Sex in der Oper: Wie Komponisten Lust hörbar machen
Shownotes
Achtung, das folgende Stück enthält sexuelle Darstellungen: Einen solchen Hinweis könnte man so mancher Oper voranstellen. Auch wenn es auf der Bühne dann eh meist recht jugendfrei zugeht – was nicht heißt, dass die Opernwelt nicht voller erotischer Szenen wäre. Nur: Man sieht oft weniger, als man hört.
Wie klingen dann also Begehren, Verführung und körperliche Nähe? Wie haben Komponisten von Richard Wagner bis Mozart, von Schostakowitsch bis Richard Strauss Liebesakte vertont? Und wie klingt ein Orgasmus im Orchestergraben? Katrin Nussmayr und Wilhelm Sinkovicz hören sich gemeinsam durch die berühmtesten (und ein paar kaum bekannte) Beispiele, entdecken dabei stöhnende Posaunen, ein paar universelle Sex-Leitmotive und Melodien, die einander stürmisch umschlingen. Mal geht es sanft und subtil zu, mal ziemlich explizit – und in Wagners „Tristan und Isolde“ gibt es musikalischen Sex, der alles Physische übersteigt.
Und dann gibt es natürlich Musik, die gar nicht so erotisch gemeint war – und es trotzdem auf so manche Schlafzimmerplaylist geschafft hat. Das Podcast-Duo analysiert die beliebtesten Beispiele. Und stellt fest, wie weit das erotische Potenzial des Klassik-Kanons reicht: Etlichen Komponisten ist es gelungen, Lust in Musik zu verwandeln. Noch öfter gelingt es dem Publikum, Musik in Lust zu verwandeln.
Über den Podcast In „Klassik für Taktlose“ ergründen "Die Presse"-Feuilleton-Redakteurin Katrin Nussmayr und Klassikkritiker Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik: Braucht jedes Orchester einen Dirigenten? Warum verstört Richard Wagner so? Was war an Mozart eigentlich so toll? Wie viel Klassik steckt in „Bohemian Rhapsody“ oder Taylor Swift? Für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.
Produktion: Wilhelm Sinkovicz / www.sinkothek.at Audio-Finish: Georg Gfrerer / www.audio-funnel.com.
Transkript anzeigen
00:00:04:
00:00:21: Leber Willi, auf die heutige Folge freue ich mich schon länger.
00:00:24: Denn heute wird es ein bisschen spicy – wir sprechen über Klassik und Sex!
00:00:30: Wie erotisch reiches Thema?
00:00:32: Ein gar nicht taktloses Thema eigentlich sehr taktvolles Thema.
00:00:35: Ja das ist der Platz kommt jetzt drauf an wie viele Szenen wir kommen die wirklich takt voll komponiert sind.
00:00:41: aber es gibt's auch.
00:00:43: Ich habe Takt vor ihr gemeint im Sinne von, wenn alle Beteiligten denselben Takt schlagen.
00:00:48: Dann geht das Ganze auf!
00:00:49: Wir wollen darüber sprechen wie erotisch ist die klassische Musik?
00:00:52: Wie klingt das Liebesspiel bei verschiedenen Komponisten und welche Stücke haben es vielleicht auch ohne Absicht des Kompонisten auf Schlafzimmer-Playlists geschafft?
00:01:03: Also viele Fragen... Wenn man sich auf Streamingdiensten einen Film anschaut, dann kommen oft am Anfang so Hinweise auch Triggerwarnungen genannt.
00:01:13: Da steht uns zum Beispiel dieser Film enthält sexuelle Darstellungen.
00:01:17: Auf wie viele Opern würde denn dieser Hinweis zutreffen?
00:01:21: Naja da geht es ja im Prinzip bei diesen Sachen letztlich immer um die Optik.
00:01:25: also wo ist das zu sehen was Jugendliche nicht sehen sollten?
00:01:30: im Kino oder im Fernsehen in der Oper dass etwas gezeigt wird, was sozusagen wirklich nicht jugendfrei ist.
00:01:38: Das gab es in jüngster Zeit bei neuen Sachen, die aber wahrscheinlich niemand erleben will.
00:01:44: Aber so in der klassischen Operngeschichte ist das, was als anzüglich empfunden werden könnte immer so verschleiert, dass man sich etwas denken kann dazu – vor allem wenn man die Musik hört -, dass aber sicher nichts auf der Bühne passiert, was nicht jugentfrei ist!
00:02:04: Also kurz gesagt, die Regisseure würden in ihren Inszenierungen eine Sechstelle eher nicht zeigen.
00:02:10: Aber die Musik macht sie trotzdem deutlich!
00:02:12: Genau, und also ich meine je unverfrorener die Regisseure sind heutzutage umso eher.
00:02:17: können sie natürlich jetzt sagen wir eines der berühmtesten Beispiele.
00:02:21: Der Rosenkavalier von Richard Strauss beginnt eigentlich mit einer Bett-Szene aber bei geschlossenem Vorhang.
00:02:28: das heißt Wir hören was zwischen diesen beiden Menschen geschieht bevor der Vorhang aufgeht weil da ist dann die Morgenthämmerung und draußen zwitschern die Vogeln Und die beiden liegen im Bett miteinander.
00:02:41: Das wurde ja bereits bei der Uraufführung so zensuriert, dass keinesfalls die beiden nach aufgehendes Vorhangs miteinander im Bett sein durften.
00:02:50: Die
00:02:50: sind schon aufgestanden!
00:02:51: Die müssen schon aufgetan, haben schon angesunden... Sie ist schon
00:02:54: in der Dusche oder Mühe?
00:02:55: Ja, mehr oder
00:02:55: weniger.
00:02:56: Sie sitzen bereits am Cannabé und warten auf das Frühstück.
00:03:02: Aber als Opernbesucher möchte man ja trotzdem wissen, dass dieser Akt stattgefunden hat.
00:03:07: Weil ich vermute das für die Handlung relevant?
00:03:09: Ja es ist für die handlung relativ relevant.
00:03:11: Das müsste man nicht hören um zu wissen, wenn ein junger Kavalier im Schlafzimmer einer Fürstin in der Früh gefunden wird, dass ein Megascampal wäre, wenn irgendwer draufkommt.
00:03:24: Der Graf Rofrano, der junge Mann des G-sechzehn oder siebzehn und ...
00:03:30: Wirklich jung!
00:03:31: Wirklich jung.
00:03:32: und die Fürstin Werdenberg, die Feldmaschine.
00:03:35: Die Feldmasche ist gerade auf der Jagd in Kroatien.
00:03:39: Das Ganze spielt im Wien zurzeit Maria Theresias Und sie empfängt halt ihren jungen Liebhaber.
00:03:45: das könnte man.
00:03:46: das wäre schon anzüglich genug.
00:03:48: wenn da Vorhang aufgeht und die beiden in der Früh im Schlafzimmer sind im Bett oder vor dem Bett oder bereits angezogen so wie es Vorschrift war dann nach der Zensur bei der Ur-erführung schon
00:04:00: egal.
00:04:00: Was übrigens in Hollywood nicht so anders war, lange Jahre das alle bekleidet im Bett aufwachen.
00:04:05: Ja ja, also jetzt ist es zum Beispiel bei den Salzburger Festspielen bis weit in die sechziger Jahre hinein diese zensurierte Fassung des Rosenkavaliers gespielt worden.
00:04:15: und aber ein bisschen später dann, also Ende der Sechzigejahre, Anfang der Siebzigerjahree... Also die jetzige Wiener Inszenierung zeigt natürlich die beiden im Bett am Anfang.
00:04:27: Das ist auch nichts Unzüchtiges passiert da, das Unsüchtige sozusagen passiert im Orchestervorspiel.
00:04:32: Und wenn du sagst es muss sein, das will man wissen, das kann man sich auch denken, wenn man's nicht hört aber wenn was hört bei Richard Strauss weiß man ziemlich genau Bescheid!
00:04:40: Dann hören wir uns jetzt an mit dem Wissen dass wir hier eine Sechszene hören.
00:04:44: Wir hören gleich am Anfang in den Herren ein eindeutig fallisches Symbol und dann sofort ganz weich und angenehm die weibliche Antwort darauf.
00:05:05: Das war also diese fallische Aufrichtung am Anfang?
00:05:07: Ja, ganz genau.
