußersten Finsternis schreibt der Musik, die davon handelt wie sich die Menschheit aus ihren Fesseln befreien kann.

00:17:14: Napoleonisch, Prometheisch – wie auch immer!

00:17:17: Die Befreiung, die Freiheit, die Selbstbestimmtheit des Menschen das war und das blieb Beethoven's Thema bis hin zur neunten Symphonie.

00:17:30: mit der Ode an die Freude Gehen wir ein wenig zurück in der Balletthandlung.

00:17:37: Und wenn wir schon bei einem Testament sind und beim gleichzeitigen Versuch sich musikalisch zu befreien, nachdem der Vorhang über den berühmt gewordenen Ufer-Tür zu den Geschöpfen des Prometas sich öffnet, da erleben wir einen Gewitter!

00:18:51: Dem Gewitter, dem Blitzen und dem Sturm folgt Wie später in der Sechsten Symphonie, in der Pastorale die Reinigung und am Beginn der Handlung des Ballets.

00:19:06: Das sind die ersten zögerlichen Gehversuche zu erleben, die die Geschöpfe des Prometheus aus Lehm geformt unternehmen.

00:19:29: Das erinnert nun wieder an die Klavier-Variationen Opus Thema aus den Geschöpfen des Prometheus.

00:19:40: Diese Variationen beginnen nämlich nicht mit dem Kontretanz, sondern mit dessen Bass und das erinnert nun in seiner Karkheit, in seiner quasi Unbeweglichkeit an die ersten unbeholfenen Schritte der Kinder des Prometeris.

00:20:22: über diesen Bass entwickelt sich die Variationfolge.

00:20:26: zunächst einmal wird dieser Bass Tanzthema vereinigt und dann fungieren Melodie- und Bass abwechselnd, um manchmal auch miteinander als Impulsgeber für die jeweiligen Variationen.

00:20:42: Das heißt auch die Variatione und später der vierte Satz der Syphonie wachsen aus quasi unbeholfenem Gehversuchen zu ungehöriger Festigkeit und Stärke heran.

00:20:56: Alles, was Beethoven rings um sein bewegendes heiligen Städter Testament geschrieben hat ist eigentlich Musik der Befreiung.

00:21:06: Wenn wir das mit bedenken dann wissen wir auch dass es gerade in der dritten Symphonie mit dem gigantischen Trauermarsch im Zentrum den Klage laut die Verzweiflung kennt – Die Beschwörung des Todes nirgendwo einen larmoyanten Ton.

00:21:26: Immer sucht und findet Beethoven die Befreiung, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – das blieben seine Ideale daher während der Entstehung der Symphonie in den allerersten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts.

00:21:43: der Name Bonaparte als Metapher für das was gemeint war persönlich wie politisch.

00:21:52: Und um das verständlich zu machen, brauchte es den von Beethoven gemeinten neuen Stil.

00:21:58: Eine neue Musik im besten Sinn des Wortes.

00:22:02: Er wollte das hohe Ziel künstlerisch erreichen.

00:22:07: Daher auch die ganz neuartigen Variationen.

00:22:10: nicht einfach klassisch ein Thema und dann Variation eins, Variation zwei, Variations drei usw.

00:22:16: Innerhalb des Variationszyklus beginnen bei Beethoven nun im neuen Stil die Ideen, die Visionen zu wuchern.

00:22:25: Sie treiben immer neue Blüten sie strengen also die klassische Farben.

00:22:30: Grund dafür das Ausdrucksbedürfnis.

00:22:34: Also aus einem Kettenstück wo man durchaus bei den frühen Beethoven oder auch mit den Mozartischen Variationen ist es möglich die eine oder andere Variation einfach weglassen konnte oder auch die Reihenfolge ändern konnte, werden die einzelnen Teile des Variationszyklus nun zu einem großen Ganzen gebunden.

