Wer war Johannes Brahms?
Shownotes
Muss man sich zu Johannes Brahms erst „hinaufhören“? Ist er ein Komponist für Kenner? Der Hamburger Romantiker ist jedenfalls „stacheliger“ als Mozart oder Strauß – aber Katrin Nussmayr und Wilhelm Sinkovicz wären nicht das „Klassik für Taktlose“-Duo, wenn sie nicht auch sein Werk aufs Wesentliche herunterbrechen und seine Lebensgeschichte auf die spannendsten Anekdoten abklopfen könnten.
Also hören sie sich durch seine Musik, die alles außer Oper umfasst – und durchaus eingängige, bekannte Melodien. Eine davon klimpert gar aus unzähligen Spieluhren … genau: das Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“. „Das konnte der Brahms auch!“, meint Sinkovicz. Wobei Brahms mit dem eigenen Können ja selbst so seine Not hatte: Der selbstkritische Komponist schleppte seine erste Symphonie fast 20 Jahre lang mit sich herum, weil er nichts unter der Qualität von Beethovens Neunter herausbringen wollte. Seine schwächeren Frühwerke vernichtete er allesamt, damit der Nachwelt nur ja nichts davon bleibt. Übrigens auch seine Briefe an Clara Schumann: Brahms kam als Protegé von Robert Schumann zu Ruhm und zog danach bei dessen Frau Clara ein. Das Taktlos-Duo bespricht, was an der Geschichte über diese große (unerfüllte?) Liebe dran ist. Und analysiert außerdem, was es mit der Brahms-Wagner-Bruckner-Rivalität auf sich hat – und was Brahms, dem zu Lebzeiten vorgeworfen wurde, allzu konservativ zu komponieren, der Musikwelt doch Neues hinzugefügt hat.
Über den Podcast
In „Klassik für Taktlose“ ergründen "Die Presse"-Feuilleton-Redakteurin Katrin Nussmayr und Klassikkritiker Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik: Braucht jedes Orchester einen Dirigenten? Warum verstört Richard Wagner so? Was war an Mozart eigentlich so toll? Wie viel Klassik steckt in „Bohemian Rhapsody“ oder Taylor Swift? Für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.
Produktion: Wilhelm Sinkovicz / www.sinkothek.at
Audio-Finish: Georg Gfrerer / www.audio-funnel.com.
Transkript anzeigen
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00:00:20: Johannes Brahms.
00:00:22: Lieber Willi, ich muss ja zugeben, dass ich bis jetzt eigentlich fast gar nichts über Brahms gewusst habe.
00:00:28: Ich hab nur so diese Ahnung und also ... aufgeschnappt, dass Brahms ein bisschen schwieriger und weniger zugänglich sein könnte als die anderen Komponisten.
00:00:39: Also ungefähr wer zu einem Mozart oder zu einem Strauß-Konzert geht der ist musikalischer Anfänger oder Tourist und wer zu einen Brahms Konzert geht, der ist fortgeschritten.
00:00:50: Wird das jetzt eine Folge Klassik für Fortgeschritte?
00:00:53: Wir machen ja Klassik für taktlose und das können fortschrittliche Hörer auch sein.
00:00:58: also wir sind ja für alles offen, aber ich meine es gibt ja Musik von Brahms die für Einsteiger hervorragend geeignet ist.
00:01:54: Ja das kenne sogar ich!
00:01:55: Aber ich hätte nicht gewusst dass es vom Brahms ist.
00:01:57: also es ist nicht mehr so präsent gewesen.
00:02:01: Es ist ein ungerischer Tanz aus den ungerischen Tänzen die Brahms geschrieben hat und zwar auf Vorschlag seines Verlegers weil der fand im aufgeheimen nationalen Denken Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, hat sich so etwas wie die warmen Semmeln verkauft.
00:02:21: Und Brahms war ein junger Komponist, der natürlich auch Geld verdienen wollte.
00:02:25: Er hat den umherreisenden Zigeunerkabellen immer genau zugehört was die für Musik gemacht haben und das galt damals als genuin ungerische Musik.
00:02:37: Wir wissen mittlerweile auch dank der Forschung von Komponenten wie Bella Bartok oder Soltankodei dass das überhaupt nicht so war.
00:02:44: Aber für das Nationalbewusstsein der Ungarn war diese Art von Musik wichtig und überall anders hat man es als wunderbare Volklore genossen.
00:02:53: Und das ist ja jetzt nicht ungerisch, sondern fast ungerig im ungerischen Tonfall komponiert von Johannes Brahms.
00:03:02: also man sieht es nicht nur für Fortgeschritte.
00:03:05: Also ich finde das war jetzt eigentlich sehr zugänglich musikalisch.
00:03:08: Es
00:03:08: ist einfach ein echtes Hörvergnügen!
00:03:10: Okay, also das war nicht ungarisch und dann will man natürlich wissen was es denn sonst heißt.
00:03:14: von wann und von wo sprechen wir da?
00:03:17: Und wir wären ja auch nicht klassik vertaktlose wenn wir es nicht doch irgendwie schaffen oder zumindest versuchen würden jeden Komponisten auf dass runter zu brechen was man über ihn wirklich wissen muss und was wirklich im Kern diese Musik ausmacht.
00:03:29: Im Fall von Johannes Brahms Was sind denn die Eckdaten?
00:03:33: Die Eckdaten sind als eighteen drei und dreißig geboren, achtzehn siebenundneinzig gestorben.
00:03:40: Er stammte also Norddeutschland ist aber dann wie so viele andere auch von der Musikstadt Wien die damals wirklich noch eine Musikstadt war angezogen worden und hier Gräben geblieben hat sein bärbeißiges Deutsch-Trum eigentlich nie wirklich verlernt, also galt hier immer so als Zürcherster.
00:04:05: Aber man hat ihn gemocht und vor allem enorm respektiert und er starb!
00:04:13: in den letzten Jahren, als einer der geachtetsten Komponisten seiner Generation.
00:04:19: Also er war der große spät romantische oder hochromantische deutsche Symphoniker was ihm nicht an der Wiege gesungen worden ist aber was sich dann spätestens in der Wiener Zeit zu ab den sechziger jahren späten sechziegerjahren des neunzehnten Jahrhunderts dann eigentlich international relativ klar heraus kristallisiert hat.
00:04:41: Ich habe gelesen, dass er als Jugendlicher schon in Tanzlokalen Klavier gespielt hat für Taschengeld.
00:04:49: Ja ja, er hat sich von Anfang an mit der Musik sein Geld verdient und er stammte aus einem Musikerhaushalt, schon der Vater war Musiker und der Sohn war also enorm talentiert.
00:05:00: das hat man relativ bald erkannt.
00:05:03: aber es hat einer Zehenaufbauarbeit bedurft, um diesen Johannes Brahms zu dem machen was er dann für die Welt gewesen ist.
00:05:12: Nämlich ein berühmter Komponist.
00:05:14: also das hat schon eigentlich Jahrzehnte gedauert
00:05:18: und bei dieser Aufbauarbeit wurde ihm ja auch ein bisschen unter die Arme gegriffen von einem gewissen Komponnistenpaar oder?
00:05:27: Das kann
00:05:27: man wohl sagen unter der Arme gekriegt Zumindest das.
00:05:33: Er war ein Protégé von Robert Schumann, was damals sehr wichtig war weil Robert Schuman der Jahrgang achtzehn zehn war wir nennen ihn heute eigentlich so wie man die großen deutschen Romantiker aufzählt immer in einem Atemzug mit dem fast alt das Genossen Mendelssohn und dem doch deutlich jüngeren Brahms.
00:05:54: Also er gehörte irgendwie in diese Gruppe, hat sie aber in der stilistischen Entwicklung dann überstiegen eigentlich Musikgeschichte doch deutlich weitergetrieben als die beiden genannten.
