Warum klingt Musik in Moll traurig?
Shownotes
Wie geht es Ihnen heute? Dur oder Moll? Die wörtliche Übersetzung dieser beiden musikalischen Geschlechter soll Sie hier nicht verwirren: Zwar heißt Dur im lateinischen Wortstamm „hart“ (und moll „weich“), aber wir alle wissen, welche Stimmung dabei musikalisch mitschwingt: Dur klingt freudig und erhaben, Moll hingegen melancholisch, ernster, leidvoll. Meistens zumindest.
Aber warum eigentlich? Wilhelm Sinkovicz und Katrin Nussmayr analysieren, was hinter diesen Stimmungen steckt und wie kleinste Details eine Melodie verändern können. Warum drückt es die Stimmung, wenn man einen bestimmten Ton drückt? Was erzählt die Häufigkeit von Dur und Moll über eine Gesellschaft, einen Komponisten und seine Zeit? Dabei gibt es natürlich einiges zu hören, von Klassik bis Pop – auch Gegenbeispiele, die zeigen, dass es fröhliche Tänze in Moll und sogar einen Trauermarsch in Dur geben kann. Eine Spritztour durch die Welt der musikalischen Emotionen, vorbei an verbotenen Akkorden, überraschenden Effekten und „Terzen, die schmerzen“.
Über den Podcast In „Klassik für Taktlose“ ergründen "Die Presse"-Feuilleton-Redakteurin Katrin Nussmayr und Klassikkritiker Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik: Braucht jedes Orchester einen Dirigenten? Warum verstört Richard Wagner so? Was war an Mozart eigentlich so toll? Wie viel Klassik steckt in „Bohemian Rhapsody“ oder Taylor Swift? Für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.
Produktion: Wilhelm Sinkovicz / www.sinkothek.at Audio-Finish: Georg Gfrerer / www.audio-funnel.com.
Transkript anzeigen
00:00:04: Klassik für Taktlose.
00:00:10: Mit Katrin Nussmaier und Wilhelm
00:00:12: Sinkowitsch.
00:00:20: Lieber Willi, wie geht's dir heute?
00:00:22: Dur oder Mol?
00:00:24: Ja, eigentlich geht's mir dur.
00:00:26: Ja, mir geht's auch ganz dur.
00:00:28: Bisschen leises Dur vielleicht, weil es ist schon spät.
00:00:30: Dur
00:00:31: heißt ja eigentlich hart und Mol heißt weich.
00:00:35: Ist das so?
00:00:36: Ah, okay, also vom Wortstamm her tatsächlich.
00:00:39: Das entspricht nicht unbedingt dem, wie wir es assoziieren, wenn es um die musikalische Emotion geht, die da mitschwingt, oder?
00:00:48: Ja, das stimmt.
00:00:48: Also es ist so, dass, wenn man es jetzt auf einen ganz simplen einen herunterbrechen möchte, muss man sagen, du ist lustig und mal ist traurig.
00:00:58: Stimmt natürlich, hint und vor nicht, wie alle diese knappen Formulierungen, aber im Wesentlichen ist es schon so, dass man... Prinzip auf Moll eher melancholisch reagiert und auf Duer eher freudig.
00:01:13: Aber es gibt für alles immer Gegenbeispiele.
00:01:16: Dann wollen wir genau diesen Mythos und dieser Theorie wie auch den vielen Gegenbeispielen heute mal auf den Grund gehen in dieser Folge von Klassik für taktlose.
00:01:23: Kann man grundsätzlich sagen, dass es zwei Geschlechter in der Musik gibt mit Duer und Moll?
00:01:28: Ja, es gibt zwei Tongeschlechter wie das heißt, also Duer und Moll.
00:01:32: Es gab früher viel mehr.
00:01:35: Also bis ins Mittelalter, herauf und in die Renaissance, herauf, hat Tuh und Moll so überhaupt nicht gegeben.
