Musiksalon: Die Geheimnisse von Brahms' Dritter Symphonie

Shownotes

Die selten gespielte F-Dur-Symphonie ist die faszinierendste, hoch dramatisch, aber ebenso komplex in ihrer Anlage. Wilhelm Sinkovicz führt uns durch das spannende tönende Rätselspiel -- und spielt seine Lieblingsaufnahme, dirigiert von Bruno Walter (CBS), dem Mann mit dem sanftmütigen Image, der sein Orchester aber "zur Weißglut" treiben konnte.

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00:00:02: Herzlich willkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren im Musiksalon der Synkothek.

00:00:26: Heute wollen wir uns einer der aufwühlendsten Symphonien der Romantik widmen – eine Symphonie allerdings die im Konzertgebrauch gar nicht so häufig vorkommt!

00:00:39: Und einer meiner Lieblingsaufnahmen eben dieser Symphonin Nummer drei in F-Dur von Johannes Brahms.

00:00:48: Wie das mit dünnlichen Witzen so ist, manche von ihnen haben einen wahren Kern da gibt es ja diese seltsame Behauptung Ludwig van Beethoven hätte drei Symphonien komponiert die dritte, die fünfte und die neunte.

00:01:07: jeder weiß dass Beethoven neuen Symphonie komponeert hat aber die Dritte die Fünfte berühmtersten geworden sind.

00:01:17: Und bei Brahms, von dem man weiß er hat vier Symphonien veröffentlicht könnte man etwas Ähnliches behaupten!

00:01:24: Die ersten beiden die C-Moll-Symphonie und die D-Dur-Synthonie werden mehr oder weniger ununterbrochen aufgeführt.

00:01:31: Die vierte und letzte die E-Mall-Symphonie von etwas herbem Charme wird weniger oft aber doch regelmäßig gespielt... ...und dann gibt's da noch die dritte die F-Duer-Symphonie.

00:01:44: Und die kommt eigentlich in Wirklichkeit nur bei zyklischen Aufführungen aller vier Symphonien von Brahms dran, und ansonsten führt sie ein Schatten da sein.

00:01:53: Sie ist die große Unbekannte geblieben!

00:01:57: Ein auch für Brahms ungewöhnlich dramatisches Werk, ein aufwüllendes Werk das allerdings in einen sehr sanften abgeklärten stillen Schluss mündet... Naja, und eine romantische Symphonie die leise aufhört.

00:02:15: Die kann ein Dirigent nicht brauchen denn am Ende eines Konzerts da muss es schon im Fartissimo zugehen den da braucht man ja lauten Applaus Der ist mit der dritten Brahms zumindest auf das erste Nicht zu erreichen.

00:02:33: Eine Aufführung dieser Symphonien folgt zunächst einmal an Dächtige Stille Und für den ersten Teil Eines Programms ist das Stück zugewichtig und zu lang.

00:02:44: Trotzdem, wie gesagt eine der Symphonien in denen man sich zumindest auf den zweiten Blick wirklich verlieben kann obwohl oder vielleicht gerade weil sie sehr komplex und dicht gearbeitet ist und sich eben nicht bei der Erstbegegnung automatisch erschließt wird es zumindest von den beiden ersten Params symphonien gesagt werden könnte Auf diesen ersten Blick ist die dritte verschlossen, introvertiert und sie bleibt in ihrer Aussage trotz aller stürmischen und dramatischem Musik doch letztendlich ein wenig rätselhaft.

00:03:20: Jedenfalls hat sich Johannes Brahms nie so weit von der klassischen Symphonieform entfernt obwohl er sie äußerlich eigentlich bedient.

00:03:28: wir haben vier Sätze mit einem kraftvollen Sonatenhauptsatz an erster Stelle.

00:03:34: Aber wenn man genauer zuhört, ist in diesem Werk dann immer alles ein bisschen und manchmal sogar sehr anders als man sich es erwartet.

00:03:44: En gros!

00:03:44: Und en Detail.

00:03:46: Da ist ja schon einmal die Frage nach der Tonart.

00:03:49: Dritte Symphonie F-Tour.

00:03:51: heißt das da wie schon erwähnt?

00:03:54: Der Anfang des Satzes bringt zuerst mal in den Bläsern eine Folge von drei Akkorden, die wie ein Motto vorangestellt werden und dann stürzt das zerklüftete Hauptthema von oben herab.

00:04:07: Und es steht eben nicht in F-Dur, sondern es schwankt zwischen DUR und MOL.

00:04:13: Das setzt wiederum sozusagen einen harmonischen Prozessingang der das Geschehen energetisch vorantreibt und zu großen emotionalen Aufwahlungen führt.