00:06:09: Aber Schumann war begeistert von den frühesten Stücken von Brahms, der ein brillanter Pianist auch gewesen ist wie Schummann selber, der sich ja durch ganz blöde Aktionen leider um sein Virtuosentuben... gebracht hat, aber das gehört nicht in diese Sendung.
00:06:25: Das war mal eine Schumanns-Sendung.
00:06:27: Ja!
00:06:28: Ich habe nämlich auch in der Recherche ... Aber das ist jetzt wirklich ein kleiner Exkurs?
00:06:30: In der Rechersche für Brahmsigen war aufgeschnappt, dass Robert Schumahn als Virtuose geboren und als Talent gestorben sei was sehr traurig klingt.
00:06:38: Aber das werden wir heute nicht näher besprechen.
00:06:40: Also das kommt da an... Aber er hat sofort erkannt, dass eminente Potenzial dieser junge Mann hatte und einen ganz wichtigen Aufsatz geschrieben.
00:06:52: Das Wichtige an Schumann war, dass er nicht nur einer der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit war sondern auch ein Musikschriftsteller.
00:06:58: Er hat sich ja in der kurzen Zeit, in der er in Wien war nämlich Schumahn sogar mit dem Gedanken getragen überhaupt in die Publizistik zu wechseln und eine Musikzeitschrift herauszugeben was er dann eh getan hat aber nicht und nur mehr zu schreiben.
00:07:17: Also Gott sei Dank hat er dann weiterkomponiert, aber er war.
00:07:20: es wurde gelesen was er zum besten gab.
00:07:23: Ich glaube wir können aus eigener Erfahrung sagen dass man als Komponist oder Kompionist in mehr Weltturum und vor allem mehr bestehende Prominenz erreichen kann als
00:07:34: schreibende.
00:07:36: Ja, also jedenfalls.
00:07:37: Man muss schon einen Podcast machen und das bekommt halt ein
00:07:40: bisschen ... Dass einem halbwegs wer zuhört hat!
00:07:42: Vom
00:07:42: Schreiben kann man nicht leben.
00:07:43: Das hat auch der Schumann erfahren natürlich und er hat dann einen ganz wichtigen Aufsatz eben veröffentlicht Und in diesem Text schreibt da eben auf den muss man aufpassen, dass ist der neue Mann War ein Problem für Brahms auch.
00:08:01: Natürlich, sofort mal geschaut wer ist das?
00:08:03: Was macht er was bringt er heraus?
00:08:05: Andererseits hat er selber Brahms war einer der kritischsten Das selbstkritischsten Komponisten der ganzen Musikgeschichte.
00:08:14: Der hat bis in seine späte Phase Tonnen von Skizzen und Entwürfen Und sogar fertigen Kompositionen vernichtet Und zwar so vernichtet, dass nicht ein Stäubchen übergeblieben ist aus dem man jetzt vielleicht etwas rekonstruieren könnte.
00:08:30: Was die Wissenschaftler ja gern machen.
00:08:32: Weil sie
00:08:34: nicht gut genug waren?
00:08:35: Das war ihm nicht gut genug!
00:08:36: Wir haben witzig eines seiner frühesten Stücke ist Klaviertrio in H.A.Dur das erste seiner Klaviertrios des Opus Acht.
00:08:45: Das hat er in späten Jahren komplett umgearbeitet und eigentlich so einem neuen Stück gemacht.
00:08:53: So hat er es mit vielen Stücken gemacht.
00:08:55: Nur in diesem Fall war das frühe Stück, also die frühen Fassung schon publiziert,
00:08:59: d.h.,
00:09:00: die Grund der nicht mehr vernichten.
00:09:02: Aber wir wissen
00:09:02: z.B.,
00:09:03: er hat sich sehr schwer getan weil er eben so selbstkritisch war mit den großen klassischen Formen – mit der Symphonie, da kommen sicher noch darauf zurück und mit dem Streichquartett.
00:09:13: Er hatte wahrscheinlich schon ein Dutzend Streich-Quartette fertigkomponiert bis er sein erstes herausgebracht hat.
00:09:20: Manche wissen wir sogar, es gab ein Quartett in C-Smoll von dem wir nur wissen das ist einmal im privaten Kreis aufgeführt worden ist.
00:09:28: Er hatte es komplett vernichtet.
00:09:31: Heißt dass es gibt von Brahms keine schlechten Kompositionen?
00:09:34: Das
00:09:34: kann man fast so sagen!
00:09:36: Ich meine er hat einen reichen Werkkatalog der über Opus Hundertzwanzig hinaus geht und... Es ist wahrscheinlich einer der Komponisten, wo am wenigsten schwache Stücke in diesem Katalog drinnen sind.
00:09:52: Es gibt schon welche, wo man sagt, das müsste man jetzt nicht unbedingt haben – da sind aber nicht viele!
00:09:57: Er hat wie gesagt einige Symphonien veröffentlicht ein großes Oratorium sehr viel Kammermusik und gerade bei der Kammer-Musik und Klavier Musik natürlich weil das war sein Instrument.
00:10:10: auch bei den Symphonien und Quartetten usw.
00:10:13: ist kein einziges schwache Stück dabei, und es ist sehr unterschiedlich was er da macht von der klassischen Sonatenform bis hin zu späten Klavierstücken die schon sehr experimentell sind eigentlich.
00:10:25: aber es ist jedes dieser Stücke zieht einen sofort in Bann.
00:10:30: man kann's dann mögen oder nicht aber man wird sicher nicht abdrehen und sagen das ist Fahrt.
00:10:34: Dann hat Robert Schumann also nicht so viel versprochen in diesem Aufsatz ich habe vorhin gesagt Komponisten Paar, weil Robert Schumann ja in diesem Kontext immer in einem Atemzug genannt wird mit seiner Frau Clara Schummann.
00:10:45: Die auch komponiert hat und deren Karriere damals gerade ziemlich im Anstieg begriffen war.
00:10:52: Stimmt das?
00:10:53: Johannes Brahms ist bei den beiden ein- oder ausgegangen und war ein Hausgast sozusagen.
00:10:57: Er war auf quasi Teil der Familie wobei bei Robert Schuman eigentlich Kurz nach dieser Begegnung mit diesem Jungen, der war ein schlankerfescher Blonderbusche.
00:11:09: Der Brahms
00:11:10: jetzt?
00:11:11: Der Brahams!
00:11:11: Ein bisschen durchsichtigen Augen und so.
00:11:13: Also er muss eine faszinierende für die Damenwelt auch faszinerende Gestalt gewesen sein.
00:11:18: Und Robert Schumann ist ja leider Gottes wahnsinnig geworden und ist dann die nächsten zwei drei Jahre seinem Ende entgegengedämmert in einer Ihren Anstalt.
00:11:31: Aber in Wirklichkeit wurde dieser junge, etwas jüngere Mann – er war etwas Jünger als die Clara zum Lebensmenschen für die Clara und auch für die Kinder der Familie Schumann.
00:11:43: Die Beziehung zwischen Brahms- und Clara-Schumann Wie weit sie wirklich gegangen ist, wissen wir nicht.
00:11:50: Weil die beiden hat nicht nur seine Kompositionen vernichtet sondern auch alle Briefe, die wohl allzu privat gewesen sind.
00:11:58: also ich glaube da hat sogar so eine Session gegeben wo die beiden die Briefer verbrannt haben.
00:12:03: Also da dürfte einiges drin gestanden sein was sie befunden haben das geht die Nachwelt und die Mitwelt nichts an.
00:12:10: wie auch immer sicher ist dass die Clara bis zu ihrem Lebensende erstens einmal eine wichtige Interpretin geblieben ist.
