Musiksalon: Beethovens Pastorale - von wegen Sommerfrische
Shownotes
Die Hörbeispiele stammen aus der Aufnahme des Columbia Symphony Orchestra unter Bruno Walter (CBS, 1958).
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00:00:00: Herzlich willkommen meine sehr geehrten Damen und Herren bei unserem Musiksalon, in dem wir heute eine der berühmtersten Symphonien der Wiener Klassik besprechen möchten.
00:00:32: Die sechste Symphonie von Ludwig van Beethoven die anders als das gleichzeitig Komponierte und am selben Tag, dem Zweiundzwanzigsten Dezember, in Wien uraufgeführte Schwesterstück – die sogenannte Schicksalssymphonie – ihren Titel von Beethoven selbst bekommen hat.
00:01:01: Die beiden Werke, die Fünfte und die Sechste sind tatsächlich nicht nur gleichzeitig uraufführt sondern auch komponiert worden!
00:01:10: Und es ist etwa so... als würde sich ein Maler mit der Darstellung des Himmels und der Hölle gleichzeitig beschäftigen.
00:01:21: Wir alle kennen den Beginn der fünften Symphonie.
00:01:31: So pocht das Schicksal an die Pfarten, hat man dazu gesagt – es ist sehr pathetisch.
00:01:37: wie gesagt auch der Titel «Schicksals-Symphonie» ist nicht von Beethoven.
00:01:42: aber ganz falsch ist diese Zuordnung nicht.
00:01:46: Kampf und Sieg hat man mit dieser Musik, die aus dem trotzigen C-Mol in strahlendes C durchführt, assoziiert.
00:01:55: Unterdrückung und Revolution – das kann es auch sein, je nach Befindlichkeit der Kommentatoren und musikalischen Sterntheiter.
00:02:05: Aber das Prinzip Durch Nacht zum Licht per Asperer hat Astra.
00:02:11: Das ist diesem Stück nicht abzusprechen!
00:02:15: Man kann die Gewalt des Ausdrucks an den ersten Takten zweifellos bereits ablesen oder besser abhören.
00:02:25: Man weiß nach diesen paar Tönen, da geht es ums Ganze.
00:02:29: Vielleicht weiss man das auch bei der so ganz anders gearteten Pastoral-Symphonie?
00:02:37: Auch da stehen bezeichnende vielleicht wirklich programmatische Töne gleich am Anfang!
00:02:51: Weiß man nun, dass Beethoven selbst seine Symphonie die Pastorale genannt hat?
00:02:58: Dann wird man diese kleine Nolensvolens als ein Aufatmen empfinden.
00:03:03: Der Titel spricht eine klare Sprache!
00:03:07: Beethoven hat allen Sätzen dieser fünfsätzigen Symphonien kleine Kapitelüberschriften beigegeben und über dem Anfang steht angenehme, heitere Empfindungen welche bei der Ankunft auf dem Lande im Menschen Erwachung.
00:03:23: Tatsächlich geht es entsprechend sommerfrische gestimmt weiter wie in den Fünften im ersten Satz da vorwärts stürmende heftig bewegte Charakter der Musik durchwegs erhalten bleibt – da ist das auch dort übrigens wohl ein bisschen Licht durch die finstere Wolkendecke hereinzubrechen scheint?
00:03:43: Da bleibt im Kopfsatz der Pastorale die milde bukulische Grundstimmung durchwegs bestimmen.
00:03:51: Wirkungen zieht Beethoven in diesem Fall weniger aus Kontrasten, denn aus großen Atemzügen bei der Betrachtung der lieblichen Landschaft und dessen was sie für Herz und Sinn des Sommerfrischlers bereithalten könnte.
00:04:08: So hört man die Entwicklung der ersten Minuten dieser Symphonie wie eine Entfaltung eines großen harmonischen Panoramas.
00:06:50: Wie in der C-Moll Symphonie ist auch in dieser F-Dur-Symphonie der Kopfsatz ein Sonatensatz, ein sonaten Hauptsatz.