00:01:40: Das kommt erst in der, sagen wir, Kunkranosalys, kann man sagen, in der Bachzeit gibt es dann Stücke in Tuh und Stücke in Moll, sieht man schon bei Bach im wohl temperierten Klavier, wo er sozusagen einen ganzen Kosmos entwirft.
00:01:53: und das sind Stücke jeweils in Tuh und Moll.
00:01:55: Davor hat man sich an den sogenannten Kirchentönen orientiert und das ist immer ewewissen.
00:02:02: Lernen wir in der Schule hoffentlich noch, dass der Unterschied zwischen Tur und Moll einmal technisch gesprochen ist, dass bei Tur der Halbton in der Skala, in der siebenteiligen Skala zwischen Dritten und Viertem und Siebem und Achtenton liegt, also in C-Dur ist es CDEF, G-A-H-C, in Moll.
00:02:21: Wenn wir ohne Vorzeichen auskommen, müssen wir nach A gehen, eine kleine Terze tiefer.
00:02:26: Also fangen wir mit an A, H, halb Ton auf C. Also der halb Ton liegt zwischen zweiter und dritter Stufe und dann zwischen fünfter und sechster Stufe.
00:02:36: Das heißt, im Grunde sind die Positionen auf der Tonleiter verschoben.
00:02:40: Ja.
00:02:41: Die Abstände zwischen den einzelnen Tönen sind unterschiedlich verteilt.
00:02:46: Und in einer Naturtonleiter, wenn wir bei einem Ton beginnen, haben wir eine Verteilung, die eben dieser Verteilung entspricht, dass wir zwischen dem dritten und dem vierten einen kleineren Abstand haben.
00:02:57: Und bei der Molltonleiter sind diese kleineren Abstände an anderen Stellen.
00:03:02: Genau.
00:03:03: Ja.
00:03:03: Und es ist jetzt so, also bei allen verschiedenen Tonarten oder Tönen, wie das früher gereist hat, war es so, dass jeweils die Lage der Halbtöne Im Gegensatz zu den Ganztönen bestimmt hat das Ton geschlecht, also gab es mehrere.
00:03:21: Jetzt bleiben wir bei den weißen Tasten.
00:03:24: für alle, die eine Ahnung von der Klavier-Tastatur haben, sagen wir, also auf C beginnt die Durtonleiter.
00:03:29: Von
00:03:29: C bis K nur weiße Tasten, dann haben wir Durtonleiter.
00:03:31: Genau, es gibt
00:03:32: keine andere Durtonleiter, wo ich beginnen kann mit irgendeinem Ton und nicht irgendeine schwarze Taste, um die richtigen Halbtonfolge zu haben.
00:03:41: Also wenn wir auf D beginnen, dann hätten wir die Dorische.
00:03:46: Tonleiter.
00:03:47: Das ist eine von diesen Kirchentonen,
00:03:49: die
00:03:49: keiner mehr benutzt, aber die gab's mal.
00:03:51: Daher
00:03:51: kommt manchmal vor, also ich glaube gerade im Unterhaltungsmusikbereich kommt das schon vor, das sind dann so ein bisschen fremdartigen Färbungen.
00:03:59: Also Dorisch kommt sehr wohl vor, Frühig kommt vor, das beginnt auf E, da ist der Halbton sofort.
00:04:05: Und das ist aber eine Kadenz, wenn ich zurückkomme mit einer Melodie, wenn der Halbton über dem Grundton liegt.
00:04:13: Das ist etwas, was wir schon noch akzeptieren, was unser Ohr akzeptiert, weil wir es doch aus früherer Zeit irgendwie noch in den Genen haben.
00:04:22: Dann lydisch beginnt auf F. Da kann jeder Klassik-Freund, der Lust hat dazu, einmal hineingehen in das Streichquartett von Beethoven, ob es unter
00:04:34: .,
00:04:35: .,
00:04:36: das hat als langsamer Satz einen Dank.
00:04:39: Gesang des Genesernen an die Gottheit in der lydischen Tonart.
00:04:44: Und das ist wirklich lustig.
00:04:45: Da lernen wir, wie verbildet wir letztlich schon sind durch unsere Fixierung auf Dur und Moll.
