Oleg Maisenberg. Erinnerungen an einen Klangmagier.
Shownotes
Wenige Tage vor seinem 81. Geburtstag starb im April 2026 der Pianist Oleg Maisenberg in seiner Wahlheimatstadt Wien. Wer ihn gehört hat, bewahrt Erinnerungen an transzendetes Klavierspiel und bewegende musikalische Erfahrungen. Weil er es hasste, aufgenommen zu werden, bleiben uns nur wenige Dokumente von Maisenbergs Kunst. Umso spannender, die Auswahl in diesem Podcast zu hören -- und dazu Ausschnitte aus einem der wenigen Interviews, die der Künstler gegeben hat, um über sein Leben und seine Kunst zu erzählen. (Labels: Orfeo, DG, KHG Wien).
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00:00:03: Der Musiksalon mit Wilhelm Senkowicz.
00:00:21: Am sechzehnten April, zwanzig ist wenige Tage vor seinem einundachtzigsten Geburtstag der Pianist Alec Meisberg gestorben.
00:00:32: von seinen Verehrern abgöttisch
00:00:35: geliebt
00:00:36: ein virtuoser zu hochexpressiven hintergründigen Aussagen fähiger Pianisten, die in der weiten Welt doch
00:00:45: lang
00:00:45: nicht so bekannt werden konnte, wie er es verdient hätte.
00:00:50: Denn er hat eines zu tiefst gehasst aufgenommen zu werden.
00:00:55: Wenn Mikrofone in der Nähe waren, fühlte er sich beengt.
00:00:58: und noch etwas hat er gehaszt, Interviews zu geben.
00:01:03: Dennoch soll dieser Podcast versuchen das Außergewöhnliche an diesem Künstler ein bisschen einzufangen.
00:01:11: unter den Dokumenten die ich in den Archiven finden befanden sich immerhin das eine oder andere Interview, die eine oder Andere live entstandene Aufnahme, die zumindest eine Ahnung vermitteln kann.
00:01:27: Wie faszinierend so ein Klavierabend von Allerge Meisenberg sein konnte und nicht zuletzt ein Gespräch, dass er mir im Dezember nineteenhundertneunundneunzig gewährt hat und von dem ich eine Aufnahme finden konnte.
00:01:45: in diesem Sinn Erinnern wir uns ein wenig daran, auf welche aufregenden Reisen uns dieser Künstler mitgenommen hat.
00:01:54: Ins Land der Musik das seine eigentliche Heimat gewesen ist.
00:01:59: Musik ist das für mich etwas Existenzielles bedeutet.
00:02:05: ich empfinde Musik als solche absolut als innere Notwendigkeit.
00:02:11: vielleicht sogar erlebe ich in Musik mehr als im Leben.
00:02:18: Mit anderen Worten Musik ist für mich absolut übergroßes
00:02:22: Lebensfeld.".
00:04:01: Der Wanderer, Franz Schubert gefiltert durch Franz Liszt musiziert von Alec Meisenberg.
00:04:11: Der Wunderer die Suche nach der künstlerischen Vollkommenheit hat diesen Pianisten fanatisch angetrieben.
00:04:22: Er hat gelitten an den Unzulänglichkeiten, nicht nur an den Unsullänglichheiten der Welt sondern auch an der Unzulenklichkeit der eigenen Möglichkeiten.
00:04:33: und die Schlussstrophe des Wanderers dort wo du nicht bist ist das Glück.
00:04:41: Vielleicht schwankt das in den euphorischen Momenten von Konzertauftritten dieses Pianist mit!
00:04:49: In Momenten der ecstatischen Hingabe an ein musikalisches Meisterwerk, die er uns so oft beschert hat.
00:04:56: Da war immer irgendwie ein Tropfen Schwermut – wohl auch Schwermut über die Vergänglichkeit!
00:05:03: Das war immer dabei.
00:05:06: Insofern war ja Wien für diesen in der russischen Kultur großgewordenen Künstler im Westen der einzig wahre Ort zum Leben.
00:05:17: Literarisch hochgebildet befand Meisenberg bereits nach seiner Ausreise aus der damaligen Sowjetunion in Artur Schnitzler den einzigen Puzzlestein gefunden zu haben, der perfekt neben Anton Tschechow zu passen schien.
00:05:44: Als ich noch jung war, mit fünfzehn und sechzehn, als ich zum ersten Mal langer Jahrhundertwende Kulturen mitbekommen habe.