00:06:58: Also folgt auf die Exposition, die wir gerade gehört haben – die Themenaufstellung, die sogenannte Durchführung.
00:07:05: und wie in der fünften bleibt das Charakter weiterhin erhalten.
00:07:09: Der ganze Satz entwickelt sich in einem großen Bogen.
00:07:13: In den fünften ist es ein unauffaltsames Drama.
00:07:17: bleibt es bei den wohltuenden Artenzügen, die je länger sie dauern immer reichere Sauerstoffzufuhr mit sich bringen wenn wir bei dem Bild bleiben möchten.
00:07:28: Immer dieselbe Musik aus Wiederholungen der immer gleichen Motivteilchen in allen Registern des Orchesteres.
00:08:26: Je länger diese Luftkur dauert umso umfassender nehmen wird die ganze Bandbreite der hier gebotenen Erholungsmöglichkeiten in uns auf.
00:08:36: Beethoven moduliert immer weiter von der Ausgangstonart in entferntere Regionen.
00:08:43: Über B-Dur erreichen wir D-DUR, beim zweiten großen Artenzug dann G-DUHR und E-DUUHR, beim dritten über A-DÜHR G-MOLL und C-DÚHR womit wir in der Dominante der Grundtonat angelangt werden und daher auf ganz natürliche Weise die sogenannte Reprise – die Wiederholung des ersten Symphonieteils erreichen.
00:09:06: Wir haben damit einen weiten harmonischen Horizont abgesteckt.
00:10:11: Wir haben nach unseren harmonischen Reisen wieder zurückgefunden, die Reprise beginnt und zuletzt herrscht bei diesem Erwachen heitere Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande eine geradezu ausgelassene Fröhlichkeit – man ist gerüstet für einen erholsamen Aufenthalt!
00:10:31: Verzeihen Sie bitte den Reiseprospekton aber irgendwie Hat Beethoven so etwas wohl gemeint?
00:11:36: Halten wir ein wenig inne an diesem Schluss des ersten Satzes der Pastoral-Symphonie.
00:11:43: Das Stück steht nicht im luftleeren Raum, ist keine reine Erfindung in seiner Programmatik von Ludwig van Beethoven.
00:11:52: Naturschilderungen wie diese spürt jeder Klassikfreund im XXI Jahrhundert bei seiner repertoire Kenntnis schon viel früher auf Die vier Jahreszeiten von Vivaldi, die fallen allen wahrscheinlich ein.
00:12:05: Auch die Jahreszeite und nicht zu vergessen die Schöpfung – die beiden großen Oratorien des Vorbilds- und zeitwelligen Lehrers von Beethoven Josef Reiden.
00:12:16: Auch diese Werke enthalten viele programmatische Naturschilderungen.
00:12:21: Bei Heiden reichen sie von Sturmgewittern bis hin zur pittoresken klanglichen Umsetzung von Redentropfen und Schneeflocken.
00:12:31: hat sich darüber durchaus lustig gemacht, zu Zeiten in seiner Pastoral-Symphonie beschreibt er nun aber selber das Murmeln eines Baches und Vogelrufe von Kuckuck Nachtegal und Wachtl.
00:12:44: Aber wie schon im ersten Satz zu hören es geht da um die Erschliessung eines metaphysischen musikalischen Raums.
00:12:53: nicht von ungefähr hat Beethoven über die Partitur die Worte drucken lassen.
00:13:00: oder Erinnerungen an das Landleben und darunter mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei.
00:13:10: Der Satz ist nun wichtig, wahrscheinlich wollte Beethoven der Kritik gleich den Wind aus dem Segel nehmen und signalisieren.
00:13:19: also um Vogelrufe und Gewitterstürme die ja dann auch noch vorkommen und die geht es nicht – oder jedenfalls nicht in erster Linie!
00:13:28: Da fand sich nun in der Bibliothek des Komponisten eine der wichtigsten kulturphilosophischen Abhandlungen seiner Epoche.