00:05:09: Und schildert im Verlauf dann diese Liebeszene auch zu hören – natürlich wieder in den Hörnern der Moment, der vielleicht für die Feldmaschinen ein bisschen zu früh kommt.
00:05:48: Ja das ist schon lustig!
00:05:48: Wenn man das hört und wissen, was Richard Strauss damit vertont hat... Hat das schon einen gewissen Witz?
00:05:55: Ich glaube schon, es gibt wahrscheinlich viele Opern-Besucher die sich das so noch nie überlegt haben.
00:06:00: Das beginnt halt mit einer Stürmischenumarmung verbindet diese Musik vielleicht auch nicht und man wartet bis da vorne auf geht... Und man
00:06:11: wundert sich dass die Umarmung nach einer Minute vorbei ist!
00:06:13: Ja genau oder so.
00:06:15: Man könnte sagen das sind Hirngespinzt ja, das ist halt einfach eine stürmische Musik.
00:06:20: aber wir können das beweisen Was Strauß damit gemeint hat.
00:06:25: Ich glaube Richard Strauß ist ja überhaupt der Komponist, der am öftersten so einschlägige Szenen vertont hat.
00:06:31: Wirklich?
00:06:32: Und zwar nicht nur in der Oper sondern auch in seinen symphonischen Dichtungen und die schönsten und ausführlichsten Liebeszenen hat er sich selber komponiert sozusagen weil er beschreibt sich ja in manchen Ton-Dichtungen selber ganz unschäniert.
00:06:46: im Heldenleben als Erder Held gibt es eine große Liebeszene.
00:06:49: und in der Sinfonier Domestika Die, also das häusliche Leben in der Familie Strauß beschreibt ist auch eine noch größere Liebeszelle drin und es ist immer er.
00:06:58: Da ist immer eher der Held!
00:07:00: In der Oper gibt's zumindest drei Opern, in denen ganz eindeutig es zur Sache geht.
00:07:07: Das erste Mal macht das Ninzehundert zwei in seiner zweiten großen Oper die die erste wirkliche Straußoper ist, sagen wir vor Salome entstanden – Feuersnot.
00:07:19: Die erste Opa ist Guntram, das ist so ein Wagner epigonen Stück.
00:07:23: Aber in der Vorausnote ist er ganz da, da ist auch schon eine ganze Zynismus drinnen.
00:07:28: Das ganze Tangin-Chick, dass bei Strauß immer dabei ist... Das ist auch eine quasi kabarettistische Abrechnung mit der Heimatstadt München, die sich immer zuerst gegen Richard Wagner und dann gegen ihn gewendet hatte.
00:07:42: Weil es immer was Zu-Modern sozusagen.
00:07:44: Und da hat er sich vom Ernst von Wohlzogen, der der Leiter des Überbrettel war – ein ganz berühmtes Kabarett – hat das sich einen Text schreiben lassen um die Münchner ein bisschen durch den Kakao zu ziehen.
00:08:02: mit sauberkräften, begabten jungen Mamm.
00:08:04: Der sich in ein junges Mädchen verliebt hat die Dimut aber sehr tugendhaft ist und die seinen Zudringlichkeiten so begegnet dass sie ihm einen Streich spielt in seinem Wäschekorb der hochgezogen werden kann setzt er sich rein und sieht ihn und sagt Sie schafft es nicht ganz.
00:08:23: und jetzt hängt er auf halber Höhe und wird von Halbmünchen verspottet.
00:08:27: und das lässt er sich nicht gefallen.
00:08:29: und er häckst jetzt so lange, bis in München die Lichter ausgehen.
00:08:36: Das ist die Feiersnot!
00:08:38: Und dann hält er in einen Standbauke, was sie für ein verschrobernes und furchtbares Volk sind... ...und sagt nur, wenn die Demut mich einlässt….
00:08:49: …in ihr Kämmerchen.
00:08:51: Kriegt Sie Eier Feuer wieder zurück?
00:08:53: Und das ist natürlich eine große Aufruhe in München.
00:08:56: Da gibt es ganz zotige Kabarettexte, die da sind, also die Münchner Bürger beschließen.
00:09:04: Die Hilftung kann psalieren und auch die Klerisei.
00:09:06: Das Mädchen muss verlieren sein.
00:09:10: Es ist ganz klar, worum's hier geht... ...es wird so lange die Dimut beschoren bis sie ihn einlässt!
00:09:19: beginnt eine wunderbare Liebesmusik sehr zärtlich am Anfang und die kommt genau zu so einem Höhepunkt, wie wir es im Rosenkabelier am Anfang erleben.
00:09:30: Auch da die hören er wieder mit diesem eindeutig falschen Symbolen und dann geht's los!
00:09:34: Und wir hören in dieser Musik ganz genau, wann in München die Lichter wieder angehen.
00:10:59: Das ist meine sorgsam gewählte Pause.
00:11:20: Ja, sehr sorgsam gewählt kommt er immer auf den Dirigenten an.
00:11:24: Wie lange das hält?
00:11:25: Das Urbild, jener Musik die Strauß verwendet also fast deckt und gleich in den orchestralen Bildern, in den Klangbilder im Rosenkabelier.
00:11:35: Und Jahre später dann noch einmal im Vorspiel zum dritten Akt der Arabella wo auch ganz eindeutig das passiert.
00:11:42: Die Bläser fallen auf!
00:11:44: Also das sind immer wichtig ja um die hektischen Figuren da Streicher sehr unangenehm zu spielen.
00:11:50: Sie haben sehr viel zu tun.
00:11:53: Man kann ja so einen Liebesakt auf unterschiedlichste Arten vermutlich ausführen, musikalisch genauso wie eben im Leben.
00:12:00: Weil das kann verspielt und mit Pauken und Trompeten daherkommen oder es kann eine Spannung und Entspannung dieses Unerfüllte verlangen.
00:12:07: Also ich kann mir vorstellen dass es sehr viele unterschiedliche Varianten in der Musikgeschichte gibt wie Sex klingen kann, je erotische Stimmung umgesetzt wird.
00:12:17: Absolut!
00:12:18: Es gibt eine Oper, wenn man Google-Sekszenen in der Oper oder wenn man Chatchity fragt dann kommt das irgendwie als Allererstes und vermutlich nicht ohne Grund.
00:12:27: Ich habe eine Spiegelrezension über diese Oper also es handelt sich um Wagnerstristan und Isolde.
00:12:33: Und ich hab' eine Spiegelrezension gelesen die beginnt mit dem Satz darüber dass in Richard Wagnerstristan und Isolde ein Orgasmus zu hören ist.
00:12:40: sind die meisten Gelehrten sich einig?
00:12:43: sie sind sich nur nicht sicher wo?
00:12:45: Ja, das ist ein sehr guter Satz.
00:12:47: Denn eigentlich... ...ist es so, dass man annehmen würde, was passiert im großen Liebestuett?
00:12:55: Mit Sicherheit!
00:12:55: Das längste Liebestuet, das je komponiert worden ist, in wirklich mehreren grossen Wellen, ist eigentlich ein philosophischer Dialog über die Liebe und den Tod.
00:13:06: Und dass das sozusagen im Gleichgang, also die wirkliche Erfüllung gibt es nur im Tod.
00:13:12: Daher am Schluss auch der berühmte Liebestod, der Isolde.
00:13:18: An der Leiche des Tristan, seine Sehnsucht wurde nie befriedigt.
00:13:23: und endlich im dritten Akt, endlich kommt sie dann!
00:13:26: Er stirbt beseeligt in ihren Armen ein Liebestot und sie stirbt dann auch den Liebestott weil ihr Leben hat sich damit
00:13:33: erfüllt.".
00:13:34: Also wenn da jetzt steht der Orgasmus, wo er passiert.
00:13:38: Ich kann eines sagen, wo es sicher nicht passiert und das ist ihm Liebesdreht selber, dass eine gewaltige Steigerung mit sich bringt dann aber unterbrochen wird von den hereinstimmenden Verräter die dem König zeigen, dass seine Braut mit dem Tristan ihn bedrückt.
00:13:59: Das ist wirklich ein Coitus interruptus, aber ganz klassisch, ganz brutal auch komponiert.
00:14:05: Also das ist eine gewaltige Steigerung.
