Musiksalon: E. T. A. Hoffmanns Erzählungen
Shownotes
Literarisch-musikalisch-politische Betrachtungen zur ungeheuren Wirkung der Werke des im Jänner 1876 in Königsberg geborenen Dichters auf die Komponisten von Robert Schumann bis Gustav Mahler und die Moderne.
Aufnahmen mit Anna Netrebko, Elina Garanca und Placido Domingo (,,Hoffmanns Erzählungen" - DG bzw. Orfeo), Vladimir Horowitz (Kreisleriana - CBS) und Arturo Benedetti-Michelangeli (Faschingsschwank - DG), Sir Simon Rattle (,,Nussknacker" - Berliner Philharmoniker), Herbert v. Karajan (,,Coppelia" - DG), Friedrich Gulda und Horst Stein (Beethoven - Decca), Kölner Akademie (Symphonie - cpo), Leonard Bernstein (Mahler - DG), Dietrich Fischer-Dieskau (,,Cardillac" - DG).
Über den Podcast: „Musiksalon“ "Presse"-Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz präsentiert seine Lieblingsaufnahmen und lädt uns ein, mit ihm in seiner Klassiksammlung zu wühlen und einzudringen in die Geheimnisse von Mozart, Bach, Beethoven und anderen. Ein Podcast für Kenner und Neulinge. Jeden zweiten Samstag auf der Webseite der "Presse" und überall, wo es Podcasts gibt.
Alternierend mit dem „Musiksalon“ erscheint der Podcast „Klassik für Taktlose“, in dem Katrin Nussmayr und Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik ergründen: für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.
Produktion: Wilhelm Sinkovicz/www.sinkothek.at Audio-Finish: Georg Gfrerer/www.audio-funnel.com. Redaktion/Konzeption: Anna Wallner Grafik: Adobe Stock
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren!
00:00:23: Die Pfarten des Musiksalons öffnen sich heute zur Feier des zweihundertfünfzigsten Geburtstags eines großen Poeten.
00:00:34: Eines Poeten, der nicht nur einer der bedeutendsten Dichter seiner Epoche gewesen ist, sondern der auch einen fixen Platz.
00:00:43: in der Musikgeschichte erobern konnte.
00:00:47: Und das war E.T.A.
00:00:48: Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus, hat er sich genannt.
00:00:53: Geboren wurde er im Jänner, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, aus Jena, komponiert, aber das war nicht der Hauptgrund, warum auch Musikgeschichtsschreiber immer wieder auf diesen Namen stoßen.
00:01:23: Vor allem hat Ithia Hoffmann mit seinen romantischen Erzählungen die immer ans übersinnliche Rühren Generationen von Komponisten inspiriert.
00:01:34: Die musikalischen Welten eines Robert Schumann aber auch eines Gustav Mahler wären ohne Hoffmann gar nicht denkbar.
00:01:44: Als Titel hält, ist Hoffmann in eines der größten romantischen Musiktheaterwerke eingegangen, nämlich in Tenorgestalt, in Jacques Offenbachs Hauptwerk Hoffmanns Erzählungen.
00:02:00: Diese Oper markiert den Höhepunkt der musikalischen Wirkungsmacht dieses Mannes und es hat ihn der so viel über die Doppelbödigkeit der menschlichen Existenz philosophiert hat, und der als Dichter aus dem Kanon der deutschen Literatur nicht wegzudenken ist, eine Art zweiter Unsterblichkeit gesichert.
00:05:07: Anderne Trebko und Elina Garantscha mit der berühmtesten Nummer aus Hoffmanns Erzählungen, der sogenannten Barcarole, scheinbar harmlose Einfach schöne Musik, aber auf Hoffmanns Erzählungen kommen wir noch zurück.
00:05:23: Harmlos wirkt ja auch, was wir von E.T.A.
00:05:26: Hoffmanns eigenen Kompositionen überliefert haben.
00:05:30: Er war ja zunächst einmal Musiker ausgebildeter Jurist, allerdings der auch etliche Verwaltungsposten bekleidet hat, aber auch Kapelmeister und eben Komponist.