00:05:54: Ich hatte gute Zeiten, versuchte alles zu lesen und er kam für mich alle.
00:06:04: Und sicherlich hatte meine Träume – ich habe nie Konkret gedacht, ich muss deswegen hier leben!
00:06:12: Aber als diese Gedanken kamen, dass ich einmal weggehe, dann war für mich nur Wien gekommen.
00:06:18: Außerdem nicht zufällig habe ich eben Schubert-Wettbewerb in Wien gemacht, sonst fasse ich wie ein Bewerber.
00:06:27: Aber...
00:06:27: Schupert?
00:06:28: Ja!
00:06:28: Aber Schuvert!
00:06:30: Sein Siebenundsechzig war das, dass er den zweiten Preis im SchuBERT-Wetbewerp erringen konnte.
00:06:37: Im selben Jahr hat er übrigens noch an einem verhassten Wettbewerk teilgenommen an dem für Interpretation moderner Musik Und da hat Meisenberg sogar den ersten Preis gewonnen.
00:06:49: Da müsste es im ORF übrigens, im Archiv noch Aufnahmen der Klavierstücke von Stockhausen geben.
00:06:57: Vielleicht findet man die einmal geradezu typisch.
00:07:01: für das Repertoire von Oleg Meisenberger war das allerdings nicht!
00:07:06: Das muss man schon zugeben... Aber die Wiener Musik, die Wina Klassik Da eigentlich aber vor allem Mozart, weniger Beethoven.
00:07:16: interessanterweise wurden für Meisenberg in seiner Solo-Karriere wichtig.
00:07:23: Schubert eben sogar eine Zentralfiguren im Repertoire des Pianisten nicht nur bei den Konzerten in seiner Schicksalsstadt Wien.
00:07:34: das Publikum Im Westen hat Meisenberg zunächst nicht als Solist kennengelernt, sondern als Klavierpartner des Geigers Gidon Kremer.
00:07:45: Mit ihm ist er gekommen um mit hochsensiblen nervösen Wiedergaben klassischer und romantischer Literatur für Violine und Klavier aufhörigen zu lassen aber auch als Promotor für eine ganze Generation zeitgenössischer Komponisten.
00:08:02: Nicht denen, die man damals viel zitiert hat wenn es darum ging die Meister der Avant-Garde zu benennen.
00:08:11: Die Meisenberg auch bei besagtem Wettbewerb zu spielen hatte sondern Meister aus dem Baltikum also von jenseits des eisernen Vorhangs den wir mittlerweile schon fast vergessen haben der aber damals dicht geschlossen war und da kamen einige Namen ins Spiel von denen wir im Westen keine Ahnung hatten, die aber dann für die neue Definition der musikalischen Moderne – für eine moderne mit menschlichen Antlitz sozusagen bedeutend werden sollten.
00:08:46: Alfred Schnittke oder Arvopert – Sie gehören heute zu den wirklich großen der jüngeren Musikgeschichte?
00:08:53: Das ist aber der Initiative von Kremer und seinem Partner zu verdanken!
00:09:01: hat bei beiden Musikern eine eminente Rolle gespielt, nicht zuletzt deshalb.
00:09:06: Weil es Kramer gelungen ist im Verein mit dem burgenländischen Pfarrer Josef Herowitz in Lockenhaus einen Kristallisationspunkt für Kammermusikfreunde zu initiieren wo man Musik für eine interessierte Hörergemeinde gemacht hat und das Repertoire auf faszinierende Weise neu aufgefeiert hat.
00:09:34: Und die entspannte, ganz auf die Musik konzentrierte Atmosphäre in Lockenhaus – die war für einen Künstler vom Format des Allekmeisenberg genau richtig!
00:09:46: Der stets danach getrachtet sozusagen hinter den Meisterwerken, die er interpretiert hat zurückzutreten, ganz zu verschwinden sozusagen... er wollte sich immer nur in den Dienst der Sache stellen.
00:09:59: So bringt man das Publikum auch bei scheinbar vordergründig virtuosen Kompositionen zum Konzentrierten zuhören, was im diesem Fall der Geiger Creme und Pianist Meisenberg artistisch können – was sie sozusagen auf dem Hochseil vorführen – bleibt letztendlich doch nur Mittel zum höheren Zweck!
00:10:23: auch bei einem Stück wie der virtuosen Richard Strauss Violin Sonate.