00:14:07: und um das Rätsel zu lösen diese Musik kommt am Schluss der Oper im Liebestod da ich sollte wieder, aber da dann wirklich erfüllt und in einem wunderbaren Ausklang.
00:14:20: Das ist aber mehr eine Verklärung als einer von diesen Höhepunkten die so orgiastisch der Richard Strauß dann vertonen wird.
00:14:28: Hör mal zunächst einmal vielleicht den Schluss des großen Liebes-Douets, wo man merken wird also da gibt es keine Erfüllung weil sie werden Rüde unterbrochen.
00:16:24: Also das ist schon wirklich ein brutaler Akt diese Musik diese Liebeszene so zu unterbrechen und die ihm zeigen da ich zeige ihn dir in offener Tat sagt der Verräter Ich glaube,
00:16:37: die Handlung ist nur so ganz grob.
00:16:38: Kann man sagen, Tristan?
00:16:42: Aber sie dürfen sich nicht lieben weil Sie ist einem König versprochen und das Tristan soll sie überbringen.
00:16:47: Ist das kurz gesagt?
00:16:47: Es ist
00:16:49: sehr kurz gesagt.
00:16:50: Die Geschichte sitzt noch viel tiefer, weil die beiden sind ineinander verliebt.
00:16:57: Dürfen es aber unter anderem aus dem genannten Grund nicht gestehen Wagen ist nicht im ersten Akt, wo die Isolde auf der Brautfahrt ist.
00:17:10: Tristan holt sie und bringt sie nach Cornwall.
00:17:13: Sie wagen es sich nicht das einzugestehen Und er ist ganz schroff zu ihr und sie sagt gut also du sagst nichts umso weiter aber er hat ihren Breitigam getötet Und sie hat ihn gesund gepflegt und ist draufgekommen dass er der Mörder ihres Breitegans ist.
00:17:31: Und das trotzdem verliebt in ihnen?
00:17:33: Der Blick trifft sie, es ist immer bei Wagner ganz wichtig!
00:17:37: Sie kann ihn nicht töten.
00:17:42: und im ersten Akt sagt er zu ihr war Morold dir so wert, nun wieder nehmt ihr Schwert und führe es sicher und fest, dass du nicht dir's entfallen lässt, so wie letztes Mal sozusagen.
00:17:53: Sie denkt jetzt ihre... Dienerin, die Prangene, die von der Mutter gebrachten Tränke zu durchforsten und sagt du gibst uns jetzt den Todesdrang.
00:18:06: Und die Prangene will nicht dass die beiden sterben und schenkt ihnen den Liebestrank ein.
00:18:11: Also deswegen verlieben sie sich?
00:18:13: Naja Moment!
00:18:14: Das so wird es immer erzählt und das ist natürlich ein völliger Schwachsinn.
00:18:18: Das ist reine Enthemmung Das lässt alle Hemmungen fallen.
00:18:25: Die begehren einander schon, aber sie können sich es nicht sagen und der Liebestrank öffnet sozusagen nur die Schleusen.
00:18:31: Und jetzt trauen Sie sich das sagen und das ist das Riesenverhängnis, dass alles auslöst.
00:18:36: Aber die Liebe ist da!
00:18:38: Sonst wäre das ja keine Geschichte, wenn ich nur sozusagen ein Liebestrankel einschütten muss – und schon fallen mir alle zu füßen.
00:18:46: Also das ist keine Tragödie.
00:18:47: Es
00:18:47: wird zu einfach.
00:18:48: Das
00:18:48: werden wir wirklich zu einfach machen.
00:18:50: Da würden wir den Magner auch sehr unter seinem Wert verkaufen,
00:18:55: nicht?
00:18:55: Ja.
00:18:55: Und diese ecstatische Szene, die wir jetzt gehört haben … Ist immer so nackt am ... Orgiastische Qualität.
00:19:00: Absolut!
00:19:01: Da haben Sie diesen Liebestrang schon
00:19:02: eingenommen?
00:19:02: Ja, da sind schon Indus natürlich... Also sie haben schon am Schluss des ersten Aktes Indus und das ist alles schon sehr seltsam.
00:19:07: und dann nimmt der König sich in Empfang und der Verräter sieht ganz genau dass da irgendetwas gefunkt hat zwischen den beiden Und ich schaute eben, dass er dem König irgendwann verrät.
00:19:17: und sie treffen sich geheim im zweiten Akt und entfaltet sich das und sie wissen, dass sie eigentlich sterben müssen weil sie können einander nicht angehören.
00:19:24: daher heißt es eben liebes Tod.
00:19:28: Das führt uns jetzt zu weit.
00:19:30: Aber in der Inszenierung ist das alles nicht so sehnvermutlich, oder?
00:19:33: Oder wird es üblicherweise?
00:19:36: werden die zueinander geführt?
00:19:39: Die stehen ja eine Dreiviertelstunde hier nebeneinander und singen – mehr ist nicht!
00:19:44: Und dazwischen sind zwei Wacherufe der Prangene wie immer sagt HBVT-Acht.
00:19:49: Also die Nacht ist bald vorbei, also seid vorsichtig.
00:19:52: Aber ansonsten ist da nix!
00:19:54: Kann man sagen dass sich das Sex auf einer metaphysischen Ebene abspielt?
00:19:57: Auch auf einer Kommunikationsebene, die nicht physisch ist?
00:20:02: Absolut ja, das war ein großer philosophischer Dialog Wie man sich angehören kann, wie man sich wirklich angehört und wie man einander wirklich lieben kann.
00:20:14: Und das ist jetzt nicht mit einfachen Koordinaten zum Essen, dass man sagt naja da ist ja der Rechter deinen Höhepunkt und dann ist endlich vorbei.
00:20:22: also so ist es nicht!
00:20:23: Das ist wirklich die Erfüllung.
00:20:25: Also könnte man vielleicht frei nach Wagner sagen stärker als die Liebe?
00:20:29: Ist das Musikieren über die Liebe oder das Denken über die liebe und in dem Fall über Sex
00:20:35: und über den Tod
00:20:35: Und über den Tod, das ist gar nicht so weit entfernt.
00:20:38: Nein,
00:20:38: nein!
00:20:38: Das stärker ist der Tod.
00:20:42: Das ist noch mal so.
00:20:44: Man kann ja über Wagnerobang gar nicht sprechen ohne über Leitmotive zu sprechen.
00:20:49: Gibt es sexuelle Leitmotive?
00:20:52: Nein, aber was wir bei Richard Strauss gehört haben gibt Motive die ganz eindeutig oder weiblich konnotiert sind.
00:21:08: Aber das ist auch ein Klischee, oder?
00:21:10: Diese harte Bläserfang-Fader ist nennlich und das Glockenspiel ist weiblich.
00:21:17: Das sind ja auch Stereotypen die damit musikalisch vervielfältigt werden.
00:21:24: Ja
00:21:24: wobei man sagen muss die Beziehung zwischen Mann und Frau wenn sie mal in diesem Stadium hat gewisse Spielregeln, die halt so funktionieren und entsprechend klingt das dann auch.
00:21:37: Und es soll ja vermutlich für das Publikum der damaligen Zeit auch erwartbar gewesen sein?
00:21:42: Genau, genau!
00:21:44: Da kommen wir zu einer interessanten Sache denn man könnte sagen wie lange gibt's sie da schon?
00:21:48: Es gibt schon viel viel Vorwagner und Strauß natürlich weil das gibt es schon in der Renaissance, in der Matrigalkunst den besungen wurden im Mittelalter und im Renaissance natürlich zum einen der Liebe Gott.
00:22:04: Oder, da wird es schon interessanter...
00:22:06: Die Liebe oder?
00:22:07: ...oder die Gottesmutter Maria, oder die Liebe
00:22:13: oder
00:22:13: die liebe Und da ist sozusagen das was ausgesprochen werden darf ist die Verehrung der Gottesmütter Und das kann man sehr gut überführen natürlich auch in durchaus andere Bereiche der Erotik.
00:22:27: Man muss es ja nicht dazusagen und...
00:22:31: Aber woher wissen wir dann, dass er's wirklich so gemeint ist?
00:22:33: Weil wir von den Minisängern dann natürlich erleben wie sie bestimmte musikalische und textliche Floskeln die aus der katholischen, nicht der Liturgie aber aus der Katholischen Poesie herauskommen sich anverwandeln und die hohe Frau besingen.
