Der „Tristan-Akkord“: Wie ein einziger Klang die ganze Musikgeschichte aus dem Konzept gebracht hat
Shownotes
F, H, Dis, Gis – was können vier Töne schon anrichten? Ganz schön viel, wie der sogenannte „Tristan-Akkord“ zeigt: In Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“ erklingt er gleich zu Beginn, hält seine dissonante Spannung aber für Stunden. Und die Fachwelt seit über einem Jahrhundert gebannt. Der Akkord habe die „Harmonik gesprengt“ und die Musik in eine „Krise“ gestürzt, heißt es. Musikwissenschaftler debattieren darüber, wie sie diesen seltsamen Akkord überhaupt nennen und einordnen sollen. Er passt einfach nicht ins gewohnte System!
Und Katrin Nussmayr und Wilhelm Sinkovicz fragen sich in dieser Folge, was der diabolische Richard Wagner da schon wieder angestellt hat. Wie kann man endloses Verlangen und unstillbare Sehnsucht so effektiv in ein paar Töne packen? Hat Wagner den Akkord eigentlich erfunden? Und was hat ihn geritten, einen derart schrägen Klang hinzustellen und einfach stehen zu lassen? „Die harmonische Welt war danach nicht mehr dieselbe“, sagt Wilhelm Sinkovicz. Denn was Wagner sich hier für einen Akkord „erlaubte“, eröffnete bald eine ganze neue Epoche der Musikgeschichte.
Über den Podcast In „Klassik für Taktlose“ ergründen "Die Presse"-Feuilleton-Redakteurin Katrin Nussmayr und Klassikkritiker Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik: Braucht jedes Orchester einen Dirigenten? Warum verstört Richard Wagner so? Was war an Mozart eigentlich so toll? Wie viel Klassik steckt in „Bohemian Rhapsody“ oder Taylor Swift? Für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.
Produktion: Wilhelm Sinkovicz / www.sinkothek.at Audio-Finish: Georg Gfrerer / www.audio-funnel.com.
Transkript anzeigen
00:00:04:
00:00:21: Heute geht es nicht um einen bestimmten Komponisten oder eine Komponnistin.
00:00:25: Wir widmen uns auch nicht einem bestimmten Werk der Klassikgeschichte, sondern wir reden heute nur über einen Akkord!
00:00:32: Den sogenannten Tristan-Akkord liebe Katrin.
00:00:36: also ich glaube der einzige Akkort der
00:00:39: einen Wikipedia-Eintrag hat?
00:00:41: Nein, vielleicht gibt es noch andere.
00:00:42: Weiß ich gar nicht!
00:00:42: Kann auch sein dass er Dominantseptakord einen Wikipedia Eintrag hatte aber das ist eben der dominantsept.
00:00:47: akkord klingt sehr technisch.
00:00:50: Der Tristan Akkord hat einen Namen, einen Männernamen
00:00:53: Ja nämlich den von Tristan der Hauptfigur aus Tristan und Isolde.
00:00:56: denn in dieser Oper kommt dieser Akkort vor.
00:01:00: Reden wir nicht deswegen drüber, weil er in dieser Oper vorkommt und der Tristan-Akkord heißt.
00:01:03: Sondern die reden über diesen Akkord, weil ihm nachgesagt wird, die Musikgeschichte nachhaltig beeinflusst zu haben.
00:01:09: Bitte ich habe gelesen, dieser Akkort, der Tristern-Akkord habe die Harmonik gesprengt.
00:01:14: Für mich klingt das so ein bisschen wie I broke the internet.
00:01:19: Also was hat diese Akkorde dann bitte verbrochen lieber Willi?
00:01:24: Der hat alle Hand verbrochen, also verbrochene hat es natürlich wieder einmal unser Freund.
00:01:29: Unser Diabolus in Musiker Richard Wagner der natürlich immer gut war für Schocks und Überraschungen.
00:01:37: Na
00:01:37: böse Richard!
00:01:38: Und na böse Ricard.
00:01:40: und ich würde mal vorschlagen wir hören uns diesen Akkord einmal an Wir hören den Beginn von Tristan und Isolde beginnt mit einer ganz... Sehnsüchtigen Cello-Kantiläne.
00:01:51: und dann setzen die Bläser einen Akkord drauf.
