Musiksalon: "Almas Erwecker" - Alexander von Zemlinsky
Shownotes
Musik, die glühende menschliche Leidenschaften beschreibt – nicht nur die unglückliche Liebe Zemlinskys zu Alma Schindler. Aufnahmen mit Julia Varady, Dietrich Fischer-Dieskau, den Berliner Philharmonikern unter Lorin Maazel (DG), Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch (Sony), dem LaSalle Quartett (DG), Rachel Williams, Benjamin Bruns, Christopher Maltman und dem RSO München unter Patrick Hahn (BRKlassik), der Mülheimer Kantorei, dem Gürzenich Orchester unter James Conlon (EMI), dem Charlottenburger Opernorchester unter Alexander v. Zemlinsky (Pristine), der Tschechischen Philharmonie unter Anthony Beaumont (Chandos) sowie Eva Johansson, Kurt Westi und dem RSO Kopenhagen unter Hans Graf (Capriccio).
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00:00:03: Der Musiksalon mit Wilhelm Senkowicz.
00:00:21: Im März, im Jahr ist es in der Józefstadt in Wien ein Stück namens Zemlinsky zur Uraufführung.
00:00:30: Eine Novität als Auftragswerk der internationalen Zemlinski-Gesellschaft bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Winn für die Jósefstadt geschrieben von Felix Mitterer.
00:00:43: Das dürfte so etwas wie den Höhepunkt der Wiedereingemeindung des Namens Alexander Zemlinsky markiert haben.
00:00:52: Denn einstens in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts war Zemlinski einer der populärsten Komponisten und vor allem dirigenten Persönlichkeiten in Europa, aber seit dem späten dreißiger Jahren dürfte kaum ein Musikfreund auch nur eine Note aus seiner Feder gehört haben.
00:01:16: Erst fünfzehn Jahre nach seinem Tod begann langsam die Zemlinsky Renaissance, bis dahin kannte man den Namen zwar in Musikwissenschaftlerkreisen, man nannte ihn in einem Atemzug mit den Vertretern der sogenannten neuen Wiener Schule also mit Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton von Webern Nicht zuletzt deshalb, weil Cemlinsky der Schwager von Schönberg gewesen war und dessen Lehrer eine Zeit lang.
00:01:49: Und man kannte ihn sozusagen auf der Tratschebene die in der wienerischen Musikgeschichte natürlich auch immer sehr wichtig gewesen ist.
00:02:00: denn Cemlinski das war jener Mann der die junge Alma Schindler später Alma Mahler sozusagen Er weckt hat.
00:02:11: Sie hat sich in ihn verliebt und er noch viel mehr in sie, aber ehe diese heftige Beziehung ihre volle Erfüllung finden konnte, da hat sich Alma von Zemlinsky wieder entfernt und heiratete dessen Konkurrenten – Gustav Mahler.
00:02:29: Das hat sich im Schaffen Zemlinskis ebenso wie in seiner Seele kräftig niedergeschlagen wovon der heutige Podcast handeln wird.
00:02:39: Willkommen im Musiksalon.
00:04:53: Komponist des zwanzigsten Jahrhunderts hat Liebesgefühle von ihrer zartesten Wurzel bis zur höchsten ecstatischen Entladung so sensibel und so expressiv einzufangen gewusst wie Alexander Zimlinski, das war ein Ausschnitt aus seiner lyrischen Symphonie gesungen von Julia Varadi mit den Berliner Philharmonikern unter Lauren Marcel.
00:05:21: Diese Musik lag über Jahre und Jahrzehnte in den Archiven, und verstaubte dort – kein Mensch kannte sie!
00:05:32: Auch wer den Namen Zemlinski im Zusammenhang mit der Wiener Schule etwa oder im Zusammenhang mit seiner Beziehung zu Al-Mamala gehört haben sollte, konnte kaum klänge mit diesem Namen assoziieren.
00:05:49: Der Komponist Zemlinsky war ein halbes Jahr hundert lang völlig vergessen.
00:05:56: Mittlerweile ist das anders, seit den späten achtziger Jahren wird Zemlinskes Werk sowohl in den Opernhäusern als auch in den Konzertsälen immer wieder zur Diskussion gestellt und es entstehen Aufnahmen von berühmten Sängern, etwa Jonas Kaufmann der sogar eines seiner Liedalben nach einem der Gesänge von Tsemlinsky benannt hat.
00:06:27: Selige Stunde!
00:08:27: Ein Lied von Alexander Tseblinski das Alma Mahler besonders geliebt hat weil sie doch Alma Schindler war und mit Tsemelinsky in regem Kontakt gestanden ist.
00:08:40: Sie hat eine besondere Rolle im Leben dieses Komponisten gespielt.
00:08:46: Das lässt sich auch nachlesen, zum Beispiel in Wittmungen der Lieder opus sieben und dann gibt es auch noch Opus zehn.
00:08:57: da ist ein Teil das eben gehörte Lied In diesem Zyklus der gleich drei Hochzeitslieder enthält aber auch eine kleine Ballade von Morgensternnamens Vögel, ein Schwermut.
00:09:11: Von einem Vogel der sich auf die Hand des Todes ausrut und diesem aber wieder flötend in die Welt entlassen wird.
