Musiksalon. Ermanno Wolf Ferrari, der Komödiant, der zu spät kam.
Shownotes
Er war der erfolgreichste Komponist »komischer Opern«, als es keine mehr geben durfte. Das Publikum liebte "Die neugierigen Frauen" und "Die vier Grobiane", aber den Vordenkern der Moderne nach 1900 galt der halb deutsche, halb italienische Meister Ermanno Wolf Ferrari als rettungslos altmodisch. Seit es keine Wunschkonzerte mehr gibt, bekommt man auch die spritzigen venezianischen Intermezzi nicht mehr zu hören, mit denen Wolf Ferrari seiner Lieblingsstadt zauberhafte akustische Denkmäler gesetzt hat. Im Musiksalon staunen wir zum 150. Geburtstag dieses Außenseiters – jenseits aller stilistischen Fragen, wie viel melodiöse Musik und atemberaubende dramatische Szenen uns die Veranstaltern vorenthalten.
Über den Podcast: „Musiksalon“ "Presse"-Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz präsentiert seine Lieblingsaufnahmen und lädt uns ein, mit ihm in seiner Klassiksammlung zu wühlen und einzudringen in die Geheimnisse von Mozart, Bach, Beethoven und anderen. Ein Podcast für Kenner und Neulinge. Jeden zweiten Samstag auf der Webseite der "Presse" und überall, wo es Podcasts gibt.
Alternierend mit dem „Musiksalon“ erscheint der Podcast „Klassik für Taktlose“, in dem Katrin Nussmayr und Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik ergründen: für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.
Produktion: Wilhelm Sinkovicz/www.sinkothek.at Audio-Finish: Georg Gfrerer/www.audio-funnel.com. Redaktion/Konzeption: Anna Wallner Grafik: Adobe Stock
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00:00:03: Der Musiksalon mit Wilhelm Senkowicz.
00:00:21: Herzlich willkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren, im Musiksalon, der heute dem Schaffen eines halb vergessenen Meisters der Richard Strauss Zeit gewidmet ist, Hermano Wolf Ferrari.
00:00:36: Zur Unzeit scheint es hat er zumindest in den Augen der Musikgeschichtsschreibung zur Freude des Open Publicums.
00:00:46: Musikerische Komödien, noch dazu im venezianischen Ambiente des Carlo Galdoni komponiert.
00:04:04: Ein hochbegabter Künstler, Maler, der hervorragende Kopin alter Meister anfertigen konnte.
00:04:13: Die Mutter aus Norditalien, hochmusikalisch, Musik wäre auch die Passion des Herrn Papa gewesen, aber die Familie hatte nicht Platz und konnte sich es auch nicht leisten für ein Klavier.
00:04:27: Also wurde es die andere der schönen Künste.
00:04:31: Interessanterweise hätte auch Ermanowolf Ferrari zunächst einmal Kunst studieren sollen.
00:04:37: Hatte es auch studiert, war ein ungeherer begabter Zeichner.
00:04:41: Aber es zog ihn zur Musik.
00:04:43: Die Grundbegriffe der Harmonielehre und des Kontrapunkts hat er sich selbst beigebracht.
00:04:48: Er war immer frech genug zu meinen Erkönnen.
00:04:51: Fast alles, selbst erledigen und also dann die Aufnahmsprüfung auf die Musikakademie beim strengen Josef Reinberger geschafft hatte.
00:05:00: Da konnte er gleich die ersten Klassen überspringen und war sofort Kompositionsstudent.
00:05:07: Schon ganz am Beginn seiner Studienzeit hat wohl Ferrari Als aufmüpfiger Student, der er war, eine Serenade komponiert.
00:05:16: Inmitten ein liedhaftes Andante, das schon den Vokalkomponisten verrät und die melodische Begabung dieses jungen Mannes.
00:05:27: Mittendrin gibt es ein paar dramatisch aufbegehrende Momente.
00:05:32: Da blenden wir uns jetzt ein und merken, wie raffiniert Wolf Ferrari nach spannenden, fast irritierenden, jähen Wechsel zwischen Tour und Mall zurückwechselt in seine Anfangsmelodie, die er ganz zart umspielt.