00:01:54: Und gleich der erste Akkort, der erklingt ist dieser Tristanakkord.
00:02:19: Also der dominante Klang den wir da gehört haben das war der Tristan akkord?
00:02:23: Ja du sagst Dominante ist ganz lustig.
00:02:26: Musik theoretisch gesprochen ist das ganz falsch oder?
00:02:28: Nein nein es ist deswegen lustig weil also das ist tatsächlich
00:02:32: der erster Akkorn.
00:02:33: Markant ist ja auf jeden Fall.
00:02:36: Er dominiert auch wirklich, er dominiert die ganze Oper Und dann eine ganze Menge späterer Stücke in der Musikgeschichte, nicht nur von Richard Wagner.
00:02:46: Dieses Stück steht in A-Moll beginnt auch diese Kante.
00:02:50: Die kann man mit gutem Willen der Tonart A-moll zuordnen.
00:02:55: Dann erklingt dieser Akkord und der ist eine Dissonanz.
00:03:01: Eine Dissonant hat das in sich, dass die Tendenz hat, sich aufzulösen.
00:03:06: Das heißt es müsste nach dieser ... Die Sonanz, eine Konsonanzfolge.
00:03:10: Es folgt aber eine weitere Dissonanz und eine weitere Dissonanz.
00:03:15: Wir haben ja eigentlich drei Akkorde oder eine Melodie die von zwei Akkorden gestützt wird.
00:03:22: Hören wir das nochmal
00:03:23: separiert?
00:03:24: Hören Sie uns noch einmal an!
00:03:25: Vielleicht
00:03:26: nur vom Akkord weg.
00:03:27: Ja.
00:03:36: Die Uboe spielt da einen grammatischen Aufstieg also eine Linie und darunter liegt der Tristan-Akkord und dann ein weiterer Akkord.
00:03:44: Und deswegen habe ich gesagt, das ist lustig, dass du sagst die Dominante.
00:03:47: Das ist der Dominanzeptakord von A-Moll.
00:03:52: Der könnte sich da nach A-moll auflösen.
00:03:55: Und der Schmä, der trist an Schmä!
00:03:57: Wenn man den Tristan akkord steht am Beginn des Trists, dann schmä ist der Schme vom Wagner... Ist der
00:04:02: Schmede nicht alle verstehen?
00:04:04: Nicht alle
00:04:04: verstehen.
00:04:05: ...ist, dass sich da überhaupt nichts auflöst.
00:04:08: Denn was diese Musik symbolisiert ist die unendliche Sehnsucht des Tristan und die löst sich nicht auf.
00:04:20: Die löst ganz am Schluss das Stückes auf im Liebestod der Isolde.
00:04:25: Vier Stunden später oder so?
00:04:27: Ja, also musikalisch vier Stunden später in Bayreuth sechs Stunden später weil wir haben zwei Einstündige passen.
00:04:35: Okay gut aber nur dass ich es jetzt wirklich verstehe.
00:04:37: Das heißt... Jeder Akkord, der dissonant ist.
00:04:40: Also der Schräg klingt und wo irgendwie was nicht ganz passt, er erzeugt in uns das Verlangen, dass es sich auflösen muss also, dass er dann doch wieder passen muss.
00:04:50: Der muss irgendein Ton muss sich so verändern, dass der Akkort wieder sanft- und wohlklingend ist.
00:04:56: Genau!
00:04:56: Und dieser akkord klingt schräg aber er bleibt schrägen.
00:05:01: Es kommt sozusagen die Erlösung kommt einfach nichts.
00:05:04: So ist es.
00:05:05: Und von Richard Strauß gibt es ein wunderbares Albumblatt, der den Anfang und den Schluss des Tristan zu einem Package schnürt.
00:05:18: Da können wir im Kleinen hören wie das wäre würde sich diese Tonfolge die wir gerade gehört haben wirklich auflösen.
00:05:28: Das klingt dann nämlich so...
00:06:14: Das ist also der finale Akkord den wir eigentlich gleich hören wollen, aber bei Wagner erst vier bis sechs Stunden später serviert.
00:06:19: Und Richard Strauß hat sich die Mühe gemacht uns das abzukürzen?
00:06:23: Ja nein er hat es als Albumblatt einmal notiert weil er das Prinzip natürlich hundertprozentig verstanden hat.