00:04:53: Also wenn wir diese Musik hören.
00:04:55: haben wir immer das Gefühl, dass es an anderen Stellen aus sein müsste, als die Phrasen dann aus sind.
00:05:02: Da kommen wir zu Ende und dann spült er noch weiter und kommt auf einen anderen Grund und das kommt uns sehr, sehr fremd.
00:05:08: Wir sind so magnetisch hingezogen zu einem bestimmten Ton, den wir als Basis begreifen, auch wenn es verschoben ist.
00:05:15: Genau.
00:05:17: Das sind diese verschiedenen Tonarten.
00:05:22: Sagt man Tonarten oder Tongeschlechter dann dazu?
00:05:24: Ja,
00:05:24: Tonarten.
00:05:25: Und bei Du und Moll, der zentrale Unterschied am stärksten, auffällt, ist ja die Terz, also der dritte Ton.
00:05:34: Vielleicht hören wir uns da kurz einen Dreiklang an von Du, quasi der Donauwalzerbeginn.
00:05:43: Donauwalzer ist der beste Beweis, wie hört man Du?
00:05:50: Das ist sozusagen eins, drei und fünf auf.
00:05:53: Der Herr Thonleiter.
00:05:54: Die Stufe eins, drei und fünf.
00:05:56: Wenn wir jetzt die dritte Stufe, also die Terz, ein bisschen herabsetzen um einen Halbtron.
00:06:04: Kommt da etwas ganz anderes heraus.
00:06:05: Das klingt jetzt schon ein bisschen trauriger.
00:06:08: Es klingt sofort trauriger und das ist eben das.
00:06:11: Es stimmt schon.
00:06:12: In vielen Fällen
00:06:13: stimmt es.
00:06:14: Und woran liegt das?
00:06:14: Warum nehmen wir das als melancholischer, als düsterer wahr?
00:06:21: Es ist diese Zuschreibung bestimmter Charaktere.
00:06:24: zu bestimmten Tonarten, die gab es eigentlich schon in der Antike.
00:06:31: Was sich kriegerische Gesänge waren in einer bestimmten Grundtonfreudengesänge.
00:06:38: Und das war, wenn man das heute studiert, es war ganz anders.
00:06:43: Also die Zuschreibung war ganz anders als wir sonst vorstellen können.
00:06:46: Das heißt, die haben einfach anders getickt.
00:06:48: Die haben eine andere Hörgene gehabt als ...
00:06:51: Aber im Moment höher gehen.
00:06:52: Heißt das jetzt eigentlich, dass das kulturell erlernt ist?
00:06:55: Oder ist da doch ein biologischer Faktor, der dem zugrunde
00:06:59: liegt?
00:06:59: Es gibt Erklärungen für beides.
00:07:01: Das muss man ganz ehrlich sagen.
00:07:04: Ich glaube aber schon, dass die Sozialisierung sozusagen da ein Gerüttelmas mitzureten hat.
00:07:11: Und wir einfach sozialisieren.
00:07:13: Und wenn wir den Anfang der G-Moll-Symphonie von Mozart hören, dann werden wir immer sagen, das ist Melancholie.
00:07:47: Es ging auch ernst da.
00:07:49: Ärzter
00:07:50: ist etwas in Dur, das ist keine Frage, auch tragische Effekte.
00:07:56: Also zum Beispiel unvorstellbar, dass eine Oper wie Don Giovanni in Dur beginnen könnte.
00:08:02: Das, wie sie beginnt, ist ganz typisch demal.
00:08:38: Da wissen wir mit dem ersten Schlag, das ist jetzt nicht nur lustig, was da jetzt kommt.
00:08:43: Vielleicht gar nicht, vielleicht ein bisschen, aber jedenfalls am Ende des... Tages steht er tot.
00:08:49: Es ist fast so, als würde diese gedrückte Terz auch die
00:08:52: Stimmung drücken.
00:08:53: Ja, das kann schon sein.
00:08:54: Ja, ja, ja.
