Fake, aber genial: Der große Klassik-Schwindel

Shownotes

Kennen Sie Otto Jägermeier? Mit dem „zu Unrecht vergessenen“ Komponisten befassten sich Wissenschaftler, Journalisten und Musiker. Sein Lebenswerk wurde in Lexika erwähnt und auf Tagungen gewürdigt. Seine Biografie ist erstaunlich. Schade eigentlich, dass sie nicht real ist: Otto Jägermeier hat nie existiert. Was ihn nicht daran hinderte, doch noch zu einem berühmten Komponisten zu werden. Blöd nur, dass alle seine Noten verbrannt sind …

Die Klassik-Geschichte ist reich an Schwindeln, Scherzen und Fakes. Katrin Nussmayr und Wilhelm Sinkovicz (der übrigens auch selbst an der Erfindung eines Komponisten beteiligt war) stürzen sich in dieser Folge in ein Kaninchenloch voller wilder Erzählungen: Da gibt es Orchester, die nur auf Plattencovern und in Spotify-Playlists existieren. Einen erfundenen Bach-Sohn, der sich unmöglichen Instrumenten widmete. Die Pianistin Joyce Hatto, die mit gefälschten Aufnahmen zur Legende wurde. Musikalische Kuckuckseier, dreiste Fälschungen, lustvoll gepflegte Fiktionen und eine Uraufführung, die nur dazu da war, Kritiker zu foppen. Es geht um Betrüger, aber auch um Geschichten, auf die es sich (fast) hereinzufallen lohnt.

Über den Podcast In „Klassik für Taktlose“ ergründen "Die Presse"-Feuilleton-Redakteurin Katrin Nussmayr und Klassikkritiker Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik: Braucht jedes Orchester einen Dirigenten? Warum verstört Richard Wagner so? Was war an Mozart eigentlich so toll? Wie viel Klassik steckt in „Bohemian Rhapsody“ oder Taylor Swift? Für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.

Produktion: Wilhelm Sinkovicz / www.sinkothek.at Audio-Finish: Georg Gfrerer / www.audio-funnel.com.

Transkript anzeigen

00:00:02: Wir reden ja hier immer sehr gerne über die wichtigsten Musikstücke und die größten Komponistinnen und Komponnisten, die je gelebt haben.

00:00:28: Ganz untergegangen sind dabei bisher die größte Musiklegenden, die nie gelebt habe!

00:00:35: Und dabei haben sie in der Musikwelt eine lange und glühende Tradition.

00:00:41: Also reden wir heute über Fakes, über Schwindel.

00:00:44: Über Scherze passend zum ersten April der jedes Jahr wieder kommt und man sollte sowieso finde ich das ganze Jahr über zu Scherzen aufgelegt sein.

00:00:54: also auch heute die großen Musikscherze.

00:00:57: Geschichten über Fake-Komponisten.

00:01:00: damit meinen wir nicht als Mozart verkleideten Verkäufer in der Wiener Innenstadt sondern ja da gibt es einfach tolle Geschichten.

00:01:08: Ja, es gibt in der Geschichte natürlich so unterschobene Kinder.

00:01:14: Die gibt's auch ganz ernsthaft zum Beispiel.

00:01:16: Es gab... Josef Haydn hat einen Bruder gehabt, Michael Geis und Michael Hayden war Hoforganist im Salzburg beim Fürste Erzbischof und sehr gut bekannt mit den Mozarts, mit Leopold Mozart und dem kleinen Wolfgang.

00:01:28: Und als der Wolfgang, der den Michael Haydns sehr geschätzt hat das letzte Mal nach Salzburg gekommen ist, das war ich glaube, Michael Haydn getroffen und der hat ihm gesagt, der Erzbischof hat gerade sechs Stücke für Violine und Bratsche verlangt.

00:01:45: Und ich habe eh schon vier E-Komponite aber mehr freut nichts mehr ein.

00:01:48: Daraufhin hat der Mozart kurzerhand dem zwei Stücke geliefert.

00:01:52: Richtig ausführliche so Viertelstundenstücke für Geige und Bratche...

00:01:56: Hat er so aus der Backpack jetzt gezogen?

00:02:00: Aus dem Ärmel geschüttelt, das in ein paar Tagen hat er eben das geliefern.

00:02:03: Das wurde dann dem Erzbschof als Michael Haydens Musik Überreicht.

00:02:09: Ja, das ist dreist aber noch nicht so dreistwürdig.

00:02:11: Geschichten die ich dir heute erzählen muss.

00:02:14: Wirklich!

00:02:14: Also fangen wir an Geschichte Nummer eins.

00:02:17: Piotr Sack.

00:02:19: Sagt ihr der?

00:02:19: Irgendwas?

00:02:20: Nein, nie gehört's.

00:02:21: Das ist aber komisch weil es war eine aufregende Uraufführung im BBC Three Radio.

00:02:28: am fünften Juni.

00:02:28: nineteenhundertsechzig hat da eben stattgefunden die Urafführung eines Stücks namens Mobile for Tape and Percussion.

00:02:37: Das war ein Avant-Garde-Stück von einem erst-zweiundzwanzigjährigen polnischen Komponisten namens Piotre Sack.

00:02:44: Und im Radio wurde der beschrieben als one of the youngest and most controversial figures in contemporary music.

00:02:51: Hör mal kurz rein, wie das klingt!

00:03:48: Ja gespielt von Claude Tessier und Anton Schmidt wurde deinem Radio dazu gesagt.

00:03:54: Ja das hat die Welt ernst genommen.

00:03:56: also drei mindestens drei Zeitungen in England haben das rezentriert und über diese Uraufführung berichtet.

00:04:04: Nur, dass war ein Schmäh!

00:04:07: Wobei man sagen muss... Das klingt genau wie die Sachen bei den Dona Eschinger-Bärenkursen für neue Musik da unter Stockhausensleitung produziert worden ist Anfang der sechziger Jahre.

00:04:24: Ich glaube nicht, dass man da viel unterscheiden

00:04:26: kann.

00:04:26: Ich glaube das war auch das Ansinnen der beiden BBC-Mitarbeiter die dahinter stecken das so ein bisschen klar zu machen.

00:04:35: Hans Keller, ein gepfiffiger Österreicher.

00:04:37: Ja gut!

00:04:39: Du kennst den schon?

00:04:40: Also dass man einer und Susan Bradshaw stecken dahinter, die haben beide beim BBC radio

00:04:45: gearbeitet.

00:04:45: Na gut, aber Hans Keller war natürlich eine wirkliche Größe.

00:04:48: Er war in Wien, übrigens, er ist ja auch mit der A-Movie gestorben, als ganz junger Mann, da waren noch keine zwanzig glaube ich... Und war dann einer der führenden Musikkritiker in London.

00:05:00: Er hat eben viele Sendungen gemacht.

00:05:02: Und war der bekanntermaßen kritisch gegenüber der Avon Garde, der sechziger Jahre?