00:08:28: Bleiben wir noch ein wenig beim Instrumentalkomponisten R. Manowolf Ferrari.
00:08:35: Seine Kunst der geschmeidigen melodischen Entwicklung, auch oft aus unterschiedlichsten Versatzstücken zusammengesetzt, lässt sich an einem anderen Frühwerk, dem Kraviertrio Opus V, wunderbar studieren.
00:08:51: Schönste Melodie in der Themenaufstellung des ersten Satzes Sie wächst aus tänzerischen, scheinbar leichtfertigen Rhythmen heraus.
00:12:20: Das ist doch schon ein bisschen wie eine Opernszene in kammermusikalischem Gewand.
00:12:27: Verschiedene Figuren, verschiedene unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich dann doch irgendwie zu einem größeren Gesang vereinen oder die einem von innen zuhören, wie der gerade eine kleine Aria singt.
00:12:43: Jedenfalls entpuppt sich das dramatische, das dramaturgische Talent dieses Komponisten, Hermann Wolf-Ferrari, auch in der Kammermusik.
00:12:54: Und da wagt er zum Teil auch schon als junger Meister theatralische Überrumpelungseffekte.
00:13:03: Hören wir den Beginn des zweiten Graviertrios.
00:13:07: Das beginnt ganz zart mit einer Klavier-Einleitung, die ziemlich verträumt ist und wo man eine ganz andere Weiterführung erwartet als die, die dann kommt.
00:13:23: Eine ganz wilde, ungestöme, tragische Wendung tritt da plötzlich ein durch den Eintritt der anderen Instrumente und es dauert erst, bis die Musik tritt.
00:13:36: fast.
00:15:52: Mehr als sieben Minuten nimmt der ganze Ablauf dieser Entwicklung Raum in einem Kammermusikstück, dessen erster Satz insgesamt fast zwanzig Minuten dauert.
00:16:08: Also symphonische Ausmaße, wenn man so will, oder eben eine Opernszene, eine dramatische Entwicklung, halt nur von drei Instrumenten erzählt.
00:16:21: Eine Szene die im Sonnenlicht beginnt wie eine nette Serenadenmusik und die dann gleich übergeht in hochromantische Silmbespiegelung.
00:16:34: Wie gesagt, Vulferi war zuallererst einmal Musikdramatiker.
00:16:42: Und mit dem Komponieren von Kammermusik war es nach einem Streichquintett und zwei Violinsonaten dann auch bald vorbei.
00:16:51: Die ehrgeizige erste Oper, hieß Iris, hatte aber interessanterweise keine Chance dafür, ein Titel, den schon Rossini das große Vorbild gewählt hat, das Aschenbrödel, das wurde... Ein Riesen-Erfolg.
00:17:11: Noch nicht bei der eigentlichen Uraufführung in italienischer Sprache, in Venedig, aber dann in München.
00:17:18: Es war immer so, dass der halb-deutsche halb-italienische Wolf Ferrari zunächst einmal in Deutschland Riesen-Erfolge feiern konnte.
00:17:28: Und die Generintola, als Aschenbrödel, die hat seinen Rom als Opern-Komponist wirklich begründet.
00:17:36: Das hat sich sofort ein Verleger gefunden.
00:17:39: Verleger Weinberger hat die ersten Opern über die Jahre hin.
00:17:44: verlegt.
00:17:45: Und es war eigentlich von diesem Moment an klar, dass Wolf Ferrari ein Meister der musikalischen Komödie gewesen ist.
00:17:54: Wobei Rossini, das eine große Vorbild dessen Barbier von Sevilla, der schon als zwölfjähriger Lieben gelernt hatte, im Inneren der musikalischen Seele des Komponisten bekämpft wurde, von dem anderen großen Vorbild.
00:18:09: Natürlich, wie könnte es anders sein?
00:18:11: Richard Wagner.
00:18:13: Auch ein teenager Erlebnis, ganz jung schon, ist danach bei Reut gekommen und hat den Tristan erlebt, von dem er zunächst überhaupt nichts verstanden hat, aber dessen Musik ihm durch Marc und Bein gegangen ist und ihn auch entscheidend geprägt hat.
00:18:33: Sein Herz.