00:22:55: Das ist sehr verwandt, also ganz tiefen etwas miteinander zu tun und ganz tief betrachtet natürlich auch mit dem was über Wagner erleben – die Gleichsetzung von Liebe und Tod als die erfüllungen des Lebens.
00:23:15: Natürlich dann wurde wir sind noch vor der Oper oder gerade bei Erfindung der Oper um sechzehntundert, Hochblüte des sogenannten Madrigalkunst.
00:23:29: Das muss man sich vorstellen das war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.
00:23:33: Das war etwas was man in der stillen Kammer zu fünft gesungen hat und dann haben einige hohe Herrschaften dabei zugehört Die Kammermusik im tiefsten Sinn des Wortes und wir stellen uns heute ein Streichquartett vor.
00:23:46: und damals haben fünf Sänger gesungen Und die haben bestimmte Texte.
00:23:52: Die waren zum Teil sehr, sehr klar erotischen Zuschnitts.
00:23:57: Und wir können z.B bei Monteverdi mit ein bisschen Fantasie in einem Matrigal das im Titel hat ich bin bereit für Küße schon hören worum es da geht.
00:24:56: Das ist natürlich stark stylisiert, aber ich glaube mit ein bisschen Aufmerksamkeit.
00:25:00: Und wenn es immer um die Bacci und die Küße und um den Tod geht auch da wieder diese Kombination dann werden sich die Herrschaften in der Kameradter schon überlegt haben was das bedeutet?
00:25:13: Sie haben sich gar nichts überlegt, sie haben's natürlich sofort verstanden.
00:25:15: Okay, aber gehts nicht doch mehr um das Verlangen und um das Ersehnen von Begegnungen statt um die Begegen selbst?
00:25:23: Ja, auch.
00:25:24: Das ist natürlich immer das Wichtigste und das ist das was am öftersten verdohnt worden ist.
00:25:31: Beispiele wo die Musik wirklich zur Sache kommt, ein bisschen bei Monteverde ganz klar.
00:25:36: Bei Wagner und Richard Strauß was wir gehört haben das sind natürlich nur die Spitzen des Eisbergs.
00:25:41: aber in Wirklichkeit geht es um die Verehrung geht es Um das Begehren geht Es um die Sehnsucht wie übrigens bei Tristan Und ich sollte ja auch weil wir Haben da heraus genommen drei Minuten.
00:25:52: Aber In Wirklichheit ist vom Beginn des Vorspiel an Die große Sehensucht, die sich erst am Ende im Liebestod erfüllt.
00:26:00: Und alles dazwischen sind die Stationen, die uns hinführen und die Versuche quasi das Paradies auf Erden zu haben – du kriegst es nicht!
00:26:10: Das ist natürlich eine große Sache, wenn man setzt sie ja nicht fünf oder halb Stunden in die Opa um einer sehr einfachen Sache da zuzuschalten.
00:26:17: Da geht's schon um etwas anderes, um etwas tiefgründigeres, was unser Leben wirklich bestimmt.
00:26:25: Liebe Sehnsucht, die Sehensucht nach Erfüllung – das sind ja noch einmal zwei verschiedene Qualitäten.
00:26:33: Die hat jeder und von der handelt die Kunst am Ende des Tages immer.
00:26:38: Sehmsucht nach der Schönheit und nach der Erfüllung.
00:26:41: Und das ist natürlich ununterbrochen.
00:26:45: Ich meine, das fünfzig Prozent aller Lieder handeln natürlich davon von der großen Sehentsucht, oft nicht erfüllt wird.
00:26:56: Denken wir an die schöne Müllerin von Schubert, an die Winterreise... Die Dichterliebe nach Heinrich Heine vom Robert Schumann!
00:27:05: Also die größten Poeten und die größte Komponisten haben sich ununterbrochen damit auseinandergesetzt.
00:27:11: Ist es so, dass Sie dann auch nichts Besonderes kreatives mehr?
00:27:14: Weil über Sehnsucht schreiben alle?
00:27:16: Natürlich, kreativ ist ein gutes Gedichte über die Sehntsucht
00:27:19: zu schreiben.
00:27:20: Wie ist Mozart eigentlich so drauf in diesen Belangen?
00:27:23: Ja, Mozart natürlich.
00:27:25: wie bei Hallen geht Lorde sehr in die Tiefe und bei ihm gibt es ganz explizite Sachen.
00:27:33: Manchmal ist das ja sogar, wenn denken wir an den Don Giovanni.
00:27:35: Das ist der Don Juan Der eine Frau nach der anderen zu verführen sucht Und Dems vom Aufgehendes Vorhangs an obwohl sie im vorher tausendmal gelungen ist nicht mehr gelingt lustigerweise.
00:27:49: Also da sieht man auch schon, das ist wie bei Tristan und die Sohle.
00:27:51: Es geht nicht einfach um die Frage Können die beiden jetzt miteinander leben oder nicht?
00:27:56: Sondern es geht um ganz andere tiefmenschliche Fragen.
00:28:01: Und der Don Giovanni beginnt, das hat übrigens apropos Poeten Eta Hoffmann sehr schön herausgearbeitet mit einer Szene wo man nicht genau sagen kann wie weit ist zwischen der Donna Anna und dem Don Giovanni gegangen ist, bevor die Opa beginnt.
00:28:19: Denn die OPA beginnt eigentlich damit dass die Donna Anna vor ihm davonläuft weil er sie in ihrer Schlafkammer überrascht.
00:28:25: Also ähnlich wie beim Rosenkavalier wir starten sozusagen Inflagranti Aber wir wissen nicht was passiert ist.
00:28:31: Das
00:28:31: heißt beim RosenKavalier wo wird dieses Wundermann
00:28:33: vor euch beginnen?
00:28:35: Da sagen es uns die
00:28:37: Musiker ganz genau!
00:28:40: Und
00:28:40: bei Don Giovani hören wir das nicht so genau.
00:28:42: Das
00:28:42: große Rätsel was auch psychologisch sehr, sehr wichtig ist.
00:28:46: Denn die Dona Anna zieht sich ja durch die ganze Opa und sie ist diesem Giovanni in irgendeiner Form verfallen!
00:28:55: Auf der anderen Seite muss sie auch den Tod ihres Vaters reichen, denn im Zuge dieser ersten Szene will der Vater sozusagen schauen, was da los ist und er tappt die quasi inflagranti und wird vom Don Giovanni getötet – im Duell Also erst gleichzeitig der Mörder ihres Vaters, aber sie ist sehr fasziniert von ihm.
00:29:14: Und daneben steht er dann Otavio, der immer so ein sehr erfahrbloser Tenor ist und der immer Ocell sagt und nicht begreift was da los ist und einmal wissen will wie weit ist denn das gegangen?
00:29:26: Da gibt es einen ganz interessanten Dialog und sieht weichter immer aus!
00:29:31: Es wird nie etwas wirklich genauer gesagt und es bleibt im Dunkel.
00:29:35: also das ist schon auch vom Mozart natürlich dann aber auch genial komponiert weil man
00:29:40: Niemandem vor den Kopf zu stoßen.
00:29:43: Erstens das, denn natürlich durften explizite Szenen schon überhaupt nicht gezeigt werden ist schon schlimm genug dass es überhaupt drüber geredet wird?
00:29:51: Dass Nicht stattfinden von Sex ist offenbar sehr präsent in dieser Oper und zugleich mit Don Giovanni ja einen einen was nicht weiber hält hätte man wahrscheinlich damals gesagt einen Casanova.
00:30:01: Und Es gibt da eine Aria Le Porello, eine weitere Figur, aufzählt mit wie vielen Frauen dieser Don Giovanni schon geschlafen hat und erzählt auch.
00:30:12: In Italien, sechshundertvierzig in Deutschland zweihundertdreißig hundert in Frankreich und neunzig in Persien aber in Spanien schon tausend und drei.
00:30:21: das ergibt zusammengerechnet zweitausendtreiundsechzig
00:30:25: also ein stolzer
00:30:26: Body Count.
00:30:27: So viel italienisch kann jeder Opern-Besucher Mein Spanier, Sonja Miletre.
00:30:34: In
00:30:34: Spanien sind schon Tausend und Drei, wenn das Stück spielt ja in Spanian, da ist er nicht so oft aufreißen!