00:05:07: Ja, er war überhaupt kritisch gegen alles!

00:05:10: Der war ein sehr tiefblickender, sehr analytischer Kopf und mir hat diese Machenschaften natürlich durchschaut.

00:05:17: wie gesagt im Endes ginkt, so genannte Musik konkret das damals gegeben hat und die damals von den Zeitungen unglaublich hochgejubelt worden ist.

00:05:26: Musik aus dem Elfenbeintour, muss man sagen, damals war die sogenannte neue Musik, die avant-garde längst vollständig abgekoppelt vom Publikum, dass ja erst mit der so genannten neuen Einfachheit – wie das so debatt genannt wurde – also einfach mit der Rückbesinnung auf die Tradition, die dann im späten zwanzigsten Jahrhundert begonnen hat sich wieder aufgelöst hat, diese Spannungsverhältnisse und man jetzt auch in Urlaufführungen gehen kann.

00:05:56: Und das nimmt man auch freudig zur Kenntnis.

00:05:59: aber eine... Wirklich einige Jahrzehnte lang hat die sogenannte neue Musik so geklungen.

00:06:05: Und wenn sie nicht so geklungen hat, ist sie von den Rezizenten nicht vom Hans Keller aber von allen anderen verdammt worden.

00:06:11: Okay!

00:06:12: Ja und eben der Hans Keller und seine Kollegin Susan Bradshaw haben da einfach – das haben Sie auch erzählt dann im Nachhinein – Sie haben auf alle Instrumente, die Sie finden konnten zusammen gesammelt und sind im Studium rumgegangen und waren los drauf eingehemmert.

00:06:25: Die haben das

00:06:26: auch selber aufgenommen, ja?

00:06:27: Also die stecken hinter diesen beiden ominösen Musikankloten

00:06:31: gesehen.

00:06:32: Das ist eine super Aktion!

00:06:33: Genau.

00:06:33: Und

00:06:36: es wurde dann auch aufgedeckt dass das ein Streich war und das Statement der BBC war... Teilweise so willkürlich geklungen hätte, wie diese Klänge die sie da eben produziert haben.

00:06:59: Nur hat der Streich funktioniert?

00:07:01: Ich würde sagen naja!

00:07:02: Das war

00:07:03: nicht, weil das hätte ja das System zusammenbrechen müssen und das Gegenteil war der Fall.

00:07:08: Zum einen vielleicht das aber zum anderen wurde es auch gar nicht so aufgenommen, wie Sie sich das vielleicht vorgestellt hatten.

00:07:14: also in drei Zeitungen sind zumindest in drei Zeltungen sind Kritiken erschienen In The Times.

00:07:21: Eher negativ, also schon ehrrichtung für riskierende Artikel wo der Autor geschrieben hat.

00:07:25: It was certainly difficult to grasp more than the music's broad outlines.

00:07:30: Also auf Deutsch vielleicht es war schwer greifbar.

00:07:33: Es ist vielleicht etwas was man als Kritiker auch schreibt wenn man nicht so wirklich weiß was man anfangen soll damit Genau erordete aber auch einen Lapsus bei der BBC dass das überhaupt ausgestrahlt wurde Also sozusagen schlecht gewählt.

00:07:44: Gut, das ist schon ganz gut.

00:07:45: Dann war der Daily Telegraph Der bezeichnete das Holy Unrewarding also gänzlich unbefriedigend Auch nicht zufrieden.

00:07:52: Und dann gab es noch ein Magazin namens Listener, das sogar zur BBC gehört.

00:07:56: und die haben sich sogar gedacht mit Vorahnung oder nicht, die haben geschrieben, dass muss ein Scherz sein!

00:08:00: Die BBC kann das ja wohl nicht ernst meinen, das als Musik zu bezeichnen.

00:08:04: Das heißt aber also alle drei Rätseln senden habe irgendwie schon gesagt?

00:08:07: Ja Begeisterungsstürme hat das keine ausgelöst.

00:08:10: und die Idee, dass man damit vielleicht auch die Musikwelt hinter das Licht führen könnte und zeigen ist da schau ich abgehoben ihr Salzen was ihr alles als Musik bezeichnet.

00:08:18: Es ist nicht ganz aufgegangen.

00:08:20: Ja, aber es gab auch andere Fälle von Musikschwindeln die durchaus erfolgreich darin waren ganze Nationen, ganze Generationen von Musikfreunden hinter sich zu führen.

00:08:32: Und da gibt's den ominösen und berühmten Fall von Joyce Hatto.

00:08:36: Der hast du mir heute erzählt?

00:08:38: Das ist eine unglaubliche Geschichte eigentlich ein bisschen tragische Geschichte.

00:08:41: Es war eine Pianistin der Mann Plattenproduzent war oder Platten Produzent wurde Und der hat wirklich konsequent und über viele Jahre hin Aufnahmen von anderen Pianistinnen und Pianisten leicht verändert, aufnahmetechnisch.

00:09:00: Und als Aufnahme seiner Frau herausgebracht.

00:09:04: Das ist lange nicht aufgeflogen!

00:09:07: Gottlob hat sie auch nicht erlebt dass der Schwindel aufgeflog.

00:09:11: Es ist wenige Monate nach ihrem Tod oder das weiß ich jetzt nicht so genau, ist das aufgekommen?

00:09:18: dass das eine riesige Fälschung gewesen ist.

00:09:24: Die haben ganz ohne zu zögern lebende Pianisten ausgebeutet dafür, immer andere.

00:09:32: Es gibt einen Fall wo es besonders dreist, weil ich meine wenn es jetzt um Chopin-Claverierkonzerte Nummer eins geht... Ich mein das kann ein guter Pianist spielen!

00:09:42: Es gibt Literatur die auch der allerbeste Pianiste nur mit viel Üben bewältigen kann.

00:09:48: Sagen wir jetzt also diese Pianisten, Pianistin Literatur von einem Leopold Goddowski zum Beispiel.

00:09:55: der hat die Schwierigkeitsgrade noch unglaublich angeheizt von dem was möglich ist mit zwei Händen und hat zum Beispiel eine ganze Sammlung wo er zum Beispiel eine Chopin-Etyde nur für die linke Hand bearbeitet oder zwei Chopin Etyden gleichzeitig gespielt lässt.

00:10:21: Das hat so unglaublich raffiniert, auch Kompositionstecht.

00:10:26: Und da kam auch eine Platte in den Handel von Joyce Hato und da ist es dann relativ leicht gewesen das auflegen zu lassen denn das hat ja fast niemand aufgenommen.

00:10:39: der einen erst aufgenommen Hat ist der italienische Pianist Carlo Grante, den ich auch einmal in einer Chirik kennenlerne konnte.

00:10:47: Ein wunderbarer Mann sehr bescheiden und unglaublich virtuos!

00:10:50: Und er ist im Stande diese Stücke wirklich zu spielen.