00:13:38: Von Johann Georg Sulzer, Jahrgangs-Sebzehnhundertzwanzig erschien die allgemeine Theorie der schönen Künste und da ist zu lesen über das Thema Malerei in der Kunst und in der Musik – der eigentlich für die Musik dienen.
00:13:56: des Stoff ist leidenschaftliche Empfindung.
00:14:00: Doch geht es auch wohl an, dass sie bloße Charaktere
00:14:04: schildert.".
00:14:06: Dazu nennt Sulzer nun die Beispiele Couperin und der Beethoven bestens bekannte Karel Philipp Emmanuel Bach.
00:14:14: Für die Pistorale ist relevant das folgende Zitat bei Sulzer Es geht auch an, malerein aus der leblosen Natur in Musik zu bringen – nicht nur solche die in der Natur selbst sich dem Gehör einprägen wie der Donner oder der Sturm sondern auch die welche das Gemüte durch bestimmte Empfindungen rühren.
00:14:37: Wie die Lieblichkeit einer stillen ländlichen Szene wenn nur die Musik die Poesie zur Begleiterin hat, die uns das gemählte dessen Wirkung wir durch das Gehörempfinden zugleich der Einbildungskraft vorstellt.
00:14:54: Da haben jetzt vielleicht die Rätsel-Lösung, was Beethoven mit dem Ausdruck mehr Ausdrucks der Empfindung als Malerei gemeint haben könnte.
00:15:03: Weiter bei Sulzer lesen wir welche ästhetischen Grenzen bei alledäben immer zu ziehen wären.
00:15:11: Er schreibt nämlich aber malereien die der Dichter beiläufig nicht, um die Empfindung zu erregen sondern als Vergleichungen und den Gedanken mehr Licht zu geben angebracht hat.
00:15:23: Auch durch Musik auszudrücken – selbst da wo der Eindruck derselben dem Waren durch das ganze Stück herrschen Ausdruck schadet ist eine Sache, die sich kein verständiger Tonsetzer sollte einfallen lassen!
00:15:39: Und weiter Ebenso wenn der Tonsetzer uns körperliche Gegenstände malt, die mit den Empfindungen gar keine Gemeinschaft haben.
00:15:47: So wie man bisweilen sieht das mitten in einem empfindungsvollen Stück bloß um die Kunst und des Sängers Fertigkeit zu zeigen – Das Gurgeln der Nachtegal oder das Geheil einer Nachtäule geschildert?
00:16:00: Und dadurch die Empfindung völlig zernichtet wird!
00:16:04: Der Tonsetser muss sich schlechterdings dergleichen Kindereien enthalten.
00:16:09: Er muss bedenken, dass die Musik weder für den Verstand noch für die Einbildungskraft sondern bloß für das Herz arbeitet.
00:16:19: Dieser Denkungsart hat sich Beethoven ganz zu eigen gemacht.
00:16:24: Er schreibt selber einmal in einem Skizzenbuch jede Malerei nachdem sie in der Instrumentalmusik zu weit getrieben verliert.
00:16:34: also in seiner Pastorale verliert Beethoven natürlich nicht.
00:16:39: überlegen wir uns Wie das ist mit den Vogelrufen in unserer Symphonie.
00:16:43: Am Ende des zweiten Satzes hören wir an die Nachtigall, in der Flöte Die Wachtl In der Oboe und dem Kuckuck In der Kerinette.
00:17:29: Wir haben schon im ersten Satz erlebt dass Beethoven erhaben ist über den Verdacht hier um mit Schulz zu sprechen Kindereien aufgesessen werden Auch die sogenannte Szene am Bach.
00:17:42: Der zweite Satz dient höheren Zwecken als der pittoresken Naturschilderung.
00:17:47: Viel mehr setzt sie die Erzählung von den metaphysischenfröhlichen Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande fort.