00:05:46: Also gerade im geteilten Polen eine juristische Stelle bekleidet hat.
00:05:52: Da hat dazu Feier des Geburtstags des Preußischen Königs in Warsaw eine Symphonie beigesteuert.
00:06:00: Und die klingt nun gar nicht so wie man sich eine Symphonie des großen romantischen Poeten vorstellt, sondern eigentlich ganz klassisch inspiriert.
00:06:11: Am ehesten noch wie eine vor Wegnahme der späteren frühen Symphonien von Franz Schubert.
00:06:18: Aber der war ja damals noch ein Kind.
00:06:21: Das große Vorbild war immer Mozart für E.T.A.
00:06:25: Hoffmann.
00:06:26: Aber was die Symphonien betrifft, da meinte er, heiden soll mein Vorbild sein.
00:06:33: Das kann man auch hören.
00:08:18: Bleiben wir bei den sozusagen ungefährlichen musikalischen Ausdeutungen.
00:08:25: der Dichtungen von E.T.A.
00:08:27: Hoffmann.
00:08:28: Berühmt geblieben ist die Geschichte von Nussknacker und dem Mausekönig.
00:08:36: Eine Erzählung, die aus den letzten Jahren zum ersten Mal erschienen ist und drei Jahre später dann in die damals viel geläserne Sammlung dieser Rapionsbrüder aufgenommen wurden.
00:08:49: Die Geschichte war Insofern aus dem wirklichen Leben gegriffen, als die Personen, die da zu erleben sind in dieser Erzählung, die haben alle existiert.
00:09:00: Im verwandten und bekannten Kreis von E.T.A.
00:09:04: Hoffmann.
00:09:05: Aber sie erleben im Märchen traumverlorene Abenteuer und auch Verwandlungen.
00:09:10: Und das ist ganz typisch.
00:09:12: Die Realität war wichtig für die Dichter jener Epoche.
00:09:17: Aber noch viel wichtiger war die Verstrickung des Menschen in die Welt des Übersindlichen, dessen, was man nicht erklären kann, was wir aber in unseren Träumen ununterbrochen um- und in uns rauben.
00:09:34: Die Geschichte vom Nussknacker und dem Mausekönig ist immer wieder auch literarisch verwertet worden, unter anderem in einer französischsprachigen Version von Alexandre Duma, dem Älterem.
00:09:46: der das eighteenhundertfünfundvierzig herausgebracht hat.
00:09:51: Das war die Vorlage für das berühmte Ballett der Nussknacker von Piotr Litsch Tchaikovsky.
00:09:59: Duma rückt ein wenig ab von der sinistren Welt des ETA Hoffmann.
00:10:06: Und fürs Ballett Libretto ist die Geschichte dann noch harmloser gemacht worden.
00:10:11: Sozusagen kindgerecht, wenn man so möchte.
00:10:14: Und das ist wohl auch der Grund.
00:10:16: warum wir die Geschichte nach wie vor mit Freude in unseren Oppenhäusern erleben.
00:10:24: Tchaikovsky hat die Erzählung zu herrlicher Musik inspiriert und zu Musik, die die Erzählung auch nach Deutschland in den Ursprungsort also zurückholt.
00:10:37: Da wird zum Beispiel im ersten Bild am Ende, nachdem der ganze Zauber des Weihnachtsfestes vorbei ist, der sogenannte Großvater-Tanz getanzt.
00:12:00: Der Großvater-Tanz.
00:12:03: Die Melodie kennen wir alle aus dem Lied des Klapper die Mühle am Rauschenden Bach.
00:12:08: Eine neue Textierung dieser Melodie.
00:12:12: Das war halt ein altes deutsches Lied.
00:12:16: Und der ursprüngliche Text gehe ungefähr so.
00:12:19: Als der Großvater die Großmutter nahm, da war der Großvater ein Bräutigam.
00:12:24: Und die Großmutter war eine Braut.
00:12:27: Da wurden die beiden zusammengetraut.
00:12:30: Und auf das folgt dann der schnelle Abgesang.
00:12:33: Mit dir und mir ins Federbett, mit dir und mir ins Stroh, da sticht dich keine Feder nicht, da beißt dich auch kein Floh.