00:10:53: Das muss man ja mal hören zwei schon bald gleichzeitig.

00:12:23: Das war jetzt nicht die Aufnahme, ihr sozusagen untergejubelt ist das falsche Wort.

00:12:28: Unter ihrem Namen sozusagen.

00:12:32: Ich weiß gar nicht was auf der Joyce Hatto-Platte dann darauf war aber das ist der Pianist, der diese Aufnahmen wirklich gespielt hat.

00:12:38: Carlo Grante wie gesagt.

00:12:40: Wirkliche Virtuose und man hat mir richtig das Gefühl, er spielt mit vier Händen.

00:12:44: Und die Geschichte von Joyce Hatta war ja eigentlich viel zu schön um wahrzusehen und viel zu dramatisch auch um wahrzu sein.

00:12:49: also da wurde.

00:12:50: Das zeigt ja eigentlich auch, wie sehr das Narrativ einer Musikerin in ihre Bewertung, ihre öffentliche Bewertungen mit rein spielt.

00:12:59: Also diese Pianistin Joyce Herzer hat in den fünftiger und sechziger Jahren Konzerte gegeben – also die war wirklich als Pianisten

00:13:05: aktiv –

00:13:06: aber sie war eben nicht so erfolgreich wie sie oder vermutlich vor allem ihrem Mann sich das gewünscht hätte.

00:13:12: Und er war eben Musikproduzent, hatte ein Label über hundert Aufnahmen unter ihrem Namen herausgebracht.

00:13:20: Und für Aufsehen hat das auch deswegen gesorgt, weil sie krebskrank war und die Geschichte, die dann daraus gemacht wurde, war Sie kann nicht mehr auftreten, sie kann nicht live spielen, weil dafür ist sie zu schwach aber sie kann im Studio noch diese Virtosität an den Tag legen dass ihr halt alles spielt also von nicht ausgelassen und die Leute haben sich auf ihre CDs gestürzt.

00:13:44: Die Sammler waren ganz verrückt danach, auch die Kritiker.

00:13:48: übrigens also der Chefkritiker des Boston Globe war ganz bezirkt.

00:13:52: Die beiden, also dieses Ehepaar auch getroffen und mit denen verkehrt.

00:13:58: Ja, die fanden die total charmant.

00:14:00: Niemand hat sie je live spielen gehört und trotzdem konnte es sie dann gestorben ist.

00:14:04: Das sind sechs der Guardian schreiben.

00:14:06: Joyce Hatter who has died aged seventy seven was one of the greatest pianists Britain has ever produced.

00:14:13: Es ist eine Buchbeugeschichte eigentlich!

00:14:16: Und als das dann rausgekommen ist, also es hat dann ein Magazin mit digitalen Tools herausgefunden.

00:14:23: Dass das eben alles modifizierte bestehende Aufnahmen waren.

00:14:27: und dann hat der Ehemann William Berndon Coop, heißt er übrigens, hat das auch zugegeben und hat erklärt, er hätte aus Liebe gehandelt.

00:14:35: Er wollte sie berühmt machen.

00:14:38: Er hat dann die Geschichte verbreitet dass diese kranke schwache leidende Frau in irgendwelchen Scheunen hinterm Haus ihre Ythyden spielt.

00:14:49: Er hat zuerst angefangen nur die schwierigen Stellen, die sie nicht mehr geschafft hat durch andere Aufnahmen zu ersetzen und irgendwann ist das immer mehr geworden.

00:14:55: und dann hat er einfach den ganzen fremden Namen herausgebracht.

00:15:00: Da ist es ziemlich dreist zugegangen aber er hat doch auch das Kennepublikum irgendwie damit foppen können.

00:15:06: Ja offensichtlich also über viele Jahre gut gegangen.

00:15:11: Und ich habe einen interessanten Artikel gelesen vom österreichischen Pianisten Alfred Brändel, der in der NZZ über diesen Fall einen Text geschrieben hat und schreibt eben auch darüber wie alle geblendet worden sind.

00:15:24: Wie sehr die Inszenierung und die Geschichte dieser Künstlerin... mitgespielt haben da.

00:15:29: Und er schreibt dann zum Beispiel dieselben Aufführungen von Rachmaninov-Konzerten, denen fünfzehn Jahre früher jedes Gefühl für slavische Melancholie abgesprochen worden war, erschienen nun den Ohren desselben Experten besonders

00:15:41: slavisch.".

00:15:42: Ja das ist natürlich dann besonders blöd wenn man die Auffführung schon besprochen hat!

00:15:47: Die exakt selbe Aufnahme, die halt nur vielleicht im Tempo um was nicht nur kaum ein Prozent verflendet wurde?

00:15:53: Es genügt schon, dass man zumindest sieht in andere Zeiten und so... Das ist so, wie bei den Blindverkostungen.

00:16:00: Wie beim Wein-Blindverkrostungen habe ich auch schon mitgemacht.

00:16:03: des Öfteren beim Musik.

00:16:06: Man kann sich wahnsinnig täuschen und freut sich aber natürlich irre wenn man sich bei irgendwas bestätigt findet.

00:16:13: Also das gibt es auch von beiden

00:16:15: Seiten.

00:16:17: Dieser Musikproduzent William Burnton-Coup war auch darüber hinaus recht kreativ.

00:16:22: Er hat nämlich auch Musiker und Dirigenten erfunden, und das war gar nicht so unüblich.

00:16:27: Also er hat um Aufnahmen die sich nicht so recht verkaufen lassen, um die noch einmal an den Mann zu bringen, hat er sie ganz billig neu auf den Nackt geworfen mit erfundenen Namen und hat da einige Namen eben gekürt eigentlich gar nicht existiert haben und die teilweise auch sehr lustig sind.

00:16:43: Also einen Dirigenten nannte er Wilhelm, Havagessa oder wenn man es auf Englisch ausspricht, have a guess also rate mal!

00:16:52: Have a guess?

00:16:53: Wie heißt der wohl?

00:16:54: Ja und da sind wir bei einem Schwindelthema das immer noch ziemlich präsent ist.

00:17:00: ich bin ja jetzt kürzlich mal drauf gestoßen wenn man zum Beispiel auf einem Streamingdienst wie Spotify nach einer ganz berühmten Nur mal ein Stück wie, weil es vier Jahreszeiten sucht.

00:17:11: Dann findet man da alle möglichen Aufnahmen von namhaften Orchestern und dazwischen dann aber auch immer wieder so sogenannte No Name-Aufnahmen.

00:17:20: Und da bin ich zum Beispiel gestoßen auf die Aufnahmen eines Baroque Festival Orchestra mit Alberto Lizio.

00:17:29: Hast du diesen Namen schon einmal gehört?

00:17:32: Wenn man den googelt Dann fällt schnell auf.

00:17:34: Es gibt hunderte Einträge in Streamingdiensten bei CD-Plattformen, also der hat ziemlich viel rausgebracht.