00:09:19: Also dieser Zyklus Opus X trägt jedes der Lieder einzeln Widmungen.
00:09:27: Alma taucht unter diesen Namen nicht auf an das als beim Zyklus Opus VII Wie gesagt, der zur Gänze eher zu geeignet ist.
00:09:37: Das alles war zu einem Zeitpunkt als Semlinsky sich ernstlich Hoffnungen gemacht hat die begehrte Junge da haben wir in der Wiener Gesellschaft würde ihn erörnen.
00:09:49: Tatsächlich war Alma bis über beide Ohren in den Komponisten verliebt.
00:09:55: Sie hatte ihn anlässlich der Uraufführung seiner Kantate Frühlingsbegräbnis nach einem Text von Paul Heise kennengelernt wenige Wochen nach der Wiener Uraufführung an der damaligen Hofoper es war einmal ein Märchenoper aus Zemlinskys Feder mit großem Erfolg unter der Leitung von Gustav Mahler ihre Premiere erlebte.
00:10:16: Also, der Komponist Zemlinski stand im Wien auf der Höhe seines Rums.
00:10:23: dieses Frühlingsbegräbnis das Alma-Mahler damals im Musikverein gehört hat Das war dem Andenken von Johannes Brahms gewidmet und lässt wirklich ein paar Töne hören, die deutlich von Brahms beeinflusst sind.
00:10:39: Aber Semlinsky geht immer noch ein bisschen weiter mit groß aufrauschenden Steigerungen in einem farbenprächtigen Stil der doch ganz neue Wege aufzeigt.
00:14:40: Brühlings Begräbnis kannte Alexander Semlinski seinem Fördernfreund Johannes Brahms gewidmet hat.
00:14:51: Wie Zemlinsky Orchester und Chor behandelt, das ist genial und manchmal wirklich verblüffend!
00:14:57: So heißt es in einer der Rezensionen der Uraführung dieses Sticks... In Wien hat Zemlinski nie wieder derartige Erfolge feiern dürfen.
00:15:09: In der Uraführung im Jahr有一hens sitzt die junge Alma Schindler.
00:15:15: Die Begegnung mit Zimlinski erfolgte kurz nach dem ihre Zuneigung für den Maler Gustav Klimt, die während einer Urlaubsreise nach Italien offenbar geworden war und einem kleinen Skandal geführt hatte von Klimts Kollegen Karl Moll der der Stiefvater von Alma gewesen ist hintertreben worden.
00:15:38: Nachdem der Umgang mit Klimt ihr verboten war.
00:15:41: da wurde Alexander Zimlinski zu ihrem neuen Schwarm, und das obwohl sie ihn für viel zu klein und hässlich hielt.
00:15:51: Des öfteren schreibt sie über ihn jedenfalls höchst ambivalent – sagen wir es mal so!
00:15:56: Nach einer der frühesten Begegnungen in einem Wiener Salon notiert sie fast den ganzen Abend mit Alexander von Zemlinsky.
00:16:05: Er ist furchtbar hässlig, hat fast kein Kinn und doch gefiel er mehr ausnehmend... Man unterhielt sich an diesem Abend.
00:16:14: so dokumentiert die junge Alma über Musik, über Richard Wagner und vor allem über den Tristam.
00:16:21: Womit die junge Dame den Komponisten nicht nur optisch für sich gewonnen hatte – er entbrannte heftig in Liebe zu Alma.
00:16:30: wie umgekehrt!
00:16:32: Man findet sich bei Kompositionsstunden im Musiksalon von Karl-Molz Villa.
00:16:39: Alma legt Semlinsky ihre Kompositionsversuche zur Gutachtung vor.
00:16:45: Die Sache mit dem angeblichen Kompositionstalent von Alma, die ist sehr vielschichtig zu betrachten.
00:16:52: in jüngster Zeit wird ja wieder sehr viel davon erzählt.
00:16:56: Tatsächlich hat ihr Zielvater Karl Moll die Drucklegung dreier Lieder finanziert.
00:17:02: Da kam Semlinski gerade recht!
00:17:05: Und er hat auf jeden Fall Hand an die Kompositionen Almas gelegt, an die, die uns überliefert sind.
00:17:13: Und das wahrscheinlich in seiner heftigen Zuneigung nicht zu knapp!
00:17:18: Im Herbst-Mann-Nacht-Einz notiert Alma in ihr Tagebuch – Schwanger möchte ich sein für ihn Kinder möchte ihm gebären Sein und mein Blut vermischt Von mir die Schönheit von ihn der Geist, aufgehen möchte ich in diesem Beruf für ihn und sein Blut leben.
00:17:39: Atmen!
00:17:40: Mit Glück ihn umgeben mit weicher Hand ihm zur Seite stehen.
00:17:45: Gott gibt mir Kraft und Willen
00:17:48: dazu.".
00:17:49: Die Beziehung geht weit aber nicht zu weit.
00:17:54: Ein weiteres Zitat von Alma dazu Ich dumme ganz glaubte an eine jungfreuliche Reinheit die zu bewahren sei.
00:18:04: Also jedenfalls hat sie sozusagen im letzten Moment zurückgezogen und heiratete den Komponistenkollegen Zemlinsky´s Gustav Mahler.