00:12:43: Bei Hochzeiten in Deutschland hat man dieses Lied regelmäßig gesungen und dazu natürlich getanzt, meistens am Schluss des Hochzeitsfestes.
00:12:51: Die Texte haben dann variiert und sie sind auch natürlich um höchst zweideutige Strophen bereichert worden.
00:12:59: Die Musik hat allerdings bald auch politische Kornotationen angenommen.
00:13:04: Warum wir das wissen?
00:13:06: Gerade in E.T.A.
00:13:08: Hoffmanns Ära Während der napoleonischen Kriege hat die Melodie offensichtlich Signalcharakter gehabt.
00:13:17: Wir hören das unter anderem in Ludwig van Beethovens fünftem Klavierkonzert.
00:13:22: Beethoven war eines der großen Idole von E.T.A.
00:13:26: Hoffmann.
00:13:26: Er hat auch eine sehr detaillierte Besprechung der fünften Symphonie verfasst, die Beethovens Gefallen gefunden hat sogar.
00:13:37: Und er kannte natürlich auch dieses Klavierkonzert, das im englischsprachigen Raum nicht von ungefähr das Kaiserkonzert genannt wird.
00:13:48: Unzählige Plattenkaver zeigen den Franzosenkaiser Napoleon.
00:13:54: Und das scheint quer zu stehen.
00:13:57: zu den politischen Überzeugungen von Beethoven, der ja ursprünglich ein verehrer Napoleon war, aber als der sich zum Kaiser gekreunt hat, da hat er die Widmung der dritten Symphonie der sogenannten Eroika, die ursprünglich geschrieben auf Bonaparte heißen sollte, wütend herausgekratzt.
00:14:17: Was Beethoven aber wichtig geblieben ist, das waren die Ideale der französischen Revolution.
00:14:23: Freiheit.
00:14:24: Gleichheit und Brüderlichkeit.
00:14:28: Und er fand natürlich in dem Moment, wo Napoleon, der ursprünglich für diese Ideale gekämpft hatte, sich zum Kaiser gegrönt hat, da war es natürlich vorbei mit diesen Idealen.
00:14:41: Und tatsächlich ist das Konzert entstanden in jener Zeit, als die napoleonischen Truppen gerade wieder einmal Wien eingenommen haben.
00:14:51: Beethoven hat das Bombardement erlebt.
00:14:53: Genau.
00:14:54: während der Komposition des S-Dur-Konzerts.
00:14:59: Und wie die fünfte Symphonie der Analyse sich E.T.
00:15:02: Hoffmann so angelegentlich gewidmet hat, endet ja auch dieses S-Dur-Konzerttriumphal und unverkennbar im heroischen Ton mit einer Hymne an die Freiheit.
00:15:17: Und während des Finales, wenn dieser Zustand also erobert werden muss, Da klingt dieser deutsche Großvater-Tanz an.
00:15:28: Und es scheint fast so, dass Beethoven signalisieren möchte, wie man aus einem altvaterischen Tanz auch ein modernes, zukunftsträchtiges Lied machen kann, gerade zu einer Hymne auf die neue Zeit.
00:15:44: Utopisch, wie so vieles im Werk von Beethoven.
00:15:48: Der Großvater-Tanz klingt also an und zuletzt hört man ein Vergott-Solo, vielleicht ist das der Großvater sozusagen, der staunt über die Kraft, die da rings um seinem Tänzchen wieder zuwächst, die dieser Musik also offensichtlich inne wohnt.
00:16:09: Erneuerung, Zukunftsglaube, Zuversicht sprechen aus dem Stück.
00:17:04: Ein moderner Musiker, wie Robert Schumann hat, solche Zeichen natürlich verstanden.
00:17:11: Sein Herz schlug wie das Beethovens für den Freiheitsgedanken.
00:17:16: Er war ein typischer Vertreter seiner Künstlergeneration.
00:17:20: Drei Jahrzehnte nach dem Beethovenkonzert, und nach der von Beethoven wohl kaum gut geißenen Restauration der alten europäischen Regime, da klingt wiederum der Großvater Tanz an.