00:06:30: und ich war halt so.
00:06:32: Es öffnet sich die Musik in einer unendlichen Sehnsucht und wir erleben dann die dramatische Handlung als ein einziges dieser Erfüllung zustreben wollen und alle tragischen Verstrickungen
00:06:49: hindern uns
00:06:49: daran oder hindern den Tristan daran.
00:06:53: Oder Tristan und Isolde, ich meine die Oliwagnaoban heißen derfliegende Hohle in der Tanheiser Lohngrin Passifal Siegfried Und Tristan UND IsoldE.
00:07:05: Ja warum heißt eigentlich der Tristan Akkord und nicht der Isoldee Akkorde?
00:07:08: Na weil ist die Sehnsucht?
00:07:10: Das Tristan ist letztendlich nach dieser Erfüllung.
00:07:15: Die Sehnsucht, das geht in ganz philosophische Tiefen hin und die Sehnzucht nach der Nacht.
00:07:24: Das Wunderreich der Nacht.
00:07:25: er will mit Isolde seiner unendlich geliebten Willer das Wunderreich der Nacht eerobern.
00:07:31: Daraus die Mutter mich... Das
00:07:33: heißt einfach, er will nur mit ihr schlafen!
00:07:35: Nein, nein!
00:07:36: Das ist viel zu einfach.
00:07:37: Das ist das Wunderreich der Nacht, daraus die Mutter mich entzantrass is'.
00:07:41: Das ist der Tod.
00:07:42: Wir können nur im Tod wirklich vereint sein, weil alle tragischen Verstrickungen in der Welt sind gegen diese unendliche Liebe, die nicht machbar ist und nur im Tot erreichbar ist.
00:07:53: Daher der Liebestod, da ist der Tristan dann schon gestorben nachdem sie endlich... wiedergekehrt ist, müssen wir jetzt nicht im Einzelnen verhandeln.
00:08:02: Haben wir ja auch schon ein bisschen verhandelt.
00:08:04: an dieser Stelle einen Hinweis auf unsere Folge über sechs Szenen in der Oper denn diese Szene dieser Liebestod indem die Auflösung stattfindet wird auch gewertet als transcendentaler musikalischer Orgasmus.
00:08:20: Das ist natürlich aber eine überhöhte Form, eine ideelle Form Absoluten Erfüllung, absoluten Liebeserfüllungen.
00:08:32: Und
00:08:32: dieses Verlangen bleibt einfach aufrecht in dieser Oper.
00:08:36: ewig lang extrem verzögerte Auflösung.
00:08:39: und das passt ja dann zu einer Geschichte die da auch erzählt wird nämlich die beiden wollen zusammen sein aber sie dürfen und dürfen
00:08:46: nicht.
00:08:46: Ja genau so ist es.
00:08:47: Ja, es ist schon sehr komplex die Situation, die dazu führt dass sie sich ihre Liebe überhaupt erklären.
00:08:54: Denn die ist verboten, die geht.
00:08:56: aus verschiedensten Gründen ist das ganz ausgeschlossen und erst der Liebestrank enthämt die beiden so, da sie wirklich sich gestehen können, dass sie einander lieben.
00:09:06: nur ist aber sie die Frau des Königs und der Tristan ist nur der Vaseildeskönig.
00:09:11: und das geführt also zu den größten Katastrophen.
00:09:14: Aber am Schluss sind Sie im Tode vereint Und daher löst sich diese Dissonanz erst ganz am Schluss auf.
00:09:22: Klingt die wirklich die ganze Oper hindurch irgendwie nach?
00:09:25: Es ist immer wieder da!
00:09:27: Ah, der kommt immer wieder der Akkord.
00:09:28: Der Akkort
00:09:29: kommt immer in den unterschiedlichsten Situationen auch in den Unterschiedlichsten Umkehrungen.
00:09:36: Es ist aber immer dieselbe rätselhafte Dissonanzen.
00:10:11: Das besondere Interesse an Akkorde ist dass nicht klar ist, in welche Richtung er sich jetzt wirklich auflösen.
00:10:18: Also er ist nicht nur Dissonant, sondern er ist auch Dissonante ohne klaren Weg wie er wieder schön werden könnte.
