Musiksalon: Der Symphoniker Liszt - Große Emotionen und ein Missbrauchsfall

Shownotes

Franz Liszt hat nicht nur als Pianist Bahnbrechendes geleistet. Als Erfinder einer neuen Gattung, der Symphonischen Dichtung, trieb er, indem er mythische Heroen und sogar einen ukrainischen Feldherrn besang, die Entwicklung der romantischen Orchestermusik zu neuen Ufern. Was alle Welt schätzte - bis die Politik ins Spiel kam. Wir hören Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan (DG - ,,Les Preludes" und ,,Mazeppa") und London Philharmonic unter Bernard Haitink (Philips).

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00:00:00: Franz Liszt.

00:00:22: Wir wissen, der bedeutendste Pianist vielleicht neben Frederik Chopin im beginnenden neunzehnten Jahrhundert aber natürlich auch einer der führenden Komponisten nicht nur was Klaviermusik betrifft.

00:00:38: ein Mann der mehrere Generationen von Komponenten beeinflusst hat seinen nachmaligen Schwiegersohn Richard Wagner.

00:00:48: Aber List war auch einer der bedeutendsten Symphoniker seiner Zeit und jedenfalls ein Mann, der die Musikgeschichte kräftig vorangetrieben hat mit seinen Ideen – einen Mann der starken Kraftvoll-Eingprägsamen-Krankbilder, die wirklich bildhafte Assoziationen ermöglichen!

00:01:25: Mit diesen Klingen beginnt die Tondichtung Prometheus Ein Auftakt, der ganz eindeutig trotziges Aufbegehren hören lässt.

00:01:35: Trotziges aufbegehern eines nach dem Willen des Zeus an einen Felsen gefesselten Lichtbringers.

00:01:44: Eines der starken Porträts die Franz Liszt als Meister der von ihm selbst so genannten symphonischen Dichtung gezeichnet hat.

00:01:54: Es genügte ihm in der Musik wie er selbst sagte die Stimmungen aufgehen, zu lassen welche unter den verschiedenen wechselnden Formen des Mythos seine Wesenheit gleichsam seine Seele bildten.

00:02:09: Kühnheit Leiden Ausharren Erlösung.

00:02:15: Da geht es um Verwandlungen, um Metamorphosen wie bei Ovid.

00:02:21: Und da spielen jetzt nicht formale Überlegungen, wie man denn ein symphonisches Werk aufzubauen hätte eine Rolle.

00:02:30: Sondern es geht nur noch um die poetische Idee.

00:02:33: und diese poetische Ide muss musikalische Prozesse auslösen.

00:02:38: Muss sie sozusagen gebären!

00:02:41: Und das trotzige Thema, dass wir gerade die gehört haben.

00:02:44: Das wird nach Durgerückt im Sinne dieser Verwandlungen dann zum Symbol der Hoffnung auf Erlösung.

00:04:46: In diesem Geist hat Franz List neue Möglichkeiten und jedenfalls zukunftsträchtige Ideen ins Spiel gebracht Denn Symphonien zu schreiben, das schien ihm nach Beethoven vollkommen unmöglich.

00:05:00: Beethoven hatte das nach seiner Ansicht schon mit dem neunten selbst angekündigt.

00:05:06: Coa und Solisten waren dazugekommen.

00:05:09: Und ein Text, diesfalls von Schiller hat also die scheinbar reine pure Instrumentalform der Symphonie in Andres Ferngehoben.

00:05:21: Keiner wusste das besser als Liszt selbst, der nicht unwesentlich zum Ruhm Beethovens beigetragen hatte indem er als Weltreisender Pianist dem die Herzen der Musikfreunde nicht nur der Damen zugeflogen sind, seine Bearbeitungen der Beethoven-Symphonien wie übrigens auch seine Bearbeitungen der Schubert-Lieder überall zum Besten gegeben hat und damit zum Ruhm bei den Komponisten enorm beigetragen hat.

00:05:52: Also eine Symphonie das war für Liszt nicht mehr machbar – nicht zuletzt auch weil Héctor Berlioz den er sehr verehrt hat in Paris schon mit seiner Symphonie fantastisch bewiesen hatte.

00:06:05: Man konnte zwar mehrsätzige Symphonien schreiben, aber die mussten sich von den formalen Vorbildern der Klassiker doch extrem unterscheiden und jedenfalls musste der Musik ein Programm zugerunde liegen.