00:17:35: und zwar in dem Klavierzyklus Faschings Schwank aus Wien.
00:17:40: Bei Beethoven mündet er in eine Freiheitsvision bei Schumann, Frank und Frey in die Marseilles, die damals natürlich verboten war.
00:18:50: Womit wir bei Robert Schumann gelandet wären, einem Komponisten für den E.T.A.
00:18:57: Hoffmann zentral war, für die literarische Beschäftigung und als Inspirationsquelle.
00:19:05: Die politischen Dimensionen der Musik haben die Zeitgenossen von E.T.A.
00:19:09: Hoffmann natürlich nicht überhört, vor allem aber hat diese Zeitgenossen an Literatur wie auch an der Musik interessiert, wie sie sich selber finden konnten.
00:19:20: Ihre persönlichen Befindlichkeiten, ihren inneren Zwiespalt, von dem ja auch die Dichtungen E.T.A.
00:19:26: Hoffmanns erzählen.
00:19:28: Bei ihm?
00:19:29: geht es wie schon bei seinem Vorgänger Jean-Paul um die Doppelbödigkeit des Daseins, um die Dinge, die man zu verheimlichen hatte, um den Übergang von der Realität zum Irrealen zur Transzintenz.
00:19:45: Für Robert Schumann waren Jean-Paul Und etwa hoff man die wichtigsten Dichter deren Werke, die Inspirationsquellen und die literarischen Vorbilder für musikalische neue Formen, wie er sie gesucht hat, um sich selbst ausdrücken zu können.
00:20:01: Formen, in denen man sich selbst ganz subjektiv offenbaren konnte.
00:20:07: Musik, die Sprache ohne Worte, in der man sich selbst wiederfinden konnte und in der man geheime Liebesbriefe schreiben konnte und auch siehe die Marseillais, sonstige Heimlichkeiten pflegen konnte.
00:20:24: Bei E. T. R. Hoffmann hat der Komponist die Figur des Kapellmeisters Kreisler gefunden, einen Zerrissernen zwischen Wirklichkeit und Illusion hin und her gerissen.
00:20:35: Schumann hat sich darin wiedergespiegelt gefunden, er war ja auch gerade im Kampf um seine geliebte, klarer Weg, der ein Vater die Verbindung der beiden hintertreiben wollte.
00:20:46: Alle Klavierwerke Schumanns aus jenen Jahren handeln von der verbotenen Liebe.
00:20:52: Und wohl auch von der alldamaligen Künstlerneigenen Zerrissenheit.
00:20:58: Immer wieder wird geflüstert, werden verstohlen, Botschaften ausgetauschen.
00:21:03: Es brechen aber auch Emotionen hoch und werden gleich wieder zurückgehalten.
00:24:26: Das sind nun Klänge, die sozusagen direkt aus ETH Hoffmanns dichterischer Welt entspringen.
00:24:33: Sie bilden das akustische Äquivalent zu den sprachlichen Subtilitäten der vielschichtigen Kunst dieses Dichters, der mehr oder weniger verschlüsselt die abgründeter menschlichen Seele beschworen hat.
00:24:47: Die Worte, die poetischen Bilder dieses Dichters, sie haben die Klänge inspiriert auf Jahrzehnte hin.
00:24:56: Sie haben Stimmungen beschworen, die die Komponisten bei den Fortschrittlichsten ihrer Kollegen auch hören konnten.
00:25:07: So hat zum Beispiel Robert Schumann über Ektor Berlioz geschrieben, wir würden schreckliche Dinge erfahren, wenn wir bei allen Werken bis auf den Grund ihrer Entstehung sehen könnten.
00:25:20: Das heißt, wir wollen gar nicht so genau wissen, was Komponisten in sich erleben müssen, um diese Art von moderner Musik zu.
00:25:32: Komponieren, die Erfahrung der schrecklichen Dinge.
00:25:36: Das war wohl die Gemeinsamkeit der schöpferischen Geister dieser Era.
00:25:42: Edgar Hoffmann hat die vielleicht prägensten Schablonen für unzählige Variationen hintergründiger Figuren und Geschichten geschaffen.