00:17:40: aber es gibt keine Medienartikel, keine Homepage, keine Biografien, keine offiziellen oder seriösen Quellen die irgendwie belegen würden dass dieser Mensch je existiert hat.

00:17:52: Das ist total interessant und was man da findet.

00:17:54: Und dann müssen wir jetzt natürlich auch vorsichtig sein, weil ich erzähle jetzt von Blogartikeln und von Webseiten die ich auch nicht nachprüfen konnte und deren Seriosität ich noch nicht nach recherchieren konnte.

00:18:03: Aber... Man findet die Geschichte eines gewissen Alfred Scholz.

00:18:07: Auch bei dem bin ich mir jetzt nicht sicher ob es ihn wirklich gab oder ob dieser Name nur eine Erfindung ist.

00:18:12: aber auf jeden Fall wird diesem Alfred Scholz, der in Österreicher gewesen sein soll, nachgesagt zahlreiche Aufnahmen mit den Namen von fiktiven Orchestern und Künstlern auf den Markt gebracht zu haben.

00:18:24: Das waren immer andere Aufnahmen?

00:18:25: Immer, ja genau!

00:18:26: Und zwar wirklich so als Billigware für den Massenmarkt.

00:18:29: also man muss sich vorstellen wenn man beim Libro in diesem Wühlkistel irgendwie eine CD-Box über die schönsten Klassikaufnahmen irgendwie raus greift.

00:18:38: da ist halt irgendwas drin.

00:18:40: aber irgendwer muss das aufgenommen haben, irgendwer musste es rausgebracht haben.

00:18:44: Da gibt es eben ein ganzes Netzwerk von Namen, die irgendwie miteinander zusammenhängen.

00:18:51: Die allesamt keine echten Personen sind und die von diesem Alfred Scholz orchestriert im wahrsten Sinne des Wortes sein dürfen.

00:18:59: Ja,

00:18:59: aber welche Aufnahmen haben Sie dazu?

00:19:01: Ja offenbar alte Aufnahmen, die irgendwo aufgetrieben hat entweder da, die sich geschlecht vermarkten ließen neu rausgebracht.

00:19:10: Genau, aber es ist ganz geklärt das nicht.

00:19:12: also es dürften auch Aufnahmen drunter sein die einfach ohne die Rechte gehabt zu haben einfach raus gebracht worden sind.

00:19:19: oder

00:19:21: ja ich kann da jetzt nicht wirklich diesen Vorwurf erheben sozusagen.

00:19:25: aber man findet da sehr viel unklares sozusagen und es gibt aber Theorien warum man das gemacht hat?

00:19:32: Das war übrigens vor allem so in den siebziger und achtziger Jahren.

00:19:37: Zwei Tausend Aufnahmen

00:19:39: auf Platten.

00:19:40: Mit den endlichigen Namen?

00:19:41: Genau, mit verschiedensten Namen die aber diesen Netzwerk zugeordnet werden

00:19:46: und

00:19:47: da sind drunter Namen wie die Süddeutsche Philharmonie oder die Norddeutsch-Philharmonien dann sowas wie Mozart Festival Orchestra, Great Festival Orchestra oder eben auch das Baroque Festival Orchestra Bamberg Philharmonek.

00:20:03: Es gibt doch die in Bamberges Symphoniker, genau.

00:20:05: Die viel Harmonika gibt es nicht nur das weiß ja vielleicht nicht jeder oder man lässt sich davon auch täuschen.

00:20:10: Auch Einzelnamen von einzelnen Musikern, die ähnlich klingen wie die von echten Musikern.

00:20:15: und die Theorien warum das gemacht wird reichen von zum einen dass man auch mit Fake Namen eine Reputation aufbauen kann und dass dann vielleicht Fake-Namen besser vermarktbar sind als die Echten Musiker die dahin zu stecken aber nicht berühmt.

00:20:30: Eine andere Theorie ist, dass Künstler die wegen Verträgen mit bestimmten Labels nicht anderswo muss ich rausbringen durften.

00:20:37: Auf diesem Weg sozusagen über pseudonym dann doch aufnehmen konnten und Dinge raus bringen konnten.

00:20:42: oder es stecken einfach geklaute Aufnahmen dahinter.

00:20:46: aber Fakt ist wenn man sich bei Streaming Diensten umschaut Man findet massenhaft Aufnahmen die eben nicht von namhaften Orchestern kommen sondern von ominösen Namen die nicht wirklich, wo keine existente Person oder existenter Klangkörper dahinter steht.

00:21:03: Das ist noch der Gewehrmetern heute oder morgen auf die Suche machen im Streamingdiensten und vielleicht spüre ich ja irgendwas auf.

00:21:10: dann können wir eine Nachfolgesendung machen was ich da gefunden habe.

00:21:14: Wenig, was

00:21:15: findest du auch?

00:21:16: Vielleicht findest Du ja das Original raus mit Deiner langjährigen Hörerfahrung.

00:21:20: vielleicht kannst Du sagen so

00:21:21: Ja,

00:21:21: das sind doch die Berliner Philharmonikern.

00:21:24: Ich kenne Dir auf.

00:21:26: Das wäre schon rausgekommen glaube ich.

00:21:28: Wenn es so offenkundig wäre... Also wenn man das serienmäßig macht, dann werde ich mir das aufgeflogen.

00:21:36: Vermutlich steckt auch ganz viel einfach billig produziertes mit Pop-uporchestern sozusagen.

00:21:41: Ein paar Leute haben im Studio zusammengekommen sind und dann hat man denen einen Namen gegeben, damit man irgendwas aufs CD-Kaver draufschreiben kann.

00:21:48: Ja gut!

00:21:49: Man muss ja sagen nach dem Zweiten Weltkrieg hat es zum Beispiel in Wien eine Aufnahme gegeben der Firma Westminster.

00:21:56: Die werden bis heute verkauft, die zuteils hervorragende Aufnahmen.

00:22:00: Da steht Orchester der Wiener Staatsober, dirigiert von Hermann Schärchen zum Beispiel Ganz tolle Aufnahmen, was sich Abschiedssymphonie von Haydn selten Zündender gespielt worden ist auf diesen Aufnahmen.

00:22:13: Und das waren tatsächlich Mitglieder des Orchesters, dass damals in der Volksoper gespielt hat?

00:22:19: Das war noch nicht so hundertprozentig getrennt weil es hat ja ursprünglich nach fünfundvierzig die wieder Wieder Aufferstehung des Wiener Opernlems begann ja in der Volksoper, weil die nicht kaputt war.

00:22:30: Und dann erst im Theater an der Wien.

00:22:32: und da haben natürlich die Musiker, die da waren nach ´四zig wurden da vereint in beiden Häusern und haben dann mit den frühen Fünfzigerjahren also noch vor dem Staatsvertrag unter den Obstkursennamen zum Teil Aufnahmen gemacht.

