Musiksalon: Romeo und Julia, skizziert von Shakespeare, ausgemalt von Prokofieff

Shownotes

William Shakespeare hat Generationen von Komponisten zu herrlicher Musik angeregt. Zu den aufregendsten musikalischen Umsetzungen eines seiner Dramen gehört die Ballettmusik zu "Romeo und Julia" aus der Feder des russischen Meisters Sergej Prokofieff. Auf unserer Erkundungstour durch dieses außergewöhnliche Werk begleiten uns die New Yorker Philharmoniker unter der Leitung von Dimitri Mitropoulos (CBS).

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00:00:00: Willkommen im Musiksalon, meine sehr geehrten Damen und Herren.

00:00:25: Wir widmen uns heute einer der größten Ballettmusiken aller Zeiten.

00:00:30: Sie stammt von Sergei Prokofiev Der für Liebe und Leid Und Leidenschaft des Liebespaars aller Liebespare Die rechten Töne gefunden hat.

00:01:38: Romeo und Julia Musik von Sergei Prokofiev, heute eines der meistgespielten Ballette der Welt.

00:01:47: In bedeutenden Choreografien von John Cranco bis Kenneth McMillen können wir dieses Werk immer wieder sehen!

00:01:56: Wieso oft?

00:01:56: bei Welterfolgen hat man das allerdings zunächst kaum ernen können?

00:02:01: Denken wir an Repertoire Dauer Brenner vom Schlage eines Babier von Sevilla, von Rossini oder im Palette Tchaikovsky's Schwanensee.

00:02:10: Die Urraufführungen waren Flops Prokofievs.

00:02:13: Romeo ist zunächst einmal überhaupt nicht aufgeführt worden.

00:02:18: Da muss man die Geschichte eines Heimkehrers erzählen.

00:02:26: Der seine Heimat nach der Revolution von zehntzehn verlassen hatte beschlossen, nach Russland zurückzukehren.

00:02:35: Den Heimkehrer hat man keineswegs mit offenen Armen aufgenommen obwohl er sogleich willfährig Huldigungsmusiken für die kommunistischen Machthaber komponiert hat.

00:02:48: Er hatte sich sogar als Exilant bereits nach vielen Jahren in Bayern und ihn Paris durchaus als Sympathisant der revolutionären Bewegung in seiner Heimat dargestellt.

00:03:02: Immerhin wehte bei der Erstaufführung seines Palettes der steileren Schritt, im Finale die siegreiche rote Fahne auf der ersten Bühne der Vereinigten Staaten von Amerika – ein paar Jahre später wäre das undenkbar gewesen!

00:03:21: Aber die Tycken des Sowjet-Systems Das Landsleute raffiniert heimzulocken Verstand, die haben sich für Prokofiev selbst ja eine undurchsichtige schillernde Persönlichkeit gewesen ist erst nach-undnach entpuppt.

00:03:38: Stalin's System war noch viel schillender, noch viel undurchssichtiger – und vor allem es war sehr gefährlich!

00:03:48: Wie auch immer, Prokoviev ging freiwillig zurück und er komponierte als Heimkehrer seine Ballettmusik zu Shakespeares Romeo & Julia.

00:03:59: Sie gilt heutzutage, wie gesagt, als eine der schönsten Tanztheaterkompositionen aller Zeiten.

00:04:06: An Popularität kann sie es durchaus mit Tchaikovsky's Schwarnensee oder Dornröschen aufnehmen – für die russischen Zeitgenossen war das Stück schlicht unverständlich!

00:04:16: Schon aus vorrevolutionären Zeiten hafte die Prokofiev in Russland der Ruf des Neutöners an.

00:04:24: Es war im Jahr, dass das Publikum den Saal verlassen hat als er selbst als Solist sein zweites Klavierkonzert Ura führte.

00:04:36: Das ist ein wildes Tier, hat einer dazuhörer gerufen.

00:05:49: Das war, also zwanzig Jahre vor Romeo und Julia.

00:05:56: Doch Prokofiev war wie gesagt ein Kramelion, darin übrigens seinem Kollegen Igor Stravinsky nicht unähnlich.

00:06:04: Stravinski hat seine russische Heimat nach der Revolution endgültig verlassen.

00:06:10: Wie ist Stravinki?

