Variationen als Rätselspiel: Edward Elgars ,,Enigma"

Shownotes

Bei den Enigma-Variationen von Sir Edward Elgar beginnen die Verwirrungen schon ganz am Beginn: Was ist eigentlich das ,,Thema", wird es überhaupt gespielt - und vor allem: von wem stammt es? Und dann Klavier oder Bratsche übende Dilettanten, plappernde Gastgeberinnen und ein triefend nasser Hund - der biblische Jäger Nimrod nicht zu vergessen, mit dem Elgar die Hitparaden gestürmt hat... Zu hören ist die legendäre Aufnahme des London Symphony Orchestra unter Pierre Monteux (RCA).

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00:00:00: Herzlich willkommen im Musiksalon meine sehr geehrten Damen und Herren.

00:00:25: Heute geht es um ein Werk, das einen jener Momente enthält, die man in der Regel so die schönen Stellen in der sogenannten klassischen Musik nennt.

00:00:39: Wenn es da mal einen Wettbewerb gäbe dann würde die folgende Musik mit Sicherheit unter den ersten Zehntlern.

00:01:28: Der sogenannte Nimrod-Satz aus den Enigma Variationen von Sir Edward Elgar, Enigma Rätsel.

00:01:39: Es handelt sich da wirklich um einen höchst rätselhaften Variationszyklus, den Elgar da komponiert hat – der Komponist selbst kaum bekannt in unseren Breiten einer der bedeutendsten Vertreter der musikalischen Spätromantik, etwa ein Zeitgenosse von Richard Strauß an dem die Musik von Elgar vielleicht am allermeisten erinnert auch wenn es einen ganz eigenen Elgaron gibt.

00:02:10: Der in den großen symphonischen Werken dieses Meisters immer relativ klar auszumachen ist.

00:02:18: im englischen Musikleben nimmt Elgar etwa die Position ein, die Franz Schmidt international auch kaum noch aufgeführt in der österreichischen Spätromantik.

00:02:30: Ein Ent als sozusagen der letzte große Symphoniker.

00:02:36: aber von Elgar haben es einige Melodien in den Rang von Weltschlagern gebracht.

00:02:44: da ist einmal Pomp, ein Circumstanz So etwas wie die heimliche englische Nationalhymne, in Wahrheit das Trio.

00:03:23: einer der Märsche, die unter dem Titel Pump and Circumstance veröffentlicht wurden sind aus Elgastveder.

00:03:30: Diese Melodie steht bei den Engländern etwa im Range des Radetzgemaschs von Johann Strauss Vater wenn wir Wien als Vergleichsmetropole zu London heranziehen möchten.

00:03:43: und dann ist da noch der Liebesgruß.

00:04:16: Salüdamour, auch eine immer wieder gespielte Wunschkonzertmelodie die zunächst gar nicht erfolgreich war weil sie unter dem Namen Edward Elgar veröffentlicht wurde und da musste der Komponist erkennen was es bedeutet in England große Musik machen zu wollen.

00:04:40: niemand hat einen Mann aus London zugetraut dass er erfolgreiche Musik komponieren könnte.

00:04:48: Dann kam der Verleger auf die gute Idee, doch ein paar Buchstaben aus dem Vornamen wegzulassen und plötzlich hieß es Ed.elga Und das hätte ja auch Edward oder Eduard heißen können.

00:05:04: und Flux war Salüdamur Ein Riesenerfolg und ist bis heute geblieben.

00:05:11: Ja und dann eben noch neben zwei großen Symphonien, Ton-Dichtungen und Overtüren.

00:05:18: Die Enigma Variationen die doch den Weg ins Repertoire über die Grenzen von Großbritannien hinausgefunden haben.

00:05:27: Nicht zuletzt weil dieser sogenannte Nimrod Satz im Zentrum des Geschehens steht der langsame Satz in einer Folge von höchst bizarren Humorvollen brillanten Charakterstücken steht.

