Musiksalon: „Ariadne auf Naxos“, die seltsamste aller Opern (Wiederholung)

Shownotes

Zu hören sind Ausschnitte aus folgenden Aufnahmen:

Der Bürger als Edelmann: Wiener Philharmoniker – Clemens Krauss (Decca)

Ariadne auf Naxos (Urfassung): Sumi Jo, Margaret Price, Gösta Winbergh, Orchester der Oper Lyon – Kent Nagano (EMI)

Ariadne auf Naxos (Zweitfassung): Irmgard Seefried, Gundula Janowitz, Orchester der Wiener Staatsoper – Karl Böhm (DG)

Über den Podcast: "Presse"-Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz präsentiert in der Reihe "Musiksalon" seine Lieblingsaufnahmen und lädt uns ein, mit ihm in seiner Klassiksammlung zu wühlen und einzudringen in die Geheimnisse von Mozart, Bach, Beethoven und anderen. Jeden zweiten Samstag auf der Webseite der "Presse" und überall, wo es Podcasts gibt. Produktion: Wilhelm Sinkovicz/www.sinkothek.at Audio-Finish: Georg Gfrerer/ www.audio-funnel.com. Redaktion/Konzeption: Anna Wallner Grafik: Adobe Stock Mehr Podcasts der „Presse“ unter DiePresse.com/Podcast

Transkript anzeigen

00:00:00: Der Musiksalon mit Wilhelm Senkowicz.

00:00:21: Ariadne auf Naxos von Hugo von Hofmannstahl und Richard Strauss.

00:00:26: Wahrscheinlich ist das die seltsamste Oper zumindest unter jenen Werken, die es in den Repertoirkanon geschafft haben.

00:00:34: Bei Primadonnen ist dieses Werk sehr beliebt.

00:00:40: Kolorature-Sopranistinnen deshalb, weil die Cerminetta eine Paradepartie ist mit der wahrscheinlich schwierigsten Koloraturaree, die je komponiert worden ist.

00:00:51: Und bei den DarstellerInnen der Titelparty interessieren sich sogar Mezosopranistenen von Zeit zu Zeit dafür, sich des eigenwilligen Stücks doch einmal anzunehmen – Christa Ludwig, die ja gern Ausflüge ins Sobranfach gewagt hat!

00:01:09: Hatte es im Richard Straussjahr, in der Karol Böhms-Leitung bei den Salzburger Festspielen versucht.

00:01:18: Die Rolle aber nach der ersten Aufführungsserie gleich wieder abgegeben.

00:01:23: In dem Jahr für die Salsburger Feste war es Elina Garantzscher, die sich ankündigen ließ und dann aber knapp vor Beginn der Probenarbeit beschlossen hat die Rolle lieber nicht in ihr Röpertoir aufzunehmen.

00:01:42: Eine Absage, relativ kurzfristig hat im Jänner-Zweitausendfünfundzwanzig auch die Wiener Stadtoper kassiert.

00:01:50: Anna Netrebko als Sobran an sich zuständig verschob Ihr Debüt in der Rolle der Areadne kurz vor der geplanten Aufführungsserie auf unbestimmte Zeit.

00:02:04: Für den Herbst Die Wiener Staatsoper hat schon wieder eine neue Inszenierung der Ariadne angekündigt.

00:02:12: Das Werk steht also eigentlich ununterbrochen, irgendwie zur Diskussion.

00:02:18: Grund genug sich einmal mit der Entstehung dieses Stücks zu beschäftigen.

00:02:24: Die ursprüngliche Version – nicht die immer in unseren Opernhäusern und Festspielhäusern gespielt wird war eines der künstlichen Experimente die je im Musiktheater gewagt wurden.

00:02:37: Hugo von Hofmannsthal übersetzte Molières Bürger als Edelman und strich kurzerhand, das im Zeitalter von Ludwig XIV übliche Schlussballett um es durch eine kleine Oper zu ersetzen.

00:02:52: Das ganze war ein Spiel für Max Reinhardt dem sowohl Hofmannstal als auch Richard Strauss verpflichtet waren weil er innen bei der Uraufführung des Rosenkavaliers in Dresden sehr zur Hand gegangen ist.

00:03:09: Reinhards Regie-Künsten, die er gar nicht offiziell ausüben durfte – weil er kein Mitglied des Dresdner Assembles war – haben entscheidend dazu beigetragen, dass der Rosenkvalier am Nord-Mann-Einzelhunderteil zu einem Sensationserfolg werden konnte.