00:30:59: Nein nein, das Lustige beim Don Giovanni ist dass wir haben dieses Register, die sogenannte Register-Area des
00:31:05: Leporellos... Also es wird schon explizit genannt was hier los ist aber eigentlich geht's darum, dass nichts mehr passiert.
00:31:14: Und bis zur Höllenfahrt?
00:31:15: Er wird dann bestraft für seine Untaten Und die anderen werden bestraft damit, dass am Schluss nach der Höllenfahrt eher weg ist.
00:31:25: Die Sache wird unendlich Fahrt und Fall und sie haben alle ihren Mittelpunkt verloren – die Zentralsonne strahlt nicht mehr!
00:31:34: Das ist eine sehr tiefgründige Oper wie immer bei den großen Mozartsachen.
00:31:41: Was man dazu sagen muss….
00:31:44: Es gibt in der nächsten Oper was auch Und da geht es auch nur um die Liebe und eigentlich ja um die erotische Erfüllung.
00:31:51: Welche ist das?
00:31:52: Kursifan Tute, drei Jahre später komponiert... ...und dann geht's um Partner-Tausch!
00:32:01: Problematisch das auf die Bühne zu bringen.
00:32:04: Ich beruhte aber angeblich auf einer wahren Geschichte und war daher also in den hochgrossbügelichen und adeligen Kreisenformen natürlich alle gewusst, von wem da eigentlich die Rede ist.
00:32:13: Also es war sehr pikant können wir heute nicht nachvollziehen.
00:32:16: Was wir nachvollzielen können, ist der geniale Psychologe Mozart charakterisiert uns diese vier handelnden Personen genau so dass wir wissen, die sich am Beginn nahestehen, eigentlich falsch gemischt sind.
00:32:37: Warum?
00:32:38: Weil also wir haben die Fjördilici, die die Partnerin des Goyelmoys Sobran und Paretom Und wir haben Dora Bella ihre Schwester Die die Partner in das Ferando ist mit Sobram und Tenor.
00:32:54: Es ist ein Intrigen-Spiel wo sich die Männer verkleiden und sich ausgemacht haben mit dem Vecchio-Philosopho, mit dem alten Philosophen Don Alfonso.
00:33:03: Der sagt es gibt keine dreien Frauen!
00:33:05: Und die Wetten um hundert Sekinen... Das ist innerhalb kürzester Zeit gelingt, die Tare anders anzuordnen.
00:33:14: Jetzt muss also der Guglielmo die Dora Bella überreden und das geht ganz einfach.
00:33:22: Das ist die, die am Anfang hysterisch reagiert und einen riesen Temperamentausbruch kriegt.
00:33:28: Und die Götter anruft und das ist alles entsetzlich weil sie es verlassen worden jetzt.
00:33:32: Weil die geben an, sie ziehen ins Feld in den Krieg, kommen dann verkleidet zurück... ...und der andere sagt ich stehe felsenfest also mir wird nix passieren.
00:33:43: So!
00:33:43: Die Torabella, die das hysterische Kerin ist, fällt sofort oben in dem Moment wo er ein goldenes Herzl überreicht Und die anderen beiden sind von tiefen Gefühlen erfüllt, einmal prinzipiell über die Liebe und die Beständigkeit.
00:34:03: Der Fernando singt eine wunderbare Aree über das Wesen der Liebe – er hat aber noch keine Ahnung wie die Realität sein kann!
00:34:14: Auch Fiodilici sagt ich steff wiederfels in der Brandung, hat auch noch keine ahnung...
00:34:22: Ich bleibe treu,
00:34:24: ich werde treu bleiben.
00:34:25: Und noch im zweiten Teil, wo sich schon herausstellt, dass die Dora Bela ganz eindeutig dem Guglielmo da verfallen ist – also dieser Partner-Tasch hat schon funktioniert -, zieht sie für Nelitschi noch eine Uniform ihres Gugglielmo an und will ihm ins Feld folgen um der Verführung zu entgehen?
00:34:50: Dann taucht er auf Und innerhalb des Duets kann man hören, wie die beiden ein bisschen so als ob sie den Liebestrank genommen hätten.
00:35:02: Wie die beiden sich gestehen müssen und dass sie sich eigentlich längst wirklich tief ineinander verliebt haben.
00:35:09: Das führt zu einer sehr expliziten Musik in den Koloraturen, in den immer intensiver werdenden Figuren, die da zu singen sind ganz deutlich zumindest die große Erregung verrät.
00:35:23: Und dann muss man beim Mozart auch immer nachhören auf das Orchesternachspiel.
00:35:27: Dass es dann so bestätigend sagt, na ich hab's euch ja gesagt!
00:35:32: Also wie klingt diese Erregung bei Mozart?
00:36:58: Ja, man hört einen Flüren ein Beben in den Stimmen.
00:37:01: Wobei ich den Eindruck habe das ergibt sich doch vor allem aus der Gesangskunst.
00:37:05: also die Sänger haben offenbar und die Sängerin haben genau gewusst was sie da vertonen.
00:37:10: natürlich aber steht es wirklich?
00:37:12: steht dieses Begehren so deutlich in der Partitur oder ist das mehr der Interpretation geschuldet dass wir raus hören können?
00:37:18: Also die Sänger wissen natürlich ganz genau worum es geht, das ist keine Frage.
00:37:21: Aber der Mozart suggeriert sich auch mit diesen immer nervöser werdenden Figuren, die da gesungen werden und danach kommt noch so eine Obo-Melodie hin.
00:37:29: Und jeder, der aufpasst was da passiert – auch im Amalgam mit dem Orchester kriegt er's ganz genau mit!
00:37:37: Die Erregung schwingt in der Musik schon mit.
00:37:39: Man kann das natürlich sehr fad machen Dann wird's keiner mitgerinnen.
00:37:43: Man
00:37:44: kann es auch sehr unsexy interbettieren.
00:37:45: Habst du noch
00:37:46: selbstverständlich passiert darauf
00:37:47: genug?
00:37:48: Ja, hast du schon erlebt in Opa-Häusern...
00:37:50: Aber das waren jetzt die Idole meiner Jugend Peter Schreijer und Ole Janowitz, Divina Filamonica, Karl Böhm am Pult.
00:37:56: Die haben alles sehr genau gewusst was da passiert!
00:37:59: Da bracht doch eigentlich einen Jugendschutz in der Opa.
00:38:01: oder wie ist
00:38:01: das?
00:38:02: Wobei man als jugendlicher ja da hinein wächst Und natürlich
00:38:07: macht es keinen, weil's ja eh nicht dargestellt wird.
00:38:12: Es ist immer noch sehr subtil und das Wunderbare bei großer Kunst auch bei den Mozartopern ist immer dass du es in jedem Lebensalter ja auch anders hörst oder siehst Wie viele große alte Meister haben enorm erotisch konnotierte Bilder gemalt.
00:38:31: Und wenn du als siebzehnjähriger davor stehst oder als Fünfzehn-Jähriger sagst ... Schöne Wolke,
00:38:37: schöne Landschaft!
00:38:39: Wenn man mehr erlebt hat sieht man die Dinge ganz anders und man hört natürlich... Ich meine ich höre Josef and Tutte oder Tristan und Isolde jedes Mal anders und ich habe das alle schon vierzig, fünfzig mal noch öfter live erlebt Natürlich, je nach Interpret, da hast du vollkommen recht.
00:38:58: Kriegt das immer eine neue Qualität?
00:39:01: Und jeder hört doch was anderes, jeder macht es anders.
00:39:03: Manche machen's drastischer, manche machen subtiler, heißt nicht wirkungsloser!
00:39:09: Also... Da ist ein reiches Feld auch für die Interpretation.
00:39:15: Du hast mir jetzt wirklich Lust gemacht, Tristan und Isolde mal im Ganzen zu hören oder sogar zu sehen.
00:39:19: Denn auch von den vielen Beispielen die wir da jetzt schon angeschaut und angehört haben ist das doch würde ich meinen von dem was wir besprochen haben ein Beispiel wo die Liebenden wirklich auf Augenhöhe zusammenkommen.
00:39:30: in viele Beispiele die wir jetzt gehört haben beginnen eigentlich mit einer Art Nötigung und die Komponisten komponieren das dann in eine liebe Szene hin was dann doch eher ein fiktives Szenario ist.