00:18:14: Für Zemlinski war das eine Lebenskatastrophe, von der er sich lange nicht wenn überhaupt je erholen konnte.
00:18:22: Zumal er Mahler ja zu Dank verpflichtet war denn der hatte als Direktor der Wiener Hofoper zwei Jahre zuvor seine Märchenoper es war einmal zur Uraführung angenommen und mit der ihm eigenen Energie und Konsequenz einstudiert, damit zu einem Riesen Erfolg gemacht.
00:18:38: Immerhin glaube ich nach der von Mahler dirigierten Premiere zwölf Reprizen was wirklich einen ansehnlichen Erfolg darstellt.
00:18:47: Sogar der alte Edward Hanslik hat mehrere Strophen gedichtet, nachdem er dieses Stück in einer Reprise das erste Mal miterlebt hat – und jede dieser Strophe endete mit dem Vers!
00:19:02: muss denn immer gewagener sein.
00:20:23: Wir bezeichnen die Szene Eine hochmütige Prinzessin, die auf der Suche nach der Warenliebe ist, wirft sich in die Arme eines armen Zigeuners.
00:21:29: Dieses Märchen geht natürlich gut aus – es handelt sich bei diesem Räutigam um einen verkleideten Prinzen!
00:21:36: Hintergründige Assoziationen sind in Semlinsky's Biografie noch gar nicht möglich, denn der Komponist hat Alma Schindler zu diesem Zeitpunkt noch gar nie gekannt….
00:21:48: Musikalisch markierte die Ur-Aufführung unter der Leitung seines späteren Nebenbullers Gustav Mahler, gemeinsam mit dem nur drei Wochen später aus der taufegehobenen Frühlingsbegräbnis den Höhepunkt der Wiener Karriere Alexander Zimlinski ist.
00:22:05: Die Premierankritik der OPA hatte schon Edward Hanslicks Nachfolger bei der neuen freien Presse Richard Heuberger, verfasst ein Komponist den wir alle noch kennen weil er unter anderem den Kassenschlager Opernball komponiert hat eine brillante Operette die auch deshalb so brillant ist.
00:22:27: Weil die Instrumentation aus Zeitnot nicht von Heubergers selbst angefertigt wurde sondern Erraten von Alexander Zemlinski.
00:22:38: Das war sogar ein offenes Geheimnis, ist in manchen Zeitungen sogar besprochen worden.
00:22:44: In der Folge – wie auch immer – Heulberger war Zemlinsky zu dankverpflichtet und wahrscheinlich aber auch wirklich beeindruckt von dem was der Kollege alles konnte.
00:22:56: So heißt es denn in der Premierenkritik in der neuen Freien Presse?
00:23:00: Es gibt ja seit wenige die so ein scharfes Auge für das auf der Bühne wirksame haben wie Zemlinski!
00:23:08: wenige, die mit allen großen und kleinen Geheimnissen des Effekts im guten Sinn so vertraut sind wie er.
00:23:16: Aber Pechvogel der Ciemlinsky Zeitlebens gewesen ist der Wiener Erfolg von Es war einmal zeitlich kaum folgen.
00:23:25: es gibt eine Premiere in Mannheim Und der Komponist selbst dirigiert das Werk dann in Prag.
00:23:31: aber danach da hat es mehr als ein halbes Jahrhundert Bis im Zuge der schon erwähnten Semlinsky-Renaissance Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, da war der Komponist schon lange tot.
00:23:43: Diese Partitur wieder aus dem Archiv geholt wurde.
00:23:49: Kein Einzelfall in der Biografie dieses Meisters!
00:23:53: Sein Brotberuf war in jener Zeit jedenfalls nicht das Komponnieren – das hat er nie geschafft – sondern neben den Stunden geben, das dirigieren.
00:24:04: Schon als junger Mann er als talentierter Spreßling einer armen jüdischen Familie aus der Wiener Leopoldstadt nur nebenbei auch komponieren können.
00:24:14: Als Zögeling des Konservatoriums hat er bald die Aufmerksamkeit vom Braemse erregt immerhin, den auch seinem Verleger empfohlen.
00:24:23: und Semlinsky konnte Frühe Werke, etwa die beiden Symphonien Demol und Bedur bei Wettbewerben einreichen und dann Preise gewinnen.
00:24:33: Zum Beispiel den renommierten Beethovenpreis der Gesellschaft der Musikfreunde, den übrigens Brahms mitfinanziert hat.
00:24:41: Aber das Musikmachen, das begann keineswegs in den heiligen Hallen der Hofoppa oder des Musikfreins für Zemlinsky – sondern eher in Hotel- oder sagen wir Wirtshausseelen!
00:24:54: und anderen mit einem selbst gegründeten Leinorchester, das man Polyhymnia getauft hat.
00:25:01: In diesem LeinOrchester hat ein nachmals berühmter Mann Cello gespielt – das war der junge Arnold Schönberg im zweiten Wiener Gemeindebezirk geboren und aufgewachsen wie Ciemlinsky anders als der drei Jahre ältere Aber Autodidakt.
00:25:20: bald in Privatstunden die Grundlagen der Musiktheorie eingeweiht.