00:17:56: Wir haben da eine wunderbare Vergleichsmöglichkeit mit einem Stück, das in jenen Jahren sehr populär gewesen ist.
00:18:03: Der etwa zwanzig Jahre ältere deutsche Komponist Justine Heinrich Knecht hat schon achtzehn fünfundachtzig eine Pastoralsymphonie herausgebracht, die viele Naturschilderungen enthält und auch die heitere Stimmung eines Aufenthalts auf dem Land in Tönemalt.
00:18:20: Das ist genau das, was Beethoven vordergründig ja auch tut!
00:18:25: Die Symphonie von Knecht beginnt mit einer Musik, die uns heute wirklich vorkommt als wäre sie das direkte Vorbild zum Beginn des zweiten Satzes von Beethoven's Werk.
00:18:36: Hören wir mal wie die Szene am Bach bei Beethoven beginnt... So murmelt also Beethovens Bach… Und so?
00:18:53: fließt die Musik bei Knecht dahin.
00:19:50: Dieser prägnante Triller der melodieführenden Geigen, der kehrt bei Beethoven nahezu eins zu eins wieder.
00:20:28: Dass Beethoven die Symphonie von Knecht gekannt hat, sie trägt übrigens den Titel Le Portrait Musical de la nature?
00:20:35: Das steht insofern außer Zweifel als wir eine Verlagsanzeige besitzen die auf derselben Seite eines der frühesten Werke von Beethoven bewirbt, die sogenannten Kurfürstensonaten.
00:20:47: Die der dreizehnjährige in Bonn dem regierenden Kurfürsten gewidmet hat und im selben Umfeld die Pastoral-Symphonie von Knecht.
00:20:57: Das ist also schlechterdings undenkbar dass sich der junge Komponist nicht für ein so spektakulär beworbernes Stück eines Zeitgenossen interessiert haben könnte.
00:21:06: Zumal!
00:21:07: wenn die Echos zwei Jahrzehnte später in seiner Sinfonierpastorale ganz eindeutig aufzuspüren sind.
00:21:14: Wir hören natürlich auch die Unterschiede, wie gesagt Beethoven geht es nicht um ein Porträt musikal de la nature – um eine Genre Malerei im Tönen sozusagen sondern es geht ihm um den Ausdruck der Empfindung, wie er selber schreibt Wenn es sich um ein portrait handelt dann um einen Seelenporträt des Komponisten.
00:21:37: oder sind wir besser sogar noch um unser Seelenporträt, um das Porträt der Hörer die er ja auf eine Reise in höhere Gefilde mitnimmt.
00:21:49: Vielleicht sind es auch tiefere Gefilde wenn man so möchte denn gerade in der Szene am Bach holt Beethoven nach den großen Atemzügen des Kopfsatzes zu einer Reise ins Innere an.
00:22:02: Er lotet in die Tiefe unserer Empfindungen.
00:22:06: Er hat sich auch Zeitlebens mit Philosophie auseinandergesetzt, er hat seinen Kant gelesen und spricht noch um eighteenhundertzwanzig von der Harmonie der Welt mit dem Satz.
00:22:17: Das moralische Gesetz in uns unter gestirrnte Himmel über uns.
00:22:24: Es geht also auch nach innen!
00:22:27: Wie die erste ist doch das zweite Satz der pastorale Vordergründung in sonnaten Hauptsatzform geralten.
00:22:34: aber Er behält die Tendenz bei, eine einmal evozierte Stimmung nicht durch Kontrastwirkungen zu stören.
00:22:42: Die Stimmung bleibt die gleiche wird aber immer mehr intensiviert.
00:22:47: Wie schon im Kopf setzten wir in der Durchführung eine weite harmonische Reise am.
00:22:52: Wir lassen uns führen in geheimnisvollen Regionen diesmal nicht um uns sondern in uns.
00:23:00: Auf dem Höhepunkt dieser Verinnerlichung die wahrscheinlich jeder sensible Hörer so empfindet, erreichen wir die weit entfernte Tonart Zestur.