00:13:21: Mit den Gastspielen an der Seite von Gidon Kremer wuchs langsam auch das Interesse am Soloabend von Oleg Meisenberg, der damit sein Repertoire mehr und mehr erweitern musste – und wollte!
00:13:38: Gerade in Lockenhaus, aber auch an Orten wie der Reitschule in Grafeneck oder im Schloss Luxemburg, anlässlich der damals noch Jahr für Jahr abgehaltene Sommerkurse.
00:13:49: Da kam es zu Meisenberg Solokonzerten und die haben bald eine große Verehrerschar geradezu magisch angezogen.
00:14:00: Jenseits des regulären Konzertbetriebs da hat sich dieser Künstler sowieso am wohlsten gefüllt Und hier hat er sich verlieren können in seine Klangwelten und seinem Publikum mit ihm.
00:20:07: Das Angpromptu in Gestur, einer der wenigen Aufnahmen die von Oleg Meisenberg regulär zu bekommen waren.
00:20:17: Er hat aufnahmen gehasst.
00:20:20: Aufnahmeteams sah nicht gern noch weniger gern Die Mikrofone, da zitierte er sein Vorbild Vladimir Sofronitsky, Mikrofon N. Seele
00:20:33: aus!
00:20:34: Ich habe so irgendein Vergleich, das klingt ein bisschen rabiat... Wenn ich sehe Mikrophonen um den Klavier oder ein Klavier?
00:20:44: Besonders liebend heutige Techniker die Mikrofone jetzt auf dem Klavier zu stechen, dann kommt es mir vor als würde ich Ihnen den Tischskabinett sitzen und ich kann mich nicht gut konzentrieren.
00:20:57: oder wenn ich mich dann überwinden muss, dann muss sich alles kontrollieren.
00:21:02: Ich kann mich einfach nicht frei
00:21:06: fühlen.".
00:21:07: Die wenigen Aufnahmen die von Oleg Meisenbergs Spiel im Studio entstanden, die verraten tatsächlich nicht viel über sein Können.
00:21:17: er brauchte ganz unbedingt sein Publikum Sobald ich sicher fühlen konnte, also sein Publikum da war aber garantiert keine Mikrofone.
00:21:34: Da war er sich sicher dass niemand auf klangliche Bügelfalten acht geben wollte.
00:21:40: Er hatte ein emotionales Musikerlebnis zu vermitteln und das wurde von seinen Zuhörern auch gesucht.
00:21:47: Dann hat er mit vollem Risiko gespielt sozusagen ohne Netz und das hat seine live Auftritte zu aufregenden Abenteuereisen gemacht.
00:21:56: Für einen Interpreten dieses Zuschnitt war dann die Musik Alexander Skriabins ein ideales Vehikel, ohne Netz komponiert auch wenn man so will eine Reihe von riskanten Flugversuchen.
00:22:13: Wir haben Vladimir Sofranicki schon erwähnt Skriabins Schwiegersohn und sein wichtigster Interpret.
00:22:21: Für Meisenberg war dieser Pianist eines der großen Vorbilder, das andere war Sviatoslav Richter.
00:22:29: Und von beiden hat er nicht nur Skriabiens Musik in idealen Interpretationen erleben können sondern auch – und das war in Russland keineswegs selbstverständlich die Musik von Franz Schubert!
00:22:41: Die Skriabis selbst ja gar nichts so geschätzt hat, er meinte Das sei für kleine Mädchen am Konservatorium.
00:22:49: Schon sein Schwiegersonsor Fronitzki hat ihm da widersprochen, sie hat das Laufrichter erst recht und deren Erbe.
00:22:57: Meisenberg hat dann Schubert gespielt so innig wie wir es gerade eben gehört haben.
00:23:03: Aber eben auf der anderen Seite die Musik von Skreehaben Ebenso faszinierend ebenso tief in die Seele lotend.
00:23:12: riskante Flugversuche Wie gesagt Klaviertechnisch, aber auch kompositorisch.
00:23:20: Die Ansprüche reichen davon äußerst der Zartheit und fragiler Klangzauberei – da sollten die Harmonien magisch funkeln und changieren wie in einem Klangprisma bis hinauf in die kraftvollsten Entladungen, der ein Klavier nur irgendfähig ist Ausdruckswut in hysterische Regionen hinaufgeputscht.