00:22:52: Das ist kein Schwindel, das ist einfach eine schnelle Möglichkeit.

00:22:56: Das

00:22:56: war nur, es stand eben nicht drauf, Orchester der Wiener Volksoper oder was ja auch gar nicht richtig gewesen wäre.

00:23:03: Oder Wiena Philharmoniker, das schon gar nicht.

00:23:06: Orchester Der Wieners Staatsoper hat gestimmt und auch wieder nicht gestimmt.

00:23:09: Egal aber sie haben diese Aufnahmen.

00:23:12: Wollen wir gleich was hören daraus?

00:23:13: Ja zum Beispiel Herrmann, den Anfang der Abschieds-Symphonie finde ich, der ist selten so zündend gespielt worden.

00:24:43: Ganz lustig, der Streamingdienst von dem wir das jetzt gerade abgespielt haben.

00:24:47: Da steht zum Beispiel Hermann Scherchen und Hayden Symphonie Nummer forty-fünf wie einer State Orchestra.

00:24:53: Das gibt es eigentlich auch nicht, oder?

00:24:55: Also es gibt ein Staatsoponorchester aber kein Staatsorchester.

00:24:58: Genau, Staatsoponoorchester werden heute die Musiker der Philharmoniker in ihrem Rotberuf sozusagen wenn man den teureren Namen Philharmoniker sich nicht leisten kann.

00:25:10: Also Augen auf bei der Wahl des Orchester, wenn man Konzertkarten oder Konträger kaufen möchte.

00:25:17: da gibt es viel Schindluder.

00:25:19: aber kommen wir zu einem der schönsten Schwindelfälle der Musik.

00:25:23: Kennst du lieber Willi?

00:25:24: Kennst Du Otto Jägermeier?

00:25:25: Nein!

00:25:27: Dabei gibt's eine lange und ausführliche Biografie dieses Mannes.

00:25:32: Mit diesen Komponisten haben sich Wissenschaftler, Musiker und Journalisten beschäftigt.

00:25:36: es gibt auch eine Otto-Jegermeier Society die sich dem Erbe dieses Komponnisten gewidmet hat und es gibt Tagungen und wissenschaftliche Papers denn man möchte diesen zu Unrecht vergessenen Kompонisten wieder in Erinnerung rufen.

00:25:50: Habe ich überhaupt immer im Leben noch nicht gehört?

00:25:53: Ja das ist es eben auch.

00:25:54: um vergessen worden zu sein müsste man ja einmal existiert haben.

00:25:58: Dieser Otto Jäger-Meyer hat aber immer nur im Reich des Fiktiven existiert.

00:26:03: Und er wurde auch, wenn man so will, im Reich der Fiktive erfunden, ertacht!

00:26:08: Das ist eine schöne Geschichte.

00:26:09: Es gibt einen Roman namens das Messingherz.

00:26:13: Ersteht in den Neunzehneunundsiebzig von Herbert Rosendorfer.

00:26:16: Ah, neujahrgut... Ja, der war ein Juristin Wirklichkeit.

00:26:24: Der war Richter?

00:26:26: und hat Millionen Bücher verkauft, vor allem die Briefe aus der chinesischen Vergangenheit als das meist gelesene.

00:26:33: Und hätte überhaupt nicht müssen bis zum Schluss seinen Richterberuf ausgegeben.

00:26:39: Ich kannte ihn!

00:26:40: Wirklich?

00:26:40: Einer einer der witzigsten Figuren überhaupt.

00:26:44: Weil es ein Scherzbold auch bekannt

00:26:45: ist?

00:26:45: Ja absolut!

00:26:48: Aber kommt er boshaft sein?

00:26:49: Also bei einer boshaften Hintergründigkeit... hat wunderbar.

00:26:54: Es gibt zum Beispiel ein Buch, das heißt der Ruinenbaum-Häster also typisch Rosendorfer.

00:27:01: und da kommt die Geschichte... eines Meister-Gelisten vor, der quasi nie auftritt und das sind die berühmtesten Gelisten in der Welt.

00:27:10: So

00:27:10: ein bisschen wie die Joyce Hato?

00:27:12: Ja

00:27:12: ja ja!

00:27:13: Und in der Realität ist es so dass er sich ein Beispiel genommen hat an dem wunderbaren Pianisten Arturo Benedetti Michelangeli, der wirklich immer wieder abgesagt hat und eine sehr sehr komplizierte Zeitgenosse war aber natürlich im Farble auf der Pianist gewesen ist, den man schon habe ich schon live spielen gehört.

00:27:31: Kannst du bezeugen was existiert hat?

00:27:33: und auch wirklich spielen

00:27:34: kann.

00:27:34: Und er hat eben einen, ich weiß den Namen jetzt nicht, weil das konnte ich mich jetzt nicht vorbereiten auf das.

00:27:40: aber der hat auch seinen italienischen Doppelnamen ganz verrückt.

00:27:47: und er hatte auch eine irrsinnigen Musikbezug gehabt, Herr Rosendorfer Eine fantastische Geschichte.

00:27:53: im Beiräuter-Festspielpark also im Park vor dem Festspielhaus in einer Pause sitzt einer und verspeist sein Pausenrot.

00:28:03: Und da kommt einer, der so ganz komisch angezogen ist also stellt sich heraus früher oder später das ist das lebendige wordenem Mozart-Denkmal.

00:28:12: Er sich da anschleicht und von dem Wissen will sozusagen... Ist das wirklich die Musik, die die Leute gern hören?

00:28:22: Sind die Leute glücklich, wenn sie das hören auf den Wagner bezogen?

00:28:26: und den Wagner hat er immer auf der Westen gehabt.

00:28:28: Der Rosendorfer ganz wunderbar!

00:28:30: Und er traut sich aber nichts an und er will dann eigentlich... spielt man eigentlich noch Musik vom... Aber er sagt es nicht.

00:28:38: Er geht dann wieder weg!

00:28:39: Das ist so entzückend, das ist so eine liebe Geschichte.

00:28:41: Das ist ganz typisch raus und drauf.

00:28:43: Es ist typisch, dass der einen Komponisten erfunden hat.

00:28:45: Ja

00:28:45: bzw.,

00:28:46: dass es seine Erfindung erfunden hatte.

00:28:47: Also sozusagen hat der Geschichte Otto Jägermeier genau... Also es gibt in diesem Roman ein Figur, die heißt Jakob Schwalbe Und er bekommt in dem Roman einen Job bei einem wichtigen Musiklexikon mitzuschreiben.

00:29:02: Und dort schiebt er dann eine Redaktion acht erfundene Musikerbiografien unter.

00:29:08: Und einer davon ist der neudeutsche Tondichter Otto Jägermeier, den man auch einen Briefwechsel mit Richard Strauss angedichtet hat.

00:29:17: und er kommt also.

00:29:18: Otto Jägermeier kommt in Rosendorffas Büchern immer wieder vor und auch darüber hinaus ist er einfach ein Phantom.