00:10:26: Ja ja also zum Beispiel der Dominantseptakord in dem sich das erste Zitat entfaltet, der ist ganz klar, der entlädt sich in der Toniker.
00:10:38: die Entspannung nach dem Dominant-Septakord Ist die Erfüllung
00:10:44: der
00:10:45: Grundstufe?
00:10:46: Genau, ist die erreichende Grundstufel.
00:10:48: Tour oder Mall aber ein Dreiklang!
00:10:50: Ich werde hier verweigert weil es kann sich erst vier Stunden später erfüllen.
00:10:56: Gut vielleicht tauchen wir auch tatsächlich noch ein bisschen weiter in diese Musiktheorie ein denn was diesen Akkord so besonders macht ist ja nicht nur seine Wirkung sondern auch... die musiktheoretischen Überlegungen, das dazu gibt und dass sich so viele Musiktheoretiker nicht einig sind was es mit diesem Akkord denn eigentlich genau auf sich hat.
00:11:12: Das ist auch sehr schwer weil da kann man sich nicht einigen wenn man kann ihn so oder so oder sowieso lesen.
00:11:17: Auch Wagner notiert ihn in Tristan ganz unterschiedlich!
00:11:22: Also die Töne sind ja F-H-Diss und Giss.
00:11:25: aus diesen vier Tönen besteht dieser Akkorde.
00:11:27: jetzt gibt's Musikharmonik und Harmonielehrer gibt es ja klare Bezeichnungen für verschiedene Kombinationen von Intervallen.
00:11:34: Also wenn ich jetzt gewisse Töne zusammengebe in einen Akkord, dann kann das ein Do-Akkord sein, das könnte auch A-Do sein oder Amol oder es gibt auch ein bisschen verwilligendere Akkorde.
00:11:52: Aber was ist das, was wir da hören?
00:11:53: Was ist der Tristanakkord?
00:11:54: Hat es überhaupt einen Namen?
00:11:56: Wie gesagt, eine Dissonanz wie A-Sieben, die wir gerade gehört haben, gehört eigentlich tonatmäßig zu D-Dur.
00:12:03: Weil es ist die fünfte Stufe.
00:12:05: Es ist der Dominantseptakord, der eine Leitfunktion hat – eine Dissonanz, die sich mit Sicherheit normalerweise nach D-dur auflöst.
00:12:19: Schaffen wir beim Tristan Akkord nicht?
00:12:22: Weil er kann sich unterschiedlich auflösen!
00:12:25: Ich habe auch unterschiedliche Bezeichnungen schon gefunden, wie der notiert werden könnte.
00:12:31: Also das könnte ein A-Moll-Sex sein mit einer zusätzlichen sechsten Stufe oder einen F-Mol-Sieben mit vermindertem fünfter Stufe.
00:12:40: also es gibt irgendwie zweite Umkehrung des SEPT Akkord zur zweiten Stufe von A-moll halbverminderte SEPTA-Kord alterierter dominanten SEPDA-Kort.
00:12:48: Also da gibt's ganz viele verschiedene Bezeichningen heißt es wir wissen eigentlich nicht in welcher Tonart dieser Akkorde stattfindet.
00:12:54: Wenn er nur so dasteht als
00:12:57: Tristan Akkord,
00:12:58: also wenn er nur da steht als Tristan Akkort dann kann man nicht sagen das ist eine Dissonanz.
00:13:07: für sich genommen kann sich unterschiedlichst auflösen.
00:13:12: Richard Strauß den wir heute schon erwähnt haben hat wahrscheinlich die originellste Auflösung dieses Tristanaakkords komponiert nämlich in einem Schelmenstück.
00:13:25: Til Allenspiegel ist lustige Streich nach alter Schämenweise in runder Form.
00:13:30: Da gibt es zwei Themen, das ganze Stück besteht nur aus zwei Themen im grandiosen Verwandlungs- und Variationskultur – und das zweite Thema ist der Tristan Accord!
00:13:43: Und das ist wirklich wie.
00:13:45: der wird eingeführt ganz am Beginn des Stücks, indem der Til Allendspiegel uns zuerst eine irrsinnige Grümasse zieht Und dann sein zweites Thema kommt in der Kerinette und dann kommt der Tristan Akkord.
00:13:58: Und den löst er ganz frech nach F-Dur auf!
00:14:12: Also das geht ganz einfach, ja?