00:06:03: Das Columbia Symphony Orchestra unter Bruno Walter begleitet uns heute durch diesen Podcasts.

00:06:09: Beginn der dritten Symphonie von Johannes Brahms.

00:06:13: Nach den anfänglichen Stürmen haben wir das lyrische Seitenthema erreicht, die zweite Überraschung für alle Hörer, die ein Gespür für die klassischen Tonart-Verhältnisse in einem Symphoniesatz haben.

00:06:30: Normalerweise erwarten wir bei einer Symfonie, das sich vom Grundton aus die Spannung aufbaut in der Exposition, also in der Themenaufstellung und sich das harmonische Geschehen in die Dominante.

00:06:46: Das wäre in diesem Fall nach CEDUR öffnet.

00:06:49: Aus dieser Öffnung entsteht dann die Verarbeitung der Themen, die sogenannte Durchführung und wir finden dann in der Regel zurück in die Grundtonart und bleiben auch dort.

00:07:02: also in einer Eftur Symphonie entwickelt sich es in Richtung Seitenthema nach Cedur Dann kommt eine modulatorische Durchführung und Verarbeitung der Themen.

00:07:12: Und dann finden wir nach F-Tour zurück, und dann steht in der Regel auch das Seitenthema im F-Dur.

00:07:19: Also wir bleiben dann in der Tonica.

00:07:22: Es stellt sich nach der Durchführungen mit der sogenannten Reprise eine Beruhigung ein.

00:07:27: Nichts davon ist in der dritten Symphonie von Johannes Brahms zu bemerken.

00:07:33: Hier ist alles wie gesagt ein bisschen und manchmal doch sehr anders.

00:07:38: Also, wenn das Seitenthema einer Eftur-Symphonie in C durchstehen sollte dann steht dieses hier in A-Dur was eigentlich wiederum die dominante der Mollparallele von F-DUR nämlich D-Moll wäre.

00:07:54: aber dass nur am Rande da spielt auch gar keine Rolle.

00:07:57: In Brahms dramaturgischen Überlegungen!

00:08:00: Was interessant ist, dass er uns über weite Strecken eigentlich über den ganzen ersten Satz hinweg die Öffnung in die Dominante, also nach C-Dur komplett verwährt.

00:08:14: Aber dazu später!

00:08:16: Zunächst einmal erleben wir nach dem bukulischen Seitenthema ein Wiederaufbranden der dramatischen Bewegung, die uns dann direkt in die Durchführung hineinführt die sich zwar dann emotional ein wenig beruhigt, aber in sehr sinistre fragwürdige Gefilde führt.

00:08:38: Magisch geht es dazu wenn einer ganz fremden Thron hat nämlich in S und bis am Anfang schon war zwischen Tour-und-Moll schwankend das Hauptthema in Die Besse hinunter sinkt Und da ist jetzt so wie schlaffende Lava in einem Vulkan.

00:09:25: Das Ganze wird wieder aufgewühlt und ja ein bisschen wie einen Vulkanausbruch, die Reprise aus dieser Durchführung sozusagen herausgeschleudert.

00:09:37: Und jetzt tritt eben nicht das ein was im klassischen Symphoniefall eintritt nämlich eine gewisse harmonische Beruhigung.

00:09:44: Wie gesagt wir erreichen zwar die Haupttonart F wieder aber die Bewegung bleibt so aufgeregt so dramatisch so unberechenbar wie zuvor.

00:09:56: Im Gegenteil, Brahms steigert die innere Bewegung, die harmonische Aufregung sogar gegen Schluss des Satzes wo normalerweise die Grundtonart beruhigend bestätigt wird.

00:10:09: noch einmal aufs Heftigste und erst ganz am Schluss verziehen sich die Gewitterwolken plötzlich Und es erklingt das Hauptthema nun ganz entspannt und jetzt wirklich zum ersten Mal im Rahmen dieser Symphonie in Eftur.

00:11:58: Mit dem Schluss des ersten Satzes haben wir sozusagen eine stille Oase erreicht, eine Oase der Ruhe auf der sich nun am Beginn des zweiten Satzes wirklich auch eine ganz wunderbare lyrische Holzbläser Melodie entwalten kann.

00:13:13: Dieser schlichten Melodie antwortet eine weitere, zunächst einmal wirklich auch lyrisch wirkende Gegenmelodie von der wie erst später in der Symphonie bemerken werden welche Sprengkraft ihr eigentlich inne wohnt.

00:13:30: Beim ersten Erscheinen bricht sie die ruhige Stimmung zunächst mal keineswegs.

00:14:14: Auch diesen zweiten Satz der Brahms Symphonie wohnt enormes dramatisches Potenzial inne.