00:03:26: Dafür bekam er Ninzehundertzwölf seine ungewöhnliche Kammeroper als Mixtur zwischen Sprech und Musiktheater.

00:03:36: Die Premiere in twelve war ein Riesenmisserfolg, ganz einfach weil die Zusammenfügung eines Theater Ensembles mit einem Opern-Ensemble viel zu kostspielig und viel zu umständlich war.

00:03:49: So entstand dann für Wien – uraufgeführt nineteenhundertsechzehn – die Neufassung der Ariadne mit einem Vorspiel in dem erklärt wird, wie es zu der eigenwilligen Mischung aus Komödie und Tragödie, die uns in der Oper Ariadne auf Naxos vorgeführt wird eigentlich kommt.

00:04:12: Gehen wir im Medias-Rais.

00:05:07: Kennt ihr der Musik von Richard Strauss?

00:05:09: Und der Ariadné auf Naxis kennen diese Musik natürlich ein bisschen anders.

00:05:15: Kommt sie in Ariadna on Naxus ihm Vorspiel in der uns bekannten Version zum Klingen.

00:05:22: Allerdings, so wie wir es jetzt gehört haben steht die kleine Aree in der Schauspielmusik zum Bürger als Edelmann frei nach Molière gedichtet von Hugo van Hoffmanstal.

00:05:33: und was für uns heute in der Rückschau so rückschrittlich aussehen mag das sich nämlich Strauß & Hoffmanstal da am Barock und an einer Art Musiktheatralischer Retrospektive orientiert hätten, das war eigentlich ganz im Geist der Zeit.

00:05:54: Bedenken wir, acht Jahre nach der Uraufführung dieses Bürger als Edelmann in dieser Version kam Pulcinella von Igor Stravinsky heraus eine Ballettmusik die ganz ungeniert sich barocke Vorbilder angeeignet hat?

00:06:12: Niemand geringerer also Pablo Picasso hat in Anleihen an die Baroquekomedia der Arte die Bühnenbilder für diese Pulcinella Ballettmusik entworfen.

00:06:24: Strauß und Hoffmannsteil waren also in Wahrheit voll auf der Höhe der Zeit, nur wenn man ihre Hervorbringungen mit jenen das sogenannten Wienerschule um Arnold Schönberg vergleicht – dann sieht die Sache ein bisschen anders aus!

00:06:41: Uns heute im Rückblick, wir haben schon die Postmoderne hinter uns.

00:06:45: quasi könnte also ein Blick auf Ariadne, auf Naxos und den Bürger als Edelmann als vollkommen natürlicher Aspekt der damaligen Moderne erscheinen.

00:06:56: Wie auch immer gelungen war Hoffmanstahl & Strauss eine einzigartige Verquickung von Opera-Buffa und Opera-Serie Also von musikalischer Komödie und Tragödie und die Oper Ariadne auf Naxos mit Einsprengseln aus einer Komediadelarte Vorstellung, die gar nichts mit der Ariadnerhandlung zu tun hat.

00:07:20: Die war ursprünglich anstelle des bei Molière vorgesehenen Balletts das ausgiebige Finale des eigenwilligen Theaterabends, der in Stuttgart,DPC, Premiere hatte.

00:07:32: Im Paris von Louis Gatorres wie gesagt, da war es üblich dass ein solcher Ballett aus Klang am Ende jeder Theatervorstellung stand.

00:07:43: Hofmastall und Strauß haben daraus eine Oper gemacht, sie charakterisierten die Sitten- und Gebräuche des neureichen Bürgers als Edelmann eines Unternehmers der zu viel Geld gekommen war und er nun versucht es den Adeligen gleichzutun.

00:08:00: Keine Möhnen werden da gescheuert das Tanzen wird erlernt aber auch das Fächten Schmeister aus der Musik zum Bürger als Edelmann von Richard Strauss.

00:09:47: Eine Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Clemens Kraus, jenem Dirigenten der Strauß am nächsten gestanden ist zu Lebzeiten und der auch im Übrigen die Erstaufführung der neuen Fassung der Ariadne auf Naxos, jener Fassung, die wir kennen und die nineteen sechzehn an der Staatsoperuhr aufgeführt worden war bei den Salzburger Festspielen erstmals einstudiert hat.

00:10:13: Übrigens um dann bei der dritten Aufführungen den Dirigentenstab an den Komponisten selbst zu übergeben.