00:08:54: Also ich, wie gesagt, es gibt Erklärungen sowohl für das eine, wie für das andere.
00:08:59: Es gibt allerdings auch Beispiele für Musik, die in Durst steht und die eine unendliche Traurigkeit vermittelt.
00:09:09: Ganz berühmtes Beispiel.
00:09:11: Der Orphais bei Glück.
00:09:13: Problem, er verliert sie noch einmal.
00:09:16: Also am Ende?
00:09:18: Ja, am Ende.
00:09:18: Und dann singt der Ari, ich habe sie verloren.
00:09:21: Okay, Frau Rosens, erridige heißt das, also was mache ich ohne erridige, ja?
00:09:26: Das steht in C-Tour.
00:10:35: Das ist zutiefst traurige Musik.
00:10:38: Es kommt nicht nur darauf an, wie man es singt, das ist natürlich auch entsprechend interpretiert, aber... Das erzählt nichts Lustiges, das ist keine lustige Geschichte.
00:10:48: Es gibt sogar, also im Barock, bei Handel, im Saal, im Oratorium, gibt es einen Trauermasch, der steht in C-Tour.
00:10:56: Und Nicolas Arnancourt hat mir gesagt, ist die traurigste Musik, der erschütterndste Trauermasch, den er überhaupt kennt.
00:12:04: Wie viel Macht da, glaubst du, die Melodieführung und die Langsamkeit aus?
00:12:08: Könnte man dieselbe Melodie nicht auch ... schneller und beschwingter spielen und dann wird sich ein ganz anderes Weg.
00:12:15: Kann man?
00:12:16: Ich bin nicht ganz sicher, ob es dann lustiger wird.
00:12:20: Also es wird sicher weniger getragen, weniger... Also das ist ganz eindeutig ein Traumarsch, so viel was da her.
00:12:26: Natürlich kann man den schneller spielen.
00:12:28: Aber lustiger wird, weiß ich nicht.
00:12:30: Aber es gibt zum Beispiel Musik in Moll, die sicher nicht traurig
00:12:33: ist.
00:12:33: Ja, das wollte ich dich auch schon fragen.
00:13:24: Da ist man auch ja besser aufgelegt, das vorher, denke ich.
00:13:26: Was war das?
00:13:27: Das ist der Schluss, der letzte Satz der Orchester Suite in H-Moll von Johann Sebastian Bach heißt Badinari, also eine Spielerei.
00:13:36: Aber es ist dann doch auch, also ich will dir jetzt nicht widersprechen, dass das lustig wäre, aber es ist keine ganz ungetrübte Heiterkeit, das ist schon ein gewisser ernsthafter Touch.
00:13:46: Ja, aber den haben wir bei Bach ja praktisch immer drinnen, auch wenn er in A durchschreibt.
00:13:50: Das
00:13:51: heißt, ganz einfach können wir es nicht sagen, dass alles was freudig ist, du ist und alles was Ernst und Leidvolles in Moll
00:13:59: steht.
00:14:01: Das geht nicht.
00:14:02: Ich habe ein lustiges Beispiel gefunden.
00:14:05: aus der neueren Literatur.
00:14:07: Gottfried von Einem, der österreichische Komponist, hat ein Ballett geschrieben namens Medusa.
00:14:12: Und da kommen in der letzten Nummer Akkorde vor, die schneidenscharf sind.
00:14:17: Und wo man sehr gut hören kann, den Wechsel.
00:14:21: Alle diese Akkorde bestehen aus der Mischung aus Dur und Moll.
00:14:25: Nur einmal liegt die Molltärz oben und die Dur-Tärz unten.
00:14:31: Und einmal liegt die Durterts oben und die Malterts unten.
00:14:35: Und da ist ein lustiger... Ein lustiger... Also das ist wie wir so...
00:14:38: Es wird gleichzeitig
00:14:39: gespielt.
00:14:39: In der Oberstimme.
00:14:40: Es wird gleichzeitig gespielt.
00:14:41: In diesem Akkord.