00:06:12: Hat Prokoviev stilistisch ganz unterschiedliche Stücke komponiert ohne dass er dabei seinen spezifischen Tonfall oder seine unverkämpfbare Handschrift verleugnen hätte müssen!

00:06:23: Was immer man hört, man hört Prokofiev.

00:06:27: Die wildesten Eruptionen im zweiten Klavierkonzert die wir gerade erlebt haben oder sogar die vom fortschrittlichen Impressario de Balleros Sergei Diagelev abgelente skütische Suite sie stehen im Werkkatalog dieses Komponistenstücken gegenüber die vollkommen andere Bereiche des musikalischen Ausdrucksvermögens abdecken.

00:06:50: da ist zum Beispiel ganz populär, das Märchen Peter und der Wolf.

00:06:55: Oder die erste Symphonie, die Prokofiev selbst seine Klassische genannt hat und in der er sich ausdrücklich auf Josef Hayden bezieht.

00:08:42: Sanfonie-Klassikmusik, die prokofiv dann in seine Ballettmusik zu Romeo & Julia übernommen hat.

00:08:51: Das gab es also auch!

00:08:52: Auf der einen Seite den wilden Avangadisten, auf der anderen Seite den frühen Neoklassizisten.

00:09:01: Romeo und Julia, die Ballettmusik –die von beiden Prokofievs etwas hat– ist in Russland zunächst überhaupt nicht verstanden worden.

00:09:11: Der Komponist hat eine Klavierversion der Partitur einigen interessierten Zeitgenossen vorgeführt.

00:09:19: Darunter waren Tänzer, die gesagt haben zu diesen Klängen kann man gar nicht tanzen.

00:09:25: So fand denn die Uraufführung nicht in Moskau, nicht in Leningrad.

00:09:31: Sondern im Brünnstadt.

00:09:33: Im Jahr ... ... und die Musik, die damals in Brünnen gespielt wurde hatte nicht viel mit dem zu tun was wir heute erleben wenn wir eine Aufführung von Romeo und Julia zu sehen bekommen.

00:09:54: Wir kennen das als großen Dreiakter mit jeweils durchkomponierten Akten.

00:10:01: In Brün hat man ursprünglich die Orchester-Suite verwendet, die Prokofiev angefertigt hat von seinem Werk damit es zumindest im Konzert ein wenig popularisiert werden sollte.

00:10:14: Er wollte die Musik bekannt machen so wie es Tchaikovsky mit seinem Schwanensee und seinem Don Röschen und vor allem mit dem Nussknacker gemacht hatte.

00:10:24: Man hat die interessantesten, die hübschsten Teile dieser Märchenerzählungen für den Konzertgebrauch arrangiert.

00:10:33: Wir hören jetzt im Musiksalon einige Auszüge aus diesen Konzertswiten in einer legendären, von New York Philharmonik unter der Leitung von Dimitri Mitropoulos.

00:10:48: Und schon am Anfang einer dieser Switten steht eine bezeichnende Kombination zweier Szenen aus dem ersten Akt von Romeo und Julia, die eigentlich akustisch den ganzen Spannungsprogen von Prokofievs Expressivität hörbar werden lassen.

00:11:06: Zunächst blenden wir uns ein in die Schrecksekunde nach einem erbitterten Gefecht, indem die Straßen Veronas mit Toten-und-Verletzten überseht sind.

00:11:17: Die Alarmglocken läuten, es erscheint der Herzog.

00:11:21: Und nun beginnt eine unvergleichliche Musik zu der der Herzock den in tödlicher Fede verwickelten Familien der Montagus und der Krabulets Frieden gebetet und droht alle zu verbannen die diesen Frieden brechen.

00:11:39: Da hören wir den avantgardisten Prokofiev und gleichzeitig den Meister einprägsamer scharfgezeichneter Klangbilder.

00:11:48: Das ist zunächst grill-dissonierend, aber jedes Mal wenn die schreienden Bläser Akkorde verklungen sind, vernehmen wir die ganz leise untergründig offenbar immer vorhandene Musik der Streicher.

00:12:02: Pianissimo!

00:12:03: Die menschlichen Empfindungen liegen da offenbar begraben unter dem Schutt der brutalen Realität.