00:18:34: hat immer für die Stadt Venedig geschlagen und es waren die venezianischen Komödien des Carlo Goldoni, die seine wichtigsten Opernvorlagen zumindest in den ersten Jahren gewesen sind.
00:18:49: Der sechsundzwanzigjährige ist denn auch in Venedig zum Direktor des Konservatoriums auf Lebenszeit ernannt worden.
00:18:58: Also mit der Lebenszeit war es dann nicht weit her, denn es gab den Ersten Weltkrieg.
00:19:05: Die entscheidende Zäsur, nicht nur aber auch im Leben von Ermanowolf Ferrari.
00:19:11: Wie gesagt, halb Deutscher, halb Italiener musste er erleben, dass seine beiden Nationen sich feindlich gegenübergestanden sind.
00:19:21: Er musste sich also zumindest zeitwellig entscheiden.
00:19:25: Aber da war es bei den ersten Opern erfolgen noch eine Zeit bis dahin.
00:19:31: In den letzten Jahren kamen die neugierigen Frauenledonne Kuriosi heraus wiederum in München.
00:19:40: Erst in den letzten Jahren, dann zum ersten Mal auf Italienisch, und zwar nicht in Italien, sondern in New York an der Metropolitanobera.
00:19:48: erst in den letzten Jahren, aber dann auch mit Riesenerfolg in Mailand.
00:19:52: In den letzten Jahren kamen die vier Grobianne.
00:19:56: Natürlich auch auf Deutsch.
00:19:57: Zuerst einmal unter ans Knappatzbusch, uraufgeführt, im venezianischen Dialekt komponiert ursprünglich nach Goldonis Quattro Rusteghi.
00:20:08: Wenn man es genau nimmt, dann war es Ermano Wolferari, der lange vor Rosenkavalier und Readne von Richard Strauss eine Gegenwelt zum gewichtigen Musikdrama in der Wagnernachfolge entworfen hat.
00:20:24: Was dazu geführt hat, dass ihn die Wortführer der damals ja bereits aufkeimenden musikalischen Avantgarde als schrecklich reaktionären Komponisten gebrannt magten.
00:20:38: Das war aber ziemlich egal, denn beim Publikum oder bei den Intendanten war Wolf Ferrari zumindest in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg und dann auch noch in der Zwischenkriegszeit höchst erfolgreich.
00:20:51: Die symphonischen Zwischenspiele seiner Opern, mehrheitlich abgeleitet von Arian und Ensembles, waren bald auch sozusagen Wunschkonzertnummern und in den Ensembles setzen.
00:21:04: Da hat sich Wolf Ferrari wirklich entpuppt, als gelehriger Schüler nicht nur Rosinis, sondern natürlich auch des großen Giuseppe Verdi, den er übrigens als Jugendlicher noch kennenlernen durfte.
00:21:17: hören wir, wie wunderbar er die einzelnen Charaktere gegeneinander absetzt, auch wenn sie gleichzeitig singen.
00:21:26: Das hat schon sehr viel mit den feinsinnigen Ensembles in Verdes Letzter Ober, falls darf zu tun.
00:21:48: Ein Ausschnitt aus dem ersten Akt der vier grobiane Quattro Rusteghi.
00:25:52: Ein Stück, das auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch in Italien und Deutschland auf den Bühnen immer wieder zu erleben war und anderem auch an der Volksoppa Wien jeweils in der Landesprache, also in Mutter- oder Vatersprache von Wolf Ferrari, der ja immer beide Versionen selbst hergestellt hat.
00:26:21: Die Bufoopern, die komischen Opern, haben seinen Raum begründet, aber er hat sich auch und für die Zeitgenossentönte dann das eigentlich sehr... aktuell, weil etwa auch an Puccini orientiert oder an Mascani und Leon Camallo im veristischen Stil versucht.
00:26:45: Er hat tragische Opern komponiert.
00:26:49: Eine Musik, die besellt ist von einem Semiseriergeist, also halbtragisch.
00:26:55: Halbkromisch.
00:26:56: immer spielt das Volksleben eine Rolle und auch das Amüsante Treiben.
00:27:03: dass sich von den tragischen Szenen dann absetzt.