00:23:47: Zwischen diesen Polen bewegte sich Meisenbergs Klavierspiel und wenn wir die beiden Poems Opus thirty-two betrachten, da kommen die genannten Eigenschaften jede für sich voll zum Tragen.
00:24:04: Damit auch Meisenbergs atemberaubende Pianissimo Kultur eine pianistische Anschlagkultur der einen immer wieder zweifeln ließ ob die Hemmerchen die Seiten hier überhaupt noch berührt haben.
00:24:18: Und diesen quasi entmaterialisierten Momenten, da standen am anderen Ende der dynamischen Skala leidenschaftliche Ausbrüche gegenüber – so war Oleg Meisenberg in den Poems Opus thirty-two in jeder Hinsicht im Seinen Element und bei den Möglichkeiten die ihm sein Lieblingskomponist eröffnet hat wie vielleicht kein Zweiter in solcher
00:24:43: Intensität.".
00:24:47: vielleicht der Größte, auf jeden Fall eine von ganz großen Komponisten überhaupt und unterroßen zwischen großen Kmponisten.
00:24:58: Vielleicht nimmt es für mich auch erst einmal so, weil ich liebe Rachmaninoff, ich liebe Tchaikovsky und anderen aber doch Skreven ist das noch eine Dimension mehr.
00:25:12: für mich bedeutet kommt wahrscheinlich aus den Tatsachen, dass sein Art Musik zu kompagnieren was daraus kommt.
00:25:26: Was steckt in dieser Materie entspricht wahrscheinlich meinen eigenen inneren Welt am meisten.
00:25:33: Nämlich diese grenzenlose Fantasie schon an der Exaltation grenzend.
00:25:41: unglaubliche Können gleichzeitig enorm poetisch gleichzeitig.
00:25:46: Man muss natürlich wissen, dass Grebel hat in kürzerer Zeit enorme Entwicklung gemacht.
00:25:51: Eher in Richtung Athonal.
00:25:53: Aber nicht das fasziniert mich sondern frühere Werke oder ganz spätere Werke die alle enthalten dieser ungeheuerliche Kühne-Fantasie Die eigentlich nicht mehr mit menschlichen Fantasien zu tun haben Sondern es ist etwas Kosmisches
00:26:34: Es geht in Unendige.
00:31:00: Was hier in den beiden Poems Opus thirty-two von Alexander Skriabin zu hören ist, das sind mit Alliag Meisenbergs Spiel sozusagen die letzten Ausläufer der viel zitierten und so oft missverstandenen russischen Klavierschule.
00:31:17: deren Ideale waren für Meisenberger Verpflichtung.
00:31:22: Und diese Ideale hatten Weiß Gott nichts mit großem Tastengedonnere zu tun wie man hin und wieder fälschlich meint sondern sie pflegten höchste Transparenz und nyassierte dynamische Abstoffungen.
00:31:38: Gelernt hat Alec Meisenberg zunächst einmal bei seiner Mutter, die eine fabelhafte Pianistin war – und mit Größen wie David Ostrach musiziert hat!
00:31:50: In Kirchenau, wo die Familie eine Zeit lang gelebt hat, ging der in Odessa geborenen Meisenberg dann zur Musikschule Und verfolgständigt hat er seine Ausbildung dann am renommierten Moskauer Gnessin-Institut, dem ersten Jahrzehnt nach seiner Diplomprüfung.
00:32:09: Er hatte viele Konzerte mit den großen Moskauerorchestern absolvieren dürfen – das war in den siebziger Jahren!
00:32:18: Im Gespräch hört sich Meisenberg an seine frühesten musikalischen Erfahrungen im Elternhaus erinnert Wobei ziemlich kurios ist, wie er zum Klavier spielen überhaupt
00:32:30: kam.
00:32:31: Meine Mutter war Pernistin.
00:32:33: Zumindest als sie jung war.
00:32:35: Sie musste dann ja Beruf wechseln aber sie waren eine wunderbare Pernisten.
00:32:41: Ich hörte meistens Japanen, sie liebte Japan über alles und spielte oft zu Hause.
00:32:47: Und das wird mir immer unvergesslich, wie schön diese Atmosphäre war.
00:32:51: Wir hatten sehr kleine Wohnung Und es war alles enkel.
00:32:55: Wir hatten achtundzwanzig Quadratmeter Wohnung und wohnten dreizehn Jahre lang zu fünft auf dieser Fläche mit Flügel, nicht Pianina sondern bitte Flüge.