00:23:10: Einharmonisch umgedreitet in H-Dur.
00:23:13: Vom Grundton des Satzes B sind wir also sehr weit entfernt und vom Grundton der Symphonie F sogar soweit als möglich auf dem Quintenzirkel erreichen wir den absoluten Gegenpol!
00:23:26: Und da umfängt uns wirklich eine magische entdrückte Welt... In den letzten Tagen die wir gerade gehört haben, erreichen wir die Grundtonat wieder.
00:25:24: Wir sind also aufgewacht aus den Träumen wenn man so will.
00:25:28: Nach allem was wir erlebt haben blicken wir jetzt gelassen vielleicht sogar amüsiert auf das lustige Zusammensein der Landleute die fröhlich ihre Tänze absolvieren.
00:25:38: Wir lauschen da Bauernkapelle die dazu aufspielt und wo sich der eine oder andere Musikant auch einmal verzählt ein bisschen zu früh einsetzt wird dann ganz spannend ungenierter gewechselt und eine Art Schuhplattler absolviert.
00:26:57: Aber auch das bleibt natürlich nicht an der Oberfläche!
00:27:00: Wir würden heute sagen, es ist keine touristische Bespassung – Der Tanz wird je vom hereinbrechenden Unwetter unterbrochen.
00:27:10: Und mit einem Mal brechen die Urgewaltender Natur über uns rein und das hat wie so oft in solchen Fällen durchaus reinigende Wirkung.
00:27:19: Es geht ja eben nicht um Tonmalerei, sondern um unsere Empfindungen.
00:27:23: Also erleben wir danach den mit Staccato-Tönen hingepinselten Regentropfen eine Sturmflut, Samplitz und Donner – und gleichzeitig eine Fortsetzung unserer harmonischen Abenteuer der ersten Sätze!
00:27:36: Nun gehen wir von Fmol aus und wegen nach Bmol, nach Smol also vom anfänglichen F Tour das Symphonie betrachtet in die tiefsten Tiefen des harmonischen Abgrenz.
00:27:49: Auch bei Justine Heinrich Knecht gibt es übrigens ein Strömgewitter im Zentrum der Symphonie.
00:27:55: Hier sparen wir uns aber jetzt den Vergleich, natürlich steht Beethoven ganz offenkundig Turm hoch über jedem möglichen Mitbewerber!
00:28:04: Ich würde fast sagen auch über allen folgenden Größen die Stürmen als ihre Bildhaftigkeit und innere Bedeutung abzugewinnen getrachtet haben.
00:28:14: Sagen wir Verdi, Wagner Richard Strauss mit dessen deutlich von Beethoven inspirierter Alpensymphonie.
00:28:38: Die Wolken verziehen sich, die Sonne scheint wieder und es erklingt nach einer beruhigenden tröstlichen Phrase der Obohe eine Hirtenweise in der Klarinette.
00:31:33: Jetzt haben wir irgendwie die eigentliche Durchführung – die dramatische Auseinandersetzung mit den vorangehenden Gedanken und Gefühlen hinter uns!
00:31:43: Wir können zurückblicken auf die ganze Symphonie.
00:31:46: Zwei musikalische Gedanken haben wir so eben gehört, die Obonmelodie und die Hirtenweise.
00:31:53: Beide sind – wenn wir davon ausgehen – dass es in dieser Symphonie vielleicht zu einer ideellen Auffaltung des Sonatenprinzips auf ein ganzes fünfsätziges Werk kommt?
00:32:05: So etwas wie die Antworten auf die musikalischen Themen, die Grundgedanken auf denen dieses Gesamtwerk basiert!
00:32:13: Die Obonmelodie erklingt umspielt und ausgeweitet nämlich schon im Hauptthema des ersten Satzes.