00:12:18: Sie war einer der berühmtesten Pianisten, muss man sagen weil sie war die berühmteste Pianist in ihrer Zeit und auch von den männlichen Pianismus hochgeachtet.
00:12:28: zum Beispiel Eröffnung Musikverein In Wien, der heute sogenannte Brahmsaal wurde zum Beispiel mit einem Klavieramt von Clara Schumann eröffnet.
00:12:37: Das war damals ganz selbstverständlich, wen hat man gefragt?
00:12:39: Die Clara!
00:12:40: Und sie war für Robert Schummann die Muse und die Pianistin, die seine Werke bis zuletzt immer gespielt hat lang über seinen Tod hinaus – und für Brahms eigentlich auch.
00:12:50: Für Brahms noch wichtiger weil er war selbstkritisch.
00:12:54: das einzige Urteil auf das er vertraut hat, war das von der Clara.
00:12:58: Das war auch so, dass er manchmal mal noch Skripte geschickt hat und wenn sie begeistert war dann war das gut.
00:13:06: Und wenn sie gesagt hat der Stück ist fantastisch!
00:13:09: Ich weiß nicht da in dem zweiten Satz kann man das ein bisschen leicht frisieren?
00:13:13: Du kannst Gift aufnehmen.
00:13:14: Er hat den zweiten Satze genommen und gekübelt und einen anderen komponiert.
00:13:18: also das war eine ganz ganz enge auch künstlerische enge Beziehung.
00:13:22: was war denn dann von Johannes Brahms eines ersten fantastischen Werke.
00:13:28: Womit war sein Durchbruch erreicht?
00:13:31: Naja, das ging gar nicht so leicht!
00:13:35: Also zuerst einmal war er als großer Pianist ein Komponist von Klaviermusik und zunächst einmal vom ausladenden Klaviersonaten der dritte ungefähr in der Zeit entstanden ist.
00:13:51: Britte und Letzte hat dann keine Sonaten mehr komponiert, wo er bei den Schumanns aufgenommen worden ist.
00:13:57: Und das ist eigentlich ganz gut.
00:13:59: Hör mal da vielleicht hinein!
00:14:00: Da beginnt dieser F-Mol Klaviersonate in ganzen Tonfall.
00:14:05: Dieser trotzige Tonfall der da ist sehr ausdruckstarke, sehr dramatische Musik, ist ganz typisch für den frühen Brahms und das was die Leute damals erwartet hat und eigentlich auch ja man kann ruhig sagen überfallen hat weil es diese Art von stürmischem, unbedingten Ausdruck so ungeschminkt eigentlich nicht wirklich gegeben hat.
00:15:18: Das ist ein typischer Brahms-Ampfang der sofort mit dem vollen Geschäft beginnt und grüblerisch weitergeht.
00:15:27: also das ist keine freundliche Musik.
00:15:29: Also für den ungerischen Tänzen ist da nichts, das merkt man glaube ich beim ersten Ton.
00:15:34: Und auch das glaube gut zu hören, dieser stürmische Anfang und das was nachfolgt dieses grüblerische ist in Wirklichkeit derselbe Musik nur leiser und ein bisschen umgeformt.
00:15:47: Das ist eigentlich dasselbe Thema!
00:15:49: Das ist auch typisch Brahms wenn man so etwas hört wo sofort mit der Verarbeitung eines kleinen Motivs beginnt und eigentlich das Gegenteil herauswächst, das ist auch typisch.
00:16:00: Brahms kommt natürlich vom Beethoven her und wird aber hier bei ihm immer auf die Spitze getrieben.
00:16:05: Das war der Anfang der F-Molklavier Sonata, also der Letzten der drei Klaviersonaten, die alle drei ganz früh entstanden sind.
00:16:11: Und das war der frühe Brahms!
00:16:14: Und das erste groß angelegte Werk, also sein Leben lang gerungen mit dem Orchesterklang oder zumindest drei Viertel seines Lebens und wollte natürlich auch große Werke komponieren.
00:16:26: Das Erste was er herausgebracht hat war natürlich ein Klavierkonzert und da haben wir auch kurz den Anfang... ...das ist auch so typisch erfängt unglaublich stürme schon mit einer unglaublichen Kraft an.
00:17:23: Also ich glaube man hört dieser Mann hat als Jugendlicher sehr viele Nordseestürme miterlebt und die hat er in seiner Musik auch verarbeitet.
00:17:33: Das ist ein typischer Brahmsbeginn, das gibt deren Viele in seinem Schaffen.
00:17:38: Er hat aber auch – jetzt haben wir schon die ungerischen Tänze gehört – seine Annäherung an die österreich-ungerische Monarchie hat er dann in Wien auch zu lieblichen Tönen gefunden.
00:17:49: Da kommen wir sicher auch noch drauf zurück.
00:17:51: Aber du hast gefragt was für die Anfänge waren?
00:17:53: Dieses erste Klavierkonzert vom Stapel gelassen worden.
00:17:58: Die Leute waren sofort skeptisch, sie haben bemerkt das ist ein Wahnsinns-Talent da drückt sich einer aus aber sie waren sich nicht ganz sicher ob sie das auch hören wollen.
00:18:08: Ich finde es spannend dass Wien das Liebliche in ihm herausgelockt hat!
00:18:11: Ja ja er hat schon auch gewusst dass das ganze Teil hier nicht lustig ist Und sehr hintergründig.
00:18:18: Hat er Wien gebraucht, um das zu holen
00:18:22: auszusetzen?
00:18:25: Ja, ja, nein, nein!
00:18:27: Er hat den Charme, den er hier in Wien gefunden hat... Den hat er schon auch in Musik umsetzen können und der hat dann in späteren Jahren ganz andere Töne anschlagen können noch.
00:18:44: Er konnte das auch als Jugendlicher, hat auch als Jugendlicher Lieder komponiert und eben Kammermusik wo auch sehr zarte sehr poetische Musik drinnen ist.
00:18:54: Das ist der andere Brahms.
00:18:55: aber so wenn du sagst was ist typisch dann diese beiden Anfänge die wir gehört haben von der Sonate und vom ersten Konzert.
00:19:02: also das ist typischer Brahms dass es sich kein anderer hat sich so anfangen getraut.
00:19:07: ein Konzernwerk oder eine Sonate.
00:19:10: Liebe Hörerinnen und Hörern aus dem Norden, verstehen Sie uns nicht falsch.
00:19:15: Wir lieben Hamburg auch!
00:19:16: Wir mögen... Aber wir sind auch ein bisschen salvinverliebt.
00:19:19: Das muss man wahrscheinlich an dieser Stelle zugeben.
00:19:21: Und freuen uns wenn wir Belege dafür finden dass auch andere in dieser Stadt etwas gefunden haben.
00:19:26: Vor
00:19:26: allem wenn jemand aus dem deutschen Norden hierher kommt und hier bleibt weil er findet eigentlich möchte sein.
00:19:33: Und das Schöne ist dass man das bei Brahms auch hören kann.
00:19:36: Er hat dann ja in seinem gesamten Schaffen eigentlich alles komponiert außer Opern.
00:19:43: Kann man das so sagen?
00:19:43: Ja,
00:19:44: das kann man sagen.
00:19:44: Absolut!
00:19:45: Also in seinem Ölfräuber finden sich vier Symphonien viel Klaviermusik, viel Kammermusik auch Chorwerke und Lieder.
00:19:52: Ja wobei Chorwerk muss man sagen dass es insofern auch wichtig also in seinem ganzen Leben immer wieder Chore geleitet hat und daher für diese Chöre auch komponiert hat, nicht zuletzt dann auch in Wien im Zuge seiner Tätigkeit für die Gesellschaft der Musikfreunde.