00:33:05: ich schlief eben unter den Klavier.
00:33:09: eigentlich sollte mein ältere Bruder Klavier spielen.
00:33:12: er war zweieinhalb Jahre älter wie ich und mit sieben Jahren dachte meine Mutter jemand soll doch Klavier spielen.
00:33:21: Mein Bruder war ein sehr ungeduldiger, zu vitaler Mensch.
00:33:24: Und er hasste Klavier und konnte gar zwei Sekunden nicht sitzen am Klavier.
00:33:30: Das war für ihn eine echte Qual.
00:33:33: Meine Mutter nahm sogar einen speziellen Pädagogen von der Seite.
00:33:37: Ein ältere Solide her hat auch keinen Erfolg bei meinen Brudern gehabt.
00:33:44: Ich erinnere mich an einen Sonntag.
00:33:46: Damals war ich eben fünf Jahre alt, ging den Pädagoge weg.
00:33:52: Ich erinnere mich noch, dass einfache Melodie konnte mein Bruder nicht richtig spielen und die hörte mit.
00:33:59: Und dann plötzlich ging ich zum Klavier und einfach mit dem Zeigenfinger genau richtige Töne gespielt ohne zu wissen was eine Taste hat.
00:34:08: Er war absolut überwältigt und lief zur Mutter und sagt Mama, Mama, komm, komm!
00:34:13: Also nicht ich, er, schau wie er macht das.
00:34:17: Sie hat an deinen Wissen gehört, wie ich das mache und sagte ja Bruder, du bist jetzt frei.
00:34:22: Du kannst spielen gehen.
00:34:24: und dann begann sie mit mir
00:34:26: eben.".
00:34:27: Und so habe ich angefangen und ich liebte diesen Instrument.
00:34:32: Das war sogar für mich immer eine Strafe.
00:34:35: Meine Mutter sagte, wenn du dich schlecht benimmst, darfst du nicht dann gravieren!
00:34:40: Das war für mich schwerste
00:34:41: Strafe!".
00:34:42: In der Folge hat sich herausgestellt dass man den so talentierten Buben wohl unbedingt an ein professionelles Musikinstitut bringen müsste.
00:34:53: Und so hat eine Ausbildung begonnen, die der Künstler selbst später als die wirklich positive Erfahrung bezeichnet hat, die er im sonst unerträglichen kommunistischen System machen durfte.
00:35:07: Vor allem seinen ersten Lehrer in der Musikschule von Kishinau war lebenslang zu großem Dankverpflichtet nicht zuletzt der nicht nur auf technischen Drill geachtet hat, ganz im Gegenteil.
00:35:21: Als ich dann in die Schule kam, da bekam ich einen Klavierlehrer ein äußerst sensibler und sehr hoch musikalischer Mensch Und ich bin sehr dankbar dass ich eben diesen Pädagog getraff.
00:35:37: Interessanterweise er brachte mir nicht viel bei wie man technisch Klavier spielt aber Das brachte mir viel von Musikverständnis und Musikfühlen unter Leben, indem er mir nicht nur auf dem Klavier etwas gezeigt hat.
00:35:55: Sondern oft nahm ich mich auf Spaziergänge.
00:35:58: Ich guckte Wald oder am See – so oft spazieren gegangen und da hat mir z.B.
00:36:04: viele Dichter rezitiert.
00:36:07: Buschkin, Lermontov, Block, Pasternak, Nazon Und das war ein bisschen so ungewöhnlich.
00:36:17: Aber dadurch wurde ich unglaublich sensibilisiert, überhaupt kunstmäßig.
00:36:23: In der Folge kam Alec Meisenberg ans Moskauer Gnessin-Institut – die legendäre musikalische Kaderschmiede des Sowjetunionen in der es abgesehen von der effektiven Kunsterziehung nicht viel gegeben hat.
00:36:38: was aus der Distanz noch positiv zu bewerten war die Spannung zwischen Kunst und Realität.
00:36:45: Die wurde immer größer, bis sie für Meisenberg unerträglich
00:37:09: wurde.".
00:37:23: auf höchsten Niveau und so lange.
00:37:28: Wir haben zehn Jahre eine Spezialschule, zehn Jahre dann fünf Jahre Konservatorium und noch möglicherweise drei Jahre Esperantur.
00:37:37: Achtzehn Jahre!