00:25:25: Und er wurde, wie auch schon gesagt zu seinem Schwager – denn Schoenberg ehelichte Zemlinsky's Schwester Mathilde!
00:25:34: Bis heute wird, wie gesagt, der Name Zemlinske wenn überhaupt an meist im Zusammenhang mit das sogenannten Neuen Wiener Schule genannt.
00:25:42: Er war auch wichtig für deren Entwicklung, nicht zuletzt weil er harmonisch und ausdrucksmäßig die musikalischen Mittel im Gefolge von Richard Wagner an die äußersten Grenzen zu führen mit Ralf.
00:25:55: Aber er hat den Durchbruch in der sogenannten Aternalität also in die radikale Moderne nicht mitgemacht – nicht so wie sie von Schönberg und seinen Schülern vorexerziert wurde.
00:26:09: So hat Al-Mamala später zynisch behaupten können Ceblinsky sei vom Lehrer zum Schüler Schönbergs geworden, einer der bösartigen Unterstellungen von Alma die auch frühere Verehrer und Geliebte nie verschont hat.
00:26:27: Wenn wir uns nun Werken zuwenden, wie lange nach der Trennung Almas von Ceblinski entstanden sind dann begegnen wir doch inhaltlich immer wieder dem Schockerlebnis Zurückweisung.
00:26:40: Jedenfalls darf man das vom Gehalt her bei vielen Stücken durchaus vermuten.
00:26:47: Ziemlinsky war dann bald mit Ida Gutmann verheiratet, die wiederum die Schwester einer jungen Dame war zu der der Komponistin sehr jung in Jan Beretz zarte Bande zu Knüpfen versucht hatte.
00:27:01: Aber an Alma schreibt er Ninzehundertdreizehn über die Komposition seines zweiten Streichquartets.
00:27:08: Vielleicht wird es einen gewissen Eindruck auf Sie machen, namentlich wenn sie wissen welcher Zeitabschnitt meines Lebens darin zum Ausdruck kommt.
00:27:19: Da kann man sich natürlich alarm dazu denken!
00:27:22: Die Biografen Cieblinski seht sich einig dass bei diesem wild hochfahrenden hochexpressiven Werk etliche Bewusstseinsebenen übereinander zu liegen kommen.
00:27:33: Das Quartett ist fast vierzig Minuten lang in einem großen Bogen gearbeitet und umfasst ohne Pause sozusagen die vier klassischen Sätze eines Streichquartetts.
00:27:44: Darin endelt es Arnold Schönbergs erstem StreichQuartett, und es reizt die tonalen Möglichkeiten bis zum äußersten und steht aber angeblich in Fissmoll – genau wie Schönberg's zweites StreichQUARTET, indem er erstmal in der Geschichte des Quartets ganze Setze ohne festbestimmbare Tonart zu hören sind.
00:28:07: Und dieses zweite Schönberg-Quartet, das behandelt ganz offenkundig die tragische Affäre, die Zemlinsky's Schwester Matilde – Schönbergs Ehefrau mit dem Maler Richard Gerstlate der sich nach dem Matilde zu ihrem Mann zurückgekehrt war, das Leben genommen hat!
00:28:27: Diese tragische Geschichte mag auch in Zemlinskis Quattet mitschwingen Aber die Bemerkung an Alma lässt auch einen, dass der eigene ganz andere Leidenschaften und Verwundungen auch noch dabei sind.
00:28:41: Wenn wir den Höhepunkt des letzten Abschnitts dieser Komposition hören dann können wir bei den hysterischen Aufwallungen und dem insistierend keuchenden Pulsschlag der da unablässig zu hören ist nicht umhin das als sehr persönliches Albtraumprotokoll zu descifrieren.
00:31:32: Eben gehörte Aufnahme stammt aus dem Jahr!
00:31:37: Das Lasallquartett hat da musiziert, eine Aufnahme die bei der Deutschen Grammophon herausgebracht wurde und damit eigentlich den Startschuss zur internationalen Ziemlinsky Renaissance gegeben hat.
00:31:50: In der Folge sind die vier Musiker nämlich durch die Lande gefahren um alle vier Streichquartette Ziemlinskis international vorzustellen von des komponisten Zeitgenossen verständlich zu machen.
00:32:05: Damit ist wirklich eine lange Ruhepause beendet worden, in der Cemlinsky in den Spielplänen überhaupt keine Rolle gespielt hatte.
00:32:16: Wenige Tage nach Vollendung der Partitur dieses zweiten Streichquartets hat Cemlinski mit der Komposition einen neuen Oper begonnen und auch die hat für meinen Geschmack ganz offenkundig mit der Aufarbeitung seiner gescheiterten Beziehung zu Alma Mahler zu tun.
00:32:33: Als Textvorlage hat er diesmal den Einakter Florentinische Tragödie von Oscar Wilde gewählt, ein Stück in dem wir die brutale Auflösungen einer Dreiecksgeschichte durch einen kaltblütigen Mord erleben.
00:32:48: Der Kaufmann Simone ertappt bei der Heimkehr von einer Reise seine Ehefrau Bianca Inflagranti mit dem Fürstensohn Guido Barney.
00:32:58: Er gibt sich zunächst ahnungslos, harmlos und fordert aber zuletzt den Fürsten zum Duell – und tötet ihn dabei!