00:06:19: Ein bekenntnishafter Text des Komponisten lautet folgendermaßen nur dem Dichter unter den Kompонisten ist es gegeben die den freien Aufschwung seines Gedankens hemmenden Fesseln zu zerbrechen und die Grenzen seiner Kunst zu erweitern.

00:06:38: Der spezifisch musikalische Komponist, welcher Wert- und Akzent nur auf die formale Gestaltung des Stoffes legt, besitzt nicht die Fähigkeit im Neue Formen abzugewinnen oder neue Kräfte einzuauchen – denn ihm zwingt keine geistige Notwendigkeit neue Hilfsmittel zu finden, intreibt und drängt keine glühende Leidenschaft die ans Licht will.

00:07:05: Also die glühenden Leidenschaften von Franz Liszt, die wollten ans Licht und er hat sich inspirieren lassen von Bildern gemelten und vor allem von Dichtungen seiner Zeit oder auch an mythologischen Erzählungen nicht nur vom Prometheus sondern auch vom mythischen Sänger Orphais, dessen alle und alles verzaubernder Gesang in der Ton-Dichtung von Liszt mit symphonischen Mitteln beschworen wird.

00:11:05: Der erste Versuch mit der neuen Gattung die Liszt selbst symfonische Dichtung getauft hat hatte ein Gedicht von Victor Hugo als Grundlage, so conante en sur la montagne was man auf dem Berge hören kann.

00:11:21: diese sogenannte Berg-Symphonie wurde Anfang der fünftiger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts zur ersten großen symphonischen Dichtung von List.

00:11:31: Der Komponist selbst schreibt, Flüchen angeschwellt.

00:11:53: Die eine spricht Natur, die andere Menschheit.

00:11:58: Die beiden Stimmen ringen sich einander näher, durchkreuzen und verschmelzen sich bis sie endlich in Geweiterbetrachtung aufgehen – und verhallen!

00:12:11: Immer bei List schwingt seine katholische Religiosität mit auch hier.

00:12:18: Wedenfalls wächst diese Bergsymphonie aus der Schilderung der raunenden, erwachenden Natur heraus ein Klangbild das man nicht vergisst wenn man es einmal gehört hat.

00:12:31: Und dass jedenfalls in vielen Varianten bei den romantischen Komponisten der folgenden Generation bis hin zu Antonin Tvorshak Nachhalt.

00:15:43: Alle diese Tondichtungen sind in den fünftig Jahren des neunzehnten Jahrhunderts entstanden und ein Werk knappsten Raum, die neue Technik der poetischen Formgebung exemplarisch realisiert.

00:16:00: Das heißt Leprelut – Die Vorspiele nach einem Gedicht von Lamartin wo es heisst was anderes ist unser Leben als eine Reihe von Vorspielen zu jenem ernsten und feierlichen Gesang den der Tod anstimmt.

00:16:18: List entwickelt hier Alles aus einer kleinsten musikalischen Zelle.

00:16:24: Es sind eigentlich die drei ersten Töne, die in der weit gewölbten Melodie erklingen mit denen dieses Werk beginnt.

00:16:56: Die drei Tönen antworten wenig später die Holzbläser mit einer Weiterentwicklung und in der Folge ist alles Variation Verwandlung Metamorphose.

00:17:24: Die drei Töne verdichten sich im Zentrum des Stücks zu hektisch übereinander gelagerten, einander immer weiter vorantreibenden Energiebündeln.

00:17:33: Ein Lebenssturm bricht da los!

00:19:17: Vor und nach diesem Sturm verschildert die Musik auch in zauberen stöhnen Farben die Facetten – die schöneren Facetten, die das Leben für uns bereithält.

00:19:29: Im ruhig strömenden Liebesmotiv rücken die drei Töne das Keimzellenmotiv ans Ende der Phrase.

00:20:01: Dieses positive, das lebensfrohe Thema verwandelt sich in einen euphorisch gesteigerten Triumphwarsch, der zuletzt in die Apotheose des einleitenden weitgespannten Streicherthemas mündet – Ein Moment von unvergleichlicher Kraft in Geschichte der symphonischen Musik.

00:21:58: und genau mit dieser Musik hat die blutige Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts dem Komponisten Franz Liszt einen Strick gedreht.

00:22:08: Diese fortissimo Passage, die das Werk umklammert – er klingt nämlich nicht nur am Schluss sondern bereits in den ersten Minuten des Werks – diese Passage hat die NS-Propaganda gnadenlos ausgeschlachtet.