00:10:21: Clemens Kraus also hat sich um die Pflege der Ariade verdient gemacht schon in frühen Jahren die Uraufführung der Neufassung in Wien, die Stand unter der Leitung des Co-Direktors von Richard Strauß.

00:10:34: Die beiden waren ja Direktor an der Wiener Staatsoper Franz Schalck.

00:10:39: Das war dann jene Fassung in der relativ umständlich in einem neu gedichteten und komponierten Vorspiel zur Ariadne auf Naxos erklärt werden musste was in diesem Stück da vor sich geht die Geschichte der Ariadne, der verlassenen Ariadnee.

00:10:55: Die von Gott Bakus aus ihrer Einsamkeit erlöst wird und mitten eingestreut immer wieder Auftritte eines Komedianten-Teams rund um die freche Zerbinetta.

00:11:08: was das Fernsehen haben sollte Das hat in der ursprünglichen Version wie schon gesagt Molières Komödie vom Neureichen Bürger als Edelmann erklärt.

00:11:20: Bei ihm war es ganz klar, wenn man ihm eine kunstvolle Arie vorgesungen hat.

00:11:26: Dann hat er folgendermaßen darauf reagiert... Ich glaube, denn mein Gänzchen ist noch so mindertschön.

00:11:38: Ich glaube dann mein Gänschen ist zahmer als ein Gänzin doch wilder ist sein Hundermann.

00:11:48: Ja, wilder is der ganzen Pfahn!

00:11:50: Als Liebherr, als Lieber wie die Mann.

00:11:53: Ist das nicht artig?

00:12:06: Unvergleichlich und ich habe doch meine Tage nicht sehndich ignorant dieses Bürgers als Edelmann.

00:12:13: Die haben Hofmastol und Strauss im Vorspiel zur Neufassung der Ariadne auf Naxos, auf den reichsten Mann von Wien übertragen.

00:12:22: Der – damit auch sein Publikum sich nicht langweilt – wenn auf seinem Theater eine Tragödie namens Ariadna auf Naxis ... aufgeführt wird, die auf einer wüsten Ingel spielt.

00:12:35: Auf den sublimen Gedanken kommt diese Tragödie doch mit dem Personal aus einer komediadellarte Komödie ein wenig aufzupäppen!

00:12:46: Wie gesagt, die neue Fassung kam im Oktober nineteenhundertsechzehn unter Franz Schalk und Maria Jerica in der Titelpartie heraus.

00:12:55: Für Hoffmannsdahl und Strauß war die Gelegenheit hier mit einem Vorspiel, die eigentümliche Handlung der Ariadne gekoppelt mit der kleinen Komödie zu erklären eine wunderbare Gelegenkeit.

00:13:08: Eine neue wunderbare Rolle einzuführen!

00:13:11: Den Komponisten der Ober-Ariadne ein junges Talent, das dank der Zuwendungen durch den reichsten Mann von Wien zur einer großen Chance kommt.

00:13:21: es kann also im Hause auf der Bühne des Reichsten Mannes die Ariadne gespielt werden, aber eben mit der Einschränkung.

00:13:29: Dass eine Komödie dazwischen geschaltet werden muss damit niemand

00:13:33: einschläft.".

00:13:34: Den Komponisten sang bei der Uraführung in den letzten Jahren Lotte Lehmann und bei einer Festvorstellung zum achtzigsten Geburtstag von Richard Strauss, der in den Jahren davor sein Werk übrigens fünfundzwanzig Mal selbst in der Staatsoper dirigiert hatte...der Diriggierte!

00:13:53: Karol Böhm eine Neueinstudierung.

00:13:56: und da war die Blutjunge ihrem Gar C. Fried an der Komponist, der am Schluss des Vorspiels einen wunderbaren Monolog über die Kraft der göttlichen Musik geschenkt bekommen hat.

00:14:11: Scheinbar versöhnt mit den Widrigkeiten des mangelnden Kunstverständnisses.

00:17:20: Gar C Frid als Kompонist Paul Schöffler als Musiklehrer Opernorchester unter der Leitung von Carle Böhm bei der Festaufführung zum achtzigsten Geburtstag des Komponisten Richard Strauss, aus der Stadt.

00:17:38: Carle-Böhm ist der Ariadne treu geblieben.

00:17:41: Er hat das Stück bei den Salzburger Festspielen und an der Staatsoper wiederholt einstudiert allein in Wien.