00:39:43: Ja, ja.
00:39:44: Also das ist die Frage der Künstlichkeit, der Kunst oder der Natürlichkeit?
00:39:49: Der Kunst.
00:39:50: natürlich is Tristan und Isolde äußerst artificiell in der Anlage, die wir zuerst gerade beschrieben haben auch mit dieser Todessymbolik
00:40:02: usw.,
00:40:03: aber durch die Intensität der Musik und unsere eigenen Erfahrungen, die Absoluten, zu einer absoluten Herausforderung für einen selbst.
00:40:18: Das geht dich etwas an!
00:40:20: Weil die Liebe geht sich was an und der Tod geht dich was an.
00:40:24: Dich noch nicht so sehr wie mich aber auch das...
00:40:28: Ich auch noch nicht.
00:40:32: Das schanschiert natürlich im Zuge des Lebens Aber da sind die tiefsten Erfahrungen die du machen kannst.
00:40:40: Die tiefsten Ahnungen, die du hast und deswegen gehst ja überhaupt in eine Oper oder in ein Theater oder liest einen Roman oder schaust dir ein Bild an weil du diese Erfahrungen wieder und wieder machen musst und wieder neu beleuchten musst.
00:40:56: also auch insofern ein sehr sinnliches
00:40:59: Ein sinnliches Erlebnis, selbstverständlich.
00:41:00: Gehen wir von diesem sinnlichen Beispiel doch mal zu einem ganz plakativen... Wir haben uns ja im Vorfeld ein bisschen ausgetauscht, worüber wir reden wollen und jetzt kommt das Kapitelschoster Koic.
00:41:11: Das ist natürlich... Jetzt sind wir im sozialistischen Realismus gelandet.
00:41:17: Starinistische Diktatur auf der einen Seite?
00:41:22: Aber auf der anderen Seite noch dieses Gefühl, dass die Künstler in der Sowjetunion am Anfang hatten, dass sie da mithelfen können, die Welt zu retten sozusagen und das große neue Modell des freien Menschen usw.
00:41:36: Wie wir wissen war der Stalin ein genauso brutaler Diktator wie sein zeitgenosse Hitler und hat nicht davor zurück gescheitert Millionen und aber Millionen zu unterdrücken.
00:41:50: Das hat Shostakovich erfahren müssen, beim Sensationserfolg seiner Oper Lady Macbeth von Gensk.
00:41:58: Wo die Liebeszene auf die du anspielst... das kann man nicht einmal sagen, Liebe Szene!
00:42:03: Das ist wirklich eine brutale Sexszene.
00:42:06: Vorher kommt später zensuriert werden musste und eine Zeit lang wurde dieses Stück überhaupt nicht gespielt obwohl es zunächst einmal Sensationserfolge erzielt hat nach der Uraufführung und sowohl in Moskau als auch in damaligen Leningrad, in Serie gespielt worden ist.
00:42:24: Und ganz toll war.
00:42:25: aber das war wirklich die absolute Moderne, die damals möglich war.
00:42:30: Da kommen die Menschen auf die Bühne und werden wirklich in ihrer brutalsten und enthemdesten Form gezeigt.
00:42:42: Ein bisschen ist es so wie im Rosenkavalier, nur da ist das ja eine bewusste, ein Willensakt zweier Menschen, dass sie miteinander ins Bett gehen.
00:42:51: So wie im Rosenkavalier passiert das hinterm Vorhang und da passiert's quasi im Nebenzimmer.
00:42:58: aber die Musik demonstriert uns wirklich auf ganz brutale Weise was da passiert Und das ist einfach.
00:43:08: also der Tenor vergewaltigt den Sopran auf den Nenner kann man es bringen und das kann man wirklich hören, und zwar in allen Details davor währenddessen.
00:43:18: Und danach...
00:44:38: Es ist eigentlich fast komisch wenn's nicht tragisch wäre weil wir wissen dass wird hier eine Vergewaltigung illustriert.
00:44:43: aber es klingt natürlich fast komische oder?
00:44:45: Also das war Kesta gewunzt und echt und klatscht und die Posaunen stöhnen?
00:44:51: Stöhnen genau!
00:44:51: Kann man sagen?
00:44:52: Und zwar in jede Richtung.
00:44:54: Und dann am Ende kommt noch sein erschlaffender tun.
00:44:57: Genau, wie gesagt es ist sicher das brutalste und konkreteste was je auf dem Sektor komponiert worden ist und es hat einen mega Skandal ausgelöst.
00:45:09: die Leute fanden das toll sind alle hingelaufen aber das hat die Prafter natürlich nicht lange geduldet.
00:45:17: und dann soll Stalin selbst zumindest angeregt haben dass ein Atticke gegen Shostakovich in der Prafter erscheinen ist.
00:45:24: Da wurde der Stück verboten und Schotterkrawitsch musste seine vierte Symphonie die Parallelkomponier dazu rückziehen.
00:45:29: Und es hätte für ihn ja tödlich ausgehen können, das ist alles nicht so einfach.
00:45:36: Prosaunen, Glissandi?
00:45:38: Nein, nein.
00:45:39: Sie wollten schon – das war ja sehr ähnlich wie im Hitler-Regime in Deutschland – dass die Kultur etwas Herres reines sein sollte und zur Ertüchtigung des Volkskörpers oder des Volks Ganzen dienen.
00:45:53: Das war hier wie da überhaupt nicht unterschiedlich.
00:45:56: Die einen waren Kommunalisten, der andere Nationalsozialisten völlig wurscht.
00:46:01: brutale Regime, die natürlich sich auch die Kunst unterjocht haben und benutzt haben zu ihren Zwecken.
00:46:08: Und da hat sowas überhaupt nicht hineingepasst.
00:46:11: Also das musste eliminiert werden und es hat sich erst ganz langsam wieder gelöst.
00:46:18: Und ich meine Schostakowicz wie manche andere in meinen Manchekünstlern sind brutal umgebracht worden.
00:46:23: Manche sind deportiert worden.
00:46:25: also da gibt's die grauenhaftersten Geschichten.
00:46:27: Und Schostakovic ist immer so irgendwie durchgekommen!
00:46:31: Aber er hat natürlich dann auch bekannt am Schluss, dass er ruiniert worden ist.
00:46:37: Auch seelisch durch dieses Regime und der konnte auch nicht komponieren wie er wollte und er musste alles durch die Blume sagen.
00:46:46: und er hat dann, da kennt man eine eigene Geschichte drüber machen, wie sozusagen politische Musik ist und wie sie sozusagen unter der Decke sich entwickelt, wie eine Geschichte erzählt wird, die einen Subtext hat den der Zensor nicht versteht Sagen wir mal so.
00:47:01: Das führt aber jetzt zu weit, aber das war ein Moment wo in der sowjetischen Kultur die gedacht haben also Wir haben die Freiheit!
00:47:09: Wir können das machen und das fanden auch alle toll, aber nicht lang.
00:47:13: Also eine große Desillusionierung?
00:47:15: Und war das dann sozusagen die letzte Operin, der noch explizit im mehrfachen Sinne jetzt komponieren konnte?
00:47:21: In Russland auf jeden Fall.
00:47:23: Ja ja ganz klar.
00:47:24: In Deutschland war es ja dann ab der Endreise sich sowieso so etwas vollkommen umweg.
00:47:29: Und wie ist es heute, jetzt um einen harten Sprung zu machen.
00:47:32: Aber macht das Orchestern Spaß solche Szenen zu spielen?
00:47:36: Das glaube ich schon!
00:47:37: Ja also das glaube ich auch schon.
00:47:38: Es macht doch den Publikum Spass.
00:47:40: wieder gesagt hat er eine unglaublichen Absoluten Unterhaltungswert und nicht mehr in die Oper geht ganz tragisch aus, aber nicht deswegen.
00:47:51: Also das spielt da alles mit!
00:47:53: Das ist ein ungeherr modernes Stück auch in der Überlagerung der expressiven Schichten und der Dinge die da ausgesagt werden.
00:48:02: Und wie gesagt also in der Sowjetin um was sowas dann Jahrzehnte lang überhaupt nicht möglich und auch im restlichen Europa eigentlich nicht.
00:48:10: Es war schon sehr radikal was er denn gemacht hat.