00:29:26: zudem so viele Spuren schon hinführen und gelegt wurden dass man eigentlich seine Nicht-Existenz kaum noch belegen kann.

00:29:37: Also in Musiklexika zum Beispiel, seit Langem kommt er immer wieder in renommierten Musiklexiker vor.

00:29:44: dieser Otto Jägermeier bisschen ähnlich wie kennst du die Geschichte der Steinlaus?

00:29:49: Die Steinlaus ist ein Tier das Laurio gezeichnet hat Und das wird als wissenschaftlicher Witz in so medizinischen Büchern immer wieder erwähnt.

00:30:00: Das ist einfach eine lange, wissenschaftliche Schmätradition.

00:30:04: Es gibt übrigens, also dass es damit auf dem Rande verbunden, es gibt auch Fake-Einträge in Lexica die Verlage absichtlich gemacht haben und Plagiate aufzuspüren.

00:30:15: Das heißt, wenn das in einen anderen Lexikon abgedruckt

00:30:17: wird wissen

00:30:18: die es hat davon uns.

00:30:19: Ja weil wir haben das erfunden!

00:30:23: Und so und das fließt jetzt alles miteinander ein.

00:30:25: also diese Rosendorfergeschichte sind ja die Erfindung des Lexikoneintrags im Buch aus Messingherz und die vielen Artikeln und Biografien und journalistischen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit diesem Otto Jägermeier.

00:30:40: Die fließen zusammen.

00:30:44: Man weiß und weiß nichts, man weiß vieles und weiß nicht.

00:30:47: Und der war in den Sehnten-Siebzig bis neunzehn dreiunddreißig soll er gelebt haben nach Madagasker ausgewandert sein.

00:30:54: Seine symphonischen Dichtungen umfassen die Titanenschlacht, die Meerestiefe und im Urwald.

00:31:00: Er hat angeblich eine Hafe entwickelt, die allen anderen Hafen physikalisch überlegen ist.

00:31:05: Und leider ist sein Lebenswerk beim Einsturz des Kölner historischen Archivs verloren gegangen.

00:31:11: Das ist ja wirklich passiert, das Archiv ist wirklich eingestürzt und Aufnahmen gibt es natürlich auch fast keine.

00:31:18: Was heißt fast keine?

00:31:19: Ja vielleicht weißt du mehr darüber aber ich habe auf YouTube immerhin einen kurzen Eintrag gefunden als ansonsten nichts.

00:31:26: also weil wie sollt ihr's auch?

00:31:27: von diesem Komponisten sind sie ja leider alles eingestützt und verloren gegangen.

00:31:31: und sehr tragisch.

00:31:32: Aber es gibt einen Eintrag auf YouTube, wo behauptet wird, dass seine Fanfare die überdauert hat.

00:31:39: Fanfare for two Trios of Trumpets also für zwei Trompeten-Trios aus dem Meisterwerk namens Giganto Machia.

00:31:47: Ja dann suchen wir doch das.

00:32:13: Das war's auch schon wunderbar!

00:32:15: Was sagst du musikalisch darüber?

00:32:18: Es ist natürlich ein guter Schmäh.

00:32:21: Das hat der Rosendorfer wahrscheinlich selber geschrieben.

00:32:25: Ich

00:32:25: weiß, ich meine vielleicht gab es den Otto Jägermeier auch wirklich und der Rosentorfer hat nur seine Erfindung erfunden?

00:32:32: Also da weiss ich jetzt auch eine Geschichte.

00:32:34: Und zwar geht's um einen Interpreten.

00:32:38: Der Eric Kunz war ein wunderbares Mitglied des Wiener Staatsopern-Assembles einer der größten Schmetterhandler, die es überhaupt gegeben hat.

00:32:50: Er konnte sich sogar leisten hin und wieder den Herbert von Karajan zu fatten, der damals Operndirektor war.

00:32:57: Karajen hat ihn sehr geschätzt.

00:32:58: Er hat ihn unter anderem nach Mailand mitgenommen zu seiner Rosenkavalierproduktion.

00:33:04: Der Karajan hat das nicht nur in Wien, sondern auch in Mailand viel gearbeitet.

00:33:07: Dann meilen die Skalen ein Rosenkvalier rausgebracht mit Elisabeth Schwarzkopf und allem was gut und teuer war.

00:33:13: Und Eric Kunz war dabei als Vaninal.

00:33:17: Ich wurde aus irgendeinem Grund der im ersten Akt dem Notar eine ganz kleine Partie zu singen hat, krank!

00:33:27: Und der Karajan hat dem Kunstgesagt, wie er das Springenster einmacht und der Künstler sagt okay macht er.

00:33:33: Ich habe es gesagt ich möchte aber nicht als Ereichkunst am Programmzettel stehen.

00:33:39: Das hatte einen Hintergrund.

00:33:40: Er hatte eine Zahnarzt Der hieß Bruno Wichtinger.

00:33:44: Und Bruno Fichtinger war ein großer Opernfreund, der gesagt meinte das muss ein Gefühl sein auf einem Plakat zu stehen mit dem Schwarzkopf und den Karrieren.

00:33:54: Und mit ihnen natürlich.

00:33:56: Und daraufhin hat er gesagt ja gut ich mache den Notar aber es muss stehen ein Notar Bruno Fichtener.

00:34:01: So!

00:34:02: Den Namen von Sanat.

00:34:03: Das ist

00:34:03: die Name von

00:34:04: Sanats.

00:34:05: Und das hat stattgefunden.

00:34:08: Und ein paar Jahre später war wieder Aufnahme vom... Und da kommt's, muss man auch dazu sagen, mein hinreißender Schauspieler.

00:34:15: Der hat aus der kleinsten Charge einen Hollywood-Auftritt gemacht und natürlich... Also der Notar ist sowieso eine sehr komische Partie und hat das also natürlich brillant erledigt!

00:34:26: Und zweier später war die Wiederaufnahme Und der Karajan hat gesagt, sie nehmen den Notar gleich wieder mit.

00:34:31: Und das Plakat lassen

00:34:33: Sie alle ein?

00:34:34: Der Moment.

00:34:34: und das Besetzungsbüro in Mailand hat gesagt es kommt überhaupt nicht infrage!

00:34:39: Das muss wieder der Bruno Fichtinger sein, weil er hat das so toll gemacht.

00:34:42: Das hat dann wieder stattgefunden.

00:34:45: Ich habe über Jahre, ich kannte die Geschichte wie der Kronze erzählt hat.

00:34:49: Und ich hab über Jahre gedacht... Also das ist super, aber typische Kunstgeschichte, das ist sicher erfunden.

00:34:58: Und Jahre später, ich glaube da war der Erich Kunz schon tot, habe ich in einem CD-Laden einen Live-Mitschnitt des Meiländer Rosenkabeliers gefunden.

00:35:09: Das ist eine illegale Aufnahme, weil das ja nie produziert worden ist.