00:37:40: Und nach diesen Jahren wenn Sie Erfolg haben, wenn sie dann durchkommen, dann werden Sie Karriere beginnen können spielen Konzerte geben.
00:37:50: Dann beginnt dieser harte Kontrast zu Ihren Können Irntausbildung und dann der Realität, was ist das Kultur?
00:38:00: Landroßland?
00:38:02: Und da muss man ganz mit Rehrbarung durchmachen.
00:38:07: Man reist z.B.
00:38:08: nach Sibirien tausend Kilometer weit um dort zu spielen und dort ist nichts organisiert.
00:38:14: Es sind furchtbare teilweise Klaviere unernängliche.
00:38:18: Man fragt sich wozu eigentlich habe ich mich so lange bemüht auf diesen Niveau zu kommen Und dann ist das dann irgendwie mehr und mehr frustriert.
00:38:30: Außerdem muss ich sagen, ich bin ein sozialer Mensch.
00:38:32: Ich kann nicht in vier Wänden mich bequinden und nur Travier spielen.
00:38:36: natürlich ich reagiere auch auf äußere Leben und eben auch diese politische unerträgliche Druck von oben.
00:38:45: Sie sind wie einst Kontraschensackte.
00:38:48: immer sind sie ein Junge im Grunde.
00:38:52: Wir machen was von uns mit den Zeigen.
00:38:54: wir glaube dich Das war eigentlich sein Grund, damals zu emigrieren.
00:39:00: Und ich spielte letzten Sagen so ab, zweite Hälfte, siebzehnte Jahren schon mit Gedanken sollte ich doch weggehen und dann ich würde es dauern in guter sechs Jahre bis ich doch nicht mehr.
00:39:12: dann konnte dort existieren.
00:39:13: Es gab für mich keine Frage wohin sondern... Ich muss weg!
00:39:18: Ja ist wirklich egal was mich da erwartet.
00:39:22: Ins Ausland war Meisenberg bereits zuvorgekommen, wie schon erzählt mit Gidon Kramer.
00:39:29: Und das war für den jungen Musiker Anfang der siebziger Jahre – da hatte er ja gerade sein Studium abgeschlossen.
00:39:35: gar nicht selbstverständlich und der Hammer unsichl war dergleichen nicht so unbedingt möglich.
00:39:42: Am Anfang waren wir oft auf Donetsch erstmals ins sozialistischen Länder.
00:39:47: dann wagen die bestlichen Länder.
00:39:53: Ich war noch Außerwälter, ich durfte eben nach Ausland gehen.
00:39:57: Da müsste man durch Hölle gehen bevor man sagte du darfst.
00:40:03: Umso schmerzlicher war die Kontraste.
00:40:06: Nach dieser organisierten schönes Leben hier war es immer ein Paradies mein Gott.
00:40:11: Das auch weil Möller hätte so interessieren sich für schöne Seele, schöne Klaviere.
00:40:16: und dann kam's zurück in diese
00:40:18: Woche.
00:40:23: dem kommunistischen Zwangssystem Entronen entpuppte sich Wien als die Stadt, in der er bleiben wollte.
00:40:33: Ein Zitat aus einem Gespräch mit Michaelas Schlögel von fourneintzig.
00:40:38: Ich sehe mich verwandt mit dieser Mentalität Das Himmel hoch jaucht sind zu Tode betrübt hat mich immer fasziniert.
00:40:47: Dieses Himmelhochjauchzent zu Tode betrübt das kannte Meisenberg ja wohl auch aus seiner russischen Heimat, wobei das Wort Heimat wie er im selben Gespräch bekannt hat für ihn nicht allzu viel mit Geografie zu tun hatte.
00:41:02: Zu Hause war er natürlich in den Klängen seines Instrumentes bei dem man immer staunte wie er ihm eine scheinbar unendliche
00:41:12: Farbenvielfalt
00:41:13: zu entlocken vermochte.
00:41:15: In Wien War die Meisenberg-Fan gemeinted am bald groß genug, dass anlässlich des fünftigsten Geburtstags des Pianisten ein zwölfteiliger Konzertzyklus im Mozartsaal des Konzerthauses aufgelegt wurde und restlos ausverkauft war.
00:41:31: Zwölfabende!
00:41:33: Zwölfe Komponisten!
00:41:35: Ein
00:41:35: Interbrett!