00:20:11: Eine Sache, die man manchmal liest wenn man sich versucht über Brahms musikalisch zu informieren ist so dieser Begriff ein Nachfolger Beethovens.
00:20:20: Hat er sich als Nachfolge Beethovens verstanden oder war das etwas was ihm im nachhinein zugeschrieben worden ist?
00:20:25: Ja!
00:20:26: Das ist etwas... ich meine er hat es sicher nicht rasient gern gehört und wäre letztendlich bei einem Selbstbewusstsein dass er natürlich gehabt hat, wäre er doch glaube ich zu bescheiden gewesen sich als neuen Beethoven zu sehen der Beethoven war, vor allem im neunzehnten Jahrhundert und auch im tanzigsten Jahrhundertei.
00:20:46: Wenn es eine Nummer eins gibt dann ist das Beethoven und da wusste er schon dass da noch einige andere kommen woer sich noch hinten anstellen muss.
00:20:53: also Mozart hätte er sicher auch noch hinauf geschoben und erst recht Bach.
00:20:58: Er hat sich ja mit der älteren Musik und ganz alten Musik, also auch mit der Renaissance-Musik ganz genau beschäftigt.
00:21:04: Das war ja eigentlich ein Musikforscher!
00:21:06: Also das mit der Beethoven Nachfolge ein bisschen insinuiert das schon Robert Schumann in seinem Aufsatz über den neuen jungen Mann Brahms.
00:21:16: Denn wir dürfen eins nicht vergessen... Die Beethoven Symphonien waren eigentlich ein Gipfelpunkt, der Gipfelpunkt der Wiener Klassik.
00:21:24: Das hat man relativ bald nach Beethoven's Tod auch dann schon so benannt und es haben alle Komponisten der nachfolgenden Generationen nennen eine Scheu gehabt das Genre Symphonie und in der Kammermusik das Gegenstück des Streichquartett überhaupt anzurühren?
00:21:41: Lieber Willi!
00:21:41: Das ist jetzt auch die perfekte Rutsche, die du mir geleckt hast im nächsten Abschnitt den ich gerne mit dir besprechen möchte.
00:21:47: Ich habe mich nämlich gedacht Anstatt dass wir Brahms Leben und schaffen Station für Station im Detail durchgehen, wagen wir einen anderen Ansatz.
00:21:57: Und ich habe in meiner Recherche ein paar spannende, anektoten Erzählungen möglicherweise mythen über Johannes Brahms gefunden.
00:22:07: Deswegen schlage ich dir vor, ich erzähle dir diese Stories und du sagst mir dann was dran ist.
00:22:12: Ja wunderbar!
00:22:13: Und die erste Story wäre Brahms hat fast zwanzig Jahre lang für eine einzige Symphonie gebraucht, weil er seine erste so gut hinkriegen wollte wie Beethoven seinen neunter.
00:22:24: Ja das ist jedenfalls nicht erfunden!
00:22:25: Das stimmt... Er hat endlos lange gearbeitet an dieser ersten Symphonies und immer wieder gezögert und umgebaut, weil eben – das knüpft gleich an das einfach sich selbst gesagt habe – alle Generationen die nachgefolgt sind von Komponisten haben mit der Symphonien ein Problem gehabt und Brahms hatte auch dieses Riesenproblem, das er zwanzig Jahr lang an der Ersten gearbeitet hat.
00:22:49: Und auch Robert Schumann hat sich durchgekämpft bei seinen vier Symphonien wie Brahms oder auch nur vier Symfonien komponiert und hat eigentlich die Form ... Die Beethoven dann vorgegeben hat, vor allem mit dem neunten.
00:23:03: Dieses riesenhafte gedähnte große Aussage starke Form.
00:23:10: Hat ja eigentlich umgangen in dem man fast swittenartig so mehr als seine Klavierzyklen, ich rede jetzt von Schumann.
00:23:18: Also für seine Klavierzyklen die aus verschiedenen Charakterstücken bestanden.
00:23:23: so hat er auch seine Symphonien ein bisschen aufgebaut mit einer Ausnahme und Brahms wollte das nicht.
00:23:29: der wollte also keine neuen Switten komponieren sondern dieses diese integrale Kraft die beim späten Mozart beim Späten heiden und dann erfüllt bei Beethoven eine Symphonie zu einem großen architektonischen Ganzenmacht obwohl es vier Sätze sind Und wir alle kennen die Neunte, die in einen gigantischen Schlusskorn mündet.
00:23:49: Also das heißt eine große dramatische Entwicklung vom ersten Ton bis hin zum Schlusserkord.
00:23:55: Er wollte das mit seinen Mitteln auch erreichen und für seine Zeit neu erreichen.
00:24:01: Und tatsächlich hat er es mit der ersten auch geschafft!
00:24:06: Da war er dann schon sehr berühmt – das waren die späten sechziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts –.
00:24:14: Dirigent und Pianist.
00:24:15: Hans von Bülow hat gesagt, das ist jetzt die Symphonie.
00:24:19: Die Beethoven wirklich nachfolgt vierzig Jahre nach dessen Tod Und das ist die zehnte Beethoven.
00:24:27: Das
00:24:27: war natürlich aber auch eine wahnsinnige Hypothek für diesen
00:24:31: Raps
00:24:32: Ein riesenerwartungszug der mit dem Schumann auf Satz bereits geweckt worden ist.
00:24:40: Mühevoll, also er hat schon selber gewusst.
00:24:42: Wenn ich jetzt eine Symphonie bringe, dann muss die wirklich hinhauen und die hat auch hingehaut fängt übrigens genauso mit so einem unglaublichen Paukenschlag an oder mit Pauken schlägen sogar wie das Klavierkonzert.
00:25:40: Das ist genau der Komponist der F-Mol Sonate des D-Moll Klavier Konzerts.
00:25:45: Jahre später auch wieder ein großer, stärker Beginn wo man weiß also da kommt jetzt das große Drama im Konzertsaal.
00:25:53: Also typisch Brahms und wenn wir schon sagen Symphonie in zehn Mal... Die große Beethoven-Symphonie jenseits der neunten war immer die Schicksalssymphonie, die fünfte Symphony in zehn mal Und das haben wir immer gesagt Das ist der große Plan per Asperer an Astra, also durch Nacht zum Licht.
00:26:15: Genau dieses Konzept hat Brahms in seiner Ebenfalls in C-Moll stehenden ersten Symphonie.
00:26:21: und, weil du sagst die neunte Symphonien das Finale hat ein Thema, ein Hauptthema...
00:26:28: Das
00:26:28: Finale der Neunten oder?
00:26:29: Nein, das Finalle der Zehnten Beethoven
00:26:32: von
00:26:33: Brahms hat einen Hauptthemer dass ganz klar sich am Freude-Thema der neunten Beethoven orientiert.
00:27:13: Wir haben da jetzt gerade die Ode an die Freude versucht, drauf zu singen.
00:27:16: Es geht sich halbwegs aus!
00:27:18: Ja
00:27:19: es ist deutlich verwandt und es dient auch einem ähnlichen Zweck.
00:27:25: Es lösen sich hier alle Krämpfe, die davor abgehandelt werden – wir haben den düsteren Beginn gehört.
00:27:32: Das ist schon das Beethoven-Konzept aber natürlich ein halbes Jahrhundert später mit für andere Menschen von einem anderen Menschen neu definiert und in quasi schon im nächsten Jahrhundert weisen.
00:27:46: Das ist eine andere Musik, die aber deutlich auf den Ideen Beethovens aufbaut.
00:27:52: Und ich meine, er Brahms ist natürlich sofort darauf hingewiesen worden.
00:27:56: ein hochadeliger Hörer der ersten Aufführung hat gesagt ja mein lieber Brahms das ist aber schon interessant das klingt ein bisschen nach dem Freude Thema vom Beethoven.