00:12:11: Szenenwechsel?

00:12:12: Ein Ball bei den Krapoles Da erscheinen die Retter zu einer kraftvoll schreitenden Festmusik.

00:14:15: Ball bei Capolet.

00:14:17: in derselben Szene präsentiert uns Shakespeare, die Begegnung Julius mit ihrem auserwählten Breutigam den Grafen Paris.

00:14:26: Die beiden absolvieren da einen kühl distanzierten Höflichkeits-Tanz miteinander.

00:15:55: William Shakespeare's grandioses psychologisches Porträt seiner Titelheldin findet in der Musik von Prokofiev den einfühlsamsten wiederall.

00:16:06: Das war jetzt die repräsentative, kühlverhaltene junge Dame?

00:16:12: Wenn aber diese Julia mit ihrer Amme allein ist in ihrem Zimmer dann erleben wir eine zart beseitete doch sehr krachterstarke junge Dame, in deren Seele große Gefühle schlummern – die aber wenn wirklich nur die treu sorgende Amme daneben ist auch noch sprinklebendig herumhüpft wie das kleine!

00:16:32: aufgewägte Kind, das sie gerade noch war.

00:18:27: Die ganze Vielfalt von Shakespeare's menschlicher Komödie spiegelt sich auch in der unten lebendigen Musik des russischen Meisters.

00:18:37: eine Tragödie wird das Ganze ja erst nach und nach.

00:18:42: Dreieinhalb Jahrhunderte später findet er geniale Dichter seinen musikalischen Wiederpart.

00:18:48: Das sind auch energetische Volkstenze witzig hintergründige Soli, etwa für eine von Romeo's Freund Mercuzio angeführte Maskenparade.

00:19:01: Die jungen Burschen schleichen sich da gerade auf das Fest der verfeindeten Familie Capulet, wo Romeo und Julia einander dann verbotenerweise rettungslos verfallen werden.

00:19:13: Der Auftritt der junge Bursche ist ein Kabinettsstück für sich.

00:21:22: Legendär hin!

00:21:23: Rokofievs Ballettmusik ist das Finale des ersten Akts, die sogenannte Balkonszene.

00:21:30: Da ist alles komponiert von scenischen Details wie ganz am Anfang unseres Beispieles jetzt dann ein Steinchen wirft um sich bemerkbar zu machen bis hin zur großen poetischen Klangbögen der Liebeszene – von der zärtlichen Umarmung zur grossen Leidenschaft aufblühend und schließlich wieder sanft zurücksinkend in die zauberische nächtliche Stimmung.

00:21:57: Und die, die verweht dann wie in verzückter Erinnerung.

00:22:02: Das sind fünf Minuten einer romantischen Sehnsuchtsmusik – und doch ist es Ton für Ton per Koffeef!

00:22:10: Er war auch einer der größten Melodiker nicht nur des zwanzigsten Jahrhunderts.

00:27:17: Der wunderbaren Liebesmusik steht wie in Shakespeare's Drama die brutale Realität gegenüber, die brutalle Realität der Kämpfe zwischen den Montagus und den Capulets.

00:27:30: Tybalt Julius Cousin fordert Romeo weil er dessen Zuneigung zu seiner Cousine entdeckt hat zum Zweikampf.

00:27:40: Romeo lehnt zunächst einmal ab, da kämpft Tybald mit Romyos Freund Mercuzio.

00:27:47: aus dem Geblänkel wird tödlicher Ernst.

00:27:51: Mercutio stirbt, worauf ihn Romeo doch gegen seinen Willen zum Kampf sozusagen gezwungen ist.

00:27:57: und er besiegt nun seinerseits Tybalt!

00:28:00: Wir hören in Prokofievs Detail versessener Programmmusik den Fächt-Kampf sozusagen Schlag für Schlag und dann einen gewaltigen Pauchenschlägen dem Todeskrampf des Tybalts.

00:28:13: Brotaler kann man nicht komponieren – realistischer.

00:28:17: Und als Finale des zweiten Akts dann einen gewaltig gesteigerten Trauermarsch, den John Cranko eins zu einem unvergesslichen choreografischen Bild verdichtet hat.

00:28:28: In dem sich die verzweifelte Mutter Haare raufend auf ihren toten Sohn wirft während der auf der Bahre davon getragen wird.