00:14:15: Mit dem treibt der Strauß natürlich in die Allenspiegel weil das ist halt der Schelm, der alle an der Nase herumführt.
00:14:24: Treibt also die unglaublichsten Kasperliaden... ...und es ist ganz witzig.
00:14:30: Der Brugner, Anton Brugger, der natürlich auch lange unterrichtet und einer der ganz großen Kenner, der Geheimnisse, der Harmonie gewesen ist hat diesen Tileulnspiegel noch hören können.
00:14:47: Und hat angeblich dem Strauß so das Tutu gezeigt.
00:14:50: also er hat natürlich sofort begriffen.
00:14:52: kein Mensch weiß dass das der Tristan Akkord ist aber der Bruggen hat es natürlich sofort gehört.
00:14:57: Und was der Strauß nicht wusste, zu dem Zeitpunkt wo der Bruckner in den schlimmen Buben so gesagt hat NATO-Schlingel, hat Bruckners selber den Tristan Akkord in seiner neunten Symphonie verwendet und zwar auch auf eine unglaublich originelle Art und Weise.
00:15:15: Das klärt so!
00:15:16: Der zweite Satz der neunte Symphonien beginnt mit diesem Tristan akkord, der in den Bläsern liegen bleibt während die Streicher eine Pizzicato Melodie spielen, die so tut als wäre sie ganz einfach in Zismol.
00:15:33: Aber unter dem liegt immer der Tristan Accord und Wruckner arbeitet sein ganzes Leben mit Wagner-Zitaten immer wieder.
00:15:52: also ganze dritte Symphonie, die Wagner gewidmet ist.
00:15:55: Der erste Fassungs ist Valkyrn-Zitate, Lohngrenzentate usw.
00:16:00: Und die neunte Symphonien, die dem lieben Gott gewidmete ist besteht in vielen Teilen aus sehr, sehr intensiven Varianten der Tristanharmonik.
00:16:12: Ich glaube überhaupt das Brugner in diesem letzten vollendeten Satz dem Adagio der neunten Symphonie als einziger Komponist der Musikgeschichte diese Tristan-Harmonik noch ein bisschen zu steigern verstanden hat und einer unglaublich dissonanten Entladung zuführt die dann wirklich das Ende der tonalen Musik bedeutet.
00:16:39: Wir müssen nur hören, wie dieses Adagio beginnt!
00:16:42: Spielen wir vielleicht noch einmal hinein den Beginn von Tristan und Isolde?
00:17:05: Und der Beginn des Attaches, der neunten Brugner ist wie ein enorm ausgeweitetes Zitat dieses Opernbeginns.
00:17:13: Da sind mitten drin noch andere Töne drinnen und andere Akkorde und noch eine intensive Weiterführung aber letztendlich ist es die selbe Bewegung, die wir bei Wagner
00:17:22: haben.".
00:18:11: Wenn jetzt so viele Leute den Tristan-Akkord von Richard Wagner zitiert haben kann man sagen Wagner hat einen neuen Akkord erfunden, den's vorher nicht gab?
00:18:21: Das kann man sagen, insofern als eben nach diesem Beginn des Tristan die harmonische Welt in Europa nicht mehr war wie sie vorher war.
00:18:31: Also es ist auch bei Wagner selber lösen sich die Dissonanzen bis zum Tristan immer irgendwie auf und wird die harmonische Welt auch bei Wagner immer komplex.
00:18:44: Die letzte Akte Siegfried, die Götterdämmerung.
00:18:47: da gibt es dann Passagen wo wirklich das hat jetzt mit dem Tristanakord nichts zu tun aber wo wirklich minutenlang nicht ganz klar ist in welcher Donut wir uns befinden.
00:18:58: also der Weg in die Adtonalität hören wir da.
00:19:01: auch bei Bruckner kann man nicht sagen in welchen Donut das ist.
00:19:03: was wir gerade gehört haben ist hier wirklich gebahnt und Schönberg hat dann mit seinen Schülern das sozusagen wirklich gebrochen, den Damm gebrauchen.
00:19:13: Also die braucht kein Grund da mehr.
00:19:15: Das Publikum ist sich bis heute nicht einig oberrechtert oder nicht aber er hat einfach dann atonale Musik
00:19:21: komponiert.".