00:14:42: Und der höchste Ton ist dann... Also der höchste Ton ist quasi... Also nehmen wir es in C-Mol.
00:14:48: Oder in C. Also Grundton C, dann haben wir einen Akkord, der besteht aus, sagen wir, C-E-G, C, noch einmal, S. Was
00:14:58: ist C-Dur?
00:14:59: Das darf man eigentlich nicht.
00:15:01: Es ist verboten und in der neuen Harmonielehre ist es so.
00:15:07: Also wenn du jetzt sozusagen die Terz nach unten legst, wenn du machst E, G, C, S von unten nach oben, dann hast du die Durterz unten liegen und die Molterz oben, das geht.
00:15:21: Wenn du die S, G, C und E oben machst, dann ist es wirklich eine scheißliche Dissonanz.
00:15:29: Das ist
00:15:29: ja schon die selben Töne.
00:15:30: Es sind die selben Töne, ja.
00:15:32: Nur
00:15:32: die Frage ist, welchen Finger man auf der Tastatur wohin legt.
00:15:35: Welcher
00:15:36: liegt oben, welcher liegt unten?
00:15:37: Das ist unglaublich wichtig, weil je tiefer der Ton, desto fundamentaler ist er für unser Harmonieempfinden.
00:15:46: Stimmt auch nicht immer, aber meistens.
00:15:48: Und es ist ganz lustig, wenn man das Stück von einem hört, wird man merken, das ist immer, das reibt sich immer.
00:15:55: Manchmal reibt sich es ein bisschen ärger und dann manchmal ein bisschen weniger arg.
00:15:57: Und das ist dann, dass weniger arg ist, wenn die Maltdärz oben liegt.
00:16:19: Ist das wirklich der gleiche Akkord, den wir dann mehrmals hintermühen?
00:16:21: Ja, aber in einer anderen Umkehrung sozusagen.
00:16:23: Es
00:16:23: klingt ganz anders.
00:16:24: Es klingt ganz anders.
00:16:25: Es klingt einfach ganz andere Töne.
00:16:27: Die Turddärz oben.
00:16:29: Schmerzt und die Molderz oben, das nimmt man zur Kenntnis.
00:16:32: Es ist ganz, ganz lustig.
00:16:33: Stravinsky, der ja gegen alles aufmüpfig war, hat immer gesagt, ja, ich weiß, dass das verboten ist, ich vorwärts trotzdem.
00:16:40: Und einem hat er mir beides gemacht, nicht?
00:16:44: Ist sehr selten.
00:16:45: Also das ist ein ganz witziges Beispiel.
00:16:46: Ich bin froh, dass ich das gefunden habe, weil das hat mich immer schon fasziniert, wenn ich diese Musik gehört habe, dass jemand sich das getraut hat.
00:16:53: Ganz schön aufmüpfig.
00:16:55: Es gibt einen... Ein ganz berühmtes Beispiel, das spielen wir jetzt vielleicht auch noch ein, wo in einer Symphonie, nämlich der sechsten Symphonie von Gustav Mahler, dieser Wechsel von Tour nach Moll wirklich ganz sinnfällig wird.
00:17:09: Es ist ganz einfach.
00:17:10: Da kommt ein Rhythmus und dann spielt das ganze Orchester zuerst den Tour-Accord und erfärbt sich dann nach Moll.
00:17:26: Schön, das funktioniert so gut.
00:17:29: Also so ein Effekt, der holt einen ab und versetzt einen in eine neue Stimmungslage.
00:17:36: Ich
00:17:38: hörte das mal an.
00:17:38: Ich spiele etwas vor aus dem großen Feld der Popmusik, wo eigentlich genau das selbe Effekt angewandt wird.
00:17:46: Nämlich eine der schönsten Akkordfolgen des Pop, wie ich meine.
00:18:25: I don't belong here heißt die Zeile in diesem Lead Creep von Radiohead und genau in diesem Moment schwankt die Tonart von do or mall.
00:19:23: Ja,
00:19:23: das ist sehr schön angewendet.