00:41:37: Vergleichbares hatte es wenn überhaupt lange nicht gegeben... Und in diesem Fall waren sogar Mikrofone zugelassen.
00:41:46: Ein Teil der Mitschnitte ist sogar dem selbstkritischen Künstler tauglich erschienen zur Veröffentlichung.
00:41:54: Da dürfen wir also nachhören, wie dieser Pianist sozusagen auf Samtpfoten daherkommen konnte.
00:42:00: wenn es etwa um die Passpied aus Claude Debussy's Suite Berger Mask ging Das waren Oleg Meisenbergs berühmte behutsam hingetupfte Klavierballettszähnen.
00:46:11: Dann war er ja auch noch der ebenso berühmte singende Ton dieses Pianisten.
00:46:17: Er war ja auch ein gesuchter Leadbegleiter, legendäre Abendärztag gegeben mit Hermann Brey oder vor allem mit Robert Holl vielen Musikfreunden noch in lebhafter Erinnerung.
00:46:29: An Klavier – auch ganz für sich allein konnte Meisenberg auch singen.
00:46:34: Da hat er weitausgreifende Gesangslinien aus den Tasten modelliert und diese hat er dann vielfältig in ein Stimmengeflecht integriert.
00:46:46: Franz Liszt hat für diese Kunst wunderbare Vorlagen geliefert, indem er zum Beispiel seine drei Liedvertonungen von Sonnetten Petrarchas zu pianistischen Vignetten inmitten des Italien-Teils seiner Anne de Pellerinage gefahren hat.
00:47:02: Den vielfach unterschätzten Komponisten-List hat Meisenberg verstanden wie kaum ein anderer seiner Generation.
00:47:11: Selbst der virtuose Zierrad, die hier die Gesangslinie umrankt, hat in keinem Moment etwas ornamental Oberflächliches.
00:47:22: Jeder Ton ist Ausdruck.
00:47:52: In solchen emotionalen Wellen hat sich das Publikum immer gern hinwegschwimmen lassen stellte sich zuweilen die Frage, wie ein Interpret der solche expressive Höhen erreichen konnte.
00:54:17: Die Kontrolle über sich selbst bewahren
00:54:21: konnte.
00:54:22: Der Mensch hat sehr viele Sinne in sich.
00:54:24: er kann doppelt denken, er kann trippelt denken und und und ... Er kann dabei trotzdem sehr sehr begeistert bleiben.
00:54:34: poetisch Also.
00:54:36: im Vergleich ist es immer mit einem gewissen Trance so stark, wenn man solch eine exaltierte Musik spielt.
00:54:46: Am besten fühle ich mich... Es gibt sehr selten solche Momente aber die gibt's, wenn ich plötzlich spüre nicht ich spiele!
00:54:55: Es spielt etwas und ich höre quasi diese Musik aus der Distanz.
00:55:03: Das heißt, ich habe Übersicht über den ganzen Stück, über der ganze Atmosphäre.
00:55:08: Als würde ich oben stehen oder wo seitlich und das tut sich alles von alleine selbst.
00:55:15: Und weil er von oben oder von der Seite her bei diesem Bild zu bleiben die Übersichts immer bewahren konnte hat Allek Meisenberg auch in groß angelegten Kompositionen etwa der Halbstündigen, in einem großen Bogen gebauten Lisszonate immer die Form beherrscht.
00:55:36: So war ein Zyklus wie Hannes Brahms Händel-Variationen atemberaubend nicht nur als architektonisches Gesamtkunstwerk sondern auch in den tausendfältigen Niassen und Stimmungsvaläurs von Variation zu Variation Mosaik-Steinchen, aus denen dieses Gesamtkunstwerk gefügt ist.
00:55:58: In jehem Wechsel konnte der Konzertflügel da zart und behutsam schmeicheln – dann gleich wieder wie ein Raubtier hochfahren!
00:56:39: Bei den Klangzaubereien der französischen Impressionisten hat Allekmeisenberg pianistische Mal- und Zeichenkunst auf einsame Höhepunkte geführt Die Musik von Debussy und Radell, die waren im ähnlich nahe wie die Werke eines Franz Schubert oder die der russischen Meister.
00:57:01: Ich bin genauso verliebt in impressionistischem Klänge wie in russischem unterwegs.
00:57:07: Impressionismus war mir schon immer sehr wichtig überhaupt als Kunst in Malerei.
00:57:14: Und ich denke es liegt mir auch auf der Farbe gehören.