00:33:07: Bianca, die Simone es eigentlich übertrüssig war, findet im Zuge dieses Zweikampf plötzlich wieder gefallen an ihrem Garten, weil's zynische Schlusspoint erstaunt eigentlich immer wieder aufs Neue, da heißt Warum hast du mir nicht gesagt, dass du so stark?
00:33:28: Worauf Simone antwortet.
00:33:30: Warum hast Du ja nicht gesagt... ...dass du so schön!
00:33:46: Ich hatte recht, mein Schwert ist besser Stahl, hätte geglüt.
00:33:51: Doch brummen wir die Dolche und töten ihn, töten ihm!
00:33:55: Lösch aus den Wattel, Bianca!
00:34:02: Und mein Hörchen, nun bist du tot des einen oder beides.
00:34:07: Vielleicht alle drei?
00:34:09: Ah, Täufe!
00:34:20: Hat die Guck mit meinen Gerät?
00:34:25: Na, nehm' mir vom Hals deine vier Gefinger!
00:34:29: Ich bin des Vaters eins gar so.
00:34:30: Weik!
00:34:31: Dein Vater wird wenn er kindlos beglückte sei.
00:34:34: Wart die Hand, nehn' die Verflucht der Hand fort!
00:34:36: Lass mich los!
00:34:38: Wo es hinreichend der Schlafsturff kommt, spandt dass nichts die mehr kann helfen und dein Leben auf seiner Schande Gipfel angelangt mit dieser Schande endet.
00:34:49: Schöntlich enden!
00:34:51: Auch ich bin Jacker!
00:34:52: Du weißt das lasteteine Schuld auf mir?
00:34:55: Ihr Leben ist doch auch deine lügen Lippen.
00:34:58: Siebt gleich den Hund mit schlapper Zunge.
00:35:04: Stier!
00:35:10: Da kann man eine Ménage à trois bewältigen.
00:38:03: Nämst der Florentinischen Tragödie, fünf Jahre nach der Uraufführung dieses Werks kam dann am Jahr neunzehnzwanzig eine weitere Vertronung einer Oscar Wilde Tragödie mit Semlinskis Musik heraus – Der Zwerg auch nach der Vorlage später bei Aufführungen oft der Geburtstag der Infantin genannt.
00:38:23: Das ist so etwas wie die Tragödie des hässlichen Menschen, ein Psyché das Zemlinsky immer wieder komponieren wollte.
00:38:31: Er hatte dazu sogar seinen Freund Franz Schräker um einen Libretto gebeten, dass der aber dann als Die Gezeichneten selber in Musik gesetzt hat.
00:38:41: Wenn man die Einschätzung seiner optischen Qualitäten durch Alma Maler kennt, dann weiß man was Zemlinski da vermutlich umgetrieben.
00:38:51: Beide ein Akter sind im Zuge der Cemlinsky Renaissance, der Wende zum neuen Jahrtausend aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt worden.
00:39:01: Und sie liegen mittlerweile in mehreren Einspielungen vor und sind auch immer wieder inszeniert worden.
00:39:06: Cemilinski hat sich durch seine Kompositionen trotz vieler einzelner Erfolge nie zu einer Stellung als ausschließlich schöpferischer Musiker hocharbeiten können.
00:39:18: Er war ja auch vom Pech verfolgt – immer wieder wie gesagt!
00:39:22: So hat zum Beispiel Gustav Mahler nach dem Erfolg von Eswa einmal die Oper Traumgörge angenommen.
00:39:29: Aber von Mahlers Nachfolger, Felix von Weingarten ist das Stück knapp vor seiner Premiere-Knappe der Urführung abgelehnt worden.
00:39:38: Auch dieser Traum görge ist eine Verarbeitung des Alma-Traumers aber davon hat erst die Nachwelt erfahren!
00:39:47: Am elften Oktober, also fast vierzig Jahre nach dem Tod des Komponisten, hat es in Nürnberg die Uraufführung gegeben.
00:39:57: Und da konnte man nach den Warten des Ziemlinsky-Biographen Anthony Beaumont ein Werk von brennender Schönheit und bisweilen überwältigende Intensität kennenlernen.
00:40:11: Für die meisten Zeitgenossen blieb Zemlinski ein Kapellmeister der auch!
00:40:16: Komponierte, allerdings ein exzellenter Kapellmeister.
00:40:20: Darüber waren sich eigentlich alle Beobachter einig.
00:40:23: Chefdirigent war Zemlinsky im Kaiserjubiläums Stadttheater der späteren Volksoper in Wien.
00:40:30: Da kamen Jahrhundertzehn seine Gottfried Keller-Vertronung.
00:40:34: Kleider machen Leute heraus eine ganz brillant gestaltete Komödie Und selbst der ewig kritische Igor Stravinsky, der an kaum einem Kollegen ein gutes Haar gelassen hat meinte einmal Ich glaube von allen Dirigenten die ich je erlebt habe würde ich Alexander von Zeblinski als den Überragenden bezeichnen.
00:40:56: Der die höchsten Ansprüche erfüllte.
00:40:59: Diese Worte sprach Stravinski in Erinnerung an eine in allen Punkten mustergültig einstudierte und lebendig abgewickelte Mozart-Aufführung in Prag.