00:48:13: wenn wir nach Deutschland gehen nach dem Zweiten Weltkrieg hat zum Beispiel Karl Orff eine eigentlich noch explizitere Szene komponiert im Brautgemach.
00:48:26: Und das ist am Schluss seiner, Opa kann man gar nicht sagen, seines Musiktheaterstücks Triompho di Aphrodite, das nach antiken Texten und antiken Liebesgedichten ist wo auch eine Szene im Braudgemach vorkommt die also ganz Wie gesagt, explizit vertont wurde.
00:48:50: Und wer trifft sich da im Braut gemacht?
00:48:51: Braut und Bräutigam.
00:48:52: Also ganz legal!
00:48:54: Ja
00:48:54: ja also das ganze Stück handelt von der Zusammenführung vom Braut-und-Bräutigamm.
00:48:58: ein riesiges Hochzeitfest wo alle Moralischen und ich weiß nicht was alles Predigten gehalten werden aber wo es natürlich immer erotischer zugeht.
00:49:07: und dann wären die in die Hochzeitskammer geführt.
00:49:10: und dann erklingt die folgende Musik
00:50:46: Halleluja!
00:50:48: Ja, so ähnlich.
00:50:49: Da kommt sofort der Schlusskorn.
00:50:51: Wächst
00:50:51: aus dem... Die Engelschöre haben sich ja rangeschlichen?
00:50:55: Das ist übrigens das letzte Stück, das dritte Stück Das Finale des dritten Stücks, der Trilogie die mit dem berühmten Kaminapurana anfängt.
00:51:03: Ah, über die wir schon gesprochen haben und wo es ja um alle möglichen Dinge des Lebens geht!
00:51:09: Und auch sehr viel um die Liebe.
00:51:10: Ja was wird's gehört haben?
00:51:12: Da wird ein Text gesungen und was gehts denn da?
00:51:14: Was singen dann die beiden während ihr
00:51:16: liebes
00:51:16: Spiels?
00:51:17: Ja das ist eine ecstatische Beschwerung des Liebespiels.
00:51:20: also ich meine die antiken Dicht sowohl im die griechischen als auch die römischen die Orph mix dass er durcheinander in diesem Stück, die waren ja nicht zinkberlig wenn es um das gegangen ist.
00:51:32: Also Dirty Talk?
00:51:33: Absolut!
00:51:34: Nur wissen wir nicht wie die Musikdames geklungen hat sicherlich nicht so wie bei Carl Orff aber die Texte haben wir und die haben ja die Liebeslürik mehr oder weniger explizit über Jahrhunderte, ich kann mal schon sagen immer wieder angeregt in allen Sprachen in allen Ländern.
00:51:54: Jetzt haben wir einige schöne Beispiele gehört von Musik in die Erotik hineinkomponiert wurde.
00:52:00: Was ist mit der Musik, die unabsichtlich also ohne Absicht der Komponistin oder das Komponnisten erotisch enthält?
00:52:07: Da gibt es ja auch noch ein weiteres Feld.
00:52:09: Ja da gibt's ein sehr weites Feld was empfunden wird als anregend, als aufregend und das Musst hat doch vollkommen recht überhaupt nicht immer etwas zu tun haben mit dem, was die Komponisten sich beim Komponnieren gedacht haben.
00:52:26: Es gibt dann schon so Dinge... Also ich habe ja mal einen Podcast über den Richard Strauß und die unzensurierten Liebeszenen gemacht.
00:52:35: Dabei Strauß gibt es sehr viel ohne Text.
00:52:38: wo wir trotzdem verstehen worum's geht kann man dann vielleicht.
00:52:41: Wir können das in
00:52:43: den Schonorts verlinken.
00:52:46: Und auch bei anderen Komponisten natürlich gibt es immer wieder so Dinge, die dann erotisch konnotiert waren einfach weil die Musik so war dass viele das hineininterpretiert haben oder viele das herausgehört haben.
00:53:01: sagen wir mal so.
00:53:02: Es gibt auch Musik,
00:53:04: z.B.,
00:53:04: wie bei Debussy, Prelude à la Prémédie d'Enfant – also das Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns, wo es ganz explizit um den Faun und die Nymphen geht und da geht's sehr erotisch zu, das ist gar keine Frage!
00:53:19: Das
00:53:20: ist doch ein rotischer Tagtraum?
00:53:22: Ein vertunter roter Tagtrau?
00:53:23: Genau, genau das ist.
00:53:24: es kann dann noch auf die Bühne und zwar mit dem größten Tänzer der damaligen Zeit.
00:53:33: Er hat während der Aufführung ganz am Schluss seine eigene Choreografie für sich selbst gemacht und er hat dann ganz am Schluß auch noch eine sehr anzügliche Bewegung gemacht, was einen Riesenskandal ausgelöst hat.
00:53:45: Also das ist schon ganz klar, dass hat auch etwas mit dem zu tun womit wir uns in diesem Podcast beschäftigen.
00:53:52: Ein Solo-Stück, das mit Masturbation endet?
00:53:55: Ja
00:53:55: sozusagen!
00:53:56: Wobei?
00:53:56: das hätte der Debussy so wahrscheinlich nicht wirklich geliebt.
00:54:00: aber tatsächlich enthält diese Musik enorme, erotische Aufladung.
00:54:06: Das ist gar keine Frage.
00:54:08: bei aller Zartheit!
00:54:09: Es ist ein Stück das nie wirklich laut wird.
00:54:12: aber schon das einleitende Flöten-Solo hat absolut sinnliche Qualitäten.
00:56:02: also das flirrt nur so dahin.
00:56:04: da kommt dann noch eine wunderbare zweite Melodie die sich dann sich so versträumt.
00:56:09: und dass ja das ist ein sinnlicher Nachmittag irgendwo im Süden, wo es angenehm warm ist und wo man sich einfach den großen Gefühlen hingeben
00:56:18: kann.
00:56:19: Es ist auch lustig!
00:56:20: Ich bin in den letzten Tagen öfter auf dieses Stück gestoßen bei meinen Recherchen.
00:56:25: Es gibt ja ganz viele Klassikformen im Internet und in diesen Klassikum taucht dann fast immer irgendwo ein Eintrag auf, wo ein User die anderen fragt wie habt sie das denn mit?
00:56:37: der Klassik und dem Sex.
00:56:38: Also welche Stücke haben für euch sexuelle Energie oder auch was gehört auf eine Schlafzympläliste?
00:56:44: Da gibt es viel Austausch im Internet!
00:56:46: Und das Lustige ist, man wird ja gar nicht fertig, dass alles zu lesen.
00:56:50: Es ist offenbar ein großes Thema.
00:56:52: Dieses Stück wird sehr oft genannt aber es gibt auch andere Stücke die immer wieder genannt werden.
00:56:56: insgesamt aber so eine Bandbreite und Fülle, dass man zum einen merkt, die gesamte Musikgeschichte ist offen bar sehr sexy Und zum anderen merkt man aber auch, wie sehr in bestimmten Stücken dann doch so Zuschreibungen relativ universell sind.
00:57:16: Ich kann das ja gar nicht alles nachvollziehen weil ich nicht alle Stücke kenne, aber dann passiert es dass jemand postet... Ich mag dieses Stück oder jedes Stück und die anderen so, ah ja super.
00:57:24: Ja kenne ich euch klar.
00:57:25: Klar sicher!
00:57:26: Und dann schreibt er an das Nähre und für mich muss es dieses Stück sein und dann ist es schon lustig wenn du bist aber Kinky drauf oder du hast ja vorlieben.
00:57:34: Also das wird dann aus diesen Musikstücken auch sehr viel rausinterpretiert.
00:57:39: Auf jeden Fall dieser Debussy kommt oft vor Salome.
00:57:43: Richard Strauss wird auch genannt.
00:57:45: Na gut da gibt's den... Tanz der Sieben Schleier.
00:57:48: Insgesamt ist das ein perverses Stück, weil die Salome führt den Tanz der sieben Schleiher auf vor dem König Erodes, der verspricht wenn sie das macht – das ist eine klassische Strip-Dies sozusagen – dann kann sich sich wünschen was sie möchte und sie möchte den.
00:58:02: Kopf des Propheten Jochana.
00:58:04: Das ist vollkommen erzählt, das kommt auch nicht in Frage aber er muss auf einen Eid geschworen und so wird also Johannes der Teufel geköpft und die Salome bekommt auf einer Silberschüssel diesen Kopf serviert und küst ihn.