00:19:21: Okay!
00:19:22: Und das ist wohl gemeint wenn vom Untergang der Harmonik die Rede ist?
00:19:25: Genau.
00:19:25: Das heißt in Tristan und Die Solde hat sich Wagner als Erster getraut prominent so eine Dissonanz stehen zu lassen kann man das sagen und nicht aufzulösen, und nicht zum Wohlkern hinzustreben.
00:19:36: Sondern schräg zu bleiben!
00:19:38: Und dann haben die anderen gesagt, das kennen wir auch und das können wir ein ganzes Stück lang und das kann man überhaupt eine ganze Epoche lang.
00:19:42: Ja genau so.
00:19:44: was aber auf der anderen Seite ist deine Frage auch mit Nein zu beantworten.
00:19:49: Wagner hat den Akkord nicht erfunden Er kommt bei Heiden vor, er kommt bei Mozart vor.
00:19:54: Das steht interessanterweise nirgends.
00:19:57: aber eine wunderbar umspielte melodisch-umspielten Form.
00:20:00: Genau das harmonischen Prinzip des Tristananfangs nämlich der Auflösung des Tristana Chords in den Dominanzeptakord gibt es schon in der Symphonie Nr.vierzig, der berühmten G-Moll-Symphonie von Mozart.
00:20:19: Dazu müssen wir nur zuerst einmal damit wir's besser verstehen Denn Tristan Accord, so wie er im Tristan steht einen Halbton tiefer transponieren.
00:20:31: Sollte immer noch gleich schräg klingen dann?
00:20:34: Dann haben wir denselben Accord dasselbe harmonische Prinzip und sind schon in der Donut, in der es Mozart dann verwendet.
00:20:44: Aber ganz so schräglinkt's hier irgendwie nicht.
00:20:46: Nein weil er ist sofort In einem anderen auch wieder dissonanten Accord auflöst Er aber in den Gesamt Verlauf der Musik ganz harmonisch hineinpasst, sodass uns der Akkord gar nicht auffällt.
00:21:28: Das heißt eigentlich hat Mozart den Tristan-Akkord erfunden?
00:21:30: Nein nein es gibt ihn auch vorher schon.
00:21:32: also man findet ihn in der Musikgeschichte immer wieder finden, man findet den später auch bei Beethoven.
00:21:37: Es ist nur so dass Abwagner dieses Klanggebilde zu einem Siegel dafür geworden ist das Akkorde und die Sonanzen sich nicht unbedingt auflösen müssen.
00:21:50: Bei Mozart war das noch selbstverständlich.
00:21:52: Auch bei Beethoven ist es so, wenn das Zitat kommt.
00:21:55: Bei Richard Strauss haben wir dann schon gesehen die Nutzanwendung.
00:21:58: Man kann den auch ganz witzig nach F-Tour auflösen – ist auch kein Problem!
00:22:03: Das heißt, er macht sich nicht zu versuchen um diesen komischen Akkord, man kann damit alles machen.
00:22:07: Man hört ihn sogar in der Rockmusik zum Beispiel bei Radiohead im Lied Idiothec.
00:22:28: Das ist ein Sample, das Radiohead verwendet hat und diese Samplewiederung greift auf den Tristan-Kort zurück.
00:22:34: Na bitte!
00:22:35: Das heißt, wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörern irgendwann irgendwo einen Akkord hören der Ihnen ein bisschen schräg vorkommt dann handelt es sich dabei ja vielleicht um den Trist an der Korte.
00:22:44: Das kann leicht
00:22:45: sein, ja?
00:22:46: Und dann hochen sie mal drauf aber aufgelöst wird oder ob's vier Stunden dauert.
00:22:52: Ja ich glaube die einzige Auflösung, die vier Stunden da war, dies finden
00:22:55: wir bei Wagner.
00:22:56: Also insofern war er der gewagteste
00:22:59: Ganz sicher und strauß until einspiege der kürzeste.
00:23:02: Vielen Dank für's dabei, sind wir dieser Folge.
00:23:04: Wenn sie Ihnen gefallen hat geben Sie uns bitte fünf Sterne in der App hinter uns hören
00:23:08: und wenn sie uns schreiben wollen dann bitte unter podcast at diepresse.com.
00:23:12: Danke fürs Zuhören!
Neuer Kommentar