00:28:06: Und er hat gesagt, ja wissen Sie was das Interessanteste ist?
00:28:09: Dass jeder Esel gleich hört.
00:28:12: Also
00:28:12: auch typisch Brahms!
00:28:13: Er war immer dieses Bärbeißige und hat immer geabt bis zum Schluss.
00:28:16: Immerhin haben wir es jetzt auch erkannt und dürfen uns zur Riege der Esel zählen.
00:28:20: Apropos schöne Zitate... also Brahms hat ja wirklich zwanzig Jahre lang fast gerungen damit diese Symphonien fertig zu bekommen Irgendwann zwischendurch, erste Versuche auch wieder umgebaut zu sonaten hat die anderweitig umkomponiert.
00:28:36: Hat dann irgendwann Freunden den ersten Satz vorgespielt und daraufhin ist aber lange nichts mehr gekommen.
00:28:42: Und auf Nachfragen dieser Freunde hatte dann immer so ausweichend geantwortet und halt erklärt es wäre halt so schwierig nach Beethoven noch eine Symphonie zu komponieren.
00:28:52: Es gibt da einen Brief an seinen Freund Hermann Levy In dem er schreibt, du hast keinen Begriff davon wie unser einem zu Mutter ist wenn er immer so einen Riesen betofen hinter sich marschieren hört.
00:29:06: Was ich dazu passend schönes gelesen habe, ist dass er tatsächlich in seiner Wiener Wohnung eine Beethoven-Büste förmlich im Nacken hatte.
00:29:15: Also irgendwo ist er selber schuld?
00:29:17: Ja, er konnte nichts dafür!
00:29:19: Man hat das Potenzial... also schon Schuhmann hat das potenzial in ihm erkannt.
00:29:23: Die Zeitgenossen haben es früher oder später auch erkannt Und da muss man sagen, ja.
00:29:28: Und dann war der Erwartungsdruck wahnsinnig hoch!
00:29:31: Weil er hatte schon sehr viele Werke veröffentlicht.
00:29:34: Ich hab die erste Symphonie ist Opus Achtund Sechzehn.
00:29:37: Aber dann hat er sich auch noch eine Büste vom Beethoven ins Zimmer gestellt?
00:29:41: Er
00:29:41: hat noch ganz andere Sachen.
00:29:42: Er hat auch Autografen gesammelt.
00:29:44: Er hatte Mozart-Autographen, er hatte Heiden-Autografen ... Er war ein wirklich hochgebildeter ... Total an der Musikgeschichte interessierter Zeitgenosse.
00:29:56: Er hat Schubert Gewerke herausgegeben, als für seinen Verleger und so.
00:30:01: Also er war umfassend gebildet, wusste
00:30:04: alles,
00:30:04: kannte alles und je mehr man kennt – ich meine, je mehr ein Musikkritiker jetzt plaudert sich aus der eigenen Schule oder überhaupt ein Kulturjournalist Texte von Alfred Polgar liest, umso eher erschießt er sich bevor einen Satz veröffentlicht weil er weiß er wird das nie zustande bringen.
00:30:24: und dem Brands ist es auch so gegangen.
00:30:26: Er hat die Beethoven-Symphonien und die Mozart-Synthphonie und die Heidensymphonie und alles vorher auch.
00:30:30: Das Schumann natürlich genau studiert gehabt.
00:30:33: Schubert!
00:30:34: Die große C-Tour-Symfonie, gekrante das in und auswendig?
00:30:38: Wusste also daher natürlich auch, dass die erste große Symphonie nach Beethoven von Schubert komponiert worden war?
00:30:46: Das hat er auch gekannt.
00:30:47: So, dann hat er ja erst die Elfte betroffen.
00:30:49: Erst quasi die Elft.
00:30:50: Aber das Schöne ist... Es ist ihm da mit der ersten aber der Knopf aufgegangen und er war dann im Jahr drauf am Wörtersee innerhalb von wenigen Wochen die zweite Symphonie komponiert.
00:31:00: Dann
00:31:00: ist es leicht gegangen!
00:31:01: Der Fluch der großen Idole war gebrochen
00:31:04: und er konnte wieder schreiben.
00:31:06: Und das ist dann ein ganz lichtes Werk in D-Dur wo die herrlichste entspannteste Musik vorkommt?
00:31:13: Nicht nur Und da sieht man auch den Zyniker Brahms, der dem Verleger geschrieben hat die neue Symphonie werden sie mit einem Trauerrand veröffentlichen müssen.
00:31:24: So düster ist er und die Posaunen kommen schon in den ersten Takten vor.
00:31:28: Das stimmt!
00:31:29: Er beginnt ganz lyrisch und das sinkt dann in sich zusammen und dann kommen so ein paar dunkler Wolken.
00:31:36: aber im Übrigen ist es die sonnigste Musik, die sich überhaupt denken lässt die Posaunen und die Balken, aber das Ganze löst sich immer wieder in sonnigsten Wörtersee sommerfrischen Ton auf.
00:33:29: Das ist auch Brahms!
00:33:30: Auch so konnte eine Symphonie beginnen.
00:33:33: Und damit zur nächsten Brahms-Story, die ich dir vorbereitet habe... Du hast es schon ein bisschen angeschnitten?
00:33:40: Brahms hatte eine große unerfüllte Liebe zu Clara Schumann.
00:33:45: Was ist da dran?
00:33:46: Unerfüllt weiß man nicht, aber es war eine Liebe die ganz tief war und die wirklich bis zum Lebensende gehalten hat.
00:33:58: Sie ist ein bisschen vor ihm gestorben, aber nur ein paar Monate.
00:34:02: Und sie haben bis zuletzt ein ganz inniges Verhältnis... Per Brief bewahrt sich.
00:34:09: und wie gesagt, also es gab für Brahms kein Stück das er herausgebracht hat dass er nicht vorher der Gara übermittelt hätte.
00:34:17: Und war diese Liebe platonisch, romantisch, erotisch?
00:34:21: Das
00:34:21: wüssten wir alle gern!
00:34:24: Wir wissen es nicht.
00:34:26: Es gab dann die unglaublichsten Gerüchte, auch dass der jüngste Schumannssohn vielleicht vom Braem sein könnte und lad das so Sachen erholt hat an Pate von einem der Schumankinder.
00:34:35: Wir wissen überhaupt nichts über sein Privatleben – das ist nämlich ganz interessant!
00:34:40: Also wie gesagt, er hat nicht nur seine Komposition vernichtet sondern wirklich auch sämtliche Spuren dessen
00:34:47: Was er
00:34:47: gelebt hat, ja absolut.
00:34:48: Also wir wissen von Freundschaften und was die Freunde uns übermitteln aber das ist mehrheitlich eigentlich wirklich anektotisch zeigt uns was für ein hintergründig humorvoll manchmal bösartiger Mensch er sein konnte verrät aber nichts frei.
00:35:08: nach Leha wie es da drin aussieht geht niemand etwas an.
00:35:12: Also, wir wissen nichts über ihn.
00:35:14: Wir können es nur aus der Musik heraus hören und da haben wir ja jetzt die Beispiele für sehr artistere Seelenzustände aber auch für sehr kontemplative entspannte lyrische wie liebevolle Musik.
00:35:28: Und das gibt schon auch Musik wo man weiß dass sie für bestimmte Interpretinnen gedacht ist Wo man sich dann schon noch was denken kann.
00:35:39: dazu Wenn Peter Brands Lieder einer bestimmten Sängerin so denkt, die ihn in der Sommerfrische besucht und der schon sozusagen auf dem Kopfpolster das neue für sie komponierte Lied präsentiert.