00:17:48: Hat er siebenundvierzig Vorstellungen bis knapp vor seinem Tod geleitet und unter anderem natürlich die Neuinzzenierung des Jahres neunzehntsechsundsiebzig mit einer Luxusbesetzung angeführt von Gundola Janovic.

00:23:14: Die Ariadne, wie wir sie kennen – und wir haben uns auch daran gewöhnt und im Vorspiel wird das ja auch erklärt – dass die Tragödie immer wieder durch komediantische Einwürfe unterbrochen werden bis hin zu hübschen Kobles im Walzer-Rhythmus einer virtuosen Aree der Zerbinetta, die in der ursprünglichen Version noch viel komplizierter war.

00:23:39: Das möchte man gar nicht glauben als sie heute ohnehin geblieben ist.

00:23:43: für die Cholaratursopranistinnen.

00:23:45: übrigens hat in der Premiere wo wir gerade die areadenen Aree gehört haben von der Janowitz gesungen Editha Groberova als Zerbinetta ihren internationalen Durchbruch geschafft.

00:23:58: Wie gesagt Die Ur-Variante der ungemein komplexen und heiklen Zerbinettari, die war noch schwieriger, noch komplexer als die Version, die wir kennen.

00:24:10: Und die Koloratursobrennistinnen bis heute führten.

00:24:14: Das mag mit ein Grund sein dafür, dass sich niemand an die Urfassung der Ariadne, an diese eigenwillige Kombination aus Sprechtheater – mit dem Bürger als Edelmann – und Opa gewöhnen konnte!

00:24:27: In Salzburg hat man bei den Festspielen einmal zwar die Urfassung angesetzt, allerdings war das ein kleiner Etkettenschwindel.

00:24:35: Denn da hat man den Text vor allem beim Bürger als Edelmann also jenem Teil der Oper in der bekannten Fassung das Vorspiel darstellt komplett umgeschrieben.

00:24:47: Kent Nagano hat in seiner Zeit als Schäftdirigentin Lyon zumindest einmal versucht dem Original näherzukommen Und da hat das Publikum entdeckt, dass nicht nur der erste Teil der Bürger als Edelmann von Molière ist mit einer Schauspielmusik von Strauß sondern dass in der Ariadne noch viel mehr Einwürfe komediantischer Natur zu erleben sind als in der uns bekannten zweiten Fassung.

00:25:14: Hören wir einmal wie sich der Auftritt des Bakrus im Finale der Oper ankündigt?

00:25:19: und wieder plötzlich noch einmal für uns völlig ungewohnt in der ursprünglichen Version, Zerbinetta in Erscheinung tritt um Riadne nochmal ins Gewissen zu reden.

00:32:57: Göster Wimberg, Margolette Price und als Zerbinetta Sumio begleitet vom Orchester der Oper von Lyon unter Kent Nagano.

00:33:07: So klang das also in der ursprünglichen Version.

00:33:09: und jetzt mit den letzten Takten waren wir wieder dort gelandet, wo wir in normalen Aufführungen der zweiten Fassung gewohnt sind zu landen beim Auftritt.

00:33:20: Und da geht dann das Duett so richtig los!

00:33:23: Aber für Kenner der Fassung von Jahrhundertsechzehn, also unserer bekannten Ariadne hat die Urfassung noch weitere Überraschungen parat – vor allem am Schluss.

00:33:35: Das schöne Duett wird nicht von einem zauberischen Orchesternachspiel abgeschlossen und Tableau schlust er oper, denn die Personen des Bürgers als Edelmann – vor allem der Bürger-als-Edelmann selbst kommen noch einmal auf die Bühne.

00:33:53: Und M. Jourdan, der Bürger als Edleman philosophiert über seine Stellung in der Weg und die Rolle, die die eben gehörte Oper spielt!

00:34:05: nämlich eigentlich gar keine.

00:41:26: Der Originalschluss von Ariadne auf Naxos in der Version von Ungewohnt, ein wenig schroff möchte man meinen.

00:42:12: Aber eigentlich für eine Ära die längst sogar die Postmoderne hinter sich gelassen hat müsste doch einen Blick auf die ursprüngliche Konzeption dieser Kombination aus Sprechtheater und Musiktheater von Hugo von Hofmannsdal und Richard Strauss möglich sein.

00:42:36: vielleicht erleben wir es ja noch einmal Und vielleicht wird der Ananetrebko doch auch einmal die Ariadne auf der Bühne singen.

00:42:45: Danke fürs Zuhören!

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