00:22:58: Und was sich inwendig abspielt das ist das was Arnold Schoenberg später entwickelnde Variation genannt hat eine einfache Kette von Variationen von kleinen Stücklein inspiriert von einem Thema.

00:23:13: die wurde zum dramaturgisch klar gegliederten kühngewölbten Bogen mit Höhe und Ruhepunkte, einer großen Finale Steigerung.

00:23:24: Da konnte man dann wirklich nichts mehr umstellen oder gar weglassen ohne dass die Architektur zum Einstürz gekommen wäre.

00:23:32: Und der Kühnebogen der Erklavier-Variationen nimmt vorweg was in der Symphonie zum grossen Finale wird auf das die ganze Symphonies zusteuert die längste, wie gesagt, die bis dahin je komponiert worden war.

00:23:49: Beethoven hat darin das Prinzip des doppelten Themas aus den Klavier-Variationen übernommen und lässt den Variationssatz, den Finalsatz der Symphonie gleich mit Blitz und Donner beginnen – wie das Ballett!

00:24:03: Und unmittelbar darauf ähnlich wie im Ballett die zögerlichen Gehversuche der Geschöpfung des Prometheus, das nackte Gerüst, das Fundament auf dem alles in der Folge errichtet wird, über dem sich die Gegensätze dann vereinigen werden.

00:24:19: Der Bass – diesmal im Pizzicato der Streicher.

00:25:02: Hierauf folgt dann wie in den Klaviervariationen zunächst einmal eine Verarbeitung dieses Bass-Themas, dann das eigentliche Variationsthema der Kontretanz und in der Ein Kaledoskop an unterschiedlichsten Ausformungen, einzelne Charaktervariationen oder auch ganze Blöcke die in unterschiedlichste Ausdrucksbereiche vordringen.

00:25:26: Sogar deutlich ungerisch gefärbte Töne gingen da einmal am.

00:25:55: Variiert werden.

00:25:57: wie gesagt beide Aspekte des Themas der Bass und die Melodie.

00:26:01: der Bass wird sogar in Fugen Form durchgeführt womit das klassische Variationsprinzip in ganz neue Dimensionen geweitet ist.

00:26:48: Noch einmal zurück zum Ballett, auch Prometheus muss seinen Geschöpfen Form geben er muss sie kultivieren.

00:26:57: dazu erhebt er sich in den Parnass und da kommt das einzige Mal in einem großen Werk von Ludwig van Beethoven sogar die Harfe ins Spiel Dieser Maßen auf wolkigen Höhen erhoben, kümmern sich nun Apollo und seine Musen um die Erziehung der Geschöpfe zu vollwertigen Menschen.

00:27:32: Nicht nur Menschen aus Fleisch und Blut sondern auch mit Geist ja mit Charakter ganz im Sinne der Aufklärung.

00:27:41: darum ist es Beethoven gegangen also ganz in Sinne von Beethoven's humanistischen Idealen Und die gehen natürlich mit menschlich allzu-menschlichen Erfahrungen Hand in Hand.

00:27:57: Es ist Melpomene, Die Muse der tragischen Dichtung, Der dir Aufgabe zufällt, Die Geschöpfe zu lehren, Dass sie sterblich seien.

00:28:09: und um Sie Mit dem Tod zu konfrontieren Tötet Melpome den Schöpfer des neuen Menschengeschlechts Prometheus.

00:28:20: Die Szene hätte man in jener Zeit wohl nicht drastischer komponieren können, als Beethoven das getan hat.

00:28:27: Wir hören vor allem auch wie entsetzt die Menschenkinder auf das Geschehen reagieren mit Angst ja in Panik und dann im Ballett zur Wiederauferstehung des Prometheus.

00:31:20: aber der Stachel des Todesbewusstseins der sitzt in den Menschen.

00:31:25: Und wenn wir nun von Prometheus zu Bonaparte zurückschwenken.

00:31:31: Also, zu Sinfonia erruica dann verstehen wir vielleicht ein wenig besser warum im Zentrum dieser Symphonie der große Trauermarsch steht.