00:35:55: Und das ist dann schon natürlich nicht ganz knallhart ein Liebeslied aber schon etwas wo man sich zwischen den Zeilen denken kann.
00:36:04: Aber wir wissen nix!
00:36:05: Wir können nur solche Fakten sammeln Aber wir werden nie erfahren, ob das platonisch war wie du sagst oder ob sich da was erfüllt hat.
00:36:16: Das
00:36:16: können wir nicht sagen.
00:36:18: Was wir aber schon wissen und das finde ich sehr spannend ist dass sobald Robert Schumann in diese Anstalt sich einweisen hat lassen, ist offenbar Johannes Brahms bei den Schumans zu Hause eingezogen und hat –das finde ich besonders interessant– den Haushalt geführt während Clara Schummern auf Konzertreise gegangen ist?
00:36:38: Also es war ein ganz ähnliches Verhältnis zu den Schumanns.
00:36:42: Das muss man sagen, zur ganzen Familie hat auch die Kinder alle wirklich gern gehabt.
00:36:48: Das war seine Familie letztendlich aber halt auch nicht so dass das dabei geblieben wäre.
00:36:53: Wir waren dann natürlich getrennt und er hat im Wien gelebt und war immer eine Junggeselle.
00:37:00: Und Clara Schuman wiederum, der hat ihren Mann Robert Schuman um vierzig Jahre überlebt.
00:37:04: ist sie single geblieben?
00:37:07: Ja, sie ist dann singe geblieben.
00:37:09: Sie hatte ja ihren Johannes!
00:37:12: Ja gut also auch das ist eine Antwort.
00:37:15: Damit komme ich passenderweise gleich zur nächsten Brahms Story die auch sehr denkwürdig ist so sie denn stimmt nämlich Brahms hat den Frauen abgeschworen.
00:37:26: es gibt einen Brief den hat er mit Mitte Fünfzig geschrieben an den Schriftsteller Viktor Wiedmann und darin schreibt er Kontext, wie haben wir schon gesagt.
00:37:35: Er hat ja nie eine Oper geschrieben, immer nur alle anderen Formen der Musik und in diesem Brief schreibt er, er werde jetzt auch keine Oper und keine Heirat mehr versuchen.
00:37:46: Das sind zwei Dinge die lässt er aus!
00:37:49: Ich habe dann auch einen Artikel des bayerischen Rundfunks also einer durchaus Qualitätsquelle gefunden.
00:37:56: da steht drinnen Brahms habe eigentlich schon lange davor den Entschluss gefasst keine fixe Bindung mehr einzugehen.
00:38:03: Offenbar hatte auch nicht die beste Einstellung zu festen Beziehungen, man könnte Bindungsangst dazu sagen.
00:38:08: Vielleicht
00:38:08: ja!
00:38:10: Er hat offenbar gedacht eine Beziehung wäre eine Fessel, die sein künstlerisches Genie an der Entfaltung hindert.
00:38:17: Er hatte aber Beziehionen... er war verlobt mit einer Göttinger-Professoren-Tochter namens Agate von Siebold.
00:38:26: Er war angeblich Wie viel weißt denn du darüber?
00:38:29: Auch verliebt ihn die Tochter von Clara Schumann.
00:38:32: Ja, es gab sogar Bestrebungen, dass er die vielleicht heiraten wollte was aber verhindert worden ist sozusagen.
00:38:42: Er war dann immerhin ihre Trautzeugin als sie dann einen Grafen geheirateten.
00:38:46: Also wie gesagt die Beziehungen zu den Schumans und so den Schuman-Damen waren sehr innig.
00:38:55: Und auf der anderen Seite, er war sicher ein extremer Sonderling.
00:39:00: Der wie gesagt ja auch nicht zimperlich war im Umgang mit den Zeitgenossen und der immer bewahrt war sozusagen als Igel seine Stacheln nach außen zu kehren und der niemand dran gelassen hat.
00:39:15: Das stache liege bei ihm also sich manchmal witzig, manchmal auf dem Rücken eines andern relativ boshaft Aber die Stacheln waren immer da.
00:39:27: So wie wir gehört haben am Beginn der zweiten Symphonie, das ist ganz... Da strömt er hin und dann kommen doch die Bautentöne und die Posaunen.
00:39:35: Also über den Wörtersee ziehen auch manchmal die Wolken und verdunkeln das Idyll ein wenig ... Er hatte das alles in sich!
00:39:44: Und er hat wirklich sowohl in den Liedern als auch in seinen Instrumentalwerken doch alle menschlichen Leidenschaften von A bis Z irgendwie abdecken können.
00:39:57: Also man kann sich mit dieser Musik schon identifizieren, die spricht schon die Gefühle an.
00:40:03: also er hatte diese Gefühlen wie weit dass sie jenseits der fünf Notenlinien ausgelebt hat.
00:40:09: Wie gesagt werden wir nicht mehr erfahren.
00:40:11: Und beim Stacheligen zu bleiben?
00:40:12: Die nächste Brahm Story!
00:40:14: Er war ein Rivaler von Richard Wagner.
00:40:16: Ja das kann man sagen.
00:40:17: ja obwohl ich habe genau gewusst was dieser Richard Wagner konnte.
00:40:23: Das ist gar keine Frage.
00:40:24: Es gibt doch einen Briefwechsel, nicht sehr übig aber doch.
00:40:29: und es gibt die Anforderung
00:40:32: z.B.,
00:40:33: also er wollte gerne eine Partitur der Meistersinger haben und hat den Wagner gebeten, ihm doch eine zukommen lassen.
00:40:42: auch da wieder typisch diese untergründige Bosheit.
00:40:45: Der Wagner schickt ihm dann eine Reingold Partitur und schaut die Meistersinger sind dem leider ausgegangen, was man überhaupt nicht glauben kann.
00:40:54: Man wollte ihm heute Meistersingern nicht schicken sondern hat ihm das Reingold geschickt.
00:40:58: also so eine kleine Bosheit hier und da weil er natürlich genau wusste dass Brahms unter Presse Musikkritiker Eduard Hanslig Eigentlich in Wien so eine Anti-Wagnerfront aufgebaut hatten, die sich aber gar nicht so sehr gegen den Wagner entladen hat.
00:41:14: Sondern vor allem gegen den großen Wagnerianer Anton Bruckner der ja da direkte Konkurrent von Brahms gewesen ist.
00:41:20: Beide haben in Wynge gearbeitet beide waren Symphoniker und da ist es schon wirklich sehr hart zu gegangen weil die Parteikänger vom Brahms wütend gegen Bruckener agitiert haben Und umgekehrt.
00:41:35: dann zum Beispiel der junge Hugo Wolf, als Kritiker des Wiener Salonplatz über Braem sich unfletigst geäußert hat.
00:41:46: In einem einzigen Beckenschlag von Franz Liszt steckt mehr Musik als in allen bramsischen Symphonien und Serenaden zusammengenommen.
00:41:52: So ungefähr klingt das dann!
00:41:54: Also da waren ganz arge Parteihungen im Wien des ausgehehnten neunzehnten Jahrhunderts, da waren die Bruckner-Veräherer und die Wagnerianern und die Brahminnen auf der anderen Seite.
00:42:05: Die Brahminen?
00:42:05: Okay also zwei Camps.
00:42:07: wenn du eine Zeitmaschine hättest und dort zurückfahren könntest welchem Lager würdest du dich anhängen?
00:42:14: ich hätte Wirklich immense Schwierigkeiten, weil ich schon als Pup in die vierte Brahms genauso verliebt war wie in die achte Brugner.
00:42:22: Also für mich sind diese beiden unverzichtbar als Symphoniker und Wagner als Opernkomponist sowieso.
00:42:30: also ich könnte mich da keinem Lager anschließen.
00:42:32: Ich wüsste nicht wo ich gestammten wäre.