00:27:07: Vom eben gehörten Neoklassizismus, der eigentlich bei Volferraria eine Art Neorokoko wäre, hat der Komponist also zu einem Flirt mit dem Verismo gefunden.
00:27:21: Im Rosenkavalier Jahr, auf dem Jahr und Jahr neunzehntelf, kam in Berlin der Schmuck der Madonna heraus.
00:27:29: Diesmal taucht wohl Ferrari ein ins neapolitanische Volksleben mit seinen Verstrickungen in die Machenschaften der Mafia.
00:27:40: Da gibt sich ein Mädchen deshalb in Extase ihrem Stiefbruder hin, weil er ihr die Juwelen der Madonna zu Füßen legt, die er aus der Kirche geraubt hat.
00:27:52: Die Tragödie endet in.
00:27:55: doppelten Suizid.
00:27:57: Die Musik balanciert zwischen den tösteren Begebenheiten und der pitoesken Schilderung des ausgelassenen Lebens in der Stadt.
00:28:06: Da werden dann natürlich auch wieder Kanzonen gesungen, deren Melodien sich wiederum zwischen den Akten in den Zwischenspielen, in den Intermetsi wiederfinden.
00:31:52: Für seine musikdramatischen Kompositionen ist Wolf Ferrari zugute gekommen, dass er wie gesagt ein hervorragender Zeichner gewesen ist.
00:32:03: Das galt auch musikalisch.
00:32:05: Er konnte mit wenigen Federstrichen, mit wenigen musikalischen Linien eine Situation knapp klar prägnant umschreiben.
00:32:14: Auch dann, wenn es um ganz ernsthafte Dinge gegangen ist, und auch dann, wenn es nicht um eine Bühnenkomposition ging.
00:32:23: Das wichtigste Chorwerk von Wolferare entstand nahezu gleichzeitig mit der ersten Erfolgsoper, Jenarentola Aschenbrödel, war Ninetehundertzwei vollendet und galt einer Vertonung von Texten von Dante.
00:32:42: La Vitanuova enthält einige der bemerkenswertesten Passagen.
00:32:48: die Volferrarie komponiert hat.
00:32:51: Und wie gesagt, knapp klar skizziert zum Beispiel den Tod der Beatrice.
00:32:58: Schlichter, gleichzeitig eindrucksvoller geht es eigentlich nicht.
00:33:02: Die Streicher markieren mit choralartigen Akkordketten, die sich langsam steigen und bedrohlich anwachsen.
00:33:12: Den Hintergrund der Szene und da hören wir nichts als ein Violinsolo, wahrscheinlich Symbol des Todesengels, der Beatrizche entgegentritt und sie in eine andere Welt entführen möchte.
00:36:07: Nach kurzem Aufbegehren fügt sich Beatrizche in ihr Schicksal und es erklingt ein Chor, der scheinbar paradox große innere Erregung bei äußerlicher Ruhe vermittelt.
00:36:23: Erfüllt, gesteigert.
00:36:26: Das ist sozusagen ein inneres Musikdrama.
00:40:07: Dieses wunderbare Chorwerk, La Vita Nuova, hat lange Zeit keine Beachtung gefunden.
00:40:16: Das lag vermutlich daran, dass Wolf Ferrari in der Kunstbetrachtung schon seinerzeit und erst recht in der Zeit nach Nr.
00:40:31: Nur, muss man bedenken, das ist Musik des Jahres twohundert zwei.
00:40:35: Maler hat damals gerade an seiner fünften Symphonie gearbeitet und das Adagetto, das berühmte Adagetto, das durchaus mit dem Verwandt ist, was wir jetzt gerade gehört haben, das war noch gar nicht komponiert.
00:40:50: Der Krieg hat die Verwerfungen der Kunst ästhetik dann noch drastischer werden lassen.
00:40:57: Anders als Richard Strauss hat Wolf Ferrari in der Anschauung des Publikums und der Intendanten die Überfuhr dann nicht wirklich geschafft, um gegen die Angriffe der Vordenker der Avant-Garde gewappnet zu sein.
00:41:13: Andererseits muss man sagen, Igor Stravinsky hat nach seinen revolutionären Stücken wie Petruszka und Le Sacré-Dupré-Naut zu Pulsinella gefunden.