00:19:25: Und man hat sofort diese Zerrissenheit, eben dieses I don't belong here.
00:19:30: Man hat sofort was rausgerissen und weiß, wie heimatlos.
00:19:33: Ja, absolut, nein.
00:19:34: Das funktioniert sehr gut.
00:19:36: und da funktioniert dieses Kindchenschema sozusagen, mal ist traurig, der mal macht uns melancholisch, funktioniert in solchen Fällen sehr gut, weil wir hören ein Durlied.
00:19:48: Und plötzlich kommt diese Molleintrübung, so heißt es auch in allen Programmheftexten, eine Molleintrübung ist immer eine Eintrübung.
00:19:56: Und es ist auch meistens eine Eintrübung.
00:19:58: Also das stimmt schon.
00:19:59: Also im Prinzip ja, aber wir haben gesehen, es gibt auch das Gegenteil.
00:20:03: Okay, was sagen denn eigentlich diese Eintrübungen über das Leben der Komponisten und ihre Zeit?
00:20:09: Gab es da Epochen, wo Moll beliebter oder weniger beliebt war?
00:20:14: Nein.
00:20:15: Nein, also es ist so, dass es Komponisten gibt, die relativ wenig in Malt komponiert haben.
00:20:21: Also Mozart zum Beispiel ist ein Komponist, auch Haydn ist ein Komponist, da muss man die Maltstücke, also die Hauptvorschreibung, eine Maltonart haben, die muss man wirklich mit der Lupe suchen.
00:20:33: Also bei Mozart ist er sensationell, zwei Symphonien in G-Mol geschrieben, aber im Wesentlichen gibt es bei Mozart Tour, sagen, aber ... Es ist immer so, diese Molleintrübungen, die sind bei Mozart und auch bei Haydn, natürlich sind die oft wirklich, also die gehen ans Existenzielle.
00:20:56: Kann ich auch ein Beispiel bringen, zum Beispiel hören wir hinein, das ist jetzt gut zwei Minuten zu hören, in die Introduktion, in die Einleitung der sogenannten Prager-Symphonie strahlendes Detour eigentlich und wie sich das plötzlich langsam oder Auch je, je nachdem, wie sie da kommen, diese wirklichen Eintrübungen, dann plötzlich merken wir, oh, da sind aber auch die Dämonen am Werk.
00:22:34: Und das Tolle daran ist, dass Mozart diese Spannung, die er da aufbaut, man anzieher wirklich nicht.
00:22:41: Das ist eine sehr, das kann eine prächtige, festliche Sympfordie mit Backen und Trompeten sein.
00:22:45: Plötzlich kommen diese Klänge rein, wo man sagt, oh, das kann auch schlechter ausgehen.
00:22:50: Also da kommt schon fast die Dongewanderstimmung, aber am Anfang haben wir gesagt, gut gehört nicht.
00:22:55: Er löst das natürlich ein, weil der schnelle Teil dieses Satzes beginnt wieder im Dur, das ist wieder sehr fröhlich, sehr bewegt, aber dann im Mittelteil, in der sogenannten Durchführung, da kommen die Gespenster wieder zurück.
00:23:08: Also, da wird eine kleine, er war halt ein Musikdramatiker, auch im Konzertsaal, und da werden dramatische Spannungen aufgebaut und gelöst.
00:23:17: Also, diese Symphonie schließt mit einem furiosen, spaßigen, witzigen, spritzigen Stück.
00:23:24: Aber zwischendurch gibt es eben auch, gibt es auch Moll.
00:23:28: Man kann das auch umdrehen.
00:23:30: Jetzt haben wir schon den Trauermasch aus dem Saal von Händel besprochen.
00:23:35: Einer der berühmtesten Trauermärsche ist natürlich der Trauermasch in der Göttertebaru nach dem Siegfried ermordet wurde.
00:23:43: Und der beginnt also sowas von in Moll.
00:23:45: Das gibt es gar kein zweites Mal.
00:24:04: Das ist sehr Moll.
00:24:52: Ja, das
00:24:52: ist sehr Moll.