00:42:35: Also meinem Charakter wenn ich mir den Spiegel schaue entsprechend wär' ich wahrscheinlich auf der Seite von Wagner und Brugna.
00:42:43: schweren Herzens, wenn man sich schon irgendwo hinwenden muss mich dorthin wenden.
00:42:48: Aber mir würde was abgehen.
00:42:49: also wenn wir mich so wählen ließe nehme ich alle drei.
00:42:52: das ist gar keine Frage.
00:42:54: Was mich jetzt aber trotzdem interessiert Wagner hat ja auch ihre gespottet über Brahms und ganz fiese Dinge geschrieben.
00:43:01: Interessanterweise in einer Schrift die eigentlich eine antisemitische Schrift von Wagner war wobei gar nicht jüdisch war, aber offenbar hat Wagner alles Jüdisches so gehasst.
00:43:12: Dass das was er gehast dann auch jüdische wurde in seinen Augen.
00:43:17: Brahms wiederum hat über Wagner also nichts überliefert dass er da irgendwie zu ihm gemein gewesen wäre oder gestichelt hätte.
00:43:24: Aber was mich ja auch interessiert Die beiden waren ja eigentlich gar keine wirklichen Konkurrenz, oder?
00:43:30: Weil Wagner hat Opern gemacht und Brahms alles andere außer Opern.
00:43:34: Stimmt!
00:43:34: Warum sind die sich dann überhaupt in die Quere
00:43:36: gekommen?!
00:43:37: Ja vielleicht hat Brahms auch deshalb keine Opern komponiert weil es den Wagner gab Und er gewusst hat... Dort kommt er nicht hin Oder dort will er vielleicht auch nicht hin Aber er hat gewusst.
00:43:48: das ist die deutsche Oper der Zeit.
00:43:51: Und wenn ich jetzt das Wort Deutsch verwende Dann verwende ich es ganz bewusst, den.
00:43:55: Brahms war wirklich ein überzeugter Deutsch-Nationaler.
00:43:59: Er hat im Zuge des deutsch-französischen Kriegs, als Chauvinismus wirklich nicht fehlen lässt.
00:44:11: Das wird auch meistens unter den Teppich gekehrt, kein Mensch kennt das Triumphlied von Brahms.
00:44:18: Es ist vielleicht auch besser so wenn man am Anfang gesagt es gibt keine schwachen Stücke.
00:44:21: dieses ist aber also ich meine sie waren sich ja politisch sehen Sie nicht weit auseinander gewesen.
00:44:32: Denken an das große Deutschland, das war den Brahms genauso irgendwie wie dem Richard Wagner vielleicht sogar noch mehr.
00:44:40: Also wie gesagt der eigentliche musikalische Feind war nicht Wagner sondern Brugner und wir haben von Brahms sogar überliefert.
00:44:47: er war sogar beteiligt ich weiß jetzt nicht bei welcher Gelegenheit aber bei irgendeiner Wiener Erst aufführung ich glaube von Meistersingerfragmenten hat Brahms mit geholfen beim Stimmen ausschreiben.
00:44:59: Er wusste sehr genau, wie wichtig und wie bedeutend Richard Wagner ist.
00:45:03: Und wie gesagt, dass er keine Opern geschrieben hat, hat schon mit der von ihm erkannten Größe das Beirat zu tun.
00:45:10: Das glaube ich eigentlich schon.
00:45:12: Könnte man auch zwei Lager machen?
00:45:15: eher bewahrenden, konservativeren Komponisten und eher denen die sagen wir machen etwas Neues.
00:45:22: Und da hat Brahms ja nicht dazugehört.
00:45:25: Das ist nämlich jetzt sehr interessant.
00:45:26: was du sagst das ist die allgemeine Anschauung!
00:45:29: Da war die sogenannte neudeutsche Schule angeführt von Richard Wagner und Franz Liszt.
00:45:35: Das waren die die gesagt haben symphonien klassische Symphonien, klassischer Form kann man nicht mehr komponieren Und List hat ja erfunden sozusagen die symphonische Dichtung.
00:45:44: Das sind einsätzige, manchmal auch mehrsetzige, aber jedenfalls immer programmatische Stücke.
00:45:49: Musik, die ein Programm hat eine poetische Idee, die erzählt worden ist.
00:45:55: gegen diese neue deutsche Richtung hat sich der Pressekritiker Hans Lick ganz entschieden gewendet und hat gesagt das ist sozusagen unmusikalisch und das ist eine Art von Zukunftsmusik eine Zukunft, die ich nicht darum beneide.
00:46:12: Hat er dann irgendwo mehr geschrieben bei einer Bruckner-Kritik und in diese Reihe hat man dann auch Bruckener gestellt obwohl der nie Musik veröffentlicht hat wo irgendein Programm dazu veröffentlich worden ist.
00:46:24: Und auf der anderen Seite hat man den Brahms auf den Schild gehoben.
00:46:26: das is der große so wie du jetzt insinuiert hast da große konservative Der bewahrt die klassischen Formen Das stimmt!
00:46:33: Auf der einen Seite hatte er eben um diese klassische Form auch immer gerungen Wie wir gehört haben.
00:46:40: Die Musiksprache von Brahms ist äußerst fortschrittlich.
00:46:44: Und das ist, was wir schon gehört haben.
00:46:47: wie ein Thema zu einem anderen wird aus derselben Zelle entwickelt sozusagen A und B Jeng and Yang die Behauptung und ihr Gegenteil.
00:47:00: Das haben sie bei Beethoven gelernt aber das gibt es bei Franz Liszt ganz genauso.
00:47:04: Da kann man auch sehen da sind drei vier Töne.
00:47:07: Aus denen entwickelt sich ein ganzer Kosmos Und bei Brahms ist es genau dasselbe.
00:47:13: Das ist faszinierend, und da hat zum Beispiel Arnold Schönberg am Beginn des XX Jahrhunderts einen Artikel geschrieben, der gegenüber diese Anschauung gesagt hat – das stimmt überhaupt nicht!
00:47:26: Der Artikel heißt «Brahms der Fortschrittliche», wo er sagt also das Prinzip der entwickelnden Variation, das man ein Thema als Grundlage nimmt und immer was Neues draus entwickelt.
00:47:39: Das ist etwas, was die Musikgeschichte weitergebracht hat und was eigentlich direkt in die Ästhetik der modernen führt.
00:47:46: Der musikalische Moderne führt.
00:47:47: und der Schoenberg, der natürlich genau gewusst hat wer Wagner war, der sehr wichtig war für ihn, der auch gewusst wird wer Brugner war, er hat gesagt aber unsere Keimzelle ist die Musik von Brahms.
00:47:58: Denn man kann das so-und-so sehen!
00:48:00: Das waren unterschiedliche Parteierungen im Wahrheit.
00:48:04: Hier war der Brugger genauso modern wie der Brahms, Unmoderner als Brugner.
00:48:11: Das wird meistens so dargestellt, weil er heute viersetzige Symphonien und Streichquartette komponiert.
00:48:17: Der Brugger hat das auch getan aber in einer Tonsprache die ganz eindeutig an Wagner auch orientiert war.
00:48:23: Und das haben die Zeitgenossen halt nicht so gern gesehen!
00:48:27: Die haben Brahms vorgeworfen, er würde nur alten Kram machen.
00:48:30: Aber aus heutiger Sicht können wir sagen ... Er hat der Musikgeschichte durchaus etwas hinzugefügt.
00:48:35: Absolut!
00:48:36: Nein nein, er hat die Musikgeschichten genauso weitergetrieben wie die anderen genannten.
00:48:40: Jetzt haben wir schon einige Hörproben gehört.
00:48:43: Welche Kompositionen oder welches weitere Stück von Brahms sollte man den kennen?