00:58:17: daraufhin lässt Herr Rhodes sie umbringen weil das ist sogar dem zu viel.
00:58:21: Also es ist ein voll perverses Stück von nach einer biblischen Geschichte von Oscar Wilde Gedichte dem übrigen auf Französisch was man nicht glaubt und von Strauß dann in der deutschen Übertragung vertont worden.
00:58:36: Und da steht mittendrin eben die Musik zu diesem Tanz der sieben Schleier, und diese ist natürlich auch expliziter als der Debussy – also schon viel klarer und drastischer als der Debussy!
00:58:50: Ist das erotische Musik?
00:58:52: Ganz klar hat ja auch genau diesen Zweck.
00:58:55: Muss man aber jetzt nicht reinspielen, glaube
00:58:57: ich.
00:58:57: Sie können sich sehr anhören, wenn Sie möchten.
00:58:58: Genau, den Tanz der Sieben Schleiher
00:59:02: Also von Wilhelm Sinkiewicz eher keine Empfehlungen durchzuhören hier.
00:59:07: Doch!
00:59:08: Nein, nein ich liebe das Stück nur, es dauert sieben Minuten und wir haben nicht so lange Zeit.
00:59:12: Wir spielen noch das nächste nicht vor weil wir darüber schon eine ganze Folge gemacht haben.
00:59:17: aber Ravels Bolero darf natürlich nicht unerwähnt bleiben.
00:59:23: Ja, genau.
00:59:23: Da gibt es auch einen Film Ten mit Bo Derek wo er auch in einer Sex-Szene genutzt wird das musikalische Untermalung.
00:59:29: ich habe es auch sehr lustige Geschichten gelesen von Menschen die darauf hin in die Plattengeschäfte gegangen sind und sich so ganz unverbindlich nach Bolero erkundigt haben.
00:59:40: also hat dann einen kleinen Hype genommen dieses Stück.
00:59:43: wir haben da vielleicht kann man's kurz noch mal wiederholen was wir in dieser Folge über den Bolero schon ausgiebig erzählt haben.
00:59:49: aber im Grunde ist es ein Ein sich ständig steigendes Crescendo bis zur Explosion.
00:59:55: Genau,
00:59:56: und das hat er so mit dem Liebespielen natürlich sehr viel zu tun.
00:59:58: Das ist keine Frage!
00:59:59: Also die Assoziation ist, sagen wir nicht weit hergeholt.
01:00:01: Nicht von irgendwohin?
01:00:02: Aber ich glaube
01:00:03: gar nicht, dass der Welt das ursprünglich beabsichtigt.
01:00:05: Er hat ein achtzehn-Taktelanges Fortissimo und danach nochmal achtzehntakte Fortissimo Possible da reingeschrieben.
01:00:13: Es ist ein ordentlicher Höhepunkt.
01:00:15: Und ja es gab auch eine Umfrage unter Spotify Nutzern im Jahr zwölf.
01:00:21: Da wurde gefragt, welche Musik die Menschen am liebsten bei sexuellen Begegnungen spielen würden.
01:00:27: Und zwar nicht nur Klassik sondern alles und der deutsche Musikwissenschaftler Daniel Müllensiefem hat das ausgewertet.
01:00:33: auf Platz eins war da Dirty Dancing Soundtrack auf Platz zwei Marvin Gay Sexual Healing also alles nicht so weit hergeholt.
01:00:41: auf Platz drei Ravel Spolier.
01:00:44: und der Musik-Wissenschaftler hat es nicht sehr verwunderlich gefunden.
01:00:48: ich zitiere ihn Es hat die perfekte Struktur, es ist siebzehn Minuten lang die richtige Länge für eine Sex-Episode und baut ständig Dynamik auf bis hin zu einem gewaltigen Crescendo.
01:00:58: Rhythmisch ist das repetitiv und enthält zwei Melodien, die sich immer wieder spiralförmig umeinander drehen.
01:01:05: Das ist doch auch eine schöne Beobachtung, dass sozusagen eigentlich ... Dass die sexuelle Begegnung auch programmatisch dargestellt wird!
01:01:12: Ja ja, man kannte es.
01:01:13: Es ist eine stylisierte Form einer Darstellung davon Marc stimmen, wie gesagt.
01:01:20: Ich bin gar nicht sicher, dass dem Ravel das so ursprünglich eingefallen war.
01:01:23: bei der Assoziation ist jedenfalls nicht weit hergeholt und eine lustige Sache ist drinnen.
01:01:29: Apropos Höhepunkt am Schluss dieses Stück wechselt die Harmonie siebzehn Minuten lang nicht und nur ganz am Schluss hebelt sich das aus weil aus dem vortwährenden C-Tour plötzlich E-Tur wird für ein paar Takte und dann stürzt alles wieder in C-Dur in sich zusammen.
01:03:23: Anschluss die Posaunen wie bei Shostakovic, der sechs Jahre später komponiert hat seine Lady Macbeth.
01:03:29: Also vielleicht hat er sich danach von Bolero irgendwo Inspiration geholt?
01:03:32: Und was man schon merkt ist da wiederholen sich gewisse Muster.
01:03:36: also Stilmittel, die erotische Begegnungen beschreiben sind schon sehr oft bei den Bläsern zu finden.
01:03:44: Ja, auf das auf jeden Fall.
01:03:47: Und auch sonst so die Melodiführung?
01:03:49: Die Steigerungsdynamik...
01:03:50: Steigerungstynamik auf jeden fall!
01:03:52: Das ist keine Frage, da ist immer drinnen und...
01:03:55: Vielleicht sagen wir es an die musikalische Rote oder den musikalischen Sex definiert sich schon sehr viel über das Hinstreben auf einen Höhepunkt und dann die Entladung sozusagen.
01:04:07: Aber das gilt natürlich auch für ein Adagio von Anton Bruckner wo man jetzt nicht unbedingt sexuelle
01:04:13: Ach, du gaffst es nicht.
01:04:14: Bruckner wurde in diesem Internetvorn häufig genannt!
01:04:17: Ja gut ich kann's mir vorstellen weil natürlich nach dem was Du jetzt gerade beschrieben hast natürlich ist das auch so... Das ist in mehreren Großen, wenn das Adagio der achten Bruckener dort hat ... und führt in drei großen Steigerungswellen zu einem gewaltigen Orgasmus mit ihr schon sagen?
01:04:35: Also natürlich kann man dass auch so deschiffrieren.
01:04:38: Man kann auch nicht einmal sicher sein, dass der Brückner das nicht auch so gesehen hat.
01:04:41: Der hätte es nur nie so gesagt.
01:04:43: Eher nicht, ne?
01:04:44: Als katholischer, braver oberösterreichischer ... ja, Komponist halt!
01:04:50: Aber genauso haben wir heute gesehen man kann auch Begehren ohne Höhepunkt ausdrücken.
01:04:54: Man kann noch das flimmern und das fleuren und die Anziehung sehr schön in Noten gießen
01:05:00: Absolut.
01:05:00: Und das ist natürlich das, was noch viel häufiger vorkommt und viel häufig eben dann auch entsprechend dechiffriert wird ob es nun so gedacht war oder nicht.
01:05:13: Natürlich Musik hat immer sinnliche Qualitäten und das hört jeder für sich
01:05:19: anders.
01:05:19: Wer ist der erotischste Komponist in der Musikgeschichte?
01:05:22: Das ist schwer zu sagen!
01:05:23: Also das kommt darauf an in der Subtilität sicher Mozart Und letztendlich natürlich, wie du vorher schon gesagt hast über Tristan.
01:05:35: und die Sollte von Richard Wagner geht nicht viel drüber.
01:05:40: Schein!
01:05:41: Vielen Dank!
01:05:43: Danke lieber Willi es war eine wunderbare Stunde.
01:05:45: Danke
01:05:45: liebe Katrin.
01:05:46: Ihnen meine Damen und Herren danke fürs Zuhören.
01:05:49: Wenn sie ihnen gefallen hat dann freuen wir uns über fünf Sterne in der App in der Sie unseren Podcast gerade hören.
01:05:54: Und wenn Sie Anregungen haben dann ein Mail am podcast at depresit.com.
01:06:00: Bis zum nächsten Mal.
01:06:17: Ciao!
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