00:31:50: Solchen unausweichlichen Steigerungen setzt Sergei Prokofiev Getreulichern.

00:31:56: Shakespeare's Dramaturgie orientiert auch Ruhepunkt entgegen versteht sich.

00:32:00: Da ist zum Beispiel die Szene des Bruder Lorenzo, der das Paar heimlich traut und der später dann in der Not rat und trost weiß.

00:33:21: Für den Fall dass man Julia zwingen würde einem anderen Mann anzugehören – er hat sie ja gerade mit Romeo getraut – hat Bruda Lorenzo ihr eine Fiole mit einem scheinbar tödlichen Trank gegeben.

00:33:36: Er kann das Mädchen wie Tod erscheinen lassen.

00:33:39: Und als die Eltern drohen, Julia zur Vermeelung mit Paris zu zwingen, dann nimmt das Mädchens das Gift!

00:33:46: Prokofiev komponiert da für den Abschied nach der Liebesnacht mit Romeo eine unheimliche Szene – da meint man zu hören, wie die giftigen Tropfen zu wirken beginnen….

00:36:14: Das Finale hätte nach der sowjetischen Ästhetik beinahe offen bleiben sollen.

00:36:20: Prokofiev war sogar bereit, seine Musik für ein Happy End zur Verfügung zu stellen!

00:36:28: Die kommunistische Parteidoktrin des Sowjetunion hat ja Volksnähe der Kunst auf ihre Banner geschrieben – ganz ähnlich wie die nationalsozialistische Partei-Doktrine in Deutschland in jenen Jahren.

00:36:43: Der Chorograf Leonid Lavrovsky hat Prokofiev allerdings von dieser Idee abbringen können und die direkte Anlehnung an Shakespeare auch fürs Finale sichergestellt.

00:36:58: Die eigentliche Uraufführung einer vom Komponisten dann durch etliche neue Kompositionen noch angereicherten Version der Ballettmusik, die fand am Marinsky Theater in St.

00:37:09: Petersburg statt – das damals natürlich Kirchhoff Theater!

00:37:13: in Leningrad geheißen hat.

00:37:15: Es war der Elfte jener, die Geburtsstunde einer dann noch bearbeiteten Version, je nach Jahr Moskauer, primär im Jhs.

00:37:25: auch ins Ausland gegangen ist.

00:37:28: Kalina Ulanova war an der Seite von Konstantin Sergeyev, die legendäre Julia.

00:37:35: Sie hatte damit ihre Lebensrolle gefunden.

00:37:38: Prokofiev's Partitur war inzwischen angewachsen auf zweiundfünfzig Nummern, die im Sinne einer durchkomponierten symphonischen Erzählweise mehr oder weniger bruchlos ineinander übergeben.

00:37:52: Wir können uns das vorstellen wie bei einer durch komponierten Oper der einzig minutiös gezeichnete Handlungsschilderungen an kontemplative psychologisch durchgearbeitete Einzelepisoden.

00:38:05: In der Oper würden wir vielleicht von recitativischen und Ariosenmomenten sprechen.

00:38:11: Im Finale erleben wir dann die Verschränkung dieser Prinzipien auf ausdrucksvolle Weise.

00:38:18: Die Musik tritt nach letzten verzweifelten Aufwallungen und Erinnerungen an die vergangenen Liebeszenen zuletzt in ein Verklärungsstadium.

00:38:30: Man kann das wirklich so oder so hören, also auch irgendwie als Happy End.

00:38:35: Jedenfalls hätt's Prokofiev der Große, Märchenerzähler und Meister des Peter-unter-Wolf vielleicht sogar so gesagt.

00:38:43: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben Sie noch heute!

00:38:47: Unsterblich ist das Paar ja schon dank Shakespeare... ...und Prokrafiev hat ihm jedenfalls die adäquate Musik komponiert.

00:43:34: Und Julia?

00:43:35: Die Musik im heutigen Musiksalon stammte von New York Philharmonik unter der Leitung von Dimitri Metropolis.

00:43:44: Mehr dazu und auch zu ProKofiev.

00:43:47: In der Synkothek schauen Sie zwischendurch mal vorbei www.synkothec.at.

00:43:53: Danke fürs Zuhören!

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