00:41:24: zur Komediandelarte des Barock.
00:41:28: Arnold Schönberg hat experimentiert mit der komischen Oper, allerdings mit seiner zwölftonnen Methode da eigentlich unteraugliche Mittel angewandt, weshalb die Versuche eigentlich auch unbeachtet geblieben sind.
00:41:45: Ermanowolf Ferrari hat die Mittel der musikalischen Komödie beherrscht und er fragt nun nach dem Fortschritt der seit Schönberg und seiner Schule ja immer eingefordert wird, in einem seiner wunderbaren Kugenerphorismen.
00:42:03: Die Inkarnation der Schönheit, die einzelnen schönen Werke der Tonkunst, sind zahllos.
00:42:10: Die Schönheit selbst ist eine und lebt ganz in jeder einzelnen Inkarnation.
00:42:17: Man kann nicht den Parsifal und den Barbier summieren.
00:42:22: Nichts fehlt dem Barbier, weil er nicht der Passivall ist oder umgekehrt.
00:42:28: Es kann ein schöneres niemals geben.
00:42:31: Schön ist selbst schon ein Superlativ.
00:42:35: Somit hat in der Kunst, wenn diese Schönheit ist, der Begriff Fortschritt keinen wesentlichen Sinn.
00:42:43: Wenn es so wäre, so würde man das Schöne entweder nie oder nur am Ende der Welt erreichen.
00:42:52: Wie schon gesagt, für Ermano Wolf Ferrari hat der erste Weltkrieg eine tiefe Zäsur bedeutet und ihn schon in eine tiefe Krise gestürzt, nach der er eine Zeit lang so gut wie gar nicht mehr komponiert hat.
00:43:07: Und das, was in der Zwischenkriegszeit entstanden ist, das hat in der rückblickenden Anschauung eigentlich so etwas wie Nachzüglercharakter.
00:43:18: Die neugierigen Frauen und die vier Grobiane, die blieben im Repertoire, wie gesagt, auch nach der Zeit, die Novitäten wurden dann kaum beachtet.
00:43:30: Das hat wohl Ferrari nun wiederum eigentlich mit Richard Strauss gemeint, dessen erfolgreichste Opern ja auch bis zu den Erfolgen des Jahrhunderts.
00:43:43: In der jüngeren Vergangenheit ist zumindest eine der ernsten Opern von Volferari Slai, uraufgeführt in Maylaut-Ninzehn-Siebenundzwanzig, hin und wieder doch auf den Spielplänen erschienen.
00:43:57: Und zwar deshalb, weil der Titelheld eine Tenor-Partie zu singen hat, die nicht sehr, sehr hoch liegt, daher auch für Tenore im Endstadium ihrer Karriere gut singbar ist und tatsächlich eine dankbare Rolle darstellt.
00:44:16: Jose Carreras hat sie gesungen, Platy do Domingo hat sie gesungen.
00:44:22: Und wir hören zum Beispiel im ersten Akt das Bärenlied, das Sleida eine Art Mischung aus Francois Vuillon und E.T.
00:44:33: Hoffmann ist.
00:44:35: im betrunkenen Zustand sinkt.
00:44:38: Der etwas verwahrlose Poet wird daraufhin von einer adeligen Gesellschaft zum Spielball einer bösen Inszenierung.
00:44:47: Man gaukelt ihm vor, er hätte nur geträumt und sei in Wahrheit der Ehemann einer adeligen Dame, die sich dann zu einem Überfluss wirklich in Sly verliebt.
00:45:00: Aber die Dinge nehmen eine bittere Wendung.
00:45:04: Denn im Gefängnis wieder erwacht in der Realität öffnet Sly sich die Pulsadern und also erfährt, dass seine Geliebte ihn doch verehrt, liegt er schon in seinem Todeskampf.
00:45:22: Alle diese Szenen hat wohl Ferrari effektvoll komponiert und in wirklich ausdruckstärkeopern Szenen verwandelt.
00:45:32: Hören wir mal.
00:45:33: dieses Bärenlied aus dem ersten Akt in der Interpretation durch Placido Lomingo in New York.
00:50:01: Den weniger beachteten, späteren Werken Wolf Ferraris war vor allem die Märchenoper, das Himmelskleid, sein Lieblingsstück.