00:24:54: Und das entwickelt sich natürlich aus einer enormen Steigerung.
00:24:57: Aber auf dem Höhepunkt kommen diese wuchtigen Schläge wieder und plötzlich sind wir in strahlenden Tur.
00:25:05: Also es ist quasi die Verklärung oder so.
00:25:08: Und trotzdem kommt man nicht auf die Idee, dass das jetzt kein Trauermarsch sein könnte.
00:26:16: Gehört zu den ersten Erlebnissen, die man machen kann.
00:26:19: Ersten Klang-Erlebnissen, die man in einem Opernhaus machen kann.
00:26:23: Eine Steigerung, die es sechs eineinhalb Minuten geht und dann kommt... diese Entladung.
00:26:27: Und das sind aber dieselben Figuren wie am Anfang, diese Schläge, diese wuchtigen Schläge, die zuerst, wie gesagt, sowas von in Moll sind.
00:26:34: Und jetzt sind sie in Duhr.
00:26:35: und trotzdem, das ist Siegfried Strahm, hast du keine Frage?
00:26:38: Ja,
00:26:38: genau.
00:26:39: Gut, das heißt, mit Duhr und Moll standen den Komponisten und stehen den Komponisten auch heute zwei wichtige Instrumentarien zur Verfügung.
00:26:45: Und es ist nicht so schwarz und weiß.
00:26:48: Apropos Dur-und-Moll-Accord, ein kleiner Fun-Fact aus der Popmusik, es gibt da eine Studie, die ist erschienen in einem Journal der American Psychological Association.
00:26:59: Und da haben sich Forscher angeschaut, wie in der Pop-Musik, genau genommen in den Top-Fordier, also in den Charts, sich die Verteilung von Dur und Moll über die Jahrzehnte verändert hat.
00:27:09: Das
00:27:10: ist interessant.
00:27:10: Und da hat sich viel getan.
00:27:12: Also das ist schon einige Jahre jetzt her, dass Sie das erfasst haben.
00:27:15: Das heißt, wir haben jetzt nicht über die aktuellsten Pop.
00:27:19: Über die letzten Pop-Jahre haben wir da keinen Aufschluss.
00:27:22: Aber es hat sich wirklich was getan.
00:27:23: In den Sechzigern waren eighty-fünf Prozent der Hits in Tour geschrieben.
00:27:29: In den zweitausender Jahren nur noch vierzig Prozent.
00:27:32: Da gab es schon mehr Moll als Tour-Songs.
00:27:35: Wir haben nichts mehr zu lachen.
00:27:36: Ja, entweder das oder die Pop-Komponisten sind auch einfallsreicher geworden, was den Einsatz und vielleicht auch virtuoser geworden, was den Einsatz von verschiedenen Tonarten anlangt.
00:27:48: Oder es ist wirklich... betrüblicher geworden.
00:27:51: oder was eine Vermutung der Forscher ist, also eine Theorie, die sie da äußern, dass die Künstler auch deswegen zunehmend Moll nutzen, um ernsthafter und reifer zu wirken, weil Duer oft als banal oder ein bisschen kinderlithaft empfunden wird.
00:28:06: Also irgendwas ist dann vielleicht doch dran, dass man mit Moll auf jeden Fall geheimnisvoller und interessanter wirken kann.
00:28:12: Dann würde ich sagen, wir verabschieden uns heute in Moll, meine Damen und Herren.
00:28:15: Aber wir wünschen trotzdem einen Durtag, was nicht heißt kein... einen harten Tag.
00:28:21: Ja, aber es ist schön.
00:28:23: Und wenn es Ihnen gefallen hat, bitte geben Sie uns fünf Sterne in der App, in der Sie uns jetzt gerade gehört haben.
00:28:29: Und schreiben Sie uns gerne auf podcastatdepresse.com.
00:28:32: Wenn Sie ein drittes Ton geschlecht entdeckt haben, damit wir da auch einen Podcast drüber machen können.
00:28:37: Danke fürs Zuhören.
00:28:54: Ciao!
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