00:05:44: Denn Enigma, das Rätsel... Das ist nicht nur in Sachen Namensgebung der einzelnen Variationssteile sinnstiftend denn über jeder einzelne Variation stehen Buchstaben Die Anfangsbuchstaben der Namen jener Personen die Elga mit den folgenden Musikstücken porträtiert hat in Klängen Ein Enigma Ein Rätsel ist eigentlich schon das Thema dieses Variationszyklus, ein großer melancholischer Melodiebogen in Moll.

00:07:31: Und dieses Thema ist nicht das Porträt einer Person wie die folgenden Variationen sondern es ist eigentlich und damit beginnen die Rätsels schon so eine Art Porträh eines Themas denn Edward Elger hat gemeint Das Rätsel werde ich nicht erklären.

00:07:53: Sein dunkler Sinn soll ungelöst bleiben.

00:07:58: Durch das gesamte Werk zieht sich nämlich ein anderes, ein größeres Thema wie Elga sagt, dass aber gar nicht gespielt wird.

00:08:10: Dieses Rätself konnte bis heute nicht wirklich gelöst werden, aber im Zuge unserer Beschäftigung mit dem Stück... werden wir zumindest eine Erklärung zu bieten versuchen.

00:08:24: Also Variationen über ein Thema, das gar nicht gespielt wird.

00:08:29: Das was uns als Variationsthema präsentiert wurde ist sozusagen ein Thema über das Thema, dass eigentliche das große Thema.

00:08:42: Wie auch immer bei Variation eins war sich die erste höher erinnernde Freundin der Familie der Elgar die Musik vorgespielt hat auf dem Klavier sofort im Klaren, wer da porträtiert worden ist.

00:09:37: Rümisch I C A E steht über dem Satz und das sind die Initialen von Caroline Alice Elgar Die Ehepfrau des Komponisten und seine wichtigste Vertraute.

00:09:51: Das ist nun Musik, die besonders innenig klingt wirklich liebevoll und nicht im Mindesten wie eine Karikatur oder eine zynische musikalische Bemerkung über die charakterisierte Figur.

00:10:08: Das ist eine wunderbare Verbeugung vor einer geliebten Lebenspartnerin.

00:10:15: Elga selbst hat über diese Musik gesagt, diese Variation ist eigentlich eine Verlängerung des Themas mit romantischen und zarten Zusätzen.

00:10:25: Von dergleichen kann bei der folgenden Musik nicht die Rede sein.

00:11:11: Römisch II, HDS Binderstrich P., wie sich herausgestellt hat Hugh David Stuart Powell einer der Freunde Elgas, der mit dem Komponisten und dem Gelisten Basil Nevenson gerne Klavier Trio gespielt hat.

00:11:32: er war Amateur Pianist und hatte Was die heftige Bewegung der Erklärungen erklärt, die Eigenschaft zunächst einmal vor jeder Probe und jeder Aufführung rasante Tonleitern aus dem Flügel zu meiseln.

00:11:49: Mit der nächsten Nummer RBT nimmt Elger Richard Baxter Townsend auf das Korn eine Schriftstelle universal gelehrten und höchstexzentrischen Amateur Schauspieler dessen Sprachkunst es zu Wege gebracht hat, dass die Stimme aus tiefer Lage plötzlich in höchste Höhen mutieren konnte.

00:12:16: Das können wir hören in der Musik.

00:12:18: und noch etwas.

00:12:20: Townsend war ein begeisterter Fahrradfahrer und hat des öfteren auch die Klingel seines Fahrgerätes benutzt.

00:13:00: Variation Nummer vier WMB.

00:13:03: William M. Baker, ein englischer Gutsherr und privatgelehrter von äußerst kapriziösem Charakter aber ein leidenschaftlicher Gastgeber und liebte es in aller Hergots früh seine Gäste zu versammeln und ihnen den Tagesplan in einem teatralischen Auftritt vorzulesen Nachdem er dann in der Regel die Tür hinter sich zuschlug, eine kleine Miniaturkomödie enttäunen.

00:14:04: Variation Nummer fünf RPA.

00:14:07: Richard Penrose Arnold.