00:31:44: Es geht da also nicht um irgendeinen Helden der gefeiert werden soll.

00:31:49: es geht um eine humanistische Botschaft und es geht Um unser aller Erfahrungen das Beethoven einen großen, zeremoniellen Trauermarsch dem Vorbild der großen französischen Pompineurs in eines seiner groß angelegten Werke integriert.

00:32:11: Die Klavisonate in Astur opus sixundzwanzig enthält bereits ein solches Stück, das formal recht ähnlich aufgebaut ist nur dass in der Symphonie die Form extrem ausgeweitet ist und die Erzählung dramatisch aufgeputzt.

00:32:30: Auch wer nicht wüsste, dass es sich hier um einen Trauermarsch handelt, wüste nach den ersten Takten mit den typischen Umsetzungen der Trommelwirbel sofort Bescheid.

00:33:48: Im Mittelteil des Satzes erleben wir nun ganz eindeutig eine Heldenfeier.

00:33:53: Es kommt zu einer gewaltigen Steigerung in Dur die für viele das späteren Trauermärsche in der Kunstmusik vorbildlich geblieben ist.

00:34:05: Nicht nur, aber nicht zuletzt für Siegfrieds Trauermarsch in Wagner's Götterdämerung.

00:34:49: Absolut einzigartig sind die letzten Minuten dieses zweiten Satzes der Eroika – das ist eigentlich schon expressionistische Musik, Musik die auf ganz subjektiven Inhalte späterer Symphonik vor allem bei Gustav Mahler hinweist und die in seiner Zeit eigentlich avantgardistisch wirken musste.

00:35:12: Die Musik zerbröselt, sie löst sich in nichts auf.

00:35:17: eine nihilistische Botschaft.

00:35:20: scheinbar.

00:38:55: Wenn wir die Handlung des Palettes, die Geschäpfe des Prometheus kennen dann wissen wir dass das keineswegs nihilisitische Klänge waren die wir hier gehört haben.

00:39:07: Von Punkt der äußersten Verzweiflung aus finden wir einen Ausweg.

00:39:14: Und das Scherzo lässt uns eine Art Wiederauferstehung hören, jedenfalls schießt der Musik neue Kraft ein.

00:39:22: Interessanterweise beginnt das Stück gar nicht in der Hauptdronart.

00:39:27: die erreicht es erst nach dem großen crescendo wenn das Hauptthema im ganzen Orchester einsetzt.

00:40:42: und lassen sie uns noch einmal zum Ballett die Geschäfte des Prometheus zurückkehren.

00:40:49: Dort findet sich im Finale unüberhörbar das Vorbild zu dieser Skerzo-Himmelfahrt, wenn ich es so nennen darf.

00:41:15: Späterstens mit dem Traumarsch muss den höheren Betrofens klar geworden sein dass es in der Symphonie nicht einfach nur um la purla geht das was spätere Kommentatoren dann die absolute Musik genannt haben, die nur sich selbst bedeutet.

00:41:34: Da werden Zeichen gesetzt wie später ganz eindeutig und mit programmatischer Grundlage etwa wieder bei Gustav Mahler zu dieser Musikkonte.

00:41:44: ja musste man sich auch etwas denken am besten etwas was einen selber wirklich etwas anging Bonaparte vielleicht Prometheus Vielleicht jedenfalls das selbstbewusste ich.

00:42:00: Das hat Beethoven mit seiner Musik angesprochen.

00:42:04: Begreifen wir diese Vielschichtigkeit, dann hören wir die Symphonie dieser Eroika vielleicht auch von Anfang an ganz anders und ganz neu.

00:42:16: gewiss sie beginnt mit den berühmten zwei vorte Akkorden des ganzen Orchester.

00:42:22: Sie kennt große Entladungen, große Steigerungen.

00:42:27: Aber gleich zu Beginn der Symphonie erklingt ja ein Hauptthema das gar nichts Heroisches an sich hat.