00:35:12: aber es gibt natürlich diesen Live-Schnitte.

00:35:14: Ja genau und schau hinten drauf und es steht wirklich also Herr von Farninal Erich Kuntz ein Notar Bruno Vichtinger.

00:35:24: Schön!

00:35:26: Jeder, wie der Opernfreund, der ein bisschen älter ist kann sofort erkennen dass das natürlich da Erich Kunz gesungen hat.

00:35:34: Also Bruno Fichtinger ist Erich Kuntz

00:35:59: Aber ein glücklicher Zahnarzt.

00:36:00: Ich frage mich, ob der dann diese Plakate im Wartezimmer aufgehängt hat?

00:36:04: Hundertprozentig!

00:36:05: Natürlich hat er das mitgebracht damit es im Wartenzimmer aufhängt.

00:36:09: Ja und gefährlich ist so was aber schon auch weil das lässt sich ja nicht mehr... löschen sozusagen.

00:36:14: Also das ist ja in allen Archiven dann drinnen und man wird wie ein hunderten Jahren vielleicht noch draufstoßen und sagen, ah ja der große Tenor oder was ist es?

00:36:23: Der große Bariton-Bronowichtinger!

00:36:27: Und dann mit dem Wikipedia Artikel geben über diesen Bronowichtiger.

00:36:30: Er hat ebenfalls gesungen, er hat allerdings gesogen wie der Herr Ehrich.

00:36:33: Ja

00:36:33: er hat sehr ähnlich gekluckt.

00:36:36: Ja also da sind viele Kaninchenlöcheln die man sich auch sehr lustvoll stürzen kann.

00:36:40: diese ganze Schwindelgeschichte.

00:36:42: ich finde

00:36:44: Es gibt noch eine schöne Geschichte, PDQ Bach oder Backvili Amerikaner das halt sagen.

00:36:51: PEDQ, sowie bei Bach alle Familienmitgliedern mit Initialen so geschrieben wurden.

00:36:58: ESB-Bach?

00:37:00: Da kann

00:37:01: man ja noch ein paar Buchstaben dazu

00:37:02: stellen.

00:37:04: Carl Philippemann CPE Bach.

00:37:06: und dann gibt es den PDQ angeblich der jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach in Wirklichkeit von dem amerikanischen Komponisten und Komiker Peter Schickele veröffentlichte Hirngespinst sozusagen.

00:37:19: Ein Hirngespinst oder ein alter Ego, kann man sagen.

00:37:23: also der hat unter diesen Namen insgesamt siebzehn Aufnahmen herausgebracht.

00:37:27: das ist alles Barockparodin und er hat da so eine Art Musikkavari gemacht.

00:37:33: die Aufnahmen heißen zum Beispiel Little Nightmare Music.

00:37:37: also statt kleine Nachtmusik ist die kleine Albtraummusik.

00:37:41: Oder The Short-Tempered Clavier and Other Dysfunctional Works for Keyboard.

00:37:46: Oder auch sehr schön Music For An Awful Lot Of Vincent Percussion.

00:38:49: Man muss wahrscheinlich dabei gewesen sein, um so vergnügt darüber lachen zu können.

00:39:18: Video Ja

00:39:19: aber es ist natürlich sehr witzig gemacht mit allen möglichen wie Musik immer wieder baratiert worden ist und Fehler von Interpretten baratieren worden sind Und viele Zitate drinnen das einzelne Mozart.

00:39:31: Zitate nicht einfach total verrüstet sind jeweils nur ein Tag Und so.

00:39:35: Witzig!

00:39:36: Oh, und was auch noch witzig ist, boah.

00:39:38: Er hat diese PDQ-Bache... Ich hab' so lachen müssen Sie sich das gelesen haben... ...hat Kompositionen geschrieben für Trambun?

00:39:46: Trambunn is dein Instrument dass ein Hybrid aus Posaune also Englisch Trombon und vergott Englische Besunde ist.

00:39:53: Also auf Deutsch könnte man sagen vielleicht Pogot Oder eine Versaune.

00:39:58: Und das ist ein Instrument, für das eben PDQ Bach komponiert hat und es ist auch ein Instrament, dass Peter Schickele erfunden und auch gespielt hat.

00:40:06: Er sagt über dieses Instrument – it has all the disadvantages of both!

00:40:12: Ernsthafter gibt's so was ja auch in unseren Breiten der Franz-Gsafer Frenzel einen fiktiver Zeitgenosse von Händel oder Mozart?

00:40:21: Ich weiß nicht genau wie ihr es verordnet….

00:40:23: Heißt eigentlich Friedemann Cutt und hat Tonnen von Aufnahmen produziert, von Symphonien im klassischen Zuschnitt.

00:40:31: Und barocken Concerti usw.

00:40:34: sehr erfolgreich.

00:40:35: Hat keine Lust neue Musik zu komponieren sondern lieber im alten Stil.

00:40:41: das hatte auch Tradition.

00:40:43: zum Beispiel hat man ja dem großen Geiger Fritz Kreisler nie abgenommen, dass er auch ein Komponist sein könnte.

00:40:51: Und er wollte auch nichts Avancatistisches schreiben, sondern hat einfach schöne Musik komponiert.

00:40:57: Wir kennen heute die PSen von Ritz Kreisler Liebesfreude, Liebesleid

00:41:01: usw.,

00:41:02: also wirklich Wunschkonzertnummern geworden.

00:41:05: Er hat aber die ersten Stücke herausgebracht als ... Stücke, die er von Barockkomponisten auf ein Dachboden gefunden hat.

00:41:13: Irgendwann sind sie ihm darauf gekommen, dass er die selber komponiert hat und nicht auf einem Dachboten gefunden

00:41:19: hat.".

00:41:19: Aber das heißt man hat es im Lange genug geglaubt?

00:41:21: Der konnte das Handwerk gut genug...

00:41:24: Ja eine Zeit lang hat man es eben geglaubт!

00:41:27: Und ich meine ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass man einen wahnsinnigen netten und sehr guten Pianisten unseren Palberduras Groda aufs Gladeis geführt hat, in dem man ihm eine Serie von sechs Klavier-Sonaten von Josef Hayden unterjubelt hat.

00:41:43: Die er mal angeblich auf irgendeinem Dachboden gefunden hat – die Feinen säuberlich wie die Hitler-Tagebücher seinerzeit im Sternen, die in alter Schrift sozusagen irgendwie notiert worden sind.

00:41:54: Das war insofern fies als es dieses Sonaten gegeben hat, weil man von innen im Eintrag von Haydn selber, die Anfangsnoten jeweils kannte.

00:42:07: Sonate-NF, Sonate NG

00:42:08: usw.,

00:42:09: das hat auch der Mozart einen Werkverzeichnis geführt, wo immer der Anfang des Stückes drinnen ist und schreibt es eine Sonate in drei Sätzen oder so irgendwie.