00:41:54: Ein kleiner Ausschnitt aus einer der wenigen Stellakaufnahmen, die von der Kunst des Dirigenten Alexander von Zemlinsky erhalten geblieben sind – ein Fragment aus der Don Giovanni-Uvertür.
00:42:41: Apropos den vom Vater vermutlich anarrogierten Adelstitel hat Zemlinski Zeitlebens verwendet wenn er als Dirigent aufgetreten ist also sozusagen als Künstlername.
00:42:55: Seine umjubelte und hochgeschätzte Kapellmeisterkarriere hat diesen Meister von Wien nach Prag, und nach Berlin geführt.
00:43:07: Vor allem Prag blieb eine der wichtigsten Stationen in seinem Leben.
00:43:13: In dieser Phase sind auch einige seiner wichtigsten Werke für den Konzertzahl entstanden – allen voran die lyrische Symphonie Ein Werk, von dem wir bereits einen Ausschnitt gehört haben in unserem Podcast ganz zu beginn.
00:43:30: Es ist ein durchkomponiertes Stück etwa fünfzig Minuten lang mit sieben Gesängen nach Texten des bengalischen Poeten Rabindranath Tagore der Jahr neunzehnte dreizehn den Nobelpreis erhalten hatte und dann in einer Lesetournee durch Europa gezogen Und hier nicht nur die Musiker fasziniert hat.
00:43:54: Leoszianacek, der kein Wort verstanden hat von dem was Tagore davor gelesen hat, hat begeistert die expressive Sprachmelodie des Dichters notiert.
00:44:05: Die Gedichte waren in Mode und im Jahr fourteen erschien eine Übersetzung von Tagoregedichten aus der Ziemlinski sieben Gedichte ausgewählt hat.
00:44:17: dem Verleger Emil Herzka von der Universal-Edition in Wien schrieb, das ist eine Art Lied von der Erde und spielte damit aus Gustav Mahlers Symphonie für eine Alt- und eine Tenorstimme an.
00:44:29: In sechs Sätzen nach chinesischen Gedichten – hier sind es also indische Gedichte – und sie schildern in einer Symphonies für ein Sopran und eine Baritonstimme und großes Orchester eine Liebesbeziehung.
00:44:44: vom euphorischen Beginn bis zum Zwischendurch erklimmt die Musik wirklich ecstatische Höhen.
00:44:52: Die Instrumentation ist wirklich vollendet und es ist typisch für den Unglücksraben Zemlinsky, was mit der Partitur geschehen ist nachdem er sie in das Sommerfrische in Altausssee vollendete.
00:45:07: Er hat das Konvolut nach Berlin geschickt – und es war postwendend verloren gegangen!
00:45:13: Keine Kopie vorhanden... und keine Chance, das Stück zu rekonstruieren aus dem Gedächtnis.
00:45:21: Aber wie die Post nun manchmal doch spielt – nach Monaten ist das Päckchen wieder aufgetaucht.
00:45:29: Unversehrt!
00:45:31: Tsemenlinsky konnte eine Aufführung anlässlich des Musikfestes der internationalen Gesellschaft für neue Musik im Juni-Ninzehn-Zwanzig in Prag dirigieren.
00:45:42: Diese Symphonie stellt so etwas wie den absoluten Höhepunkt der spätesten Romantik, wenn wir das so nennen können.
00:45:51: Also des Expressionismus in der Musikgeschichte, die gerade noch nicht die Barrieren der Tonalität durchbricht – das äußerste was man innerhalb der Durmoll-Tonalität leisten kann sozusagen!
00:46:08: Für manche Kommentatoren Musikalisch in avant-garde war das dann schon wieder rückschrittlich, aber ein Meister der Moderne wie Alban Berg war fasziniert von dieser lyrischen Symphonie und komponierte nach deren Vorbild eine sechssätzige lyrische Suite für Streichquartett.
00:46:33: Und wenn bei Cemlinsky das Programm einer aufgeheimenden und wiederverebenden Liebe mit aller Leidenschaft durchlebt, dank der Texte von Tagore ganz offenkundig zu Tage liegt.
00:46:49: Dann ist es bei Albanberg das geheime Protokoll seiner verbotenen Liebe zu Franz Werfels Schwester Hannah Fuchs.
00:46:59: Und da kommt es jetzt musikhistorisch zu erstaunlichen Überblendungen In der Ceblinsky Literatur wird oft behauptet, auch diese lyrische Symphonie sei ein Spiegel von Ceblinskis Liebe zu Alma-Mala.
00:47:16: Anthony Beaumont, der Biograph hat freilich einen Grund zur Vermutung dass es hier doch eher um geheime Liebesbriefe an die Sängerin Louise Sachsel geht.
00:47:29: Dir war Ceblinski zugetan in den frühen zwanziger Jahren Aber da war die erste Ehefrau Zemlinsky's Ida noch am Leben.
00:47:40: Als sie in den Neunundzwanzig starb, heiratete Zemlinski wenige Monate später Louise Sachsel, die ihn dann bis an sein Lebensendetreu begleitete.
00:47:53: Beaumont vermutet nun dass die lyrischen Gedichte Tagores die Zemlinsky also leidenschaftlichen Musik gesetzt hat an die Adresse Luises gerichtet sind.