00:50:12: Da geht es um eine tiefsinnige Erzählung, deren Hintergrund darstellt die Tatsache, dass im Symbolgehalt des Märchens, wie alle in einem Himmelskleid geboren werden.
00:50:28: Nur verwirken wir dann unsere Chance durch Ehrgeiz, Unredlichkeit durch Machtstreben.
00:50:37: Die Prinzessin, die dieses Himmelskleid ursprünglich auch trägt, die verliert aufgrund ihrer Hybris am Ende des ersten Akts des Spiels ihre ganze Macht und wird in eine Esels Haut gehüllt, davon gejagt.
00:50:55: Starke Bilder, wiederum auch akustisch von einem Opernmeister, der nicht nur die Solo stimmen, sondern auch den Chor Virtuos zu führen verstand.
00:54:15: Sein Leben hat Ermanowol Ferrari jeweils halb in München, halb in Venedig zugebracht, nur in der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs.
00:54:28: hat er befreundet, in der Schweiz Herberge gesucht und gefunden.
00:54:33: An Opern gab es dann noch eine schalkhafte Witwe und ein dummes Mädchen, das sich aber nur dumm stellt und am Schluss als ziemlich klug herauskommt.
00:54:43: Wie Richard Strauss hat auch er in späten Jahren Zuflucht zur Instrumentalmusik gesucht und dort eine Art Arkadien.
00:54:56: Tönen der Natur aufgebaut.
00:54:59: Wie am Anfang seiner Karriere hat er auch spät noch Kammermusik geschrieben, feinsinnig, eher an Mozart als an den später Romantikern orientiert.
00:55:11: Und eine Hommage an seine Lieblingsstadt Venedig hat er noch in Openform zu Papier gebracht.
00:55:21: Das war Il Campiello, wiederum nach Galdoni, Und diesmal auch eigentlich ganz kammermusikalisch die Schilderung der Begebenheiten auf einem kleinen Plätzchen mitten in der Lagonenstadt.
00:55:37: Da werden menschliche Schicksale, aber natürlich in komediantischer Verbremung, Realität.
00:55:45: Am Ende seines Lebens ist der Komponist dann noch nach Venedig zurückgeklärt und man könnte was er auf die Politik und die Zeit nach nineteen-fünfundvierzig und dem Zusammenbruch gemünzt hat, eigentlich auch als Fazit seiner künstlerischen Überzeugungen betrachten.
00:56:09: In dem Aphorismus heißt es, hoffen wir, dass das heutige Chaos innerhalb der riesigen Welt-Symphonie eine Dissonanz sei, die sich einmal lösen wird.
00:56:22: Ein Konzert für Götter, nicht für uns, deren Leben so kurz wert, dass vielleicht erst unsere Enkel jene Auflösung erleben werden.
00:56:34: Mitten in der Arbeit an einer Tondichtung über die Kirchen seiner Stadt, Venedig, ist Wolf Ferrari dann doch unerwartet plötzlich gestorben.
00:56:46: Am einundzwanzigsten Jänner, nineteen achtundvierzig.
00:56:50: Wenige Tage nach seinem zehntunsebzigsten Geburtstag.
00:56:55: Am dreißigsten Jänner ist er auf der Insel, sein Michael begraben worden.
00:57:00: Und am Haus in der Via Samuele, in dem er gestorben ist, nahe dem Kanal Grande, da prankt jetzt eine Tafel, auf der geschrieben steht.
00:57:14: Als Müderpilger zurückgekehrt in sein Venedig, der Muße seiner Musik, ging er aus diesem Haus in die Ewigkeit.
00:57:25: Der Campiello, war schon, neunzehn, fünfunddreißig entstanden.
00:57:31: Der ist schon durchflutet von melancholisch- resignativer Schönheit, aber jedenfalls von Schönheit.
00:57:41: Womit wir mit dem Ritornello aus dieser Oper den Schlusspunkt setzen wollen.
01:00:05: Mit dem Ritornello aus der Oper Il Campiello, das Plätzchen von Ermanowol Ferrari, ist unsere kleine Hommage an diesen Komponisten zu Ende gegangen.
01:00:17: Danke fürs Zuhören.
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