00:42:35: Dass eigentlich eine lyrische Gesangsmelodie ist die allerdings in der ersten Entwicklung schon ein wenig auf Abwege gebracht wird wodurch sich der dramaturgische Konflikt des Satzes erst ergibt.

00:42:50: wie auch immer.

00:42:51: Immer wieder Zwischendurch ist diese Symphonie ganz unheroisch.

00:42:57: Da redet sie von uns Menschen!

00:43:55: Und wenn wir die klargelaute der Menschenkinder in Erinnerung haben, angesichts des Todes des Prometheus – wie wir es im Ballett gehört haben -, dann verstehen wir vielleicht auch warum Beethoven mitten im Zentrum des ersten Satzes in der sogenannten Durchführung plötzlich nach gewaltigen Kämpfen nach einem gewaltigen Ringen, das Beethoven zu Dissonanzballungen führt die später erst in der musikalischen Moderne zum Beispiel fast gleichlautend den Igor Stravinsky's Sacre du Pratin wiederkehren werden ein neues, ein elegisches Gesangsthema anstimmen lässt.

00:45:26: Nach alledem dürfte klar sein dass diese Symphonie erruika für Interpreten ein ewiges Rätsel bleiben wird eine ewige Herausforderung, sich eine echte Interpretation zurechtlegen zu müssen.

00:45:43: Da ist dann natürlich jedes kleinste Detail wichtig.

00:45:47: in der großen Erzählung – zum Beispiel ist in der jüngeren Vergangenheit immer gefragt worden ob die letzte große Steigerung des ersten Satzes wirklich so triumphal klingen dürfe wie sie über die Jahrzehnte immer geklungen hat.

00:46:05: Da gibt es in der letzten großen Steigerungswelle eine Passage, die in allen Aufführungen in den vergangenen Jahrzehnten bis zum Eintritt des sogenannten Originalklang-Zeitalters komplett von den Trompeten geblasen wurde.

00:47:11: Laut Beethovens Partitur dürfte allerdings nur die erste Hälfte dieser Drehumfallenphrase in den Trompeten liegen Und nun entbrannte ein Streit.

00:47:22: Die einen behaupteten natürlich müssen die Trompeten in unseren Zeiten, die das technisch können... ...die ganze Phrase spielen?

00:47:31: Die anderen sagen nein!

00:47:32: Beethoven hat sich etwas gedacht und nicht nur wegen der technischen Mängel seines Instrumentariums auf die Weiterführung in der Trompete verzichtet.

00:47:45: Wie müßig dieser Streit ist Das möchte ich zum Abschluss dieses Podcasts anhand einer Aufnahme demonstrieren, die das so spielen lässt wie es in der Partitur steht und niemand käme auf die Idee zu diskutieren ob das so oder anders sein müsste.

00:48:04: Es kommt halt immer darauf an wer dirigiert, wer spielt und wie konsequent und mitreißend eine Interpretation gelungen ist.

00:48:15: Und das, meine Damen und Herren, was Sie nun hören werden entstand in den späten Fünfzigerjahren im Aufnahmestudio des Labels Westminster.

00:48:25: Wir hören das Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Hermann Scherchen, der sich nicht nur etwas die Instrumentation betrifft genau an das Held, was Beethoven aufgeschrieben hat sondern auch in Sachen Metronom zahlen.

00:48:42: Ich glaube nicht dass die Eroika oft in einem derart rasanten Tempo gespielt worden ist, vor allem aber glaube ich nicht.

00:48:52: Dass es vielen anderen Dirigenten gelungen sein könnte innerhalb eines solchen Tempos eine solche Vielfalt articulatorischer und expressiver Natur zu entwickeln.

00:49:07: Allegro Conbrio mit Hermann Scherchen und Demo Christodawiner Staatsoper Da haben wir unsere Tour de Orison und Betrofens Heroica beendet.

01:03:51: Danke fürs Zuhören!

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