00:48:07: Und da gibt es nun im dritten Satz eine wunderbare Melodie auf die Worte Du bist mein Eigen, meine Eigen Eine Melodie?
00:48:19: Die Alpernberg in seiner lyrischen Suite dann zitiert.
00:48:24: Hören wir zunächst einmal wie diese Melodie bei Zemlinsky aus einer großen Aufwallung des symphonischen Orchesterzart herauswächst.
00:49:53: Hören wir nun, was Alban Berg aus dieser Melodie gemacht hat in seiner lyrischen Suite und lassen wir die Musik dann wieder sanft in die Zemlinski-Symphonie hinüberfließen.
00:51:27: Partitur der Lyricen Symphony war im Jahr neunzehntelzwanzig wohl endet.
00:51:34: zwei Jahre später stirbt Zemlinsky's Schwester Matilde, die Ehefrau Arnold Schönbergs.
00:51:42: In ihrem Angedenken komponiert der Bruder sein drittes Streichquattet und das markiert stilistisch einen Kurswechseln.
00:51:53: Wenn die lyrische Symphonie sozusagen das Non Plus Ultra der Postromantik gewesen ist dann verschmilzt Cemlinski jetzt seine immer noch hochexpressive Klangsprache mit einem schlankeren, irgendwie dem Stil des damals gängigen Neoklassizismus abgelauschten krageren Klangideal das seiner Musik dann bis zuletzt erhalten bleiben sollte.
00:52:23: Dem Tod der Schwester und der Komposition des Streichquartets folgt eine kreative Krise.
00:52:32: Ziemlinsky ist noch mit seiner ersten Ehefrau Ida verheiratet, die kränkelt und, neunzehnundzwanzig, stirbt.
00:52:43: In diesem Jahr widmet sich Zemlinsky Texten afroamerikanischer Dichter, die in Amerika gesammelt wurden und vereint sie zu einer Reihe von Orchester-Liedern.
00:52:56: Die Texte fand in einer Sammlung, die im Jahr neunundzwanzig erschien.
00:53:01: Afrika singt eine Auslesetexte der Gruppe Harlem Renaissance von etlichen Komponisten dieser Era als Textvorlagen benutzt – wobei Zemlinsky anders als viele andere keine Jazz-Anleihen machte hier nahezuliegen scheinen.
00:53:19: Er bleibt da auf halben Wege zwischen seinem späteromantischen Expressionismus und einer kühl kalkulierten Linienführung, eben wie aus der Ära des Neoclassizismus.
00:54:44: Die Klangsprache der Lieder opus zwanzig behält Cymlinsky dann bei als er seine nächste Opa schreibt im Herbst.
00:54:56: Wohl endet ja die Partitur der Vertonung von der Kreidekreis einer Opa, die er seiner zweiten Ehefrau Luise als Hochzeitsgeschenk darbringt.
00:55:08: Das Stück nach einer Vorlage von Klappund bringt Ciemlinsky zunächst bei der Uraufführung in Zürich, nineteen dreieinhalbzig einen schönen Erfolg Und es hat zunächst den Anschein, dass nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland keine Chance mehr bestünde irgendein Werk eines jüdischen Komponisten in deutschland aufzuführen.
00:55:35: Aber nach den ersten Monaten dreht sich die Stimmung noch einmal und es kommt tatsächlich zu diversen deutschen Inszenierungen.
00:55:46: Es scheint Dieser Kreidekreis würde ein Erfolgsstück, aber das konnte bei unserem Pechvogel Zemlinsky natürlich nicht so bleiben.
00:55:57: Die SA hat die erste reichsteutsche Produktion in Stettin zwar gestört, aber der Berliner Premiere folgen fünfundzwanzig Reprisen.
00:56:08: auch an anderen Häusern ist das Stück erfolgreich.
00:56:12: Aber Ende nineteen vierunddreißig ist dann Schluss?
00:56:16: Nicht zuletzt!
00:56:17: nach dem Aufruhr, den hintereinander in Berlin die Uraführungen der Lulu Suite von Albanberg durch Erich Gleiber und der Symphonie Mathester Mahler von Paul Hindemith durch Wilhelm Furtwenger in der Berliner Philharmonie heraufbeschworen haben.
00:56:36: Ab diesem Zeitpunkt ist die sogenannte entartete Kunst wieder verboten.
00:56:42: Zurück komponiert Zemlinsky dann seine Sinfonietta Opus XXIII, und zwar zwischen März- und Juli XIXXIV unter dem Einfluss dieser teilweise absurden und jedenfalls niederschmetternden Erfahrungen die er machen musste.
00:57:01: Die Partitur der Sinfonietta gehört zu den brillantersten Arbeiten Zemlinsky's und steckt voller Anspielungen auf rühre seiner Werke – auch auf den aktuellen Kreidekreis nämlich auf den Satz Verschließt den Käfig, hüte gut das Haus.
00:57:19: Sonst fliegt der Vogel in den Wald
00:57:22: hinaus.".
00:57:24: Der Vogel musste in den Wald hinaus fliehen?
00:57:28: Die Sinfonieter kam zwar in Prag zu Uraufführung, aber auch dort ist es bald ungemütlicher für Zemlinski geworden.