00:25:53: Manchmal sind sie natürlich auch verharmlost worden.
00:25:57: Vom Nussknacker haben wir schon gehört, ein weiteres bis heute viel gespieltes Ballett basiert auf einer Geschichte von Hoffmann.
00:26:06: Coppelia von Leodilim.
00:26:10: Die Figur der lebendig gewordenen Puppe aus dem wissenschaftlichen Kabinett, aus dem Laboratorium des Uhrmachers und Konstrukteurs Coppelius, die kennen wir ja auch aus der Oper Hoffmanns Erzählungen von Offenbach.
00:26:26: Bei Delib hat man der Geschichte aber die hintergründig zynischen Komponenten des Geschehens, wenn nicht weggenommen, so zumindest entschärft.
00:26:39: Da verliebt sich ein junger Mann zwar auch in die künstliche Figur, aber den Walzer tanzt.
00:26:45: dann nicht diese Puppe, sondern ein Mädchen aus Fleisch und Blut.
00:26:50: Ende gut.
00:26:51: Alles gut.
00:29:17: Tanzende oder singende Puppe?
00:29:19: Die finden wir, wie gesagt, dann auch in der großen Oper von Jacques Offenbach, der gleich mehrere Geschichten und Erzählungen von Hoffmann verarbeitet und zwar auf ganz geniale Weise.
00:29:32: Ein Seelenspiegelkabinett voll doppelbödiger, unheimlicher, auch grausamer und tödlicher Visionen.
00:29:42: Das ist nun Musik, das ist auch ein Opern-Szenarium.
00:29:45: Die werden dem literarischen Kaledoskop dieses Dichtes, das ETH Hoffmann, wirklich gerecht.
00:29:52: Er selbst kommt ja da auf die Bühne.
00:29:55: Wir erleben ihn als Hoffmann in Lutters Weinstube in Berlin.
00:30:00: Nächst dem Opernhaus, wo gerade eine Aufführung jenes Werk stattfindet, das ETH Hoffmann tatsächlich für das vollkommenste aller Kunstwerke gehalten hat, nämlich Mozarts.
00:30:13: Don Giovanni, die geliebte des Dichters auch von anderen Zeitgenossen begehrt, sie singt in dieser Aufführung die Donna Anna und hofft man wartet auf sie in der Schenke, dabei unterhält er die Gäste und trinkt kräftig über den Durst.
00:30:29: Eine geniale große Szene ist dem Tenor da schon geschenkt in diesem Vorspiel, der Oper, eine Szene in der er aufregende Charakterisierungskunst mit Petoresca virtuose Erzählkunst vereinen kann.
00:30:47: Da ist einmal die Ballade vom Zwerg Kleinzaches, der am Hof von Eisenach sein Wesen treibt.
00:30:55: Und andererseits hoffen wir das Vision von seiner geliebten.
00:30:59: und mitten, während er seinen Freunden und Sofkumpanen die Ballade vom Kleinzach, wie es im Französischen heißt, vorträgt.
00:31:07: Da verliert er sich in der eigenen Fantasie und mit einem Mal besingt er die schönste aller Frauen.
00:31:13: Und immer geht das Publikum dem Doppelspiel, das auch Offenbach mit uns treibt, auf den Leim.
00:31:19: Es applaudiert zu früh, wie auch bei Placido Domingo bei den Salzburger Fest spielen seinerzeit.
00:31:25: Denn der Dichter muss ja erst geweckt werden, aus seinen Träumen, um die Ballade zu Ende zu singen.
00:36:55: Jacques Offenbach also hat... die Welt des Dichters E.T.A.
00:36:59: Hoffmann wirklich kongenial, musikalisch und musiktramatisch ein.
00:37:05: Das war... ...der Dichter war da bereits sechs Jahrzehnte tot.
00:37:11: Aber das Personal seiner sinistren Erzählungen, das war für die Leser des neunzehnten Jahrhunderts noch höchst lebendig und anregend.
00:37:21: Drei Jahre nach der Uraufführung von Offenbachs Opa hat der junge Kapellmeister Gustav Mahler in Leipzig seine erste Symphonie zu Skizzieren begonnen.