00:57:19: Es ist nicht so dass ich sehe die Farben wenn ich spiele Aber ich höre diese Farben.
00:57:25: Und es liegt mir einfach dieser besondere Atmosphäre.
00:57:36: Das
00:58:23: spiel der Wellen, auf denen die Varke auf dem Ozean bei Ravel dahin
00:58:30: gleitet.
00:58:32: Diese Nummer drei des Zyklus Miroir hat das allerdings in sich.
00:58:37: Die anmutige Bewegung schwilt bald bedrohlich an.
00:58:42: Die Musik verschweigt nicht, dass eine solche Parkenfahrt nicht ganz gefahrlos vorübergeht – wir sind ja auf dem Meer und all seiner Willkür ausgesetzt!
00:58:54: Da nehmen die Wogenbald demonische Züge an.
00:58:57: Auf solche Stimmungseintrübungen hat sich Oleg Meisenberg natürlich meisthaft verstanden.
01:00:28: Im nächsten Stück der Miroirs stand Pianist Meisenberg, vielleicht sein alter Ego.
01:00:35: Im Interview mit Michaela Schlögel hat er damals bekannt – wir Künstler sind Clowns!
01:00:43: Wir sind normale Menschen aber können das Publikum im Saal in eine illusionistische Welt versetzen.
01:00:51: Wie clowns das eben tun?
01:00:54: In Ravels Alborada del Gracioso Da erfand Meisenberg einen Spassmacher, einen fahrenden Spielmann der mittendrin kurzfristig seine Aufgabe vergisst und ein trauriges Lied anstimmt indem er uns ein wenig in seine Seele blicken lässt bevor er dann munter wieder mit seinen Bellen jongliert.
01:05:32: Ein Jonglör bis da drin aussieht geht niemand was an.
01:05:36: so heißt es bei Franz Leher.
01:05:38: Übrigens, zu den durchaus nicht immer oberflächlichen Meisterstücken der sogenannten Unterhaltungsmusik hatte Alek Meisenberg Zeitlebens ein gutes Verhältnis.
01:05:49: Mit seinem Partner Gidon Kremer hat er sogar ausgewählte Film-Musik für CD eingespielt von den Pießen eines Fritzkreisler zu schweigen die ihn schon wieder an die wienerische Melancholie erinnert haben.
01:06:04: In der Wiederum hat er ja die Seelntiefen der russischen Komponisten wiedergefunden, die natürlich auch ein wichtiges Element seines großen Repertoirs gewesen sind.
01:06:15: Im Jahr zweitausendfünf hat der Wiener Musikverein Meisenberg einen ganzen Klavierzyklus gewidmet – das war acht Jahre nach einem katastrophalen Verkehrsunfall, nachdem es zunächst einmal den Anschein hatte, die Karriere dieses Künstlers sei endgültig beendet!
01:06:33: Die rechte Hand war schwer verletzt und fürs Erste umrauchbar.
01:06:38: Aber Alec Meisenberg hat es nicht bei Auftritten mit Ravels Konzert für die Linke Rand bewenden lassen, in Zehemringen hatte eine neue Spieltechnik entwickelt, die es ihm ermöglicht hat wieder sein gesamtes Repertoire zu spielen.
01:06:53: Im Rahmen des Musikvereinszyklus Da erklagen dann sogar große virtuosen Stücke vom Format der Dreisätze aus Petruszka von Igor Stravinsky, die er in jungen Jahren schon in einer seiner wenigen Studioaufnahmen verewigt hatte.
01:07:10: Und neben Skrehabin war es da vor allem Sergei Rachmaninoff, der ja wiederum auch als Pianist ein eminentes Vorbild für den Künstler gewesen ist!
01:07:23: Lassen wir uns zuletzt in einem weiteren Mitschnitt vom legendären Konzertzyklus aus den neunzigern Jahren, aus dem Mozart-Zahl mit Klängen von Rachmaninoff noch einmal verzaubern.
01:07:37: Auch da wieder eine Gesangslinie.
01:07:40: und zuletzt wie in einem Echo wohn ganz weit her ein Groß aus Anderen Sphären!
01:12:14: Mit dem Destur Momo Musical aus Sergerach-Manninovs opus sechzehn, haben wir unsere Hommage an Alek Meisenberg ausklingen lassen.
01:12:27: Ich danke fürs
01:12:40: Zuhören!
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