00:14:10: Er war der Sohn des Dichters Matthew Arnold und ebenfalls Amateur Pianist dessen brillanten Geist Elga sehr geschätzt hat.

00:14:20: vertieft ins Gespräch konnte dieser Mann zwischendurch die amüsantersten Gedanken und Pointen einstreuen.

00:14:30: Das kann man in der Musik hören, und Irrigentwie nimmt Elgar auch das Klavierspiel seines Freunds ins Visier von dem er sagt Er konnte ganz gut Klavier spielen Und er hatte eine geniale Methode schwere Stellen zu vereinfachen ohne dass deshalb die Musik verloren gegangen wäre.

00:14:55: Ist ja immerhin auch eine Kunst!

00:15:53: Isabel folgt jetzt als Nummer sechs, Isabel Witten Eine Amateur-Rachistin und Freundin des Komponisten.

00:16:04: Ein zartes sehr humorgetränktes musikalisches Porträt einer charmanten Dame Aufbauend auf einer Etude in der die Bratschistin den Seitenwechsel übt.

00:17:14: Nun folgt noch ein Amateur Pianist, Troyd Arthur Troyd Griffith einer der engsten Freunde des Komponisten Edward Elger und einer der schlechtesten Pianisten in seiner Umgebung.

00:17:26: daran lässt die Musik keinen Zweifel.

00:17:30: Elger versucht im verschiedene technische Tricks beizubringen und am Ende steht dann doch nur Eine verzweifelte Gäste, man hat das Gefühl.

00:17:40: Der Hobbypianist drückt mit seinen unterarmen sämtlichen Klärbiertasten gleichzeitig nieder.

00:18:42: WN folgt als Nummer acht.

00:18:44: Winifred Norbury in ihrem wunderbaren Häuschen aus dem achzehnten Jahrhundert die Elgas gerne zu Gast waren.

00:18:54: Die Musik schildert weniger die Gastgeberin als die gemütliche Atmosphäre in ihrem Haus, indem auch viel gelacht wurde.

00:19:05: Nicht zuletzt von Winifred selbst!

00:19:45: Die folgende Variation ist die beliebte.

00:19:49: der langsame Satz Nimrod Der große biblische Jäger entlarvt den Widmungsträger des Stücks ganz deutlich.

00:19:59: August Johannes Jägers Ein Mitarbeiter von Elgas Verlag Novello der ein enger Vertrauter des Komponisten gewesen ist, der ihm hin und wieder auch aus Sinnreisen geholfen hat.

00:20:14: Und anderem dadurch dass er im Einmal erklärt hat wie schlecht es Ludwig van Beethoven doch sein ganzes Leben gegangen ist und wie viel herrliche Musik er trotzdem komponiert hat.

00:20:28: An solcher Dialog ist die Komposition der Enigma Variationen übrigens vorausgegangen.

00:20:35: Der wunderbare, breitströmende Adagio-Satz in dem das Mollthema in Licht des Dur gewendet ist lässt spüren wie ihn nicht verbunden sich diese beiden Persönlichkeiten gefühlt haben und wie die Begegnungen dem Komponisten Kraft gegeben haben.

00:24:43: Variation zehn gilt Dora Bella einer Figur aus Cosi Fantute der große Namen im Freundeskreis für Dora Penny, eine charmante junge Dame die beim Reden ein wenig zum Stottern neigte.

00:25:00: Ein heiterer Kontrast zum vorangegangenen.

00:25:04: langsamer Satz dieser Variationen.

00:25:47: GRS steht über der Variation Nr.

00:25:50: L George Robertson Sinclair Oranist der Kathedrale von Herford und ein Freund des Komponisten.

00:26:00: Aber es ist nichts der Organist, der hier porträtiert wird sondern sein Hund dann, der eines Tages beim Spazierengehen über die Böschung in einen Fluss hinuntergekollert ist, dann flussaufwärts gepaddelt und das schließlich ans Ufer geschafft hat.