00:37:32: Und die wiederum basiert auf dem Roman Titan von Hoffmanns direkten Vorbild.
00:37:38: Jean-Paul.
00:37:40: Mahler zitiert in seiner Musik oder im Programm zu seiner Musik allerdings auch Szenen aus Erzählungen von E.T.A.
00:37:48: Hoffmann, vor allem im dritten Satz.
00:37:50: Der enthält eine hintergründige Trauermusik, einen Trauermarsch, der die ganze Atmosphäre von Hoffmanns Bilderwelten einfällt.
00:38:01: Traumwanderisch, abgründigst kuril, verzerrt wie im Rausch.
00:38:06: Mahler nennt eine mögliche Assoziation, die im tauglich schien zu illustrieren, was ihm davor geschwebt ist.
00:38:14: Es sind die Phantasiestücke in chaos manier.
00:38:18: Also eine Vorlage von E.T.A.
00:38:20: Hoffmann.
00:38:21: die selbst wiederum von karikaturhaften burlesken Zeichnungen des Rembrandt-Zeitgenossen Jacques Caillot inspiriert ist.
00:38:30: Maler hat diese Bilder angeblich noch gar nicht gekannt, als er seine Musik geschrieben hat, aber die Tierfiguren, die dem Begräbniszug eines Jägers folgen, die drängen sich wie böse Kernevalsmasken grell und ungeniert in die Musikmalers herein, in diesem Trauermarsch.
00:38:50: dessen Melodie wir alle kennen.
00:38:52: Es ist der Kanon vom Bruder Jakob.
00:42:12: Bis in die beginnende Moderne hinein, ja sogar ins frühe zwanzigste Jahrhundert hinein, wirken die Spukgeschichten von Eta Hoffmann.
00:42:21: Sogar Paul Hindemith, der an sich so sachliche, er bringt eine Figur dieses Dichters auf die Opernbühne.
00:42:29: Kardiak aus der Erzählung, das Freuland von Sküderi, den genialen Goldschmied, der seine Geschmäide, die er teuer verkauft hat, nachts als mörderischer Dieb von den Käufern wieder zurückrollt.
00:42:43: Auch indem er gerade wirklich in seiner sachlichen Phase damals fängt, trotz aller Distanziertheit seiner Musiksprache wirklich jenseits jeglicher romantische Erregung, die unheimliche, die metaphysische Stimmung von Hoffmanns Ideenwelt ein.
00:43:00: Sein Kardiak versucht sich im zweiten Finale der Oper zunächst einmal selbst zu beruhigen, zurückzunehmen, aber die destruktiven Energien, die sucht nach dem eigenen Kunstwerk, die sind stärker.
00:43:14: Und schon stürmt der Goldschmidt, verkleidet wieder davon, zu seinem nächsten Opfer.
00:46:41: Die trifische Disco.
00:46:42: Also, klar.
00:46:44: So wollen wir natürlich nicht schließen.
00:46:47: Wir wollen uns dem magischen Zauber und den Märchenwelten des Dichters Ernst Theodor Amadeus Hoffmann hingeben, die er weiß, Gott nicht nur negative, bösartige Kornotationen kennen.
00:47:01: Sie regnen uns ja auch zur Reise ins Innere unserer eigenen Fantasie an.
00:47:06: Und das kann ja auch manchmal Schönheit bedeuten, die Suche nach Schönheit.
00:47:13: Wer hätte das schöner besser in Töne gesetzt, als Piotr Ilych Tchaikovsky?
00:47:20: Also doch noch einmal der Nussknacker und wir entschweben mit Marie und ihrem Nussknackerprinzen in den Weihnachtsbaum.
00:49:42: Damit schließen wir unseren literarisch-musikalisch-politischen Musiksalon für heute.
00:49:49: Er war dem zweihundertfünfzigsten Geburtstag von Ernst Theodor Wilhelm genannt Amadeus Hoffmann gewidmet.
00:49:58: Danke fürs Zuhören.
00:50:12: Mit Wilhelm Zinkowicz.
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