00:14:22: Die großen Wellenbewegungen, die wir im ersten Satz schon erlebt haben... ...die großen Aufwahlungen kehren auch hier wieder allerdings ein wenig gezähmter aber nicht minder kraftvoll.

00:14:35: eine sehnsuchtvoll ausgesungene Variante des Hauptthemas das zunächst so unschuldig in den Bläsern erklungen war wird von den Streichern enorm gesteigert.

00:14:48: Und es ist fast wirklich so, wie Wellenbewegungen im Meer die an einem Felsen dann plötzlich zerschellen und die Violinen bringen dann im Fortissimo un staccato Die ersten Töne des Themas in einer dramatisch zugespitzten Variante.

00:15:44: Auf diese Entwicklung antwortet nun am Ende des Andantesatzes Eine ganz behutsam hingehauchte Variante des zweiten Themas, dass uns in der Folge dieser Symphonie noch in ganz anderer Gestalt begegnen wird.

00:16:30: Das ist wie sich herausstellen wird erst die Ruhe vor dem Sturm, vor dem ganz großen Sturm den Brahms hier noch entfesseln wird.

00:16:41: Zuvor aber könnte er uns ein Intermezzo nicht heiter und beschwingt, wie das in der zweiten Symphonie im dritten Satz der Fall war.

00:16:51: Sondern ganz melancholisch verträumt und irgendwie das Soundtrack zu «lieben sie Brahms», den man ja doch eher mit den dunklen Seiten der menschlichen Leidenschaften in Verbindung bringt.

00:18:18: Die geballte musikalische Energie hat –wie gesagt- nur geschlummert auf dem Grund des Vulkrans.

00:18:25: Am Beginn des vierten Satzes des Finales entlädt sie sich nun.

00:18:30: Zunächst einmal werden die Energien im Pianissimo freigesetzt, um dann wirklich zu explodieren.

00:20:08: Da ist sie also aufgeblitzt!

00:20:10: Im Fuhr oder Ereignisse.

00:20:12: endlich eine positiv getönte wirklich nach duu aufgehälte Melodie, die wenn man näher hinhört tatsächlich eine Variante des düsteren Satzbeginns in Moll ist.

00:20:25: Zunächst klingt sie so und nun aufgehält, aber das ist nur eine Andeutung dessen dass sich hier alles noch zum Guten wenden könnte!

00:20:48: Zunächst einmal gehen die dramatischen Kämpfe weiter... Die Musik tobt wie in einem wütenden musikalischen Hexenkessel Und hier war das wird dem Aufmerksamenhörer nicht entgangen sein die Musik zu hören, die im zweiten Satz so still und beschaulich ja einmal kurzfristig sogar wirklich magisch zurückgenommen schwebend zu hören war.

00:21:54: Im Andante klang es folgendermaßen Und nun treibt dieselbe Musik in fortissimo und rasenden Tempo Die Steigerungen dieses Finalsatzes ihrem Höhepunkt zu.

00:23:52: Der Sturm ist über uns hinweggezogen Die Wolken lichten sich und wir erreichen ein verklärtes, ja irgendwie Sonnenbeschienenes Finale dieser stürmischen Symphonie.

00:24:08: Zuletzt kehrt dann das Hauptthema des ersten Satzes ein bisschen so wie am Schluss des Ersten Satzes in ruhigem stillen F-Dur zurück – diesmal ist die Beruhigung allerdings endgültig!

00:24:24: Ein Symphonieschluss im Pianissimo, ganz anders als alle triumphalen Symphonieschlüsse nicht nur bei Johannes Brahms.

00:24:34: Im Wahrheit aber eigentlich stärker jedenfalls mindestens so intensiv und in der Nachwirkung meist stark und dauernd!

00:24:46: Ich möchte mit dem gesamten vierten Satz dieser dritten Symphonie von Brahms nun schließen.

00:24:53: wiederum dirigiert Diesmal allerdings die noch dramatischere Aufnahme aus New York.

00:25:02: Einige Jahre älter und nicht in Stereo, sondern noch in Mono aber ich glaube von einer Intensität und Leidenschaft wie man sie bei Brahms Interpreten sonst nur sehr selten erleben kann.

00:30:24: Das Brahms dirigiert von Bruno Walter.

00:33:08: das war unser kleiner Spaziergang durch eine große Symphonie durch eine symphonische Landschaft von höchst bizarrem, ungewöhnlichstem Zuschnitt.

00:33:20: Mehr über Braums für alle die jetzt neugierig sind in der syncothek www.syncothek.at.

00:33:29: Damit schließen die Pfarten unseres Musiksalons für heute.

00:33:34: Danke fürs Zuhören!

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