00:26:21: All das können wir hören – und danach noch das freundliche Gebell mit dem der Hund dann sein Herr begrüßt.

00:26:29: George Robertson Sinkler ist selber schuld, dass er auf diese Weise musikalisch gewürdigt worden ist.

00:26:38: Denn er hat Elger selbst geraten!

00:26:40: Die Szene die kannst du doch komponieren.

00:26:44: Elger hat sie komponiert.

00:27:41: BGN Basile George Nevenson Gelist und Mitglied des schon erwähnten privaten Klaviertrios diesen Pianist schon in einer früheren Variation an die Reihe gekommen ist.

00:27:57: Wie erinnern uns?

00:27:59: Wiederum ein Stück, das ganz und gar keine Karikatur darstellt sondern einen musikalischen Freundschaftsbeweis.

00:28:07: Und natürlich spielt der cello-Tron eine gewaltige Rolle hier.

00:28:56: Ja und apropos Enigma Apropos Rätsel.

00:29:00: ausgerechnet Die Variation Nummer Dreizehn bleibt wirklich ein Rätzel.

00:29:05: Bis heute weiß man nicht, wer hier gemeint ist.

00:29:09: Denn es gibt nicht einmal Initialen die hier drüber stehen sondern nur drei Sternchen.

00:29:15: Wie auch immer das einzige was wir wissen Es handelte sich um eine Dame Meine Dame Die in der Zeit der Komposition und der Uraufführung der enigma Variation gerade auf Reisen war Und zwar Auf einem Ozean Dampfer In Richtung Amerika.

00:29:31: Was wir hören können Ist Das Stampfen der Schiffsmotoren und für Kenner, in der Klarenette ein Zitat aus Mendelssohn's Meeresstille und glücklicher Fahrt.

00:30:25: Vierzehnte und letzte Variation E D U Edward Elgar himself.

00:30:32: Den Edu nannte Alice Elgar ihren Mann.

00:30:37: Was wir hier hören ist also Musik die erklingt wenn Edward Elga sich selbst in den Spiegel geschaut hat.

00:30:46: Ein brillantes Orchesterfinale, das auch hören lässt wie schon die Stücke davor, welch exzellenter Orchestrator dieser Sir Edward Elgar gewesen ist!

00:30:59: Ein amüsateres kurzweiligeres Variationswerk ist selten komponiert worden und das muss man wohl zugeben vor allem wenn man es in einer so hinreißenden Interpretation gespielt hat, wie jener die uns durch diesen Podcast begleitet hat und den nun auch beschließt.

00:31:22: Das Landensymphonie Orchestra spielt unter der Leitung von Pierre Monteu musikalisch gar nicht rätselhaft wie sie zugeben müssen meine Damen und Herren diese Enigma Variationen von Edward Elgar.

00:36:31: Lassen Sie uns zum Abschluss noch einmal auf das größte Rätsel dieser Rätselfariationen zurückkommen.

00:36:38: Von wem stammt das eigentliche, das große Thema, dass Elgar erwähnt hat?

00:36:45: Wenn wir noch einmal zum Nimrod Satz zurückblenden und uns daran erinnern, dass der Widmungsträger Elgar kurz vor der Komposition der Variation mit dem Verweis auf Beethoven aus einer tiefen existenziellen Krise geholfen hat, dann könnte schon sein dass die Verwandtschaft zwischen dem Nimrod-Thema und dem Thema des zweiten Satzes der Pathetiksonate von Beethoven kein Zufall ist.

00:37:37: Können wir uns daher diesmal eine Zugabe?

00:37:41: Friedrich Gulder spielt Beethoven.

00:43:29: Es könnte sein, dass das die Lösung des wichtigsten Rätsels der Enigma-Variationen von Sir Edward Elgar darstellt.

00:43:40: Wie auch immer, die Orchestervariationen vom Elgar gehören zu den originellsten Stücken der Spethromantik und beweisen dass das gelehrte Variationsprinzip auch höchst unterhaltsame Blüten treiben konnte.

00:43:57: In diesem Sinn danke fürs Zuhören!

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