00:22:23: Man hat sie genützt als marzialischen Klangeffekt zur Umrahmung der Siegsmeldungen die den Kinobesuchern in der Wochenschau während des Zweiten Weltkriegs präsentiert worden sind.

00:22:36: Man hat also kräftig Missbrauch getrieben, dabei war List ein absolut integerer Mann großzügig mit weitem Herz nicht nur für die Damenwelt auch für notleidende Kollegen und seine Beziehung zum Schwiegersohn-Wagner ist hinreichend dokumentiert – er hat ihm viel zu verdanken … auch!

00:22:58: Musikalisch.

00:23:00: Vor allem aber selten hat ein derartiger Missbrauch, wie in den Nationalsozialisten mit Lepre-Lüt getrieben haben so weitreichende Folgen für den Nachherum eines Komponisten gehabt.

00:23:13: Eines der bedeutendsten Meisterwerke der Programmmusik ist damit für viele Musikfreunde aber auch für die Interpreten sozusagen unmöglich untragbar geworden obwohl gerade Franz Liszt mit deutschnationalen Umtrieben wirklich gar nichts zu tun gehabt hat.

00:23:30: Wenn er einem Nationalismus geholdigt hat, dann dem Ungerischen – obwohl seine Muttersprache Deutsch war und er im wirklichen Leben vor allem einmal französisch gesprochen hat – was er dann in Patriotismus der ungerischen Freiheitsbewegung als typische ungerische Musik in seiner sogenannten ungerischer Rhapsodien aufgenommen hat ganz Europa vorgestellt hat.

00:23:57: Das war eher die Musik der fahrenden Musikanten, eine Mixtur aus unterschiedlichen Einflüssen wie Bella Bartok und Soltank Rodei später nachgewiesen haben mit der ungerischen Volksmusik überhaupt nichts zu tun hatte.

00:24:12: Aber für die Musikwelt galt das als typisch manjärisch.

00:24:17: Wir wissen es von den ungerische Tänzen aus der Feder vom Brahms Und List hat es in den sogenannten Urabsodin XIX an der Zahl einer Veröffentlichung auf die vielfältigste Weise verwandelt.

00:24:28: Unter anderem einmal unter Heranziehung des für die Ungarn sozusagen eine Nationalhymne darstellenden Rakkotsi-Marsches.

00:24:53: Interessant ist, dass List solche allzu klare Schifrierbahnassociationen Ungaria genannten großen symphonischen Dichtung, die er dem ungerischen Vaterland gewidmet hat vermieden hat.

00:25:07: Da ging es eben um das Symphonische – was war noch einmal etwas anderes?

00:25:12: Hatte nichts mit Volklorismus zu tun!

00:25:15: Aus einer Klavier-Etyde aus den Transcendentenetyden hat List seine vielleicht effektvollste symphonische Dichtungen herausentwickelt.

00:25:25: Mazepa ein ukrainischer Nationalheld der als junger Page eine Liebschaft mit der Frau eines Magnaten eingegangen ist und dafür grausam bestraft wurde.

00:25:37: Man kettete ihn an ein Pferd, und trieb dieses arme Tier dann durch die Steppe!

00:25:43: Die Thron-Dichtung beginnt mit dem Peitschenhip, der diese Parforstur einleitet.

00:25:49: drei Tage und drei Nächte rast, dass dir das wie es im Gedicht von Victor Ego heißt mit seinen Hufen Blitze aus den Steinen schlagen konnte.

00:26:01: und dann bricht es erschöpft zusammen.

00:26:04: Wir erleben eine gespenstisch zauberische Naturstimmung voll von Erinnerungen, Todesahnung aber auch erfüllt von der Vision die zuletzt Realität wird.

00:26:17: Mazepa wird Herrscher der Ukraine.

00:26:20: tatsächlich von ferntönen Signale, die Kursacken nähern sich sie befreien dem Mann der ihr Anführer werden wird.

00:26:30: Die Musik, mit der Liszt das Nach erzählt ist von höchster Plastizität.

00:26:36: die Partitur hat Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker Ende der fünftiger Jahre zu einer der besten und bildmächtigsten Orchesteraufnahmen aller Zeiten inspiriert.

00:42:04: Symphonische Dichtung von Franz Liszt musiziert von den Berliner Filharmonikern unter Herbert von Carajan stand am Ende unseres heutigen Rundgangs durch die symphonische Welt dieses Komponisten.

00:42:19: Danke fürs Zuhören!

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