00:57:40: Dort war Tslav Talich, Chefdirigent der tschechischen Philharmonie, den Kollegen gebeten... ein Konzert seines Orchester zu übernehmen.
00:57:48: Ciemlinsky hatte gute Kontakte sowohl zu den damals noch zahlreichen deutschen Musikfreunden in Prag, er war ja auch lange Zeit musikalischer Leiter des neuen Deutschen Theaters in Prag aber auch zur tschechischen Bevölkerung.
00:58:06: und doch also bei einer Aufführung von Bachs Kunst der Fuge in einer Orchesterbearbeitung für talig einspringt, heißt es in den tschechischen Kritiken.
00:58:17: plötzlich haben wir denn keine eigenen Dirigenten.
00:58:21: Vielleicht war es wichtig für Zemlinsky bei dieser Gelegenheit zumindest mit Bachs Musik enger in Kontakt zu kommen.
00:58:30: er hatte viele Jahre zuvor zwar einmal die Johannes Passion dirigiert aber im übrigen umbach einen Bogen gemacht.
00:58:38: jetzt studierter die kontrapunktischen Finessen dieser Kunst der Fuge und kann sein diesbezügliches neues Wissen einbringen in dem Moment, indem er den dreizehnten Psalm für Chor- und Orchester verdohnt.
00:58:55: Das ist wie ein Gebet des Komponisten, in dem man auf seine eigene Lage aufmerksam macht.
00:59:03: Herr!
00:59:03: Wie lange willst du mich so ganz vergessen?
00:59:07: Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir, heißt es zunächst.
00:59:12: Dem düsteren Beginn dieses Psalms setzt Semlinsky aber ein ungeheuer zuversichtlich gesteigertes Finale entgegen.
00:59:22: Ich vertraue darauf dass Du so gnädig bist.
00:59:26: Mein Herz freut sich Dass Du so gerne hilfst.
00:59:30: ich will dem Herrn singen das er sowohl an mir tut Eine positive Zukunftsvision in einem der letzten Werke, die Semlinsky vollenden konnte.
01:03:10: Einen letzten großen Opernversuch startet Semlinski dann noch mit dem König Kandaules nach André Gid.
01:03:19: Ein Werk an dem er mit FiberEifer arbeitet und weil sich sein Stil während der Arbeit in den Monaten doch ein wenig verändert offensichtlich in eine neue Richtung sogar noch den ersten Akt umkomponiert.
01:03:36: Aber es bestand keine Chance mehr in Europa, eine Cieblinski-Uraufführung herauszubringen und... ...Ninzehnunddreißig als die Cieblińskis auch aus ihrer österreichischen Heimat fliehen mussten ging es dann in die USA Und dort war für ein erotisierendes Sige wie den Kandaules an den großen Häusern keine Möglichkeit.
01:04:05: Wie schon bei früheren Gelegenheiten blieb die Komposition liegen und wurde erst nach Zimlinski's Tod, jahrzehntel später von Anthony Beaumont vollendet aus dem Partijell und dann bei diversen Gelegnheiten herausgebracht – unter anderem auch an der Volksoper Wien, in jedem Haus, in dem Zimlinski so lange gearbeitet hatte und bei den Salzburger Festspielen, jedes Mal mit riesigem Erfolg.
01:04:35: Ein Erfolg der dem späten Ziemlinski, der bald nach seiner Übersiedlung nach Amerika erkrankte, versagt geblieben ist.
01:04:45: Eine einzige große Aufführung hat es zu Lebzeiten Ziemlinskis in Amerika gegeben.
01:04:52: Der große Dirigent Dimitri Mitropoulos leiterte eine Aufförung der Sinfonietta und da schrieb Schönberg dem Schwager, diese Produktion wird jetzt wohl endlich den Durchbruch bringen.
01:05:09: Es war tatsächlich die letzte große Aufführung, die Ziemlinsky erleben durfte.
01:05:16: Die Sinfonie hatte früher bei ihren europäischen Auffführungen das Publikum doch aufhörigen lassen?
01:05:24: Vor allem Alban Berg erlebte eine Aufführung unter der Leitung des Komponisten durch die Wiener Symphonika, das war natürlich noch in Wien im Musikverein und da schrieb der Kollege wieder ein unbedingt farbig klingendes plastisch klares Werk dessen echter Zemlinsky Ton in jeder Phase spürbar der Ton den ich so sehr liebe.
01:05:51: Wenige Wochen später war Alban Berg Tod und Cemlinsky gedachte des Freundes mit einem Streichquartett.
01:06:00: Das Streich-Quartett Nummer vier, sein letztes Kammermusikwerk das auch jahrzehntelang vergessen in den Archiven schlummerte ehe es in den späten sechziger Jahren vom Lassall Quartet uraufgeführt wurde.
01:06:16: Die positive Wendung die Cemlinski Renaissance kam sozusagen mit einem halben Jahrhundert zur Spätung Schließen wir dennoch positiv mit dem Finale der Sinfonietta.
01:08:21: Den Klängen der Sinfonietta Opus XXIII Schloss unsere Sendung über den Komponisten und Dirigenten Alexander Zemlinsky.
01:08:32: Danke fürs zuhören!
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