00:48:49: Oder könnte man womöglich kennen ohne dass man ahnt das es von Brahmas ist?
00:48:55: Das ist eine gute Frage, die ich jetzt zweiteilig beantworten möchte.
00:48:59: Der zweite Teil der Frage ist schön was könnte man kennen ohne dass man weiß das es von Brahms ist?
00:49:06: und da stoßen wir auf einen Brahms den wir schon in der zweiten Symphonie so ein bisschen angespielt haben der plötzlich ins Lyrische ins Zartbeseitete geht Und der sich ganz eindeutig und wie gesagt er war ein großer Sammler und Kenner, der sich nicht nur mit den alten Meistern beschäftigt hat.
00:49:24: Der sich auch mit der Volksmusik beschäftigt hatte!
00:49:26: mit der deutschen Volksmusik natürlich vor allem, also ungerische Tänze.
00:49:30: gut und schön.
00:49:31: Aber das deutsche Volkslied hat er gepflegt, herausgebracht, neu gesetzt oft vielstimmig gesetzt auch in den Chorekompositionen die wir schon erwähnt haben.
00:49:40: Und dann hat er im Stil des deutschen Volkslieds, hat er selber einige Lieder komponiert und eines davon zumindest ist sehr berühmt geblieben
00:50:49: Das berühmte Stück von Johannes Brahms ist ein Wiegenlied
00:50:53: Das
00:50:54: wiegenlid.
00:50:56: Also jeder hat das über seiner Wiege als Spieldosenmelodie irgendwie über einen Faden gezogen und hat sicher das gespielt.
00:51:05: Vermutlich!
00:51:07: Und auch da hätte man... vermutlich als kleines Kind nicht gedacht und auch als Erwachsener nicht, dass das von Brahms ist.
00:51:14: Das kann
00:51:14: ich so bekannt sein oder?
00:51:15: Es ist nicht so, dass ich aufgewacht bin und gesagt habe, der Brahms!
00:51:17: Also sicherlich
00:51:18: nicht.
00:51:18: War dein erstes Wort Brahms?
00:51:21: Nein, man kommt gar nicht auf die Idee weil jeder, der das hört glaubt es ist ein Volkslied.
00:51:26: Aber es ist wirklich eine Komposition von Brahm's.
00:51:28: Eine
00:51:28: Komposition vom Brahms, das ist so viel, komm lieber Mai und Mache ist auch ein Volkslied aber es ist vom Mozart komponiert.
00:51:34: Und der Brahmas konnte das auch.
00:51:35: Wer konnte das noch?
00:51:37: Das muss man schon fragen.
00:51:39: Das konnte der Brahms auch.
00:51:41: Er hat das so verinnerlicht, den deutschen Volkstohn, dass er ein deutsches Volkslied komponieren konnte.
00:51:48: Der Mozart hat sowieso alles kennengelernt.
00:51:50: Das wissen wir eh!
00:51:51: Der Brahms war auch ziemlich talentiert wie man da hören kann.
00:51:55: und die zweite Teil der Frage oder eigentlich der erste Teil der frage was müsste man kennen?
00:51:59: Ein Stück muss man ganz unbedingt noch kennen.
00:52:02: Und das ist eigentlich, weil du ganz am Anfang gefragt hast, womit hat er denn den Durchbruch geschafft?
00:52:06: Also jedenfalls nicht mit dem ersten Klavierkonzert.
00:52:08: Das war viel zu zerklüftet für die Zeitgenossen aber mit einem großen Chorwerk aus seiner Feder ein deutsches Requiem Wenn wir schon bei Brugner waren der katholische Komponist Der Musikant Gottes hat man ihn genannt und Brahms wahrscheinlich ein Atheist war oder einen Agnostiker.
00:52:31: Also jedenfalls nicht jemand, der sich mit den letzten Dingen auseinander gesetzt hätte und er hat also jetzt nicht das katholische Requiem verdornt sondern er hat ein Requiem komponiert für dass er sich die Texte in der Bibel selber zusammengesucht hat.
00:52:51: Und das ist ein Werk, das nun wirklich eine enorme spirituelle Komponierung hat, eines der größten Chorwerke der deutschen Romantik ist.
00:53:00: Darüber gibt es überhaupt keinen Zweifel und das auch immer so.
00:53:04: wie haben schon dieses ganz ausdrucksvollen Symphonie- und Sonatenanfänge gehört?
00:53:09: Es gibt auch in dieser Musik ungeheuer ausdrucksvolle Momente tragische Momente im vorletzten Satz Auch eine Art DSIere also die Beschwörung der Apokalypse des jüngsten Tages aber eben ein deutscher Sprache mit anderen Mitteln Und in der Mitte aber Sätze, die auch wirklich Trost spenden und die dann so angelegt sind wie dieses Wiegenlid.
00:53:33: Dass man sagt ja es wird eine Erlösung geben!
00:53:36: Also das ist für jemand der ein Atheist oder Agnostiker gewesen sein soll doch auch wieder eine ganz interessante Aussage.
00:53:42: Es ist nicht vorbei wir haben eine Hoffnung Und diese Hoffnung vermittelt uns dieses deutsche Requiem ganz klar, wie es uns auch den ganzen Schrecken des jüngsten Gerichts vermitteln.
00:53:53: Insofern ist das eine geistliche Komposition, obwohl sie nicht liturgisch gebunden ist – nicht protestantisch und nicht katholisch oder gar nix.
00:54:01: Aber sie ist eine geistsliche hochgeistige Komposion die enormes Potenzial hat bis heute und die Wirkung nicht verfehlt!
00:54:10: Das Diäsiere ist also wirklich eine Anrufung der hohen Gewalten am jüngsten Tag.
00:54:19: und da ringt sich die Musik aber durch zu einem unglaublichen Kampf ein großes Ringen, in dem immer wieder gefragt wird Tod.
00:54:29: Wo is dein Stachel?
00:54:30: Hölle!
00:54:31: Wo is dein
00:54:32: Sieg?!
00:54:32: Und dann iß ein eminenter Durchbruch und dann weiß man das Geschichte kann auch gut ausgehen.
00:57:23: Das würde ich mir nicht als Spieluhr ins Bett mitnehmen.
00:57:26: Nein,
00:57:26: nein!
00:57:26: Das ist existenziell.
00:57:28: und wenn man das hört... Also hier beginnt dann die große Schlussfuge aber dieses Überschwappen in einen neuen Seinszustand dass man da erlebt mit dieser Wendung nach Tours, die hart erkämpft ist weil man weiß wir werden hier nicht mehr zurückfallen.
00:57:44: Also diese Erlösung ist möglich und das ist musiktiv.
00:57:48: Ist existenziell, das ist gar keine Frage.
00:57:50: also das lässt einen nicht kalt und ich glaube dass es dann auch wenn man da im Konzert drinnen sitzt Dann ist man überwältigt ob man jetzt an den lieben Gott glaubt oder nicht glaubt Das ist in dem Moment ganz wurscht.
00:58:04: das geht einem wirklich etwas an.
00:58:06: Ich bin jetzt bereit mich in ein Brahmskonzert hineinzusetzen.
00:58:09: ich fühle mich fortgeschritten genug.
00:58:11: Danke lieber Willi für diese Einblicke.
00:58:13: Ich hoffe, lieber Hörerinnen und Hörers sie haben auch Spannendes mitgenommen!
00:58:18: Wenn es Ihnen gefallen hat dann freuen wir uns wenn Sie uns fünf Sterne geben in der App, in der Sie unseren Podcast hören.
00:58:24: Und wir freuen uns über Post von Ihnen unter podcastatdepresse.com.
00:58:29: Danke fürs Zuhören.
00:58:44: Ciao!
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