00:42:16: Mit Anfangsstücks wird nicht die ersten Noten schon

00:42:19: drin?

00:42:19: Die ersten noten genau!

00:42:20: Dass das sozusagen geordnet war.

00:42:22: Und da gibt's eben auch ein Entwurfkatalog von Hayden.

00:42:25: Da stehen sechs Gewürsonaten drin, die leider verloren sind.

00:42:28: Und jetzt hat einer sehr raffiniert... arrangieren ist, also muss ein sehr guter Komponist gewesen sein, feinschentechte Heidensornaten mit diesen Anfängeln komponiert.

00:42:38: Und jetzt hat sogar der Heiden-Forscher Robbins Landen gesagt das ist echt!

00:42:43: Also er weiß diese Sonate existiert und bei Duras Grotter hat sich das Recht gesichert die Aufnehmen zu dürfen und erst wie die Aufnahme produziert war sind sie dann an die Öffentlichkeit gegangen.

00:42:55: Und kurz nach der Pressekonferenz ist klar gewesen, das war eine totale Fälschung.

00:43:01: Das war ein ziemlicher Reinfall.

00:43:03: Da hat er mir sehr leidgetan, weil der Barturaskoder wirklich ein ganz integrierer Mann gewesen ist und das war damals eine schlimme Sache.

00:43:12: Also da kann man natürlich auch viel anrichten mit solchen Sachen.

00:43:16: Ja also wenn man die Grenze zwischen Scherz und Betrug dann überschweitet...

00:43:21: Es gibt ja viele Zum Abschluss vielleicht noch.

00:43:26: Man kennt die Inzipit von diesen Sex-Heiden-Sonaten, man hat Skizzen zum Finale der Tour und dort von Puccini, wo er dann gestorben ist und die wurden dann mehrfach versucht auszuweiten zu einem Finale meines Erachtens sogar sehr erfolgreich von Franco Alfano.

00:43:42: Man hat die wenigen Skizze vom Beethoven X der Symphonie Jetzt, un längst einem Computer anvertraut und die KI hat diese zehnte Symphonie vollkommen auf Fake.

00:43:53: Also absolut ihre waren aber Fernsehsendungen im ganz Europa darüber.

00:43:58: also so was gibt's.

00:44:00: oder die Zehnte Symphony von Gustav Mahler auch aus den Skizzen wird heute in fünf Sätzen aufgeführt obwohl es nur eigentlich einen halb davon von Mahler wirklich gibt und der Rest im Skizen sind.

00:44:10: dann würde ich nie sagen können wie diese Zehnten geklungen.

00:44:15: Also auf die Art kann man alles unvollendete, dann nachträglich noch vollenden.

00:44:19: Aber irgendwie ist der Filterwitz oder?

00:44:22: Da finde ich schon deutlich reizvoller die Geschichten von Komponisten, die es nie gab!

00:44:27: Ja da kann ich übrigens auch noch etwas beisteuern aus dem eigenen Bibliotheken.

00:44:30: Du warst ja auch an der Abpindung eines Komponnisten beteiligt.

00:44:34: Das

00:44:34: stimmt

00:44:34: wirklich...

00:44:35: Und zwar gab es den erholendischen Künstler Jom Beil.

00:44:39: Der hat einmal so eine Installation in einer Wiener Galerie, der Galerie Winter, in der Sonnenfelsgasse gemacht.

00:44:46: Das hieß das Sterbezimmer eines Komponisten – das Sterbezimmer des Jochannes Vogel.

00:44:51: und das war ein richtiges Zimmer aus dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts mit Alpen, mit Bett und Schreibpult und wie man sich's vorstellt und Klavier.

00:45:00: Und

00:45:01: wer war dieser Johannes Vogel?

00:45:03: Der erste

00:45:03: hat es ihm nicht gegeben, die Biografie.

00:45:06: Hat der Künstler so anhaltungsweise wie er sich das vorstellt und ich wurde dann damals einbezogen und hab das textlich ausgearbeitet und habe auch eine Werkliste erstellt von dem.

00:45:17: Wirklich!

00:45:18: Was hast du ihm so angedichtet?

00:45:19: Naja, eine Zymphonien- und also allesmöglichen Konzerte... Ich hab hier halt so eine Komponistenliste ausschaut.

00:45:26: Also dieses Johannes Vogeln hat wunderbar ausgeschafft.

00:45:29: Hast du auch was komponiert für ihn?

00:45:30: Nein,

00:45:32: das nicht.

00:45:32: Aber in dem Sterbezimmer stand mein altes Metronom.

00:45:36: Witzigerweise, dass er ein uraltmetronom ist und hat gesagt, das habe ich wieder zurückgekriegt.

00:45:40: Aber die Installation gibt es noch!

00:45:43: Die wurde sogar vom Mumok angekauft und ist jetzt in der Sammlung... sammelt meine biografischen Beschreibungen.

00:45:53: Das war damals viel beachtet.

00:45:55: Und das witzigste war im Vorzimmer hink ein Konzerthausplakat, wie das halt so ist.

00:46:03: Also es war ein aktuelles Plakat vom Wiener Konzerthaus wo der damals noch nicht so rasend bekannte Pianist Rado Lupo, der voriges Jahr gestorben ist, wunderbar!

00:46:14: Der hat heute damals gerade gespürt, das waren Anfang der neunzig Jahre glaube ich und das hinkt das Plakat und dass der größte Witz war, der Treppenwitz sozusagen war, dass die Leute, die gekommen sind die dem Beil diesen Johannes Vogel geglaubt haben, haben geglaubte Radu Lupo das muss er fähig

00:46:30: sein.

00:46:31: Das ist für ein Name.

00:46:33: Genau!

00:46:35: Ich bin der Vorschlag, wir lassen jetzt zum Abschied den Radu Luplo, der wirklich nichts dafür konnte, ein hübsches Stück von Debussy spielen und dass niemand kennt...

00:46:45: Aber beide gibt's.

00:46:47: Es ist wichtig und Radulupos sind beide echter.

00:46:49: Der

00:46:50: Stück ist auch echt aus einem Skizzenheft.

00:48:36: Claude Debussy gespielt von Radu Lupo.

00:48:39: Kein Fick!

00:48:40: Und damit verabschieden wir uns ganz aufrichtig, ohne Schwindel?

00:48:44: Ja, die Katrin Nussmeier und ich...

00:48:48: Da will ich Sie gewünscht.

00:48:49: Leibhaftig vor mir.

00:48:50: Ich bezeuge es.

00:48:51: Er ist es wirklich.

00:48:53: Ich sage danke fürs Zuhören.

00:48:54: Wenn sie Anregungen haben bitte schicken Sie uns ein Mail-Podcast at depresse.com.

00:49:00: Vielen Dank für's dabei sein.

00:49:01: Wieder heim!

00:49:01: Ciao!

00:49:17: und Wilhelm Senkowicz.

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