00:32:29: Das scheint jetzt vielleicht nicht ganz eindeutig, aber das kann auch ganz deutlich werden wenn wir uns den über die ganze Symphonie gespannten Bogen verdeutlichen Und die Melodie nach B-Dur versetzt mit der Oberstimme der Wellenbewegung in der Szene am Bach vergleichen.
00:33:07: Dasselbe kommt in weitaus rascherem Tempo mit einigen Zwischentönen durchsetzt, auch am Beginn des ländlichen Tanzes im dritten Satz.
00:33:19: Und da noch aufgelöst den Regentropfen sozusagen vor Beginn das Gewitters.
00:33:29: Die selbe Melodie hat uns ganz ruhig also nun ins Finale geführt die Überschrift Wohltätige Mit Dank an die gottheitverbundene Gefühle nach dem Sturm.
00:33:43: Die Dreiglangserlegungen der clarinetten Melodie sind eigentlich typisch für das sogenannte Pastorale, dass er schon lange bevor Beethoven dieses Wort als Titel für seine Symphonie gewählt hat ein bekannter musiktheoretischer Topos gewesen ist.
00:34:01: Eine tatsächlich aus Hirtengesängen übernommene Melodieforme in vielfachen kleinen Veränderungen Aber immer deutlich erkennbar und, wie bei Beethoven hier sehr oft im Sechs-Achtel-Takt spätestens seit dem Barock mit ländlichen Szenen assoziiert wird.
00:34:19: Solches Pastorale kommt natürlich auch bei Justine Heinrich Knecht vor – und später immer wieder in vergleichbaren Situationen.
00:34:28: denken wir nur an Rosinis Szenerie der Schweizer Bergwelt in Wilhelm Tell.
00:34:53: Mit ziemlich derselben Musik hat schon Knechts Natursymphonie begonnen!
00:34:59: Aber bei Beethoven geht es ja, wie ich schon gesagt, um mehr.
00:35:02: Um metaphysische Gedankenwelten!
00:35:05: Nicht umsonst spricht er ja vom Dank an die Gottheit was auch darauf schließen lässt dass dem Gewittersturm zuvor eine tiefere Bedeutung zukommt als nur Blitz und Donner und eine allzu feuchte Störung ländlichen Tanzbotenvergnügen.
00:35:21: Hellhörige vernehmen dann auch die Beziehung des pastoralen clarinetten Themas am Beginn des Finalsatzes zu einem entscheidenden Moment im ersten Satz der Symphonie.
00:35:32: Unsere großen, befreienden Artenzüge dort haben uns in der Exposition dieses Erwachungsheiterempfindungen zu einer Vision dessen geführt was uns hier in der Folge erwarten wird.
00:36:02: Dieses wird nun zu.
00:36:15: Wir haben unser Ziel also erreicht und es beginnt eine große Meditation über dieses Pastoralthema das von den Violinen fast wie in Trans hingegeben weitergeführt und gesteigert wird.
00:37:32: Das hat nun beinahe den Charakter eines Gebets.
00:37:35: Spirituelle Assoziationen sind gewiss nicht zu weit hergeholt, wenn wir bedenken was Beethoven selbst uns zu sagen hat.
00:37:43: auf einem Skizzenblatt notiert er einmal Allmächtiger im Walde.
00:37:48: Ich bin selig glücklich im Walden.
00:37:51: Jeder Baum spricht durch dich.
00:37:54: Oh Gott Welche Herrlichkeit in einer solchen Waldgegend, den Höhen ist Ruhe.
00:38:01: Ruhe ihm zu dienen.
00:40:29: Naturschilderungen und Metaphysik – letztendlich wohl auch ein Gotteslob!
00:40:36: Betroffenes Pastoralegalt unsere heutige Zusammenkunft im Musiksalon der Synkothek?
00:40:43: Mehr dazu unter www.synkothec.at.
00:40:49: Die Aufnahme die wir verwendet haben, stammt aus dem Jahr und achtundfünfzig das Kolambias Symphonieorchester musizierte unter der Leitung von Boruna Walter.
00:41:00: Danke fürs Zuhören!
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